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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 664 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 37 Charakter angenommen habe. Er wolle gar nicht darüber sprechen, daß der Unterschied zwischen „politisch" und „Praktisch" allzu stark hervorgehoben wurde, ohne Grund. Das Prinzip der Kollegialität stehe fest, ebenso sei man sich darüber einig, daß die Leitung sich in einem jüdischen Zentrum befinden müsse. Die Leitung kämpfe nicht gegen Personen, sondern für ein System, das auf dem vorigen Kongreß verheiligt worden sei und das sich durch die Arbeit der letzten zwei Jahre als richtig erwiesen habe. Wenn man hier.der Leitung vorgeworfen habe, daß st« von einem merkantilen Geist beseelt sei, so könne Redner nur darauf verweisen, daß er und seine Kollegen sehr für die ideale Seite der Bewegung eingetreten seien. Zum erstenmal sei auf diesem Kongreß wieder eine junge Generation vertreten. Man solle nicht von einem merkantilen Geist sprechen, wenn die Leitung das Verbrechen begangen habe, ohne Defizit vor dem Kongreß zu stehen. (Heiterkeit und Beifall.) Die Hauptfrage des Kongresses sei, ob derselbe die Fortsetzung der Arbeit in denselben Richtlinien wie bisher wünsche oder nicht. Er könne nicht sagen, daß die Leitung mit dem, was erreicht worden sei, zufrieden wäre. Eine Bewegung, die ihre Selbstkritik verloren habe, könne keine Fortschritte machen. Der ganze Zionismus sei eine einzige Unzufriedenheit. Man müsse aber der Leitung zugestehen, daß sie, was sie tun konnte, getan habe, um diese Verhältnisse zu bessern. (Lebhafter Beifall.) Es gelaugt hierauf ein Antrag der P o a l e Zion, der zionistischen Arbeiterorganisation, zur Verlesung, in dem gefordert wird, man möge die Frage, wem die Leitung der zionistischen Geldinstitute auzuvertrauen sei, von der Frage des Vertrauens für das Attionskomitee trennen und eine Kommission einsetzen, die zu untersuchen hätte, wer an der Spitze der Geldinstitute stehen solle. Präsident Wolffsohn und der Vertreter der Misrachi schließen sich diesem Antrag an, worauf er mit großer Majorität angenommen und darauf dem Komitee mit Stimmeneinheit das Vertrauen votiert wird. Kolonisatorische Probleme. Ju der Nachmittagssitzung erstattete Justizrat Doktor Bodeuheimer (Köln) den Tätigkeitsbericht des jüdischen Nationalfonds. Er führte aus: Auch in der letzten Kongreß- Periode ist der Nationalfonds wiederum gewachsen. Der gegenwärtige Stand des Vermögens beträgt vier Millionen Kronen. Wenn der Natioualfonds aber seinen großen Aufgaben einigermaßen gerecht werden will, müssen die Einnahmen verdoppelt werden. Zum Zwecke der Vermehrung der ständigen Spenden habe mau sich insbesondere den Ausbau der Sammelmittel angelegen sein lassen. Nach den bestehenden türkischen Gesetzen ist der Nationalfonds wohl in der Lage, durch Vermittlung vertrauenswürdiger Personen sich Rechte zu schaffen, die für den Besitz des käuflich erworbeueu Bodens für die Zukunft einigermaßen Gewähr leisten. Ein gesetzliches Eigentumsrecht auf den Grund und Boden besitzt der Nationalfonds aber nicht. Daraus erklärt es sich, daß in den verflossenen Perioden der Natioualfonds sich nicht mit der Kolonisation im großen Stil besaßt hat. Wir haben uns mit dem Ausbau einiger Farmen in Ben-Schemen und Hulda der Arbeitergenossenschaft in Dagania, der Siedlungsgenossenschaft in Merchawja usw. gewidmet. Ferner haben wir die Erbauung von Arbeiter- Heimstätten in die Hand genommen. Das Direktorium des Nationalfonds hat für die ersten zwei Sitzungen einen Betrag von 10.000 Francs für die Errichtung von Iemenitenhäusern zur Verfügung gestellt. Redner schloß unter lebhaftem Beifall mit eiu«n energischen Appell an alle Zionisten, in ihrer Sammeltätigkeit nicht zu erlahmen und mit der größten Opferwilligkeit die Organisation auszubauen, die dazu führen soll, Palästtua zu einem blühenden Garten für das jüdische Volk zu machen. _ Sitzung am