Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 667 Volk zu werden. Was soll man aber dazu sagen, wenn solche Nationaljuden Mischehen eingehen. Ich gebe mich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß der Kongreß beschließen wird, schon aus Gründen der Erhaltung unserer Rasse sei das Eingehen von Ehen mit Angehörigen anderer Volksstämme aufs schärfste zu verurteilen. (Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Dem Zionisten, der in dieser Weise unser jüdisches Blut verwässert, dem hilft es auch nicht, wenn er den ganzen Tag hebräisch spricht. Wir Misrachisten, die die kulturelle Fraktion des Zionismus darstellen, reden nicht so viel vom Hebraismus. Ich weise aber auf die Tatsache hin, daß unsere zweitägige Misrachikonferenz fast ausschließlich in hebräischer Sprache geführt wurde. (Bravo!) Wir erstreben nicht eine hebräisch sprechende Halbkultur, sondern eine auch hebräisch fühlende Vollkultur. (Beifall.) Uns ist die hebräische Sprache eine heilige Sprache, nicht nur weil in ihr die heiligen Bücher Israels geschrieben sind, sondern weil sie die Nationalsprache unseres Volkes ist. Ich sage daher allen denen unter Ihnen, die den Sklavengeist aus sich getilgt haben und wahrhaft stolz den Adel des Judentums fühlen, nicht nur hebräisch sprechen, sondern auch hebräisch handeln! (Beifall.) Hebräisiert eure Zunge, aber zuvor hebräisiert eure Herzen! (Stürmischer Beifall und Hedadrufe.) Die Rede Strucks hat eine ungeheure Erregung zurückgelassen. Daß eine Wiederwahl Böhms ins A.C. bei dieser Stimmung unmöglich geworden, erkannte man sofort. Am Schlüsse der Sitzung wurde eine Erklärung verlesen, daß die von Struck zitierten Stellen aus dem Zusammenhang gerissen seien. Allgemein fiel es auf, daß von Böhms Parteigenossen und „treuen" Freunden nicht ein einziger ein Wort der Verteidigung für den schwer Angegriffenen zu sprechen den Mut aufbrachte. Herr Böhm erklärte, auf eine Wiederwahl in das A. C. zu verzichten. l ' Me Banldebatte. Der Präsident der jüdischen Kolonialbank, Herr Doktor R. Katzenelsohn (Libau) erstattete sodann den Bankbericht. Die Jüdische Kolonialbank ist vor fünfzehn Jahren gegründet worden und seit zehn Jahren aktionsfähig. Sie hat ihren Weg nur unter großen Schwierigkeiten machen können, denn sie ist die einzige wirkliche Volksbank der Welt und hat mehr als 150.000 Aktionäre. Ihre Hauptgründung ist die Anglo Palestina Company, die Zionistische Palästinabank, die an der gesunden Entwicklung des jüdischen Elements Palästinas den größten Anteil hat und heute einer der größten wirtschaftlichen Machtfaktoren des Landes ist. Außerdem hat sie die Anglo Levantine Banking Co. in Konstantinopel eingerichtet. Die Jüdische - Kolonialbank ist das wichtigste Kreditinstitut der zionistischen Institutionen geworden. Die Bank mit ihren Töchterinstituten hat über 10 Millionen Depositen. Das arbeitende Kapital der Bank verzinst sich mit 81 Prozent, natürlich leidet die Entwicklung des Mutterinstituts darunter, daß der weitaus größere Teil ihres Kapitals zur Errichtung ihres Tochterinstituts gegeben wurde, das seit Jahren 41/* bis 43/<i Prozent Dividende verteile. Wenn auch die Fortschritte der Jüdischen Kolonialbank nur langsam vonstatten gehen, so kann man doch eine andauernde Entwicklung nach vorwärts konstatieren. Insbesondere wird die Anglo Palestine Land Ey. immer mehr der Träger der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas und einer der Hauptfaktoren zionistischer Palästinapolitik. Durch ihre Forderungen der Genossenschaften auf Gegenseitigkeit hat sie