Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 668 Dr. Blochs Wpchrnschrift. Nr. 37 In der letzten Sitzung des Elften Zionistenkongresses wurde das von der Budgetkommission des Permanenzausschuffes revidierte Budget beraten, bas nunmehr nach dem Bericht Dr. Heymanns in Einnahme und Ausgabe mit 242.000 Mark abschließt, gegenüber dem Voranschlag des E. A. C, der mit 226.000 Mart bilanzierte. Der Einspruch C o w e n s gegen einen Posten des Budgets wurde durch die nahezu einstimmige Annahme des Budgets erledigt. Die Vorschläge des Permanenzausschusses wurden dem Kongreß wieder von Prof. Dr. W e i z m a n n unterbreitet. Für das Engere Aktionskomitee wurden vorgeschlagen : Prof. Dr. Otto Marburg—Berlin: Rechtsanwalt Dr. Artur Hantke—Berlin: Dr. Victor Iacobso n—Konstantinopel; Dr. Schmarja Levi n—Haifa; Nahum S o k o l o w—Berlin: Dr. Iechiel Tschlenow—Moskau. Die Liste wurde einstimmig en bloc angenommen. In das Große Aktions-Komitee wurden auf Vorschlag des Permanenzausschusses gewählt: David W o l f f s o h n—Köln, Justizrat Dr. M. I. Bodenheime r—Köln, Jean Fischer -Antwerpen, Dr. Frank—Altona, Dr. Friedemann Wiesbaden, V. A. Goldberg—Wilna, Dr. H. G. Hey mann — Berlin, Wladimir Idelsoh n—Petersburg, Iakobus Kann—Haag, Ingenieur K eßler -London, Rechtsanwalt Dr. K l e e—Berlin, Ingenieur Kremenetzky— Wien, Dr. Alexander Marmorek-Paris, Leo Motzk in—Berlin, Naiditsch Moskau, 3. Podlisch e w s k i—Warschau, Dr. Leon R e i ch—Lemberg, R os o f f—Petersburg. Rechtsanwalt S. Rosenbau nv— Minsk, Heinrich Schein Galatz. Julius S i m o n— Mannheim, Adolf Stand—Lemberg. Oberingenieur Stricke r—Wien, Ingenieur M. ll s s i s ch k i n Odessa, Prof. Dr. Chaim W e i z m a n n—Manchester. Prof. Marburg sprach danach dem Präsidium den Dank aus, begrüßte die Wahl Dr. Tschlenows in das Engere Aktionskomitee und verweilte in warmen Worten bei der sympathischen Haltung der Wiener Bevölkerung und der österreichischen Presse. Die folgende Resolution, die von Rabbiner Doktor Osias T h o n—Krakau eingebracht wurde, fand debattelos die Zustimmung der Kongreßes: „Der Zionistenkongreß als legitime Vertretung der größten jüdischen Organisation aus allen Ländern der Welt erhebt aus Anlaß des Kiewer Beilis-Prozesies feierlich Protest gegen die ungeheuerliche Beschuldigung, daß es Juden gäbe, die zu Religionszwecken Menschenblut verwenden. Wir brandmarken es als einen Schandfleck unserer Zeit, daß man es wagen kann, einen solchen wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen unser Volk, das drei Jahrtausende menschlicher Hochkultur-durchlebt hat und das der Menschheit Nächstenliebe und Humanität gelehrt. Im Namen der Solidarität der gesitteten Menschheit fordern wir die ganze Kulturwelt auf, gemeinsam mit uns den Kampf zu führen gegen die finstere Barbarei und uns zu helfen, unsere geschändete Menschenwürde und verletzte Volksehre zu verteidigen und zu schützen." Sodann erhielt Chaim Nahum B i a l i k, der berühmte hebräische Dichter, das Wort zu einer Ansprache, in der er die Gründung der jüdischen Universität in Jerusalem als den Beginn einer neuen Aerq feierte. Ingenieur Syrkin, Kiew, dankte dem Präsidenten des Kongresses David W o lff sohn für die umsichtige Leitung der Verhandlungen. Mit einem Schlußwort