Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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hi. 38 Dr. Blochs Wochenschrift veile 691 diesem Vezirksteil an den verkehrsreicheren Stellen christliche Konkurrenten an den Hals gehetzt, während ihnen selbst der übrige Teil von Krakau außerhalb Kazimierz nach wie vor unzugänglich bleibt. In dieser Bedrängnis nun beschloß die jüdische Fiakergenossenschast von Krakau bei den kompetenten Faktoren entsprechende Schritte zu unternehmen. In dieser Aktion, durch welche bisher allerdings gar kein Erfolg erzielt wurde, werden die jüdischen Fiaker von dem Vizepräsidenten der Krakauer Kultusgemeinde> Dr. Rafael Landau und dem Reichsratsabgeordneten Dr. Adolf Groß aufs tatkräftigste unterstützt. Ein humoristischer Postmeister. In Kreisen der jüdischen Journalisten, die zum elften Kongreß gekommen waren, wurde die folgende Anekdote kolportiert: Im Gebäude des Kongreßbureaus war ein eigenes Postamt etabliert und trug einen eigenen Stempel. Die Kongreßleitung wandte sich nun an die Postdirektion mit der Anfrage, ob es nicht möglich wäre, den Poststempel „Elfter zionistischer Kongreß" hebräisch machen zu lassen. Der betreffende Postmeister, mit dem in dieser Frage unterhandelt werden mußte, war ein Jude und scheint in den Streit der „Hebraisten" und „Jiddishisten" im zionistischen Lager eingeweiht zu sein, denn er antwortete dem Vertreter der Kongreßleitung lächelnd: „Sie wünschen von mir, daß ich mich Mit den „Jiddishisten" zerschlage? Da Sie untereinander keinen Frieden Hallen wollen, so werde ich wenigstens in dieser Frage nicht noch den Streit verschärfen. Um also keine der beiden Parteien zu verletzen, bleibt es beim deutschen Poststempel." Die Hebräisten zogen traurig ab und die Jiddishisten verzeichnen „einen großen Sieg". Weratxr. Eine hebräische Enzyklopädie. Unter Redaktion des bekannten Orientalisten I. Markon, St. Petersburg, beginnt demnächst eine großangelegte Enzyklopädie des Judentums in hebräischer Sprache (Enayklopädia Ibrit, Ozar Hajahdut) zu erscheinen, welche das gesamte Gebiet der jüdischen 'Wissenschaft, Bibelkunde, Talmud, jüdische Geschichte und Literatur, jüdisches Volksleben und jüdische Kulturgeschichte von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart umfassen soll und sicher eine empfindliche Lücke in der hebräischen wissenschaftlichen Literatur ausfüllen wird. Die hervorragendsten Gelehrten auf allen Gebieten der Wissenschaft des Judentums haben ihre Mitwirkung dem großen Unternehmen zugesagt, jeder auf seinem Spezialgebiet. Aus der Fülle der ca. 200 Mitarbeiter seien hier nur wenige genannt, die auch in der Redaktion der Enzyklopädie als Fachredakteure sich beteiligen. Biblische Literatur und Massora — Prof. Blau (Budapest), Mischnah — Dozent Dr. Bauet (Berlin), Agadah — Prof. Dr. Bacher (Budapest), hebräische Philologie — Prof. Dr. Barth (Berlin), Karäer — Dr. Poznansky (Warschau), jüdisch-arabische Literatur — Prof. Goldzielier (Budapest), Ethik — Prof. Hermann Cohen (Berlin) und Dr. Guttmann (Breslau), Theologie — Prof. Koller (Cincinnati). Besonderes Gewicht wird gelegt auf Geschichte und Geographie Palästinas — Prof. Kraus (Wien) und die moderne hebräische Literatur — Solokow (Berlin) und der Dichter Saul Tschernicliowsky (Petersburg). Auch namhafte nichtjüdische Gelehrte werden Sich an der Enzyklopädie beteiligen, darunter Prof. Bröckelmann (Halle), Prof. Budde (Marburg), Prof. König (Bonn), Prof. Sachau (Berlin) u. a. m. Der Redaktion zur Seite wird ein wissenschaftlicher Beirat stehen, ihm gehören u. a. an: Prof. Berliner (Berlin), Abraham Epstein (Wien), Oberrabbiner Dir. Güdemann (Wien), Prof. Goldzieher (Budapest), Dr. Harkavy (Petersburg), Prof. Dr. Simonsen (Kopenhagen). Der erste Band der hebräischen Enzyklopädie soll schon im Frühjahre 1914 erscheinen. Neben der Petersburger Redaktion ist für Westeuropa ein Sekretariat in Berlin eröffnet worden. Adresse: Berlin W.* Rosenheimerstraße 5, U, Dr. M. Sackheim.) Fenilles äu Vent. Novellen von Paul von Hohenau, in’s Französische übersetzt von Willy. Paris 1913. Gustav Fischer 6, Rue de Savoie. Die Notwendigkeit einer Annäherung zwischen Frankreich und Oesterreich wurde in jüngsten Tagen anläßlich des Statistischen Kongresses von hervorragenden französischen Staatsmännern in Wiener Blättern betont. Aber ein wirksameres Mittel hierzu als die Annäherung und Durchdringung der Literaturen beider Völker wird kaum gefunden werden und auch diese ist nicht nur ein ideales, auch ein wirtschaftliches Moment. Bestands »Aiglon« hat mehr zur Hebung des französischen Fremdenverkehrs nach Wien beigetragen, als die Arbeit