Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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•uuiumw.a^j jii..wjjimuujiih Nr. 37 Dr. Blochs und darf und Kritik üben mutz. Befürchten Sie aber nicht, datz ich eine solche Kritik üben werde, wie ich sie im Laufe der drei, Kongresse, wo ich an der Spitze der Leitung stand, zu hören bekam. Man hat damals der Leitung zum Vorwurf gemacht, datz sie uns nicht zu unserem Endziel geführt, man hat sie für alle Fehler,, für alle Zänkereien, die in irgend einem Vereine irgend eines Landes vorgekommen sind, verantwortlich gemacht, kurz, man hat von der damaligen Leitung Anmöglichkeiten verlangt. Ich werde nichts Unmögliches verlangen. Was ich jetzt verlange, mutz, wie ich glaube, jeder Zionist verlangen ohne Rücksicht darauf, ob er dieser oder jener Richtung angehört. Ich verlange von der Leitung, datz sie sich als Leitung der Gesamtorganisation fühlt, nicht als eine Partei in der Organisation. (Beifall. Rufe: Sehr richtig!) Diese Leitung ist nach einem Kampfe aus dem vorigen Kongresse gewählt worden, und das macht manches begreiflich. Aber die Leitung hätte von dem Momente an, wo sie an die Spitze der Organisation getreten 'war, keinen Unterschied zwischen den einzelnen Richtungen machen, sondern jede Richtung innerhalb der Organisation anerkennen und unparteiisch behandeln sollen. Sie hat es nicht getan. Daraus resultieren all die Fehler, die man heute hier in den Anklagen gegen das E. A. C. erwähnt hat und die ich nicht wiederholen will: über die „Welt", über das Vorgehen gegen Dr. Nordau ufw. Ein Zweites: Ich verlange von der Leitung, datz jedes Wort, das sie schreibt oder ausspricht, -von einer absoluten Glaubwürdigkeit sei, insbesondere — wenn es sich um Zahlen handelt. Diese Forderung ist ja eigentlich selbstverständlich, namentlich, wenn man bedenkt, daß die jetzige Leitung die Bank in die Hände des A. C. gelegt wissen möchte. Nun haben wir im Berichte, den wir vom E. A. C. bekommen haben, drei Seiten — Seite 79 bis 81 — die von Zahlen handeln und die — ich möchte kein Wort gebrauchen, das irgendwie beleidigend klingen könnte — nicht richtig sind. Um nur ein Beispiel anzüführen: Herr Dr. Hantle hat uns berichtet, datz die neue Leitung — im Gegensätze zur alten Leitung — um 50 % mehr Schekel hereingebracht hätte. Tatsache aber ist, datz in diesem Kongretzjahre 116.000 Schekel ausgewiesen sind und im vorigen Jahre 104.000. Run liegt es mir fern, zu behaupten, datz uns Dr. Hantke bewußt irreführen wollte. Aber ich behaupte, datz die Bilanz nicht so ist, wie eine kaufmännische Bilanz sein soll. Eine Bilanz mutz klipp und klar zeigen wie die Verhältnisse liegen. Ich könnte noch vieles über die Bilanz sagen die allzu stark von dem 'Budget-Voranschlag abweicht. Ich könnte auf Posten Hinweisen, die in den „kaufmännisch-zionistischen" Bilanzen niemals vorgekommen sind, wie z. B. Handlungsunkosten von über Mk. 12.000, könnte daraus Hinweisen, datz für die „Welt" kolossale Ueberschüfse versprochen wurden, die ausgeblieben sind ufw. Ich habe von aU den Dingen gesprochen, weil ich zeigen wollte, daß es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen kaufmännischer und nicht kaufmännischer Arbeit. Geehrter Kongretz! Ich bin jahrelang von manchem bekämpft worden, hauptsächlich deshalb, weil ich angeblich