Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 38 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 683 unterstützt wird, so resultiert daraus, daß die Angriffe der „Reichspost" gegen diese Schiffahrtsgesellschaft vom Pool inspiriert sind. Es liegt kein Grund vor, in diesen Blättern die (L P. R. in Schutz zu nehmen: aber man darf nicht unterlassen, im Interesse unserer handelspolitischen Stellung auf einige wichtige Momente hinzuweisen. Daß der weitaus größte Teil der Emigration aus Oesterreich-Ungarn von den Pool-Linien besorgt wird und daß nur ein verschwindender Bruchteil von Emigranten durch die E. P. R. befördert wird, ist in der Tagespresse bereits genügend mit Daten belegt worden. Es ist aber eine absolut irrige Anschauung, daß die Schiffahrtsgesellschaften, auch die Pool-Linien, die Bevölkerung zur Auswanderung animieren. Die Bevölkerung braucht gar nicht erst zur Auswanderung animiert zu werden, — die geradezu scheußlichen wirtschaftlichen und teilweise auch politischen Verhältnisse in manchen Grönländern sorgen schon reichlich dafür. Die aufstrebende, tatenlustige männliche Jugend ist absolut nicht gewillt, in verkümmerten Verhältnissen zu versumpfen. Und wenn der junge Mann drüben im freien Amerika, wo ihm bei keinem Beruf ein Hindernis begegnet, sich einmal eingeordnet hat. wird er wenig Lust haben, alles stehen zu lassen, um in die Heimat zur Erfüllung seiner bürgerlichen Pflichten zurückzukehren. Meiner Ansicht nach entziehen sich also rückzukechren. In der Tat entziehen sich die meisten nicht direkt, sondern indirekt der Militärpflicht. Und um dem abzuhelfen, muß eben das ganze wirtschaftliche und politische Leben in den Grönländern, von woher die erschreckende Emigration ausgeht, von Grund auf reorganisiert werden. Die Behauptung, daß die C. P. R. nur die Absicht verfolge, möglichst viel Emigranten nach Kanada zu locken, verdient kaum eine ernstliche Widerlegung. Hätte die C. P. R., wie die ..Reichspost" behauptet, wirklich nur den Zweck verfolgt, im Interesse ihrer Eisenbahnlinie möglichst viel-Emigranten nach Kanada zu locken, so hätte sie sich wohl gehütet, sich mit dem Pool zu verfeinden: denn dadurch gehen ihr alle . Passagiere der Pool-Linien für die Eisenbahn verloren. Es ist klar, daß die C. P. R.. wenigstens im jetzigen Stadium ihrer Tätigkeit eine den Pool-Linien ebenbürtige Schiffahrts-Gesellschaft sei und als solche auch angesehen werden müsse. Im Interesse der armen Emigranten muß auch das Verfahren einiger Helfershelfer der Pool-Linien gekennzeichnet werden. Der arme russische Emigrant, der sich mit Lebensgefahr über die Grenze schmuggelt, da ihn die russische Regierung zwar foltert und quält, aber nicht frei auswandern läßt, glaubt nun. auf deutschem Boden frei aufatmen zu dürfen: aber ach! allzubald scheucht ihn die brutale Wirklichkeit aus seinem rosigen Traum! Der todmüde, halbverhungerte Emigrant wird in die Kontrollstation gebracht, wo er in einer aller Menschlichkeit Hohn sprechenden Weise behandelt — besser gesagt mißhandelt wird. Hat so ein armer Emigrant noch das Unglück, ein Prepaid. d. h. eine aus Amerika angewiesene Schiffskarte, zu besitzen, das einer außerhalb des Pool stehenden Schiffahrts-Gesellschaft gehört, dann ist er rettungslos verloren. In vielen Fällen wird so einem Emigranten die Schiffskarte und dazu noch die Barschaft weggenommen und gewöhnlich nach Wien geschickt, da es sich hier meist um