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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 688 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 38 Bade«. (Todesfall.) In der Nacht vom 7. Septenlber 1913 wurde Frau Jda Gorodetzky. langjähriger Kurgast aus Wien, plötzlich vom Tode hinweggerafft. Sie war eine herzensgute Dame von großer Liebenswürdigkeit und Vor-, nehmheit. In früheren Jahren führte sie ein großes Haus, welches den Armen und Bedürftigen offen stand. Es war der Guten ein Lebensbedürfnis, sich der Notleidenden anzunehmen, und besondere Befriedigung fand sie in der Unterstützung armer, jüdischer Studenten. Sie ließ sich's gerne gefallen, mit „Studentenmutter" bezeichnet zu werden. Die Verewigte war ungenrein gewissenhaft und aufopserungssähig, und was sie für gut fand, das führte sie aus. Deshalb war sie auch ein Segen für ihre Schützlinge, und mancher henke in Wohlhabenheit lebende ehemalige arme Süldent hat der edlen Wohltäterin seine Existenz zu danken.. Sie hatte auch das Glück, ihre Kinder zu ehrenwerten Charakteren herangebildet zu haben. Im Kreise ihrer acht Kinder, dreiundzwanzig Enkel und fückf Urenkel, prangte sie auch als 78jähriga Frau in ihrer schönen, strammen Erscheinung mit feinen Eesichtszügen. Die Verewigte war die Mutter des Hof- und Eerichtsadvokaten Dr. Alerander Gorodetzky, des bestens bekannten Frachtentarifeurs Fritz S. Gorodetzky, des Direttors der Transport-Unternehmung Hausner & Comp., Simon Gorodetzky, die Schwiegermutter des in der 6. Rangsklasse stehenden Sekretärs der Postfparkasia, Dr. M. Welza, und des städtischen Oberarztes und Bezirksarztes im XVI. Wiener Eemeindebezirke, Dr. Ludwig Pohl. Das Leichenbegängnis der so hochverehrten Verstorbenen fand -am 10. September auf dem jüdischen Friedhofe in Baden statt. In der Zeremonienhalle hielt Rabbiner Dr. Reich eine ergreifende, zu Herzen gehende Gedenkrede, während am offenen Grabe, umgeben von den Kindern und Enkeln der teuren Toten, deren jüngster Sohn, Dr. Alerander Gorodetzky, seiner heißgeliebten Mutter einen tieferschütternden Nachruf widmete. Die Verewigte war eine Heldin im Kampfe ums Leben, um ihre Rechte und um ihren Willen. Sie blieb immer Siegerin. Den Tod, den unerbittlichsten Gegner, konnte sie nicht bezwingen. Mit ihr geht eine Welt von Güte, Herzlichkeit und Ehrenhaftigkeit ins Grab. Friede ihrer Asche! Gäuservdors. Sonntag den 14 d. M. beging unsere Gemeinde das 25jährige Jubiläumsfest der Gründung unseres Tempels und die festliche Einweihung nach einer neuerlichen gründlichen Restaurierung. Bei diesem Anlässe zeigte sich die Munifizenz unserer Gemeindemitglieder. Die Gemeinde erhielt nachstehende Geschenke: Ein neues schönes Peroches von Herrn Gabriel und Lina Feßler, je ein Thora-Manterl von S. Schiller, Sigmund und Recha Feßler, Isidor und Joskfine Steiner und Chewra-Kadischa. HerrBezirksrabbiuer Dr. Rosenmaun hielt eine eindrucksvolle Festrede. Die Gesangsvorträge leitete Herr Kantor Nürnberger mit seinem Chor in exakter Weise. Die Kosten für die festliche Veranstaltung besorgte die Chewra-Kadischa und alle Vorbereitungen sowie das Arrangement wurden vom Herrn Obmann Isidor Steiner ausgeführt. Den Teilnehmern wird dieses schöne Fest lange in Erinnerung bleiben. Auszeichnung für Verdienste in einem jüdischen Spital. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Kaiser hat dem Primararzt des jüdischen Spitakes in Budapest/ Dr. Berthold Stiller, eine hohe Auszeichnung verliehen. Ganz besonderes Interesse erweckt diese kaiserliche Auszeichnung dadurch, daß sie, wie in der Verleihung ausdrücklich hervorgehoben wird, in Anerkennung der großen Verdienste, welche Dr. Stiller sich um die Förderung des israelitischen Spitales in Budapest erworben hat, erfolgt ist. Nagy Karoly. (Oberrabbiner-Jnstallation.) Nach neunmonatlicher Vakanz wurde am 31 v. M. die hiesige Oberrabbinerstelle mit dem Vinkovcaer Oberrabbiner Lazar Schöufeid» dem Schwiegerohn: unseres unvergeßlichen, Oberrabbiners Efrajim Furt s. A. in feierlicher Weise besetzt. Zum Empfang des mit seiner Familie kommenden Oberrabbiners fuhr eine fechsgliederige Deputation -Lis Ermihalyfalva entgegen, wo Vizepräses Herr L. Weiß den ueuen Oberrabbiner mit herzlichen Worten begrüßte. Am Bahnhofe hier erschien unter Führung des Gem.