Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022073--22455-3047602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 87 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 663 holt an mich herangetreten, daß ich die Gründung der Partei in die Hand nehme. Ich habe mich dagegen gewehrt, ich habe meine Freunde von diesem Schritte zurückgehalten, yabe sie ermahnt, treu wie Soldaten auf ihren Posten auszuharren. Wenn man es uns aber unmöglich macht, zu bleiben, dann könnte erzwungenerweise sich eine Partei bilden zum Schutze der zionistischen Finanzinstitute. Ich richte daher den Appell an Sie: Erschüttern Sie nicht die Grundsäulen unserer Organisation. Wir haben vorhin gehört, daß in bezug auf die Dechargeerteikung ein Antrag gestellt wurde, der eigentlich aus zwei Anträgen besteht; der erste lautet dahin, der Leitung das Vertrauen' auszudrücken, der zweite, daß die Leitung — Sie mögen es nennen, wie Sie es wollen, ich nenn« es — die Bank in ihre Hände bekomme. (Widerspruch.) Wenn Sie diese zwei verschiedenen Dinge verquicken, so werde ich und meine Freunde gegen den Antrag stimmen müssen, weil wir es mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können, datz man mit den Banken Experimente macht. Wählen Sie welche Personen immer in die Leitung der Bank, wenn sie nur dazu geeignet sind.' Aber wählen Sie nicht Parteileute, die aus eine bestimmte Richtung eingeschworen sind. Meine Damen und Herren! Der vorige Kongreß wurde der Friedenskongreß genannt, und ich darf es ohne Ueberhebung sagen, ich habe viel zu diesem Frieden beigetragen. Kein Geringerer als Mischlin hat mir dieses Zeugnis ausgestellt. Ich bitte Sie, machen Sie diesen Kongreß, nicht zu einem Kongreß des Unfriedens, zerstören Sie nicht, was wir in fünfzehnjähriger schwerer Arbeit geschaffen haben. Kommen Sie in die Generalversammlung, üben Sie Kritik, aber hüten Sie sich vor einem Schritte, der vielleicht geeignet ist — verzeihen Sie das harte Wort, das aber meinen innersten Ueberzeugungen entspricht — unsere Banken zugrunde zu richten, das wollen wir nicht erleben. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall und Bravo-Rufe.) Sechste Sitzung. Delegierter Z e r o r aus Aegypten überbrachte die Grüße der ägyptischen Zionisten. Die Bewegung habe in der letzten Zeit in Aegypten, dank der von Palästina ausgehenden Wirkung, große Fortschritte gemacht. Er empfiehlt der Leitung, Aegypten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, das durch die arabische Bewegung von besonderer Bedeutung für die Bewegung sei. Julius Simon, Mannheim und Emil M ä rg ul i e s im Namen der W e st ö st e r r e i ch e r, unterbreiteten dem Kongreß den Antrag, derLeitung für die geleistete erfolgreiche Arbeit Dank und uneingeschränktestes Vertrauen auszusprechen. Der Kongreß möge in Einem beschließen, in Uebereinstimmung mit den Forderungen derLeitung, ihr über die Finanzinstitute und den jüdischen Nätionalfonds einen entscheidenden Einfluß einzuräumen. L. Motzkin: Wir dürfen nie vergessen, daß wir die gesamte Judenheit für unsere Bewegung gewinnen müssen. Unsere Leitung hat es leider nicht verstanden, alle Elemente in der Bewegung zusammenzuhalten, insbesondere hat die Redaktion unseres Zentralorgans in dieser Beziehung manches gesündigt. An der Spitze der Redaktion der „Welt" müßte ein Mann stehen, der aus dem Judentum kommt, so daß unser Blatt ein Organ des Judentums und nicht nur wäre. Unsere Mahnung an die Leitung, in Periode zu vergessen, daß es zwei Parteien gibt, ist leider nicht befolgt worden. Trotzdem stehe ich auf dem Standpunkte, daß wir unserer Leitung volles Vertrauen auszusprechen haben. Unsere Leitung hat es verstanden, die Organisation so gut auszubauen, daß sie beinahe zu einem Mechanismus geworden ist, der von selber funktioniert. Ganz besonders zufrieden bin ich im Gegensatz zu Herrn Fischer mit der politischen Arbeit unserer Leitung. Prof. Dr. W e i z m a n n, Manchester, bedauert, daß man den Eindruck gewinnen konnte, daß der ganze Zionismus auf eine Bankfrage zusammengeschrumpft sei, während es doch anderes zu erörtern gibt. Er wolle jetzt das Programm der