Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Ne. 37 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 671 Austritte ans dem Judentum. Vom 31. August bis inklusive 6. September 1913. Aspis Ludwig, Ober-Revident der k. k. österr. Staatsbahn, VI., Esterhazygasse 18 a Bayer Gertrnde, Private, geh. 6. Juni 1884, Czernowitz, VI., Mariahilferstrasse 91 Grossmann Elsa, Private, geb. 10. März 1880, Wien, II., Praterstrasse 27 Grünfeld Alfred, Direktor der Wiener Eisenindustrie-Gesellschaft, geb. 8. Jänner 1883, Wien, X., Fernkorngasse 58 Klinger Salomea, Schneiderin, geb. 30. September 1882, Krakau, VI., Brückengasse 9 Oesterreich Anton, Privatbeamter, geb. 12. Februar 1875, Pressburg, II., Kurzbauergasse 1 Oesterreich Kurt, geb. 28. Oktober 1906, Wien, II., Kurzbauergasse 1 Oesterreich Rosa, Privatbeamtensgattin, geb. 23. Mai 1875, Lemberg, II., Kurzbauergasse 1 Rasch Anna, Hilfsarbeiterin, geb. 28. Februar 1880, Wien, XVIII., Schumanngasse 16 Scheu Rosa, Privat, geb. 16. Juni 1880, Baden bei Wien, IX., Seegasse 4 Schiller Anna, Buchbindergehilfin, geb. 21. Oktober 1882,, Wien, XI., Fuchsthallergasse 11 Schönthal Karl, Bürgerschüler, geb. 20. Juni 1899, Wien, X.,"’ Sikkardsburggasse 58 Vajda Julie, Opernsängerin, geb. 21. Februar 1888, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 34 * * Zum röm.-kath. Glauben sind übergetreten: Chinkes Hilda, geb. 11. Mai 1899, Wien, Chranow Ortmann Anna, geb. 22; Juni 1899, Wien, Chranow Steckel Rudolf, geb. 3. Juni 1899, Wien, Chranow Taubmann Ignaz, geb. 26. Juni 1899, Wien, Chranow Wolfenhaut Natan, geb. 12. Mai 1899, Wien, Chranow Ehrenaffäre eines Rabbiners. Aus Debreczin wird uns gemeldet: Aus eigentümlicher Ursache ist es zwischen dem Rechtshörer Josef Frank und dem Debrecziner Rabbiner Abraham 5traus zu einer Ehrenaffäre gekommen. Frank erschien beim Rabbiner und teilte ihm mit, daß er aus dem Judentum austreten wolle, worauf ihm der Rabbiner Kraus entgegnete, es sei charakterlos, den Glauben seiner Väter zu verlassen. Am nächsten Tage übersandte ihm Frank eine Forderung, die der Rabbiner annahm. Die Affäre wurde nun durch ein Protokoll gütlich beigelegt. Rabbiner Prof. Dr. Nathan Grün gestorben. Eine in Lehrer-, Studenten- und Schülerkreisen nicht minder wie in der jüdischen Gelehrtechoelt bekannte Persönlichkeit Prags, Rabbiner Prof. Dr. Nathan Grün, ist am 5. d. M. aus dem Leben geschieden. Tausende seiner gewesenen und jetzigen Schüler werden des greisen Lehrers, der mit tiefgründigem Wissen pädagogische Tüchtigkeit verband, mit dankbarer Wehmut gedenken. Mit Pros. Grün schied einer jener Pädagogen, welche ihren Schülern nicht bloß Lehrer, sondern auch warme Freunde und gütige Berater sind und ihnen auch über die Schulzeit zugetan bleiben. Der Verblichene, der als Professor der Religion durch mehr als vier Jahrzehnte in Prag wirkte, hat sich in seinem Fach durch Herausgabe eines vierteiligen Lehrbuches und als Historiker durch treffliche Arbeiten aus der Geschichte der Prager Judengemeinde einen guten Namen erworben. Pros. Grün wurde im Jahre 1871 zum ersten Religionslehrer der Prager Rultusgemeinde bestellt. Gleichzeitig wurde er mit der Leitung der damals begründeten israelitischen Gemeindebibliothek ernannt. Aljs Organisator dieser Bibliothek hat er sie zu einer wahren Fundgrube für hebräische und lokal-historische Forschung ausgestaltet. In angenehmer Erinnerung lebt Prof. Dr. Grün bei den vielen Tausenden ehemaliger Studierenden des Prag-Altstädter deutschen Staats-Gymnasiums, der Legionen Schüler der Piaristenvolksschule, der Mädchen-Volks- und Bürgerschule auf dem Altstädter Fleischmarkt und in der jüdischen Religionsschule Talmud Thora; sie alle werden sich des ernsten Vortrages, aber auch des urwüchsigen Humors des Verstorbenen erinnern, der ihn nebst seinem umfassenden Wissen auch im Lehrkörper der Anstalten, an welchen er gewirkt hat, zum geachteten und beliebten Rollegen machte. Bekannt und darum sehr gut besucht waren Dr. Grüns wissenschaftliche Vorträge im Fortbildungsverein Afike