-Präsidenten Berger die 50gliederige Repräsentanz vollzählig und eine unübersehbare Menge zur Begrüßung des neuen geistigen Oberhauptes. Herr Gemeindepräses Berger richtete eine schöne Ansprache an den Oberrabbiner, welcher dieselbe geistreich beantwortet. Der Ausschuß des jüdischen Frauenvereines empfing die Familie des Oberrabbiners und Präsidentin Frau Dr. Somofsy überreichte der Gattin in Begleitung herzlicher Worte ein sehr schönes Bukett. Der Einzug in die Stadt gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation für den jnnaen, geistlichen Führer, dem die Stadt ihren Prachtwagen zur Verfügung stellte. In der Wohnung angelangt, wurden Herr Oberrabbiner Schönfel- und Familie von groß und klein der Kehilla herzlichst beglückwünscht. Die eigentliche Jnstallationsfeier begann nachmittags 5 Ahr. Eine Deputation der Gemeinde-Repräsentanz führte den Herrn Oberrabbiner in den festlich geschmückten Tempel, bei dessen Eingang Herr .Advokat Dr. Antal den ankommenden Oberrabbiner in einer sehr schön gehaltenen Rede begrüßte. Im dichtbesetzten Tempel, wo auch die Vertreter der Behörden und Konfessionen anwesend waren, leitete die Feier Herr Oberkantor Kassier mit schönem Gesang ein. Nach Mincha bestieg der greise, ehrwürdige Debreciner Oberrabbiner Kraus die Kanzel und führte den jungen Kollegen in sein hehres Amt ein.i Die Rede übte auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Schönfeld seine Antrittsrede die alle Zuhörer entzückte. Nikolsburg. Zwischen der Ferialverbindung jüdischer Hochschüler „Hebronia" und der Ferialverbindung der Deutschrädikalen „Thaya" gab es in letzter Zeit wiederholte Zusammenstöße, welche Sonntag, den 7. d. M., ihren Höhepunkt dadurch erreichten, daß sich der Erstchargierte der „Thaya" erfrechte, dem Mitglied der „Hebronia", Fritz Deutsch, verbieten zu wollen die Promenade am Stadtp^atz in Farben betreten zu dürfen. Selbstverständlich kehrte sich Fritz Deutsch nicht um dieses lächerliche Verbot, woraus 17 Mann in Farben dieser tapferen Waidhofener Helden gegen Deutsch aufmarschierten und ihm den Weg versperrten. Der zufällig des Weges kommende Bürgermeister der Israelitengemeinde ersah das Kritische der Situation, trat unter die verdutzten „Nebich Wotan-Helden"^ erklärte es als Schande, zu provozieren und sich dann feige hinter das berüchtigte Waidhofener Prinzip zu verschanzen und auszukneifcn. Als nun noch zum Ueberfluh ein Mann in Waffen, und zwar der Polizeiinspektor Eier, die „tapferen, unerschrockenen" Teutonen aufforderte, den Weg freizugeben, verließen die wackeren „Waidhofener" fluchtartig unter dem Hohngelächter und den Bravorufen der mittlerweile angesammelten vielhundertköpfigen Menge das Feld. Palästmaspenden für Rauschhaschono. Am den Schwindel lahmzulegen, der alljährlich um die Rauschhaschono-Zeil von Ausbeutern in Palästina durch Versendung von Albums und anderen Neujahrs - grüßen betrieben wird, erklärt sich die Redaktion dieses Blattes zu Auskünften und Raterteilung für nützliche Anwendung von Palästinaspenden bereit. . Feuilleton. Das Palais Rothschild in der Thrrejiannmgaffe. Bei den seit einigen Jahren mit großem Erfolg stattgefundenen Kunstwanderungen in den ineisten alten Wiener Palästen hat man immer auf das lebhafteste bedauert/ daß das Palais des verblichenen Barons Nathaniel Rothschild in der Theresianumgasse, jetzt im Besitze seines Neffen Baron Alfons Rothschild, niemals der Besichtigung zugänglich war — ein Palais, welches eine unvergleichliche Sammlung der kostbarsten Kunstschätze der Renaissance und späterer Epochen beherbergt. Baron Nathaniel Rothschild hat mit unermüdlichem Eifer an der Schaffung dieser interessanten Kunststätte gearbeitet und es verstanden, mit auserlesenem Geschmack und großem Verständnis jedem Gegenstand den richtigen Platz zu geben. Alle Räume dieses schönen Hauses sind unter seiner persönlichen Leitung arrangiert worden und er hat sie nicht nur mit seltenen Kostbarkeiten geschmückt, sondern sie auch zu einem wohnlichen harmonischen Ensemble zu gestalten gewußt. Die Front des Palais in der Theresianumgasse bietet keinen besonderen architektonischen Schmuck, da die in Sandstein ausgeführte Hauptfassade nach dem herrlichen bis in die Plößlgasse reichenden Garten geht. Baron Nathaniel war unverheiratet und hat sich nur ein kleines Appartement als Privatwohnung reserviert und die großartigen Räume als Salons und Empfangszimmer gewidmet. Durch die Toreinfahrt gelangt man in ein in weißem Marmor gehaltenes Vestibül, in

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