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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 690 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 38 befindlichen Schätze zu detaillieren, so mutz ich mich begnügen, nur die Hauptsachen zu nennen, um ein möglichst übersichtliches Bild zu schaffen. In den mit unsichtbaren elektrischen Birnen beleuchteten Vitrinen sieht man zwölf Teller in Grisaille- Email de Limoges, einen Essig- und Oelbehälter aus ..Pate tendiv", sogenanntes Medici-Porzellan aus dem sechzehnten Jahrhundert, eine der größten Seltenheiten und Kostbarkeiten, es sollen von demselben heute nur mehr dreißig Stück eristieren. Eine Sammlung der herrlichsten Schmuckstücke, Halsgehänge und Medaillen, ist einzig in ihrer Art und von unermeßlichem Werte, darunter zwei Medaillen aus Gold aus den Jahren 1578 und 1588 mit den Wappen Steiermarks, Kärntens, Tirol und Görz mit einer Widmung an den Grafen Vetter von der Lilie, Halsgehänge in Gold mü den Bildnissen des Kurfürsten Ferdinand von Köln, der Kurfürstin Sophie von Sachsen, des Pfalzgrafen Wilhelm vom Rhein, des Fürsten Ludwig von Anhalt, der Königin Anna von Ungarn, Kaiser Karl V. usw. Zwei Vitrinen zeigen die wundervollsten Elfenbeinschnitzereien. Unter den Majoliken ist eine blaue Vase mit dem Wappen der Medici, eine Schüssel von Tanto Avelli, eine runde Schale mit Deckel und llntersatz (ecmpe d’accoucliee) mit Darstellungen, welche auf die Pflege der Neugeborenen Bezug hat, ein großes ovales Becken von Oratio Fontana aus dem Besitze des Fürsten Barberini in Rom. Unter den Bronzen sind eine reichvergoldete Karyatide, weibliche Figur den „Frühling" darstellend, von Jamnitzer in Nürnberg, dieselbe wurde von Kaiser Marimilian II. für den berühmten silbernen Brunnen in der Burg zu Prag bestellt,' ein paar große Feuerhunde mit dem Wappen Malvezzi-Campeggi in Bologna, unter den Waffen ein Degen mit reich vergoldetem Griff, welcher Wallenstein gehört hat, aus dem Besitze des verstorbenen Grafen Georg Waldstein in Dur, ein Gewehr mit dem Wappen der Kurfürsten von Sachsen besonders hervorzuheben, sowie die reiche Sammlung von goldenen und silbernen Trinkgefäßen und von goldenen mit Edelsteinen besetzten Gnadenketten. Sehr schön ist eine reich mit Elfenbein eingelegte Kassette mit dem Wappen der Fürsten Khevenhüller-Metsch. Rechts von der Stiege kommt man in den Haager Saal, der für kleine Bälle benützt worden ist und so genannt wird, weil seine reiche weiß-goldene Boiserie aus dem Haag stammt — ein Gobelin und Panneaur aus Velours de Gene, grünrote Ornamente auf weißem Grund schmücken die Wände und fünf venezianische alte Kronleuchter lassen ihn in feenhafter Beleuchtung erstrahlen; daran schließt sich ein kleines Kabinett in weißem Stuck Louis XVI., das kleine Speisezimmer mit vier auf Holz gemalten Panneaur von Prudhon, allegorische weibliche Figuren, den Reichtum, die Vergnügungen, die Musik und die Philosophie darstellend, dann der große Speisesaal mit zwei Friesen „Vacchantenzug", vier Panneaur und zwei Superporten in Grisaille-Malerei aus dem Palais der Königin Hortense, Mutter Napoleon III., in Paris und ein Louis XV.-Salon mit reicher Boiserie in Weiß und Gold und zwei besonders schönen Superporten von Boucher, welcher als Versammlungsort vor den Diners dient. Der zweite Stock des Palais enthält die Schlafzimmer und eine wundervolle Bibliothek mit anschließendem Louis XVI.-Salon, in der ersteren ist das lebensgroße berühmte Porträt der Marquise des Pompadour in blauer Hostoilette, von Boucher in die Boiserie eingelassen, im Louis XVI.