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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 662 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 37 Bank kann nicht bestehen. Eine Bank, wo Leute, die fünfundzwanzig Kronen Kapital hineingesteckt haben, große Reden und Generalversammlungen halten können und über die ganze Geschäftsleitung Artikel schreiben, kann nicht Erfolg haben. Es tut mir leid, daß ich gezwungen bin, über unsere Banken öffentlich zu sprechen. Von Frauen wird gesagt, die besten sind die, von welchen man am wenigsten spricht. Von Banken darf man schon gar nicht reden. Meine Herren, Sie haben gehört, daß wir Depots von über neun Millionen haben. In der ersten Zeit haben wir keinen Pfennig bekommen. Nicht nur, daß man uns keine Depots anvertrauen wollte man wollte mit uns überhaupt keine Geschäfte machen. (Unruhe.) Meine Herren! Ich stehe seit der Begründung an der Spitze der Bank. Wir haben uns Vertrauen in den 10 Jahren erworben. Wir haben nicht geprahlt und niemals übertrieben, niemals große Dividenden in Aussicht gestellt; sehen Sie unsere Bilanzen nach. Wir haben niemals mehr versprochen, als wir hallen konnten^ Dadurch haben wir uns .allmählich das Vertrauen erworben, daß man uns Gelder und Depots anvertraute. Meine Damen und Herren! Es ist das erstemal, daß ich darüber spreche, und ich bin mir bewußt, daß man eigentlich darüber öffentlich nicht reden soll. Aber Sie zwingen mich dazu. Meine Herren! Wäre ich nicht überzeugt, daß jeder es ebenso ehrlich, meinte, wie wir, wie ich und die Direktoren, würde ich nicht so reden. Ich bin überzeugt, Sie meinen es gut, aber^ meine Herren, man darf nicht in alle Dinge dreinreden. Schenken Sie denen Ihr Vertrauen, die zwölf Jahre an der Spitze gestanden und gearbeitet haben, und wenn Sie noch so viel Kritik üben, sbhen Sie sich die Hauptarbeit, die Resultate der Anglo- Palestine-Tompany in Palästina an. Meine Herren! Was glauben Sie, ich will die Banken für mich? (Rufe: Rein!) Die Antwort war selbstverständlich. Glauben Sie, daß ich die Bank für die Direktoren will, glauben Sie, meine Herren, daß es ein Vergnügen ist, für unsere Geldinstitute jahraus, jahrein zu arbeiten, dafür als einzige Tantieme, die man bekommt, alle zwei Jahre von oben bis unten herunterkritisiert zu werden. (Beifall und Händeklatschen.) Wissen Sie meine Herren, was es heißt, für Banken arbeiten, deren Direktorium in der ganzen Wekt zerstreut fein müsse. Die Leitung der Bank hat schwer gearbeitet und den Beweis erbracht, daß die Bank, die alle Fachleute für verloren gehalten, eristenz- und entwicklungsfähig ist. Wir haben die Gelder nicht nur bewahrt, sondern sogar vermehrt. Lesen Sie den Bericht des A. P. C., sprechen Sie mit Fachleuten, und die werden Ihnen sagen, daß es eine schwere Arbeit war, die wir geleistet Habens Nun Meine Herren, ich verlange keinen Lohn, keinen Dank: Was ich verlange, ist, daß Sie endlich begreifen, warum wir uns dagegen sträuben, unsere Banken zum Spielballe von Parteiinteressen machen zu lassen. (Beifall.) Geehrter Kongreß! Es war im Frühjahr 1893 hier in Wien, ha waren 31 Herren auf den Ruf Dr. Herzls zusammengetreten. Dr. Herzl sagte: Wir müssen eine Bank gründen. Unter den anwesenden Herren haben nur zwei dagegen gesprochen, und einer von diesen war ich. Als mir aber Herzl zurief: So lange Sie in der Bewegung sind, Müssen Sie sich den Beschlüssen unterordnen, da habe ich ohne Zögern gehorcht, und ich bereue es nicht. Herzl hat auch die anderen Mitglieder der jetzigen Bankleitung heranzuziehen gewußt und jeder muß uns das Zeugnis ausstellen, daß wir und besonders die Herren Dr. Katzenelfohn, Kann und Löwen mit Hingebung und Aufopferung