Sonnabend den 6. September abends. Die Sitzung begann abends um 8 Uhr mit dem Referate des Dr. Arthur R u p p i n, Jaffa, über „Die zionistische Arbeit in Palästina". Bei denr Beginn der systematischen Palästinaarbeit habe es sich darum gehandelt, an Stelle der abgewirtschafteten Methoden neue Wege zu finden, die es ermöglichten, mit relativ kleinen Mitteln Erfolge zu erzielen. Durch die Gründung einer Parzellierungsgefillschaft habe man cs kapitalskräftigen Elementen ermöglicht, aufgeschlossene Güter zu erwerben; die Errichtung der Großfarmen Kinereth und Ben-Schemen habe die Ausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter und die E'Probung aller technischen Neuerungen möglich gemacht. Die „Tat von Kinereth" sei die Voraussetzung gewesen für die Entstehung blühenden jüdischen Lebens am Tiberiasee, für die Gründung von Merchawja und Migdal und Dagania, für die zukunftsreiche Achusa-Bewegung und schließlich für das Entstehen der Mädchcnfarmen zur landwirtschaftlichen Ausbildung von Kolonistinnen. Ein' Erfolg der Farmen sei die Einführung der Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien und die systematische Einführung der Vichwirtschaft in die jüdischen Kolonien in Palästina. Natürlich sei es nicht angängig gewesen, bei den kolonisatorischen Unternehmungen den Profitstandpunkt hervorzukehren, da sie ja zu ganz anderen Zwecken gegründet worden seien. Daß aber gewerbliche Unternehmungen in Palästina gute Renten abwücfen, dafür seien ein Beispiel die hohen Dividendenzahlen der Jmmobilien- Gesellschaft und die gut prosperierenden Pflanzungen in den judäischen Kolonien. Die Beschäftigung von jüdischen Arbeitern sei eine Notwendigkeit. Denn nur, wenn wir als Exploitatören der Arbeit jüdischer Hände auftreten, erlangen wir auch das moralische Recht auf Besitz in Palästina. Während 1908 der Umsatz 208.000 Francs betrug, habe er im ersten Halbjahr 1913 bereits die Summe von 31/, Millionen Francs überschritten. Für die Zukunft sei die Entwicklung des Schulwesens, insbesondere die Eröffnung des Technikums in Haifa von höchster Bedeutung. Schon heute bringe das hebräische Gymnasium Jaffa der jüdischen Bevölkerung fast eine Viertelmillion Francs von auswärtigen Schülern bezahltes Schulgeld ein. Der Redner schloß mit einem warmen Appell zur weiteren Unterstützung der Palästiuaarbeit. Seine Ausführungen wurden vom Kongreß wiederholt mit stürmischen Beifall begrüßt. Davis Trietsch -Berlin, betont den ausgezeichneten Eindruck des eben gehörten Referates des Dr. Ruppin. Was die jetzige Leitung heute in Palästina mache, ist einwandfrei. Lebhaft bedauern aber müßte er, daß viel zu wenig geschehe. Das Palästinaamt habe sich ein Monopol auf die Palästinaarbeit verschafft und dadurch würde eine Unmenge der besten Projekte nicht ausgeführt, weil das Amt selbst für die Fülle dieser Aufgaben nicht vorbereitet sei. Redner übte scharfe Kritik an der Einrichtung der Baumspende, die durch eine absolut verkehrte, auf viel zu kleine Grundlagen zugeschnittene Ausführung ihre ungeheuren Chancen absolut nicht ausgenutzt hätte. Verkehrt sei auch die einseitige Betonung des landwirtschaftlichen Charakters unserer Kolonisations-Unternehmungen. Durch Einführung von Industrien würde nicht nur die Entwicklung des Landes erheblich gefördert, sondern könnte auch ein zahlenmäßig viel stärkeres jüdisches Element in das Land gebracht und dort unterhalten werde». Notwendig sei die Errichtung einer besonderen Palästina-Zentrale innerhalb der Leitung. Der nächste Redner ist Herr I. H. K a n n - Haag. Seine übrigens mit merklicher Zurückhaltung vorgetragenen kritischen Ausführungen erregen öfters lebhaften Widerspruch. Der Redner sieht das prinzipiell Verkehrte dieser Arbeitsweise in der Neigung zur Ueberstürzung, zur Vielgründung. Die Projekte werden nicht genügend vorbereitet, man beginnt, ohne den ganzen Arbeitsplan und sämtliche Konsequenzen zu

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