-Salon hängen die Porträts der Gräfin Helene Potocka-Massalska von Madame Vigee-Lebrun, der Herzogin von Chevreuse von Rattier und der Gräfin Potocka-Mniszek von Lampi, dann zwei reizende Genrebilder von Fragonard und ein Dessus-de- Glace in Erisaillenmalerei von Prudhon, zwei farbige Kreidezeichnungen von Boucher, eine Sammlung der schönsten antiken, mit Diamanten besetzten Taschenuhren, wertvollen Dosen in Gold, Email und mit Perlen umrahmten Porträts, seltenen Spazierstöcken mit kostbaren Griffen und Miniaturen, darunter zwei Porträts von Daffinger, Baronin Anselm und Baronin James von Rothschild darstellend, zu beiden Seilen des Kamins, der zwei Herzoginnen von Devonshire von Cosway, der Königin Marie Antoinette von Petitot, der Großfürstin Alexandra Pawlowna von Rußland von Ritt und sieben hervorragende Miniatureporträts von Füger. Sehr interessant ist das Reisenecessaire aus Gold in einer Kassette aus Rosenholz mit dem Wappen Napoleons I., welches er nach der Schlacht von Waterloo in seinem Reisewagen vergessen hatte und von Salomon Rothschild, Großvater des Baron Rathaniel, an Ort und Stelle angekauft worden ist. Unter den zahlreichen kostbaren Möbeln dieses Salons verdienen ein Louis XVI.-Ofenschirm aus den Tuilerien mit den Bourbonschen Lilien, eine hohe Standuhr aus Ebenholz, ein Sekretär „Bonheur du jour“ aus Rosenholz, mit Sevres-Platte, zwei Kommoden aus Ebenholz mit „Vieux-1apue"-Plat1en und reichen Bronzen und ein runder Tisch aus Rosenholz mit Sevres-Platten und reichen Bronzen besonders genannt zu werden. Die Sammlung antiker Musikinstrumente ist auch sehr interessant, ebenso wie die Silber- und Porzellankammer. in letzterer eine Anzahl der kostbarsten Sevres-, Vieux-Saxe- und Vieux Vienne-Speiseservice, die bei großen Diners benützt werden. Baron Rathaniel Rothschild hat es als hervorragender Kunstkenner verstanden, ein Ensemble von seltenen Kunstwerken zu schaffen, welches hors concours ist und sein Reffe Baron Alfons Rothschild und seine kunstverständige, liebenswürdige Gemahlin Baronin Clarice, geborene Sebag-Montefiore aus London, vollenden das begonnene Werk nach dem mustergiltigen Vorbild des Schöpfers und erweitern das in den Räumen nicht mehr ausreichende Palais durch den Anbau eines neuen Seitenflügels. Valerien Ferröol. Allerlei. Ein jüdisches Frauenbuch gedenkt der Jüdische Frauenbund (Vorsitzende: Fräulein Bertha Pappenheim in Frankfurt a. M.) herauszugeben. Dieses Buch soll einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der literarischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit der deutschen jüdischen Frau geben, selbstverständlich unter strenger Vermeidung konfessioneller Tendenzen. Frauen, die sich ernsthaft auf einem der genannten Gebiete betätigen, sind zur Einsendung von Beträgen eingeladen. Ghettoüberreste in Krakau. Aus Krakau wird uns geschrieben: Durch eine Bewegung, welche dieser Tage unter den Mietfuhrwerksbesitzern, .den sogenannten jüdischen Fiakern, entstanden ist, wird abermals die Aufmerksamkeit auf eine Anomalie gelenkt, die noch heute in Krakau besteht. Es ist das sogenannte „Fiakerghetto". Genau so wie vor 60 Jahren, dürfen in Krakau die jüdischen Fiaker nicht überall einen Standplatz einnehmen, sondern können bloß im jüdischen Viertel, Kazimierz, ihr Geschäft ausüben. Schon bei. der Konzessionserteilung wird jüdischen Fiakern diese Beschränkung auferlcgt, ja, noch mehr, aus den Bahnhöfen müssen diese jüdischen Fiaker sich dadurch kenntlich machen, dah sie abgesondert von den .christlichen Fuhrwerkern Aufstellung nehmen und an ihren Wagen weithin sichtbare rote Tafeln anbringen, die so lebhaft an den „gelben Fleck" von anno Mittelalter erinnern. Merkwürdigerweise haben die jüdischen Fiaker diese schmähliche Zurücksetzung, Jahrzehnte hindurch geduldet, so lange sie wenigstens am Kazimierz ungestört und von der christlichen Konkurrenz unbehelligt ihr Gewerbe ausüben dursten. Nun wurde ihnen aber selbst in

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