Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Blochr Wochenschrift Sette 665 überdenken. So müssen mit Notwendrgkeit Fehlschläge entstehen, die denn auch nicht ausgeblieben sind. Er verlangt keineswegs, daß die kolonisatorischen Unternehmungen alle rentabel sein müssen, aber etwas müsse doch dabei herauskommen. Tatsächlich seien aber auch die Farmen nicht einmal gut geführt. Die Gelder des Nationalfouds seien über die zulässige Grenze hinaus in Palästina investiert, so daß, wenn wirklich einmal eine große Gelegenheit zum Bodenkauf sich ergebe, der Nationalfonds nicht daran schreiten könne. Die Leitung versuche das Unerfreuliche dieses Zustandes zu verschleiern, und das sei Unrecht. Nur die allergrößte Klarheit und Offenheit könne die Palästinaarbeit zu einer gedeihlichen Entwicklung bringen. Herrn Kann antwortet Herr Dr. S ch m a r j a L e v i n, Haifa, Mitglied der engeren Leitung. Wenn das jüdische Volk in Palästina Einfluß gewinnen wolle, so müsse es rückhaltlos und ohne erst in lange eingehende Berechnungen einzutreten, alle sich bietenden Gelegenheiten ergreifen. Es sei absolut unrichtig, daß die zionistischen Kolonisations-Unternehmungen schlecht geleitet würden. Herrn Kanns Meinung stützt sich lediglich auf Berichte, die ihm zugingen. Er, der Redner, kenne diese Einrichtungen aus wiederholten Besuchen, auch in der letzten Zeit, und er, sowie die überwiegende Mehrzahl der im Lande ansässigen Sachverständigen seien ganz anderer Meinung, als Herr Kann. Mit der Kann'schen Methode wäre auch das verhältnismäßige Wenige, das jetzt schon in Palästina existiere, niemals geschehen. Dieser Hinweis allein genüge, um das Unrichtige der Kann'schen Anschauung darzulegen. Kanu betrachtet diese ganze Angelegeuhtit unter dem kleinen, erkältenden Gesichtswinkel des Rechenmeisters. Eine große Volksbewegung müsse ganz anders angeschaut werden, und es sei das Glück, daß die Bewegung sich von jener Rechenmethode freigemacht und sich ohne lange Ueberlegung mit der ganzen Fülle ihres Empfindens und der ganzen Kraft ihres Vermögens auf die Arbeit in Palästina geworfen. Niemals in der Weltgeschichte sei ein Land anders, als mit Begeisterung, mit der Einsetzung des Letzten kolonisiert worden. Hierauf schritt man zur Wahl der Palästina-Kommission, die aus etwa 40 Mitgliedern besteht. Montag, den 8. September. In der Fortsetzung der Palästinadebatte entwickelt Delegierter David Pellin, Jerusalem, in längeren Ausführungen die Forderungen und Erwartungen der palästinensischen Iudenheit, die etwa darin gipfeln, die durch den Balkankrieg eingetretene Auswandererbewegung nach Syrien hinzulenken und die Verbesserung des Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung und Schaffung einer Filiale des Palästinaamtes in Jerusalem, die vorbereitende Schritte zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der palästinensischen Judenheiten fordert. Das Mitglied des Engeren Aktionskomitees, Herr Nahum Sokolow, verbreitete sich sodann über die Bedeutung der Gewinnung der amerikanischen Juden für den Zionismus, insbesondere der in der letzten Zeit gewonnenen Persönlichkeiten, der Herren Nathan Straus und Jakob Brandeis. Der Präsident des Galizischen Zentralkomitees teilte sodann unter stürmischem Beifall der Versammlung mit, daß die von Herrn Dr. G. Zipper eingeleitete Sammlung von 160.000 Francs für das hebräische Gymnasium in Jerusalem soeben abgeschlossen sei. Ussischkin stellt fest, daß wir in den letzten zwei Jahren trotz mancher Fehler, die unvermeidlich waren, sehr bedeutend vorwärts gekommen find. Wenn wir jetzt mit Merchawjah im Emek