eines Verbandes, und täglich kann man in Schönbrunn Franzosen treffen, die den Schauplatz des Stückes aufsuchen. So muß auch die meisterhafte Uebersetzung der bekannten französischen Romaneiöre Willy begrüßt werden, die das wienerische Lachet der »Blätter im Winde« mit französischen Parfüm durchsetzt hat. Wien, Franzensbad und Preßburg, Wiener Art und Sitte wird durch diese Novellen nun in Frankreic h abermals geschildert und das Vorwort der Uebersetzerin, welche den Zauber Wiener Art so schön als eine Vermählung von Scherz und Ernst, von Beethoven und Strauß bezeichnet, wird unserer Stadt neue Freunde werben. So hat der Präsident der Association Frangaise-Autrichienne nun auch als Novellist dazu beigetragen, dem französischen High-Life dns Wiener Leben lieb und vertraut zu machen. C. Benedikt. Die Memoiren des Ascher Levy aus Keichshofen im Elsaß (1598—1635). Herausgegeben von Dr. M. Ginsburger. Berlin 1913, L. Lamm. Mk. 3.50. Ein glücklicher Zufall spielte dem bekannten Historiker Elie Scheid bei einem der Althändler auf den Quais von Paris das Manuskript in die Hand, das hier zum erstenmale das Licht der Welt erblickt und durch die Fülle seiner historischen Daten das Interesse jedes Geschichtsforschers zu fesseln geeignet ist. Für unsere Leser sei besonders auf die Stellen hingewiesen, die Wien, Prag, Austerlitz, und andere Gemeinden Oesterreichs behandeln. L. Die Wunder der Natur. Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57, Lief. 32—'37, ä 72 Heller. Dieses glänzende Prachtwerk, unter dessen Mitarbeitern wir Namen wie Donath, Loeb, Neuburger, Porgesj, Zuntz begegnen, ist nun bis zur Mitte fortgeschritten. Unter den durchwegs interessanten Aufsätzen der vorliegenden Hefte heben wir mit Rücksicht auf den Verfasser besonders Marcuses Abhandlung über Sonnen- und Mondfinsternisse hervor. M. Oberkantor A. Goldenberg’s pnr. Die synagogale Musikliteratur hat entschieden durch das soeben erschienene Heft „Hachasan“, enthaltend das jep zt (32 Seiten Großoktav) eine erfreuliche Bereicherung erfahren und deutet das erste Heft dahin, daß der Oberkantor Golüenberg in Lundenb' rg mit dem Zielbewußtsein des Musikpädagog n an sehe Aufgabe schritt. Mit gründlicher Vertiefung hatte der Autor in dem vorliegenden Heft die »Pismonim« gefaßt, sich nicht auf den üblichen ersten Satz beschränkt, sondern auch diesen klugerweise andere Variationen angefügt. So bildet der „Ribono Schel Olom“ an sich ein kleines Kunstwerk, worin sich die moderne Weise mit der der Tradition harmonisch vereint. In der Fülle der Modulationen tritt überall die Tradition dominierend hervor, und so bildet das Heft einen gern begrüßten Führer für Kantoren, besonders für die Anfänger dieses Berufes. Den Autor leitet bei seinen in diesem: Hefte sichtbaren Bestrebungen der Gedanke, dem jüdischen Gottesdienst Weihe, Ernst und erhöhte Andacht zu verleihen, und diese seine Absicht wird von Kennern und Berufskollegen freudig anerkannt werden. Wenn nun die Absicht des Autors sich verwirklicht, die religiöse Stimmung zu fördern, so muß sein Streben als eine Errungenschalt bezeichneö werden. Schon im ersten Hefte äußert sich die sichere Gewähr, daß Goldenbergs Kompositionen in allen Kreisen die verdiente Würdigung finden werden. Prof. N. Schumacher II. V., Liebe und Leben der Lady Hamilton. Rieh. Bong. M. 4.—, geb. M. 5.—. Mit diesem Buche ist der Beweis geliefert, daß der in letzter Zeit stark in Mißkredit geratene historische Roman noch immer eine mächtige Wirkung auszuüben vermag, Ivenn er in der rechten Werkstätte entsteht. Ein Meer von Schönheit und anziehendsten Reizes ging von der Heldin dieser Erzählung aus, und der Hand des Verfassers ist es meisterhaft geglückt, diese ganze Fülle spannender Kräfte im Brennpunkt seiner Kunst zu sammeln und auf uns wirken zu lassen. Die ernste, immer dringender auch an die Pforte unserer jüdischen Kultur pochende Frauenfrage muß alle die Möglichkeiten in den Kreis der Erwägung ziehen, die in diesem phänomenalen Frauenschicksal ihre Verwirklichung gefunden haben. Die Fortsetzung und den tragischen Schluß der in diesem Buche angesponnenen Entwicklung bietet die von demselben Verfasser im gleichen Verlage erschienene Darstellung unter dem Titel „Lord Nelsons letzte Lieb e“. Noch mehr als im ersten Teil treten hier die, besonders für uns Juden so bedeutungsvollen, weltumwälzenden Geschehnisse in den Vordergrund, die den Namen Napoleons in den Lichtkreis der Unsterblichkeit erhoben haben. Ein feiner Geist hat hier zuverlässiges!, in Bild und Urschrift veranschaulichtes historisches Material lückenlos zu einem Bilde von sieghafter Leuchtkraft verwoben.