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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 680 Nr. 38 Dr. Vtochs Wochenschrift. auf dem Kongreß, die ungerechtfertigt waren und die die zionistische Organisation aufs allerschwerste schädigten, erinnerten lebhaft an jene unwahren Berichte über angebliche Krawalle auf dem Hamburger Zionistenkongretz in der „Berliner Morgenpost". Aber sie fanden ihre Rechtfertigung in der vom Pretzbureau des Kongresses herausgegebenen Zionistischen Korrespondenz, die aus persönlichem Widerstreit gegen Wolffsohn die unwahre Behauptung aufstellte, daß „seine Rede die stärksten Angriffe enthielt, die auf irgend einem Kongreß gegen die Leitung gerichtet wurden". Weil ein Delegierter ein paar Augenblicke sich nicht beruhigen konnte, schrieb diese selbe Korrespondenz, die offiziell erschien, datz „es insbesondere zu Anfang nur sehr schwer möglich war, die durch die Aeutzerungen Wolffsohns aufs äußerste gereizten Gemüter einer großen Zahl von Delegierten zu beruhigen". Bei einer solchen offiziellen Korrespondenz kann es nicht wunder nehmen, wenn die Berichte nichtzionistischer Korrespondenzen sich durch die Stimmung des offiziellen Pretzbureaus und der damit identischen „Welt" beeinflussen lassen. Solchen Treibereien gegenüber ist die kraftvolle, ehrliche Persönlichkeit llssischkins am Platze. Er wird solche Schädigungen der Partei zu unterdrücken wissen. Wenn der diesmalige Kongreß ein anderes Aussehen hatte, als es sonst der Fall gewesen ist/ so kann man es dahin bestimmen, datz im Kongreß/ mit ihm und neben ihm, ein jüdischer Volkstag im allergrößten Stile stattfand. Ganz abgesehen von der Wiener jüdischen Bevölkerung, die lebhaften Anteil am Kongreß nahm, waren an die Zehntausend Gäste zusammengeströmt, die den Kongreß umgaben und ihm seine besondere Physiognomie verliehen. Was da um den Kongreß vorging, die Dutzende von Meetings und Agitationsversammlungen in allen Bezirken der Stadt, die täglichen Lichtbildervorträge, die ebenfalls große Propagandaversammlungen waren, die kinematographischen Vorführungen jüdischen Lebens im Lande Israel, die Konzerte und künstlerischen Veranstaltungen, die Ausstellungen und Museumsbesuche ließen zuweilen den Kongreß, um den sie sich gruppierten, beinahe verschwinden. Von ungeheurer Wirkung auf alle Teilnehmer war der stumme Zug von fast zehntausend Juden, die . an Herzls Grab vorüberzogen. Dann aber ging neben dem Kongreß jenes Turn- und Sportfest einher, das die jüdische Jugend aus allen Ländern Europas und aus Palästina herbeigezogen hatte und das von der körperlichen Regeneration mindestens ebenso beredtes Zeugnis ablegte, wie der Hebräertag von der geistigen Neubelebung des jüdischen Stammes. \ Je weiter der Kongreß kam, desto interessanter waren und wurden seine Verhandlungen. Desto mehr traten die kleinen Gegensätzlichkeiten zurück, an den in Zukunft nur solche Gruppen noch Genüge finden würden, deren Muskeln nicht straff genug für die positiven Arbeiten im Sinne der Wiederbelebung Israels angespannt sind. Als die Kulturdebatten begannen, da zeigte sich die große Gemeinsamkeit der Anschauungen in allen Kreisen der Organisation. Der jüdische Kulturfonds Kedem, der jetzt geschaffen wird und der eine wertvolle Ergänzung zu dem Nationalfonds bildet, der ja nur ein nationalsozialer Landfonds sein soll, ist eines der neuen vom Kongreß sanktionierten Institute. Von ungleich größerer Bedeutung ist es, daß mit einer Begeisterung, die an die ersten Tage des erwachenden jüdischen Nationalbewußtseins erinnert, der Beschluß gefaßt und weitergegeben wurde, die Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem