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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Wachs Wochenschrift. Seite 685 Die erste jüdische Gemeinde in Tirol. Durch Ministerialerlatz vom 20. Juli ward verfügt, daß mit 1. Januar 1914 die gesetzliche Konstituierung der Israelitengemeinde in Innsbruck in Kraft trete. Natürlich in der Landeshauptstadt Innsbruck, deren zirka 60 Familien umfassende Iudenschaft seit mehr als 4 Jahren unter der Führung ihres auch um die Entwicklung der Stadt hochverdienten Präsidenten Wilhelm Dannhäuser hartnäckig um dieses, den Bruch eines mittelalterlichen Prinzipes bedeutendes Recht gekämpft hat. Bisher gabs in diesen nur eine einzige gesetzlich konstituierte jüdische Gemeinde, die in Hohenems im Vorarlberg, der sämtliche in Tirol wohnenden Juden zugewiesen waren. Wohl bildeten die in einzelnen Städten Tirols wie in Innsbruck, Meran und Bozen wohnenden Israeliten Religionskomitees unter sich, die für Gottesdienst, Unterricht, Beerdigung usw. entsprechende Anstalten ins Leben riefen' und erhielten. Aber sie hatten keinerlei Gemeinderechte, existierten für die Tiroler Landesregierung überhaupt nicht und waren in den wichtigsten Angelegenheiten von Hohenems abhängig, dessen Rabbinat seinen Sprengel auch über Tirol und Vorarlberg erstreckte. Wiederholt gemachte Versuche zur Gründung einer Gemeinde in Tirol scheiterten stets an dem prinzipiellen Widerstände der Regierung, die offiziell noch die Fiktion vom einheitlich katholischen Tirol aufrechterhalten wollte. Auch die wenigen evangelischen Gemeinden des Landes hatten viele Jahre gegen dieses Prinzip zu kämpfen. Nun ist es endlich auch zugunsten der Juden durchgebrochen worden. Gleichzeitig erhalten wir folgende Mitteilung: Kaiserlicher Rat, Herr Arnold Schwarz. Chef des großen Bankhauses Ernst Schwarz Söhne in Feldkirch in Vorarlberg und in Bozen (Tirol), die seit einer Reihe von Jahren von der Kreditanstalt für Handel und Gewerbe in Wien übernommen und . einverleibt und als Filialen geführt werden, unter der Leitung und Direktion des früheren Chefs, des Herrn kais. Rates Arnold Schwarz) hat sich ins Privatleben zurückgezogen und sein Domizil nach München verlegt, er hat den ansehnlichen Betrag von zehntausend Kronen an den Bürgermeister von Feldkirch zur Verteilung an die dortigen Wohltätigkeitsanstalten gesendet! Herr kais. Rat. A. Schwarz war der einzige Jude, der in Feld-; kirch wohnte, er war auch Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusaemeinde in dem nahen Hohenems. Sein Vater Ernst und sein Onkel Wilhelm waren bedeutende Bankiers und Bauunternehmer in Tirol und Vorarlberg, sie führten die Etschregulierung für den Staat und das Land Tirol durch, hatten ein großes Brauhaus in Vilpian bei Bozen, kauften Antiquitäten, waren tüchtig in Oekonomie und Viehzucht und brachten es zu großem Reichtum. Herr kais. Rat Arnold Schwarz verlegte sein Bankhaus von Hohenems nach Feldkirch, dem Knotenpunkte des österreichisch-schweizerischen Grenzverkehres, er erbaute ein herrliches Heim mit eigenem Tennisplatz, es wurde bald zum Mittelpunkt der vornehmen Bevölkerungskreise, in seinen Salons fanden sich die Industriellen, die Staatsbeamten zum Jour! Seine Gemahlin, eine geborene Fürth aus Strakonitz in Böhmen, Tochter des Großindustriellen Fezfabrikanten Herrn Moritz Fürth, der auch als akademischer Maler, Landschafter und Bildhauer sich einen Namen gemacht, dessen Bruder der bekannte Reichsratsabgeordnete Josef Ritter von Fürth war, in deren Familien Fürst Schwarzenberg verkehrte, Frau Schwarz- Fürth zeichnete sich durch feinsinnige Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit aus; in der Jesuitenstadl Feldkirch lobte man allgemein die einzige Jsraelitenfamilie, ihre vornehme dezente Art, keine Spur von Protzentum! — Die Schwarz waren neben den Familien Salzer undTanuhäuserdie Vertreter des Judentums im finsteren Lande Tirol. Als einst in der Festung Franzensfeste ein jüdischer Soldat starb, eilten sie hin, kauften ein Stück Feld, ließen es eingittern und beerdigten rituell ihren Glaubensgenossen! Der Bischof von Vorarlberg frug einst den alten Jakob Schwarz: „Für was seid ihr Juden da?" Er antwortete: „Als Träger der ewigen Wahrheit unserer heiligen Religion!" Als Muster tüchtiger Landbauer und Oekonomen waren in ganz Tirol und Vorarlberg Abraham und Jakob Schwarz vom Staate oft prämiiert. Emil Frankel, Religionsprof. Protestoersammlung in Rumänien. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Es scheint also, daß es nunmehr selbst den rumänischen Juden klar geworden ist, daß die rumänische Regierung entweder nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien in einer auch nur halbwegs zufriedenstellenden Weise durchzuführen. Dies geht daraus hervor, datz die Union der rumänischen Juden sich entschlossen hat, dagegen im ganzen Lande Protestversammlungen zu veranstalten und die Juden zum Proteste wegen dieser Haltung der Regierung austzufordern. Eben die Tatsache, datz die Regierung diese Versammlung anstandslos zugelassen hat, wird als Beweis dafür angesehen, datz die Regierung sich angeblich den Juden gegenüber in einer Zwangslage befinde, weshalb sie es gerne sähe, daß die Juden zu Protesten ihre Zuflucht nehmen und auf diese Weise Stimmung für sich zu machen suchen. Die Wirkung dieser Versammlungen wird allerdings durch die Demonstrationsversammlungen der Nationalisten paralysiert, denen in der Verhetzung der rumänischen Bevölkerung gegen die Juden gleichfalls keine Schranken gesetzt werden. Kenner der Verhältnisse hegen daher die Befürchtung, datz diese Versammlungstaktik der rumänischen Regierung schlietzlich zu Zusammenstößen führen werde und die Regierung dann desto leichter auf die Undurchführbarkeit der von ihr angeblich gewollten Emanzipation der Juden sich ausreden könnte. Man ist deshalb in rumänisch-jüdischen Kreisen sehr pessimistisch gestimmt. Huldigung der mazedonischen Inden vor König Konstantin. Bei seinem Triumphzug durch die eroberten mazedonischen Städte wurden dem König Konstantin von Griechenland auch seitens der dortigen Juden Huldigungen dargebracht. Besonders feierlich gestaltete sich dieser Akt in Cavalla, wo die Judengemeinde dem König und dem Prinzen einen überaus enthusiastischen Empfang bereitete. Der König und sein Gefolge nahmen in' der dortigen Synagoge an einem Festgottesdienste teil. Der Rabbiner überreichte dem König einen silbernen Schlüssel, mit welchem dieser die Bundeslade öffnete, welche während des ganzen Gottesdienstes geöffnet blieb. Der König blieb die ganze Zeit über vor der Bundeslade stehen, und als diese geschlossen wurde, verneigte sich der König ehrfurchtsvoll vor den Thorarollen. Bei Verlassen der Synagoge dankte der König für diese schöne Loyalitätskundgebung mit herzlichen Worten. Am Abend veranstalteten die Juden einen eigenen Fackelzug. In Serres erkundigte sich der König bei der erschienenen jüdischen Deputation teilnahmsvoll über den Schaden, den bekanntlich besonders 'die Juden von Serres durch die bulgarischen Plünderungen erlitten haben. Der König stellte eine Hilfsaktion seitens des Staates in Aussicht. Der Empfang in Saloniki wurde bereits ausführlich beschrieben. Organisation der Juden in Tripolis. Der Grotzrabbiner von Tripolis unternahm in letzter Zeit eine Organifationsreise in das Innere des Landes, um die dortigen Judengemeinden auf Grund der italienischen Staatsgesetze zu organisieren. Der Grotzrabbiner hat überall Geburis-, Trauungs- und Sterbematrikel angelegt und gleic^eitig eine genaue Zählung der gegenwärtig in Tripolis lebenden Juden vorgenommen. Der Empfang des Grotzrabbiners war überall ein sehr herzlicher und die Juden gaben ihrer Freude darüber Ausdruck. um in geordnete Verhältnisse zu gelangen. Wie der Grotzrabbiner in seinem vorläufigen Bericht meldet, hat in Tripolis und der Cyrenaica sich wieder normales Leben eingebürgert und sowohl die Juden, als auch die Araber, welche sich bisher unterworfen hatten, nehmen bereitwilligst und mit vielem Verständnis die Vorteile der italienischen Verfassung in Anspruch und erfüllen gerne die ihnen auferlegten Pflichten.

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