für die Kolonialbank und die A. P. C. gearbeitet haben. Wir wollen auch jetzt Weiterarbeiten, wenn man uns dies nicht unmöglich machen wird. Die Anhänger des E. A. L. sagen: Unsere Partei hat auf dem letzten Kongresse gesiegt, und deshalb müssen wir die Banken haben. Ich will nicht streiten, ob das E. A. C. ohne unsere Unterstützung die Majorität gehabt hätte, und ich stehe auf dem Standpunkte, daß wir überhaupt keine Parteien in unserer Organisation haben sollten. Das sind künstliche Gebilde. Wir sollten viel eher das betonen, was uns einigt, als das, was uns trennt. Ich versichere! Sie auch ich hätte die kleinen Anklagen gegen die Leitung hier nicht vorgebracht. Es liegt mir ferne, die Leitung bekämpfen oder gar herabsetzen zu wollen, denn, um ein treffliches hebräisches Wort zu zitieren: Jipbtah b’ doroh k’ Schmud’l be doroh. Jeder, der die Stelle einnimmt, die einst unser Herzl eingenommen hat, muß respektiert werden. Aber es gibt eäms, was noch höher bewertet werden muß: Das Interesse der Bewegung! Geehrter Kongreß! Wir Zionisten sind große Optimisten, müssen es auch sein. Wenn Herzl keiner gewesen wäre, er hätte die Sache nicht unternommen. Wir wollen es sein, aber wir dürfen doch nur Dinge unternehmen, die wir auch durchführen können. Und noch eines: Wir dürfen die Gegensätze nicht so auf die Spitze treiben, daß wir gute Gesinnungsgenossen von uns abstoßen. Wir haben in unserer Biegung nach dem Tode Herzls eine solche Krisis durchlebt. Da ist eine Spaltung entstanden. Ich kann mir zwar nicht denken, daß einer, der wirklich zionistisch fühlt, von uns gehen kann. (Beifall.) Aber es war damals doch ein Schaden für uns, daß wir Männer wie Zangwill und andere verloren haben. Ich darf sagen, daß ich mir alle Mühe gegeben habe, um sie unserer Bewegung zu erhalteni Unsere jetzige Leitung aber hat sehr wenig getan, um es Männern wie Nordau und Marmorek möglich zu machen, zu unserem Kongreß zu komMen. Ich muß hier noch einen nennen: Herrn Kretnenezky, einen unserer besten Mitarbeiter, der ebenfalls abwesend ist. Er hat einen Brief an Professor Marburg gerichtet, und die Gründe seiner Abwesenheit auseinandergesetzt.. Ich will auf die Gründe hier nicht näher eingehen, aber Sie werden mir glauben, daß mir Tranen in die Augen gekommen sind, als ich den Herzenserguß und die Anklagen dieses Mannes gelesen habe. Man hat Nordau Vorwürfe gemacht, daß er vom Kongreß weggeblieben ist. Auch ich habe ihm gesagt: „Sie haben kein Recht, fernzubleiben." Er aber antwortete: „Es hätte ja doch keinen Zweck. Die Zusammensetzung des jetzigen Kongresses wird nach Vorbereitungen, die die Sekretäre und die Leitung getroffen haben, eine derartige sein, daß nicht mehr abzuhelfen ist." Darauf habe ich ihm optimistisch geantwortet: „Herr Dr. Nordau, ich kenne die Zionisten besser als Sie, und ich .sage Ihnen, die Zionisten werden es nicht zulassen, daß man unsere Banken, die der Fonds unserer Organisation gewesen sind, aufs Spiel setze. Sie werden den unberechtigten Forderungen des E. A. C. entgegentreten. Der Kongreß wird entscheiden, ob ich mit meinem Optimismus gegenüber Dr. Nordau Recht behalten werde. Hoher Kongreß! Niemand von uns verlangt, daß das E. A. C. keinen Einfluß auf die Banken habe. In der Direktion der Banken sitzt ein Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Jakobsohn. Im Aufsichtsrate sitzen auch Mitglieder des A. C. Die Herren von E. A. C. aber behaupten, es seien ihrer zu wenig. Sie wollen es zum Prinzip machen, daß sämtliche Mitglieder des A. C. eo ipso Mitglieder des A. R. werden. Dieses Prinzip muß man bekämpfen, da zu diesen Funktionen verschiedenartige Fähigkeiten gehören. Meine Herren! In die Bank gehören Bankleute