zu viel Kaufmann gewesen bin. Man warf mir vor, datz ich es deshalb nicht verstanden habe, unser Ideal in die Höhe zu bringen und die zionistische Idee zu vertiefen. Man hat dafür den Ausdruck „echt kaufmännisch" geprägt, den besonders unsere Hebräer und die jiddisch Sprechenden gebrauchen. Da sagte man: Wir können die Bewegung nicht dem Kaufmann in Köln überlassen, dazu müssen wir geistig hochstehende Männer wählen, die das jüdische Geistesleben besser kennen. Das ist aufdem letzten Kongresse geschehen unter den Bedingungen, die Herr Jean Fischer Ihnen heute auseinandergesetzt hat. Es war ein Friedensvertrag: Ihr bekommt die Leitung der Organisation, damit für unsere geistigen und kulturellen Bedürfnisse besser gesorgt sei, Ihr erhaltet auch den gebührenden Einflutz aus unsere Banken, die Leitung der Banken aber bleibt in den bewährten Händen der bisherigen Verwaltung. Nun kommt das E. A. C. und sagt zum Kongresse: Gebt uns die Banken. (Stürmischer Beifall.) Meine Herren! Das Geld unserer Banken ist uns unter ganz besonderen Umständen und für ganz besondere Zwecke anvertraut worden. Es mutz doppelt so gut wie anderes Geld verwahrt werden. Das sollte jeder von Ihnen begreifen. Nun kommen die Herren und sagen: Ich habe es heute von sehr gescheiten Leuten gehört, von Dr. Reich und sogar von llssischkin, das Geld unserer Bank ist zionistisch! Meine Herren! Sie irren sich. Die Schekelgelder sind zionistische Gelder, auch der Nationalfonds. Da hat man uns die Gelder direkt für bestimmte zionistische Zwecke zur Verfügung gestellt, für die wir nur moralisch Rechenschaft schuldig sind. Wenn wir unser Bestes tun und die Gelder verwenden, kann uns kein Mensch einen Vorwurf machen. Die Gelder unserer Banken aber sind fremde Gelder (Zwischenrufe: Unser Geld! Lärmender Widerspruch. Zwischenruf: Sie provozieren uns!) Vorsitzender Bodenheimer: Ich bitte, meine Herren, um Ruhe. Herr BÄüffsohn hat das Recht, seine Ansicht dem Kongresse mitzuteilen. (Rufe: Sehr richtig!) Herr Wolsssohn (fortfahrend): Ein Herr hat hier gerufen: „Das ist eine Provokation!" Ich meine trotzdem, datz die Gelder der Banken fremde Gelder sind. (Sehr richtig! Widerspruch.) Wenn Sie sich über meine Meinung, datz die Aktien nicht unser Geld sind, so aufregen, so sagen Sie mir: Sind auch die 10 Millionen Depots, die wir verwalten, unsere, zionistische Wochenschrift Seite 661 Gelder? (Lebhafte Rufe: Nein! Stürmischer Beifall, Lärm. Vorsitzender Bodenheimer mahnt wiederholt zur Ruhe und droht, falls der Redner weiter gestört werden sollte, die Sitzung zu suspendieren.) Herr Wolsssohn (fortfahrend': Meine Herren! Ich fürchte nicht, datz man meinetwegen die Versammlung wird auflösen müssen. Sie werden mir Zutrauen, datz ich weitz, ob ich zur Sache rede und datz ich meine Ausdrücke zu wählen weitz, wenn ich auch ein bitzchen temperamentvoll bin, wie ein Zionist eben sein soll. (Bravo!) Nun zur Sache. Herr Dr. Reich .hat ein sehr schönes Wort gesagt: „Die Bewegung ist die Seele, und wenn man diese der gegenwärtigen Leitung anvertraut, so sei es unwürdig, ihr das Geld nicht geben zu wollen." Ein anderer Herr hat auf einer A. C.