in die Wege zu leiten. Die halbe Million Franken, die noch während der Diskussion gezeichnet wurde, bedeutet natürlich als Geld zu diesem tzroßen ^Zwecke herzlich wenig.' Aber die Stimmung, von der diese Zeichnung zeugt, ist eine solche, daß sie binnen kurzem tatengebärend sein muß. Fürs erste wird man an die vorbereitenden Arbeiten gehen müssen, an die Schaffung der Institute für die naturwissenschaftlichen und medizinischen Fakultäten, vor allem aber an die Gründung und Organisierung der zukünftigen Universitäts- Bibliothek. Aber wenn auch damit der große Gedanke sich alsbald auf kleinere Arbeit verteilen muß, die Idee wird dadurch nicht kleiner, und eÄ-'ist nur eine Frage der Zeit, wann wir die hebräische Universität Jerusalem haben werden. Ein feierlicher Moment war es, als der Kongreß sich schweigend erhob, um feierlich Protest zu erheben gegen die unmenschliche Lüge, mit der die russische Barbarei in dem Schicksal eines einzelnen einen wohlvorbereiteten Justizmord an der ethischen Größe unseres uralten Kulturvolkes bereiten will. So hat denn der Kongreß, der schwach begann, der sogar zuerst hinter der hebräischen Konferenz zurückblieb, sich von Tag zu Tag gehoben und hat trotz aller Differenzen, die jetzt schon mehr und mehr in den Hintergrund getreten sind, gezeigt, daß auch die Opposition absolut hinter der Leitung steht und abgesehen von ihrer Kritik, zu der sie auf dem zwölften Kongresse das freie Wort nehmen wird, treu hinter der selbstgewähltsn Leitung steht. Und der Mann, den U s s i s ch k i n vor zwei Jahren wegen seiner freiwilligen Unterordnung den Held des Kongresses nannte. David Wolffsohn, ist auch der Held der Organisation, der zwischen den Kongressen jede öffentliche Kritik beiseite läßt und als eifriger Soldat in Reih und Glied steht und kämpft. Sollte der Zionismus einmal keine Offiziere haben, so lange er solche disziplinierte Truppen hat, wie Wolffsohn es ist, so lange wird er nicht befürchten müssen, seinen Siegeszug zu verlangsamen. Das nächste Ziel des Zionismus muß es sein, sich die übrige jüdische. Welt so zu gewinnen, daß jeder, der ein treuer Sohn fres' jüdischen Volkes sein will, seinen Platz in den Reihen der organisierten Zionisten finden muß. Wenn der Wiener Kongreß dazu den Ausgangspunkt bildet, wird er ein unvergeßliches Verdienst um das Judentum sich erworben haben. vom Jahrmarkt des Lebens. Em Wort an die deutschen Juden. Franz Pfempert sagt in seiner Zeitschrift „Die Aktion" den deutschen Juden Wahrheiten, die sie sich zur Notiz nehmen dürfen. Er schildert kurz und packend das Martyrium der russischen Juden und ihren „heldenhaften Idealismus", der die Taufe verschmäht, die für sie die einzige Möglichkeit der Befreiung aus ,/unwürdiger Sklaverei" bedeutet, und fährt dann fort: ,/Jhr aber, deutsche Juden, reiche, machtvolle, königtreue, freisinnige deutsche Juden, die Ihr aus jedem Traub einen Helden macht, wo seid Ihr? Wo seid Ihr im Augenblicke, da Eure russischen Glaubensgenossen ihrer Glaubenstreue wegen stündlich beleidigt und verfolgt werden? Weshalb schweigt Ihr wie feige Hunde? Weshalb duldet Ihr, daß Eure Presse stündlich auf der Lauer liegt, um Märtyrer der evangelischen Kirche zu züchten, während sie die heldenhaften jüdischen Kämpfer gemein im Stich läßt? Die Zustände, die ich kurz skizzierte, sind der deutschen Presse kein Geheimnis. Doch der Zar ist fern, und Mosse's Papierkörbe sind groß. Die deutschen Herrschaften haben Wichtigeres zu tun. Man kämpft um das preußische Wahlrecht, um jüdische Offizierspatente, man

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