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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Eetre 682 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 88 Haltung in der Bankfrage eine neuerliche Nomination für die Liste des A. C. nicht annehmen könnte. Es stand daher meine Wiederwahl gar nicht in Frage. Trotzdem wurde ich, nach den Angriffen .Strucks, von den leitenden Persönlichkeiten ersucht, mich .nominieren «zu lassen, was ich jaber infolge meines prinzipiellen Standpunktes ablehnte. Für den Abdruck dieser Richtigstellung bestens dankend, zeichne ich achtungsvoll Adolf Böhm. Die Blutbeschuldigrmg in Bulgarien und Rußland. 2n Rußland hat es einmal vor mehreren Jahren einen Zaren gegeben, welcher das Zeug besaß, sachgemäß zu denken und vernünftig zu handeln, das war Nikolaus I. Von diesem stammt ein recht vernünftiger Ausspruch über die Blutbeschuldigung der Juden, etwa wie folgt: „Wenn so etwas bei den Juden vorhanden wäre, sie hätten längst dieses mir verraten" — und er verdammte die ganze Hetze. Anders die folgenden Zaren: wegen ihrer geistigen Qualifikation lassen sie die grundlosesten und verruchtesten Anklagen gegen Juden gelten — all das in majorem dei gloriam. Was Wunder, daß das ganze Mittelalter mit der Inquisition in Rußland seine Orgien feierte — zur Schande des zivilisierten Europas und zum Hohn auf die russische Kulturträgerei. Daß dieses großslavische Mutterland seine roten und blauen Lichtstrahlen nach die Nachbarländer mit slavischer Bevölkerung sendet, versteht sich von selbst, und so ging einmal Bulgarien in Rußlands Schule. Folgende schier traurige Reminiszenz erzählte mir mein Patient Gerschon Jsak, ein hochachtbarer, schlichter Galanteriekaufmann aus der Zeit des Abzuges der Türken aus Sofia und Einzuges der Russen in Bulgarien resp. Sofia. Die ehemalige schützende Hand der türkischen Behörde mußte zurückgGvgen werden, die türkischen Bürger überließen ihre Habe zumeist den Spaniolen, besonders Wertgegenstände. Manche Türken machten mit ihren jüdischen Freunden einen Ueberlebungsv ertrag in dem Sinne, so die flüchtigen Eigentümer lebend die türkische Grenze erreichen, sei ihnen die Hälfte des Wertes der Pretiosen und des Bargeldes einzusenden und im Falle, daß dieselben von den Vulgaren auf dem Wege ermordet werden sollten, bleibt das Vermögen Eigentum des jüdischen Freundes. Beiderseits wurden die mündlichen Verttäge pünttlich eingehalten und erregten den Neid der Bulgaren. Bald aber rückte das Pessachfest heran und noch war keine autoritative Regierung eingesetzt, und schon verständigten sich die Bauern der Umgebung, einen gewaltigen Pogrom auf die Sofiaer Juden am Rüstlag zum Pessach zu veranstalten und alle jüdischen Geschäfte auszurauben und zu morden, wer ihnen unter die Hände käme. Wehe, wenn dieses barbarische Geheimnis nicht rechtzeittg verraten worden wäre! Welch' ein Entsetzen hatte da die Welt zu hören und sehen bekommen! Allein der Hüter Israels schläft nicht und schlummert nicht. Man erfuhr die Verabredung. Trotz der gewaltigen Verzweiflung und Bangigkeit kam noch zur rechten Zeit den Spaniolen ein richtiger rettender Gedanke. Sie erfuhren nämlich, daß unter dem russischen Militär viele jüdische Soldaten sich befinden, gingen dann auf die Suche nach ihnen und fanden sie heraus und erzählten ihnen, welche Gefahr sie umdroht. Die jüdischen Soldaten ließen sich dieses nicht Zweimal vortragen und beschlossen, in jedes jüdische Haus einige Soldaten mit geladenen Gewehren unbemerkt einzuquartieren — die Häuser aber offen zu lassen. Richtig, mit Tagesgrauen brach die wilde Meute in die jüdischen Häuser ein, während die betreffenden Soldaten mit ihren Gewehren die Eindringlinge niederschossen und die Leichen auf die Straße hinauswarfen. Diese unverhoffte Gegenwehr erwies sich als rettend. Da die Pogromisten eine unverhoffte blutige Lehre erhielten, beeilten sie sich, sich so rasch als möglich aus den jüdischen Häusern lebend heraus zu retten. Die Sofiaer Judenschaft lud dann die jüdisch-russischen Soldaten zum Pessachfeste ein und sie konnten frohen Mutes ihre alten Sochermelodien anstimmen. Natürlich hat sich das Los der Juden gebessert, als Bulgarien unter Battenberg kam, welcher leider nur kurze Zeit regierte, und dann unter Ferdinand eine moderne Verfassung erhielt, welche bei alldem nicht vor mehrmaligen und recht unangenehmen Ritualmordprozessen die jüdische Bevölkerung Bulgariens schützte. Man ginge aber fehl, wenn man den Schluß ziehen wollte, daß die europäische Kultur die Bulgaren auf ein höheres, menschliches Niveau hob. Gerade diejenigen, welche sich von der heimatlichen Scholle, von der Ackerkrume und Schafherde loslösten und nach den Zentren der europäischen Hochkultur pilgerten, wie nach Paris und anderen, verschlagen wurden, diese Halbgebildeten brachten und bringen viel Afterkultur und Aufgeblasenheit, dazu ein überschäumendes Maß von Antisemitismus in Frackschötzeln und Cylindern, wie ein unbegründetes, ja schädliches Selbstvertrauen in ihren noch nicht verdauten Doktrinen mit. — Ein leichter Nagelritz zeigt dir den alten B. . . . R. B. Das Gmigrationv-Probtrm in Oesterreich. Wie aus der Tagespresse bereits bekannt sein dürste, hat der Konkurrenzkampf zwischen den vereinigten Pool- Linien - und der „Canadian Pacific-Railway" in der letzten Zeit die heftigsten Formen angenommen. Der Konkurrenzkampf zwischen diesen Schiffahrtsgesellschaften, der eine zeitlang mit ganz harmlosen geschäftlichen Waffen geführt wurde, beginnt nun mit schweren Geschützen ausgetragen zu werden, Geschützen, die das wirtschaftliche und sogar politische Leben Oesterreich-Ungarns tief berühren. Den ersten Kanonenschuß gegen das eigene Oesterreich feuerte natürlich die stets „pattiotische" „Reichspost" ab. Die Beweggründe brauchen an dieser Stelle nicht wiederholt zu werden, sie sind in der gesamten Tagespresse der Monarchie zur Genüge illusttiert worden. Es wurde hervorgehoben, daß die „unbestechliche" „Reichspost" im Interesse ausländischer Schiffahrtsgesellschaften und gegen die österreichisch-ungarischen Interessen arbeitet. Es ist ja klar, daß der Pool nicht ohne weiteres zusehen kann, wie unser Hafen Triest sich immer weiter ausgestaltet; denn es könnte eines Tages so weit kommen, daß der ganze Emigrationsstrom aus Oesterreich-Ungarn und teilweise auch aus Rußland und Rumänien sich über Triest in den Atlantischen Ozean ergieße und nicht, wie es bisher der Fall war, über deutsche und holländische Häfen. : 1 II | ' j Da die C. P. R-, die aus dem Kartell der Pool- Linien ausgetreten ist, nun daran geht, ihren gesamten Schiffahrtsverkehr über Triest zu dirigieren und in dieser Hinsicht von der österreichischen Regierung logischerweise

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