Passagiere der C. P. R. oder der Schifffahrts-Gesellschaft „Uranium" handelt. So wird schon in der Kontrollstation das Schicksal vieler solcher Existenzen besiegelt. Das hat dazu geführt, daß sowohl die C. P. R-, als auch „Uranium" in der letzten Zeit bemüht sind, die für sie bestimmten russischen Emigranten nicht über deutsche, sondern über österreichische Grenzen zu führen, was, nebenbei bemerkt, auch dem österreichischen Wirtschaftsleben zugute kommt, da doch die Emigranten auf dem Wege über Wien mehr oder weniger Geld ins Land bringen. Was speziell die jüdische Emigration betrifft, muß es einen gar heitern Eindruck machen, daß sich die „Reichsvost" geradezu als Beschützerin der jüdischen Emigranten aufspielt und die armen Juden vor der C. P. Rwarnt. Daß die Juden aus Rußland, Galizien und Rumänien — diesem mittelalterlichen Trio — in Massen auswandern, wird ihnen ja hoffentlich nicht einmal die „tolerante" „Reichspost" übelnehmen wollen. Die nähere Ursache dieser Massenftucht der Juden aus diesen Ländern liegt auf der Hand. Schließlich wäre noch zu bemerken, daß vom rein sozialen Standpunkt das Kartellwesen der Pool-Linien verdammt werden müsse: denn wie jedes andere Kartell, schrauben auch die Pool-Linien die Preise der Schiffskarten willkürlich hinauf und nur die Konkurrenz der außenstehenden Schiffahrts-Gesellschaften zwingt sie, noch auf einer halbwegs erreichbaren Höhe stehen zu bleiben. Liegt doch die unbeschränkte Konkurrenzmöglichkeit stets im Interesse des Volkes! Daß die „Reichspost" für das Schiffskartell schwärmt — hat zweifellos moralische Gründe. Alexander Schmidt. Korrespondenzen. Eine Delegation der Jemeniten ans Jerusalem in Wien. Herr Zadok Algabli und Herr Salamon A l r u s s i e aus Jerusalem kommen als Vertreter der aus Jemen nach Jerusalem eingewanderten Juden, um für Spenden zu sammeln. Die Jemeniten sind sehr arbeitsame, fteißige Menschen, sind aber leider die einzige Iudenschichte in Jerusalem, welche aus der Chalukah keinerlei Unterstützungen erhalten, und doch befinden sie sich in größter Rot und sind der Teilnahme außerordentlich würdig. Dieselben sind von den größten Männern des Judentums mit Recht wärmstens empfohlen. Bemerkenswert ist, daß auch der österr.-ungar. Konsul, ebenso wie das deutsche Konsulat, sowie der Chacham Baschi und der türkische Pascha von Jerusalem die große Rot und die außerordentliche Würdigkeit der Jemeniten bestätigen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Für st wendet sich an den Wohltätigkeilssinn der Wiener Glaubensgenossen. diese Jemeniten nach Möglichkeit zu unterstützen. Auch die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" möchte ihre Gönner und Freunde ersuchen, dieses Hilfswerk warmherzig zu fördern. Budapest. Der Ausschuß der Pester israelitischen Religionsgemeinde hielt vorige Woche unter dem Vorsitze des Präsidenten Ludwig Adler eine Sitzung, die dem Andenken des Barons Joseph Eötvös gewidmet war. Präsident Adler würdigte in einer wirkungsvollen Rede die Bedeutung des Barons Josef Eötvös und dessen Verdienste um die Emanzipation der vaterländischen Juden. Der Ausschuß beschloß, zum Andenken an den großen Staatsmann jährlich vier Stipendien von je 100 Kr. solchen Frequentanten der israelitischen Bürgerschulen zu verleihen, die in der ungarischen Sprache besondere Fortschritte gemacht haben. Die Predigt bei dem am 13. d. im Tempel in der Tabakgasse stallfindenden Musaf-