für die Leitung der Organisation Leute, die auf diesem Gebiete sich auszeichnen. (Rufe: Dr. Marmorek!) Sie sagen Dr. Marmorek! Wenn er auch sonst nicht geeignet ist, Mitglied des Aufsichtsrates zu sein, das eine schätze ich an ihm, daß er uns immer und immer wieder eingeschärft hat: „Hütet das Geld der Banken, denket an die Worte Herzls, daß diese Mündelgelder des jüdischen Volkes sind." Das jetzige E. A. C. läßt sich auch in dieser Hinsicht von Parteirücksichten leiten. Herr Dr. Hantke sagte mir voriges Jahr auf der Jahreskonferenz: „Die Bank ist für uns da, und wenn die Organisation 100.000 Mark nötig hat, wird die Bank das Geld auch ohne Garantien geben." Mein Freund Simon hat bei einer Debatte über den Bezahl gesagt: „Wenn es mit dem Bezalel schlecht steht, müssen wir 100.000 Franks von der Bank geben!" Das ist eben der Unterschied, meine Herren! Dr. Marmorek versteht nichts von Banksachen, bloß das eine, daß die Gelder unserer Banken mit peinlichster Gewissenhaftigkeit verwaltet werden müssen. Wenn das E. A. C. zur Bankleitung gekommen wäre und gesagt hätte, wir schlagen diese und diese Herren vor, die geeignet sind, die Bank mitzuverwalten, wir wären ihm sehr dankbar gewesen. Wenn das E. A. E. aber die Forderung aufstellt: „Wir wollen Parteimänner unserer Richtung hineinbringen, .damit wir die Majorität haben," da können wir nicht folgen. Meine Herren! Ich komme zum Schlüsse. Ich halte Herrn Dr. Tfchlenow ohne Uebertreibung für einen unserer Besten. Ich habe es ihm in Hamburg erklärt, als ich ihm schrieb: „Sie sind der einzige, der geeignet ist, an die Spitze zu treten, kommen Sie nach Berlin, übernehmen Sie die Leitung, und ich trete zurück." Aber ich will nicht verhehlen, daß es ihm, wie es scheint, an Verständnis für Bankangelegenheiten mangelt. Ich glaube sogar, daß er ein schlechter Politiker ist. Er schloß seine Rede damit, daß er sagte: Erst hat man — d. h. das jetzige E. Ajj E. — die Leitung in die Hände bekommen, jetzt muß die Bank folgen. Wir müssen zu einem guten Ende kommen. Es ist wirklich traurig, daß Herr Dr. Tjjchlenow es als ein gutes Ende bezeichnet, daß Man der Bankleitung, die seit der Gründung unserer Banken an der Spitze derselben gestanden hat, ihr aus den Händen nimmt, daß man es Männern, die ihr ..Vermögen, ihre Gesund-» heit ihr Leben geopfert haben, es unmöglich macht, weiter mit-, zuarbeiten. (Rufe: Warum?) Warum? Hoher Kongreß! Es gibt gewisse Grenzen, wie weit man sich selbst für eine Bewegung opfern darf, die einem teuerer ist, als das Leben. Wenn es sich um fremde Gelder handelt, wenn unsere Bank einer bestimmten Parteirichtung ausgeliefert wird und ich die Verantwortung nicht mehr tragen kann, dann wird mich keine Macht der Welt zwingen, ein Amt anzunehmen. Ich wiederhole, ich würde die Verantwortung nicht übernehmen können, wenn mit den Banken so verfahren werden sollte, wie man jetzt vorschlägt. Meine Damen und Herren! Ich befinde mich in einem Zustande, daß ich wahrlich nicht weiß, ob es mir vergönnt sein wird, noch einen Kongreß mitzumachen. Mein Arzt hat mich davor gewqrnt, selbst zu diesem Kongreß zu gehen, aber ich sagte mir: Ich will das Aeußerste tun, um unsere. Institute zu schützejn. (Stür-, Mischer Beifall und Händeklatschen.) Ich appelliere an den Kongreß, ich appelliere an die Leitung selbst, der ich die ganzen zwei Jahre hindurch als disziplinierter Zionist treu zur Seite gestanden habe: Machen Sie es uns nicht unmöglich, mitzuarbeiten. Hoher Kongreß! Bereits auf dem vorigen Kongresse hat uns eine Spaltung gedroht. Gar manche, darunter meine engeren Freunde, wollten eine separate Partei bilden. Man ist wieder-

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