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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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aaafejggasoEEaafeayyie; Nr. 37 Dr. Brochs Präsidentin Rosa Ziffer er immer aus der deutschen Heimat zurückkam, wenn sie unsere Leistungen mit den dortigen verglich, habe ich in diesem Blatt doch oft erörtert. was amerikanische Frauenarbeit auf diesem Gebiete geleistet hat. Alle die Forderungen, die Frau Simon in der Settlementbewegung aufstellte, sind doch in Amerika längst erfüllt, und wenn die von Jane Adams inaugurierte Settlementarbeit wirklich auch nichtjüdische Linder in großer Zahl aufnimmt, kann ich dies natürlich von meinem nichtzionistischen Standpunkt aus nicht beklagen, wenn der kleine Iude schon im Kindergarten sich die englische Weltsprache und einen Teil der amerikanischen Gesittung aneignet. Ich verkenne ja die enormen Schwierigkeiten nicht, mit denen die Palästinaarbeit zu kämpfen hat, ich zolle dem mutigen Borgehen der Frau Dr. M e i s e l, Leiterin der palästinensischen weiblichen Farm, alle Bewunderung, wenn wir aber schließlich in Ziffern und Zahlen sprechen, ist die Leistung — ich sage dies ohne Tadel — eine so verschwindend geringe, daß sie mit der Arbeit des kleinsten unserer Wiener Wohltätigkeitsvereine gar nicht in Rechnung kommt. Da diks zum Teil im großen Geldmangel liegt und Frau Simon die nichtzionistischen Kreise zu Spenden heranziehen wollte, hat sie gewiß nicht den richtigen Weg erwählt zu dem Herzen der nichtzionistischen Wienerin, über deren „goldenes Herz" noch gespottet wurde. lieber die prinzipielle Frage,-daß Frau Simon sagte, es sei wichtiger, ihrem Verein beizutreten, als irgend einem europäischen Bildungsverein, wollen wir nicht streiten: die Damen sollen uns es nicht verübeln, wenn uns vorläufig das geistige, sittliche und materielle Wohl derjenigen, deren Elend wir täglich vor Augen sehen und deren Hebung wir leiten und beaufsichtigen können, mehr am Herzen liegt, als das der Fernen. Wenn ich von uns Aelteren, in der jüdischen Wohltätigkeit Wirkendenreden soll, so haben wir die meisten unserer Fähigkeiten in gemischten Vereinen, erworben und es bitter beklagt, daß der konfessionelle Hader uns auf die jüdische Wohltätigkeit beschränkt hat, wir sind ffreiwilli g von den gemischten Vereinen, wo wir wegen unseres Fleißes hochgeschätzt waren, ausgetreten, also auch darin verdienen wir nicht die Anwürfe der Rednerin. Ferner scheuen sich die palästinensischen Armen doch keineswegs, an uns heranzutreten und die Ersuchen der aus Palästina hier studierenden Hebammen, denen wir Taschen- und Studienhonorare verschaffen sollen, mehren sich von Tag zu Tag. Ebenso haben wir in unserem Seebensteiner Heim wiederholt palästinensische Lehramtskandidatinnen aufgenommen, leider immer mit schlechtestem Erfolg, weil sich die Begriffe europäischer und asiatischer Kultur durchaus nicht decken wollten und unsere europäischen Mädchen darüber zu sehr klagten. Wenn also die Palästinaarbeit fortwährend an uns herantreten muß, sollte sie auch hübsch bescheiden unsere Heimarbeit anerkennen. Das war es, was ich in der fanatischen, elektrisierten Versammlung als Schriftführerin eines Wiener Vereines sagen wollte, aber mich zu sagen nicht berufen fühlte, weil ich als Privatperson gekommen war und keine Vertreterin der Wiener Vereine gewahrte. Wenn mir die Ausführungen der Frau Simon nicht wörtlich hier in unsern schönen Bergen vorliegen, bitte ich um Entschuldigung, aber ich glaube, ihr dem Sinne nach nicht Unrecht getan zu haben. Ich habe nach ihrer Rede den Saal verlassen, weil ich nicht gewillt war, noch ähnliches anzuhören, kann also über den weiteren Verlauf nicht berichten. Reichenau. Clotilde Benedik t. Eine interessante Streitfrage in Rußland. Unter