Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 681 kämpft »gegen die „Unduldsamkeit" der christlichen Kirche, man wird für die Menschenwürde der Marsbewohner leitartikeln.... ' 1 : , j : .... Besätzen sie einen Funken" vom jüdischen Stolz ihrer russischen Glaubensgenossen, sie würden sich zur Tat aufraffen, unsere Juden . . . sie, die in ihrer Presse und in ihrem Gelde eine Macht besitzen, die den Zarismus bezwingen kann, — sie schweigen. Deutsche Juden bringen das fertig." Aerzteversammlung. Samstag, den 6. d. M, tagte im Beethovensaale unter Vorsitz von Prof. Weizmann und Dr. Kalmus eine gütbesuchte Versammlung von Aerzten und Interessenten für die Sanierung Palästinas. Dr. Tschlenow, Dr. Massie und Dr. Goldberg-Jerusalem erläuterten die Bedeutung der diesem Zwecke dienenden Aerztegesellschaft. Universitätsprofessor Dr. Ehrmann-Wien bezeichnte die Mitarbeit an der sanitären Hebung Palästinas als eine Pflicht aller Juden. Ein Verein zur Erhaltung der jüdischen historischen Denkmäler in Palästina. Ueber den Zustand der Denkmäler unserer jüdischen Vergangenheit ist so oft, auch von nichtjüdischer Seite, Klage erhoben worden, datz es sich erübrigt, die Gründung eines Vereines zu ihrer Konservierung zu rechtfertigen, der von den Herren Iellin, Dr. Levy und M e j u ch a s in Jerusalem, sowie Rabbiner K u k, Dr. R u p p i n und Eisenstadt in Jaffa soeben ins Leben gerpfen worden ist. Es gilt vor allem, die Grabstätten — mit den Denksteinen so vieler jüdischer Berühmtheiten —, die bisher in erbarmungswürdiger Verwahrlosung dalagen und von Mensch und Vieh so und so oft im Tage entweiht wurden, mit einer Mauer zu umgeben. Die galiläischen Synagogen, die Gräber der Makkabäer und so viele andere Monumente aüs ältester Zeit, die unter der Hand eines nach dem anderen in fremden Besitz übergehen, zum Teil sogar; wie ein sehr bekannter Fall lehrt, von Juden angekauft und irgend einer Regierung geschenkt wurden, — alle diese unschätzbaren Träger der heiligsten jüdischen Traditionen gehen uns unwiderbringlich verloren, wenn wir niiht unverzüglich tatkräftig eingreifen. Es genügt wohl schon, darauf hinzuweisen, datz der Platz vor der Klagemauer, dieser Schandfleck auf der Ehre der gesamten Judenheit, von dem neugegründeten Verein angekauft werden soll, um dessen hohe Bedeutung darzutun und seine Unterstützung als eine Ehrenpflicht eines jeden Juden zu erweisen. Auftuf wegen Gründung eines Asyls für jüdische Obdachlose. Die letzte kaum überstandene krisenhafte Epoche hat auch diesmal die Mittellosen am härtesten getroffen. Die allgemeine Verelendung hat in dieser beklagenswerten Schichte unserer Mitbürger geradezu unheimlichen Fortschritt gemacht. Hunderte von mühselig erhaltenen, ohnedies kümmerlichen Existenzen sind völlig dem Ruine verfallen. Die Zahl der Obdachlosen hat geradezu eine erschreckende Vermehrung erfahren. — In solchen Situationen ist es gebieterische Pflicht der Gesellschaft, helfend einzugreifen. Eine vorläufig noch kleine Gesellschaft von jüdischen Männern und Frauen hat die Idee aufgegriffen, in Anbetracht des nahenden Winters ein Obdachlosen-Heim für Juden zu gründen. Viel ist bereits in Tagesblättern und Zeitschriften über das Elend der Obdachlosen geschrieben worden, doch nur die eigene Wahrnehmung dieses namenlosen Jammers kann das Grauen über diese Zustände Hervorrufen. In den befugten und unbefugten Massenquactieren der Kl. Schiffgasse und Flotzgasse, um von vielen nur einige Beispiele herauszugreifen, sind in kleinen Räumen 1.5—20 Personen zusammengepfercht. Ein Massengrab jedes gesunden Körpers und jeder Seele, eine Brutstätte aller gefährlichen Krankheitskeime, eine ungeheure in den Konsequenzen gar nicht absehbare Gefahr im Falle von Epidemien. Aber selbst diese erbärmliche Liegestätte ist für die Aermsten der Armen unerschwinglich, 50 Heller beträgt die Tare für eine Nacht. Wer die nicht aufbringt, mag in rauher, kalter Nacht seinen müden, hungrigen Leib weiterschleppen, und oft nicht einmal allein, sondern mit Familie, entweder wenn er als Vagant aufgegriffen wird, auf einer Zuchthauspritsche oder, entzogen dem wachsamen Auge des Gesetzes, auf einer Bank im Schatten einer Allee eventuell einem Erfrierungstode entgegenschlummern. — Das stets bewährte jüdische Herz darf keinesfalls diesen nicht übertriebenen beschämenden Zuständen gegenüber ruhig bleiben. Hier ist rasche Hilfe notwendig. Wenn schon die ganze gutsituierte Gesellschaft Wiens nicht aufzurütteln ist, um durch eine grotzzügige Aktion helfend einzugreifen, wir Juden dürfen nicht länger tatenlos Zusehen, einmal durch amtliche Erhebungen von diesem Elend unserer Glaubensbrüder in Kenntnis gesetzt. Jüdische Männer, Frauen, Mädchen und Jünglinge meldet euch zum Beitritt zu in Gründungskomitee zur Errichtung eines jüdischen Obdachlosen-Heim s. Agitiert für unsere gute Sache. Noch niemals hat der Appell an das Humanitätsgefühl des jüdischen Herzens versagt. — Kein Zweifel, datz wir auch diesmal auf Verständnis, ja auf Begeisterung für unser edles Streben stützen werden. Die kommende rauhe Jahreszeit mit ihren tausendfältigen Gefahren für die Gesundheit darf unsere armeiobdachlosen jüdischen Mitbürger nicht hilflos antreffen. Anmeldungen nimmt entgegen: Bezirksrat Alerander Pollak, Wien. II3, Im Werd 3. Hermann Struck und Adolf Böhm. Wir erhallen folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Unter höfl. Bezugnahme auf Ihren Bericht über den Zionistenkongretz ersuche ich Sie, folgende Richtigstellung abdrucken zu wollen: 1. Die Tatsache, datz weder ich noch sonst jemand auf die Angriffe der orthodoxen Gruppe erwidern konnte, hat seinen Grund nur darin gehabt, datz dies aus geschäftsordnungsmätzigen Gründen nicht möglich war. Herr Struck sprach als Generalredner nach Abschlutz der letzten Kongretzdebatte (über die Universität) und flocht seinen Angriff, der nicht zur Sache gehörte, in seine Ausführungen ein. Da niemand mehr dazu das Wort erhalten konnte, wurde meine Berichtigung gegen Herrn Struck vom Kongreß-Vizepräsidenten Simon vor Schlutz der Sigung verlesen. 2. Es ist unrichtig, datz ich infolge dieses Zwischenfalles erklärt habe, auf eine Wiederwahl ins Aktionskomitee zu verzichten. Richtig ist vielmehr, datz ich schon lange vor jener Debatte der Leitung und dem Permanenzausschutz die dezidierte Erklärung abgegeben hatte, datz ich infolge meiner prinzipiellen