Leitung festlegen und öie Zukunft der zionistischen Tätigkeit bestimmen. Niemand hat das Recht, die Politik der zionistischen Bewegung zu monopolisieren. Eine nationalpolitische Bewegung bedeutet Zusammenfassung der ökonomischen und kulturellen Ideen eines Volkes, und den Versuch, diese Ideen zu aktivieren. Unsere Leitung hat ein klares politisches Programm. Die gegnerische Seite aber antwortet, wenn man sie fragt, wie man die Politik durchführen solle, das läßt sich nicht sagen. Politik ist Tat und die Tat haben die Herren nicht bewiesen. Wenn die Herren Opponenten sagen, die Politik besteht darin, Bedingungen zu schaffen, so muß man auch darauf Hinweisen, daß die Taten der Herren mit ihren Worten nicht übereinstimmen. Nach kaufmännischen Prinzipien dürfe man sich bei der Arbeit in Palästina nicht richten. Wenn hier behauptet worden sei, daß man den Zionismus zu einem Kolonisations¬ und Kulturverein degradiert habe, so sei er der Meinung, daß die politische Bedeutung der Bewegung progressiv mit unserer Arbeit in Palästina wachsen würde. Die Ausbildung jüdischer Arbeiter sei mehr wert als alle ökonomischen Verluste. Wäre Dr. N o r d a u nicht der große Einsiedler aus Paris, so hätte er sich auch nicht vom Kongreß ausgeschlossen. Daraus könne man der Leitung keinen Vorwurf machen. Er beantragt schließlich, der Leitung Dank und Vertrauen auszusprechen. Herr Dr. Friedemann beschwört sich beim Präsidenten über die ungenaue und tendenziöse Ber i ch t e r st a t t u n g in der offiziellen zionistischen Korrespondenz. Wie kommt es, daß in unserem offiziellen Parteiorgan sich seit gestern Berichte befinden, die mit den Tatsachen in Widerspruch stehen? (Sehr richtig.) Ich las in der Nummer der „Welt" von heute früh folgendes auf der Titelseite: „Dagegen kam nach einer temperamentvollen Verteidigung, mit der Richard L i ch t h e i m einige Angriffe auf die „Welt" zurückgewiesen hatte, der Oppositionelle schärfster Observanz, Jean Fischer, zu Wort, der sich und seinen engeren Gesinnungsgenossen einen Ruhm daraus machte, nichts gelernt und nichts vergessen zu haben". Ich frage, ob jemand hier in der Versammlung gehört hat, daß die Rede des Herrn Fischer in einem solchen Sinne ausgeklungen ist, und ich frage, ob die von tiefstem innerlichen Interesse und tiefster Begeisterung getragenen Worte eine solche Kritik verdient haben. (Rufe Pfui! Schande! Lärm). Ja es ist schandhaft. (Stürmische Rufe.) Der Redner wird von vielen Seiten, insbesondere von Dr. Margulies heftig unterbrochen und in seiner Erwiderung entgleist er und gebraucht Worte, die ihm einen Ordnungsruf des Präsidenten nicht bloß, sondern auch Entrüstungszurufe der österreichischen Zionisten eintragen. Er entschuldigt sich und fügt hinzu. Ich gebe gerne zu, daß das Wort, das ich eben gesagt habe und das mir in der Erregung entschlüpft ist, sich für den Kongreß nicht qualifiziert. Ich bitte um Entschuldigung (Bravo!) und glaube, daß damit die Angelegenheit erledigt ist. Am Schluffe der Einleitung der „Welt" heißt es: „Die Sitzung schloß mit einer Rede David W o l f f s o h n s,.der erklärte, nicht des Zionismus^für die Entlastung dieses A. C. stimmen zu können." Ich ihrer Amtsfrage den Präsidenten, ob sich aus dem Kongreßstenogramm ergibt, daß Herr W o l f f s o h n diese Erklärung abgegeben hat. Ich weiß nur, daß er erklärt hat, daß, wenn beide Anträge des E. A. C., nämlich der Entlastungsantrag und der Antrag auf Reform des Aufsichtsrates, zusammengeworfen würden, er nicht dafür stimmen könnte. (Sehr richtig!) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Diese Schlußerklärung des Herrn Dr. Friedemann stimmt. Die Berichterstattung entspricht demnach nicht den Tatsachen (Sehr richtig!) Ich ersuche daher die Berichterstattung der „Welt" in dieser Richtung mit allergrößter Vorsicht zu üben. Abraham Goldberg (Newyork) stellt den Antrag, über das Vertrauensvotum und die von der Leitung gestellten Anträge in der Bankfrage getrennt abzustimmen. Sodann erhielt Berichterstatter Dr. Handtke (Berlin) das Schlußwort. Redner gibt seinem Erstaunen darüber Ausdrück, daß die Generaldebatte einen ganz merkwürdigen