si.ch ein außerordentliches Verdienst um die wirtschaftliche Hebung des Landes erworben und dabei bisher fast keine Verluste gehabt. In der Sitzung von Dienstag, den 9. September, nachmittag, wurde zunächst die Debatte über die Universitätsfrage zu Ende geführt. Ehrenreich (Newyork) ist gegen die Errichtung einer Universität, weil die Aufgabe so groß wäre, daß sie die ganzen Kräfte der Bewegung in Anspruch nehmen würde. — Abronowitsch spricht sich gegen die Universität aus, weil die dort ausgebildeten Studenten keine Möglichkeit hätten, sich in Palästina zu betätigen. — Slatopolsky wendet sich gegen die Kritiker des Kulturfonds. Dr. Heinrich Löwe (Berlin) spricht in glänzenden Ausführungen für die russische Jugend, der die Bildungsmöglichkeiten immer mehr gesperrt werden und der die Möglichkeit zur Ausbildung gegeben werden solle. Es sei falsch, zu glauben, daß eine Universität die Kolonisationsarbeit in Palästina gewissermaßen als Dach krönen müßte, sie wäre vielmehr der Grundstein. Eine Universität -in Jerusalem würde nicht nur für Palästina, sondern für das gesamte Judentum der Diaspora außerordentlich viel bedeuten. Welcher Wert der Schaffung nationaler Bildungsstätten beigemessen würde, beweise die Gründung der Universität in Berlin nach den Freiheitskriegen. Die Befürchtungen, datz die Unterrichtssprache an der Universität große Schwierigkeiten bereiten würde, seien grundlos. Rach kurzer Zeit würde die hebräische Sprache eingeführt sein, und von den durch die Universität ausgebildeten Studenten würde eine Hebräisierung des Golusjudentums ausgehen. Welche Bedeutung der Universität auch in studentischen Kreisen beigemessen würde, ginge daraus hervor, daß das Präsidium des Bundes jüdischer Korporationen beschlossen habe, dem Universitätsfonds 4000 Francs zuzuführen. Redner bittet dann in warmen Worten, die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem, die der Universität große Dienste leisten würde, tatkräftig zu fördern. Hierauf wurde folgender Antrag angenommen: „Der Kongreß beschließt, das Engere Aktionskomitee aufzufordern, eine Kommission einzusetzen zum Zwecke der Vorbereitung der Gründung einer Universität in Jerusalem." Prof. Dr. W e i z m a n n: Im Aufträge des Permanenzausschusses habe ich folgende Erklärung abzugeben: Der Permanenzausschuß hat in seiner Sitzung am Sonntag den Beschluß gefaßt, daß nach seiner Meinung das Große A. E. mit dem Aufsichtsrat der Bank identisch sein soll. Auf Ersuchen des E. A- C. aber, welches sich im Laufe des Kongresses mit der Bankkeilmrg verständigt hat, hat der Permanenzausschuß darauf verzichtet, aus Durchführung des Beschlusses weiter zu bestehen. Indem ich diese Erklärung im Namen des Permanenzausschusses abgebe, stelle ich gleichzeitig den Antrag, über alle weiteren Erklärungen und Anträge zu diesem Punkte zur Tagesordnung überzugehen. (Beifall.) Del. Julius Simon verliest eine Erklärung der Poale Zion und Zeire Zion, wonach die diesen Organisationen angehörigen Delegierten, insgesamt 37, auf kein Kompromiß eingehen wollen, sondern entschieden für die Forderung stimmen, daß der zionistischen Leitung der entscheidende Einfluß auf die Finanzinstitute eingeräumt werde. Dr. Emil M a r g u l i e s: Die westösterreichische Landsmannschaft beharrt prinzipiell auf ihrem Standpunkt bezüglich der Erweiterung der Kontrolle des A. C. auf die Finanzinstitute und schließt sich nur unter dem Druck der Verhältnisse dem Anträge des Permanenzausschusses an. Bei der Abstimmung wird der Antrag Weizmanns angenommen und sodann die Sitzung geschlossen.