Wolffsohns und dem tausendstimmigen Gesang der „Hatikwah" wurde der XL Kongreß geschlossen. IKorrespondenzen. Ein Wort zur zionistischen Franenversammlung vom 3. September. Als Nichtzionistin durch die übergroße Freundlichkeit einer im Zionismus hervorragend tätigen Persönlichkeit zur Eröffnungsversammlung des Kongresses geladen, wurden an mich, wie an sämtliche im Saale anwesenden weiblichen Wesen Einladungen zu einer frei und allgemein zugänglichen Versammlung der Frauenvereinigung für jüdische Kulturarbeit verteilt. Aus dem freundlichen Tert hätte man entnehmen sollen, daß Freund und Feind, Christ und Jude geladen sei. Als ich den Beelhovensaal betrat, war mir allerdings klar, daß die zionistischen Damen und Herren ziemlich unter sich waren, dies um so auffallender und gewiß der Absicht der Einberufung nicht entsprechend, da die Vorsitzende schon in den Einleitungsworten, wenn ich mich recht erinnere, hervorhob, daß die Damen für Palästinaarbeit jede Jüdin heranziehen und interessieren wollen, daß ihr Verein wohl aus zionistischen Anregungen hervorgegangen sei, sich aber durchaus nicht mit dem Zionismus decke rc. Sie erteilte darauf Frau Simon aus Heidelberg das Wort zu einem höchst geistreichen Referat, in dem ich aber zu meinem peinlichsten Erstaunen die maßlosesten Angriffe gegen uns nichtzionistischen Frauen hören mußte. Ob dies die rechte Art war, mit uns p ringen, bis sie uns nicht loslassen, wie Frau Simon sich nach Jacob ausdrückte, lasse ich dahingestellt. Wenn schon ein unleidlicher Fanatismus und Unduldsamkeit gegen Nichtzionisten sich bei den männlichen hervorragendsten Rednern der Meetings bemerkbar machte, ging bei der geistreichen Dame damit eine merkwürdige Unkenntnis der Tatsachen Hand in Hand, da die Dame vollständig zu ignorieren scheint, was von jüdischen Frauen für jüdische Frauen bisher hüben und drüben des Ozeans geschaffen worden ist. Ich war geradezu entrüstet, daß in einer Stadt, wo . so viele opferwillige Frauen den Mädchenunterstützungsverein, den Lehrmädchen-Hort, die Philanthropia. die Toynbeehalle, das Arbeitecinnen-Erholungsheim in Seebenstein, das Meroreswaisenhaus und vieles andere geschaffen, in der wohl Hunderte Frauen wie ich Hunderte Recherchen pflegen, in einer Stadt, in der die Kultusgemeinde immer mehr auf weibliche Vereinsarbeit sich stützt und man nicht ein armes jüdisches Heim betreten kann, in dem nicht wenigstens ein Kind von Sofie Grünfeld und ihrem Stab aufs Land verschickt worden ist, daß in dieser Stadt von einem Kongreß, der bei uns Gastrecht genoß, gesagt werden konnte, die jüdische Frau sei für rein jüdische Arbeit nicht gu haben und die jüdische Frau habe kein Verständnis für soziale Arbeit. Diese Aussprüche haben mich um so mehr überrascht, als in christlichen Kreisen, angefangen von unserm erhabenen Monarchen, unserer unvergeßlichen Kaiserin, bis herab zu den armen Christen, die wir oft irrtümlich recherchieren tind bann gewiß uie unbeschenkt lassen, unsere Arbeit immer für vorbildlich, mustergiltig und von der interkonfessionellen Wohltätigkeit oft erst nach Jahrzehnten erreicht, dargestellt wird. Auch will ich unsere österreichischen Frauen noch gar nicht für mustergültig ausgeben, weiß ich doch, wie deprimiert meine unvergessene