den verschiedenen Freiwilligen, welche beim Ausbruche des Balkankrieges in die bulgarische Armee eingetreten waren, befand sich auch ein russischer Iude. Wochenschrift Seite 869 namens Sukowski. Der 21jährige junge Mann hat so tapfer gekämpft, daß er nach einer Schlacht, in welcher er sich ganz besonders ausg^eichnet hatte, vom König Ferdinand empfangen und von ihm selbst zum Leutnant befördert wurde. Als nun Sukowski jetzt nach Beendigung des Krieges nach Rußland zurückkehrte, hatte er sich pflichtgemäß zur Assentierung gestellt. Er wurde auch für tauglich befunden. Sukowski forderte nun, daß die russische Kriegsverwaltung sein bulgarisches Leutnantspatent im Sinne der russisch-bulgarischen Konvention anerkenne und ihn als Leutnant einreihe. Die russische Regierung hat diese Forderung, für welche bisher kein Präzedenz vorlag. ganz einfach mit der Motivierung abgelehnt, daß im Sinne der russischen Gesetze Iuden keine Offiziere werden können. Take Ionescu beim jüdischen Minister. Die Pariser Zeitung „Le temps" schreibt: Der Minister des Innern Klotz und Gemahlin gaben zu Ehren des in Paris weilenden rumänischen Ministers des Innern Take Ionescu ein Dejeuner. Rach Aufzählung der Persönlichkeiten, welche zu diesem Dejeuner, das der Minister Klotz in seiner Landvilla in Eoien gegeben hatte, erschienen waren, schreibt das Blatt weiter: Take Ionescu wurde von den Gästen des Herrn Klotz außerordentlich gefeiert und für die großen Dienste, welche die rumänische Regierung, der Klugheit des Königs Carol folgend, dem Frieden geleistet hat, beglückwünscht. An diese Notiz knüpft „Univers Isiaelite" die zutreffende Bemerkung, die nicht ohne Ironie ist. Wir sind überzeugt. daß der ehrenwerte Minister des Innern der Regierung der Republik diesmal die Gelegenheit nicht hat vorübergehen lassen, sich mit seinen Kollegen über die sinngemäße Anwendung des Artikels 44 des Berliner- Vertrages zugunsten der rumänischen Iuden zu unterhalten. Dr. Nordau in Rußland. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Im Dezember d. I. findet in Moskau der internationale Psqchologenkongreß statt. Wie bei allen solchen internationalen Veranstaltungen in Rußland spielte auch hier die Frage, ob ausländischen Iuden der Aufenthalt in Moskau und demzufolge die Teilnahme an dem Kongresse gestattet werden soll, eine wichtige Rolle. Wie wir nun erfahren, soll die Regierung bereits beschlossen haben, den jüdischen Gelehrten, welche zum Kongresse nach Moskau kommen wollen, keine Schwierigkeiten zu bereiten. Rach derselben Quelle habe Dr. Nordau, dem dieser Beschluß der Regierung bekanntgegeben wurde, bereits sein Erscheinen zugesichert. Wir geben diese uns zugekommene Nachricht nur mit Vorbehalt wieder. Antisemitische Machinationen gegen die Juden in Saloniki. Aus Saloniki wird uns von maßgebender Seite geschrieben: Von Zeit zu Zeit tauchen in der europäischen Presse Mitteilungen auf, laut welchen die Iuden von Saloniki, die bekanntlich die Nachkommen der aus Spanien vertriebenen Iuden sind, sich an die spanische Regierung gewendet hätten, um ihre Intervention zugunsten der Iuden bei der Regierung in Athen zu erbitten. Begründet wird ein solcher angeblicher Schritt damit, daß die Lage der Iuden in Saloniki seit der griechischen Herrschaft unerträglich geworden sei. Das letzte Gerücht dieser Art erschien im „Iournal de Paris", das auch zu berichten wußte, daß die Iuden von Saloniki im Wege des Vorstandes der dortigen Judengemeinde an den spanischen Ministerrat ein Memorandum gerichtet hätten, in welchem die Klagen aktenmäßig beleuchtet worden seien. Der Vorstand der Iudengemeinde von Saloniki sieht sich daher veranlaßt, alle diese Behauptungen auf das energischeste zu dementieren und zu erklären, daß die

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