Jehuda, er verstand es, das historische Material spannend und interessant wiederzugeben. Prof. Dr. Grün hinlersätzt eine Witwe, mit welcher er durch 41 Jahre in glücklicher Ehe gelebt hat, und drei Rinder, einen Sohn MllDr. S. Grün in Rittlitz, und zwei Töchter. Klattau. Die Einweihung der neuen Synagoge in Prestitz, eines einfachen und würdigen Baues, fand am 7. d. M., um 723 Uhr nachmittags, statt. Das Gotteshaus war gedrängt voll. Die Vertreter der staatlichen und autonomen Behörden, der lokalen Vereine und der Kultusgemeinde der Nachbarorte waren erschienen. Eingeleitet wurde die Feier durch den Choralgesang Na Tauwu; dann wurden die Thorarollen nach festlichem Umzuge der Lade übergeben. Das «Ewige Licht" ward durch den Ortsrabbiner Herrn Leopold Singer, der auch das Gebet für das Wohl Sr. Majestät sprach, angezündet. Der Vorsteher der Kultusgemeinde Herr Otto Bloch hielt hierauf eire kurze Ansprache, in der er auch bemerkte, daß von der Gemeinde soeben ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät abgesandt wurde. Die eigentliche Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Siegfried B r e t aus Klattau; sie war ein Meisterstück oratorischer Leistung. Mit der Abfingung der Volkshymne endete die würdige Feier. — An Stelle des von Klattau überfiedelnden Herrn Adolf Drucker wurde Herr Fabrikant Leo W e i n e r in den Vorstand der Klattauer Kultusgemeinde gewählt. — Herr Fabrikant Heinrich Singer spendete zur Anschaffung neuer Teppiche für den hiesigen Temp?l 100 Kronen. — Herr Oberlehrer Alex. Baum, Lehrer an der hiesigen städtischen, öffentlichen Handelsschule, wurde auch zum Lehrer der deutschen Sprache an der zweiklaffigen, städtischen, gewerblichen Fortbildungsschule für Mädchen erannt. Berlin. Der Verband der Deutschen Juden wird seine 5. Hauptversammlung am 9. November d. I. in Hamburg halten. Abgesehen von dem üblichen Geschäftsbericht des Vorsitzenden werden Vorträge gehalten werden von Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t - Königshütte über „Die sozialeFü rsorge in der jüdischen Religion" und von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas- Karlsruhe über „Die Juden im öffentlichen Leben Deutschlands." — Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg trifft besondere Vorbereitungen zu einem festlichen Empfang der 400—500 Hauptversammlungsteilnehmer. Rabbinerinstallation. Am Vorabend des Sabbats (5. d. M.) wurde in Eger Se. Ehrwürden Herr Dr. Arnold G r ü n f e l d bei folgendgeübter Zeremonie in fein heiliges Amt geführt: Nach dem Minchagebete begab sich Herr Kultusvorsteher Ed. L ö w y, umgeben von den beiden Tempelvorstehern Bernhard und Edmund K o h n in den Gemeindefitzungssaal, von wo aus sie den neugewählten Rabbiner in das Gotteshaus geleiteten. Der Tempel war festlich beleuchtet, weißgekleidete Mädchen bildeten Spalier und vom Chorraume ertönte in feierlichen Akkorden ein Einzugsmarsch. Bor dem Altar angelangt, begrüßte der Vorsteher den Rabbiner mit den Worten: Borucb liabboh und markierte, ausgehend vom Satze des Wochenabfchnittes: Xi Ban Bochar liaschem ... in knappen Worten die hehre Miffion des Rabbiners. Herr Dr. G r ü n f e l d dankte für die Begrüßung und sagte, er wolle seine ganze jugendliche Kraft dem heiligen Dienste der Seelsorge weihen. Hierauf richtete des Vorstehers Töchterlein ein von Herrn Oberkantor W i l k o w i t f ch verfaßtes Gedicht an den Rabbiner und überreichte demselben einen Blumenstrauß. Bor Xiääiiseb hielt Herr Dr. G r ü n f e l d die Antrittsrede mit dem Leitmotive: Zedek, zedek tirdof, die ungeteilten, beneidenswerten Beifall erregte. Feuilleton. Air Marter der Hoffnung.*) Bon Villiers de l'Jsle-Adam Es war in Saragossa. Der Abend dämmerte, als der ehrwürdige Pedro Arbuez d'Espila, sechster Priester der Dominikaner von Segovia und dritter Großinquisitor *) Aus „Villiers de l'Jsle Adam" (Gesammelte Werke), deutsch von Hanns Hein? Ewers. Es sind bis jetzt 3 Bände erschienen: 2 Bücher Novellen und der Roman „Tribulat Bonhomet". Verlag Georg Müller in München.