Jisreel Fuß gefaßt haben, wenn wir hier jetzt nicht nur Boden, sondern auch jüdische Arbeiter haben, die ihr Leben dafür einsetzen, um eine neue wichtige Position zu erobern, so geht es nicht an, zu fragen, wie viel wir dafür zu zahlen hatten. Das gleiche gilt auch für Kinereth, die Lehrfarm für Arbeiterinnen in Palästina. Als die wichtigsten Aufgaben der Palästinaarbeit bezeichnet der Redner die Durchsetzung des Prinzips der jüdischen Arbeit, die Schaffung einer Agrarbank und die Einleitung einer großzügigen Aktion zur materiellen und kulturellen Hebung Jerusalems. Sodann nahm der Leiter des Palästinaamtes, Herr Dr. Ruppin, das Wort und wandte sich insbesondere gegen die Angriffe des Herrn Kann. Er könne überhaupt nur die Kritik von solchen Leuten anerkennen, die sich durch eingehende Studien im Lande ein Urteil über die eigentümlichen Verhältnisse daselbst gebildet hätten, und er könne nur bedauern, daß durch die andauernde und keineswegs freundliche Kritik von Nichtsachverständigen. wie Herr Kann einer sei. die zionistische Palästinaarbeit gestört würde. Es sei doch etwas, daß mehr als lausend Arbeiter aus Rußland nach Palästina gekommen seien. Der Lohn dort sei heute noch so gering, daß Amerika oder irgend ein anderes Einwanderungsland unter ökonomischen Gesichtspunkten diese jüdischen Arbeiter zweifellos mehr hätte anziehen müssen. Sie seien nach Palästina gekommen um Palästinas willen, und das sei nicht unser geringster Erfolg. Nach Dr. Ruppin. dessen Ausführungen stürmischen Beifall fanden, kritisierte der Farmleiter Tolkowsky aus Palästina Einzelheiten der Arbeit der Palestine Land Development Company. Er verlangte einen stärkeren Einfluß auf die Alliance-Schulen im nationalen Sinne, um die Auswanderung von Kolonistensöhnen zu verhindern. Die Ausführungen des Redners, der sich allzu sehr mit Details abgab, fanden Widerspruch, er wird daher seine weiteren Darlegungen im Palästinaausschuß machen. In der Montag-Nachmittagssitzung kamen von den acht Generalrednern zunächst die palästinensischen Delegierten Aronowitsch und Dr. Bogratschew zu Worte. Elfterer polemisiert gegen die Beteiligung des I. N. F. an der Gründung des Stadtviertels Tel Awiw in Jaffa. Dr. Bogratschew vermißt eine genügende Fürsorge für die Nichtorganisierte jüdische Arbeiterschaft Palästinas, regt zur Ausnützung der industriellen Möglichkeiten des Landes an und vÄklangt eine intensivere Schulpolitik. Herr Kann hält die in der Sonnabendsitzung erhobenen Vorwürfe aufrecht und verlangt die Einsetzung eines kaufmännischen Beirates für das Palästinaamt. Boris Goldberg unterstützt mit Wärme den Antrag. dem Palästinaamte Dank und Anerkennung auszusprechen. Israel Schochaat spalästinensicher Voale Zionl betont die überragende Bedeutung des Landsrwerbs und der Pemenitenansiedlung. Abraham Goldberg (NewyorD ermahnt zur Vorsicht bei allen palästinensischen Aktionen. Julius Simon hält die Kritik des Herrn Kann für' unfruchtbar und destruktiv. Wenn beispielsweise die P. L. D. C sich noch nicht zur vollen Wirksamkeit entwickeln konnte, so trifft die Schuld Herrn Kann und seine Freunde. Kaplansky (Poale Zionl macht Vorschläge, die auk eine Stärkung des jüdischen Landarbeiterstandes hinzielen. Es soll eine weitere genossenschaftliche Kolonie begründet und der Genossenschastsfonds durch einen Betriebsfonds ergänzt werden. Dr. Bodenheimer meint. Herr Kann habe falsche Schlüsse aus den Zahlen des I. N. F. gezogen. Die Unterstützung der Genossenschaften sei schon im N. F.- Bericht gefordert. Die Kolonisationsmethoden seien sorgfältig studiert und Tausende für Gutachten ausgegeben