-Sitzung einen anderen guten Vergleich angestellt. Er sagte: „Es komme ihm so vor, als wenn einer, der seine Tochter dem Schwiegersohn gibt, ihm die Mitgift nicht anvertrauen will." (Heiterkeit.) Das ist aber ganz richtig. Wenn man sich einen Schwiegersohn nimmt, der von Geschäften nichts versteht, dann gibt man ihm wohl die Tochter, vertraut ihm aber das Geld zur Verwaltung nicht an (Heiterkeit und Beifall), und zwar im Interesse der Tochter und des Schwiegersohnes. Der Schwiegervater sorgt eben dafür, datz die Gelder gut verwaltet werden. Herr Dr. Reich wundert sich, datz man dem gegenwärtigen E. A. C. die Seele anvertraut hat und nicht das Geld. Ja, meine Herren, wenn man seine Kinder einem Lehrer anvertraut, so mutz man ihm doch nicht auch sein Vermögen zur Verwaltung übergeben. Wir sind zwar keine Handelsgesellschaft, die sich mit guten Geschäften begnügt, wir haben ein hohes Ideal. Wenn wir aber etwas unternehmen wollen, was mit Geldgeschäften zu tun hat, was man ohne Geld nicht machen kann, so braucht man dazu Leute, die Geld zu verwalten verstehen. (Bravo! Beifall.) Herzl war zwar kein Bankier, aber als er die Bank gründen wollte, da hat er sich die Leute zusammengesucht, denen er die Verwaltung übergeben konnte. Es hat manchmal auch Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bankleitung und Herzl gegeben. Die Bankleitung hat manchmal aus ihrem Standpunkt beharrt, nianchmal auch nachgegeben. Herzk hat die Bankleitung mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote gestanden, zu halten gesucht. Bei jeder Bankdebatte pflegte Herzl immer und immer wieder zu betonen: „Banksachen müssen von Leuten verwaltet werden, die mit Geld umzugehen verstehen." Die gegenwärtige Leitung zeigt leider weniger Verständnis dafür, indem sie mit Anträgen kommt, die es der jetzigen Verwaltung der Bank unmöglich machen könnten, weiter mitzuarbeiten. Das E. A. C. glaubt ja wohl selbst nicht, datz die Glückseligkeit der zionistischen Organisation davon abhängt, ob noch 3 Leute aus ihrer Richtung in den Aufsichtsrat hineinkommen. Man gibt Gründe dafür an, die keine Gründe sind. Die Gelder der Bank seien ja für die zionistische Organisation da, diese müsse zu jeder Zeit über das EeH» verfügen können. Das E. A. C. sagt: „Wir wollen bei der Bank nicht solche Leute in der Majorität haben die in zionistischen Fragen anders denken als wir." Ich möchte aber den Kongretz und unsere Leitung fragen, ob man mir einen Fall nennen kann, wo die Bankoerwaltung sich geweigert hat, für zionistische Zwecke Geld herzugeben, sobald dies mit den reellen kaufmännischen Prinzipien vereinbar war. Als Herzl der Verwaltung unserer Banken sagte, er brauche 4000 Pfund für El Arisch, da haben wir ihm die 4000 Pfund ohne Zögern bewilligt, weil wir uns sagten, Hatz daraus eine große Sache werden kann. Und wenn in Palästina etwas Solides zu unternehmen wäre, wofür alle Gelder der Bank nötig wären, keiner von uns wird auch nur einen Augenblick sich weigern, dies zu tun. (Stürmischer Beifall.) Erst vor kurzem hat das Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Jakobsohn, für eine Sache, die in der Schwebe ist, 10.000 Pfund verlangt und erhielt umgehend unsere bereitwillige Zustimmung. Ich will damit beweisen: Wenn Sie mit Sachen gekommen sind, die von Wichtigkeit waren, da ist die Bankverwaltung, also auch ich, der doch seit der Gründung an der Spitze der Verwaltung steht, noch nie dagegen gewesen. Wenn Sie aber mit zweifelhaften Experimenten kommen und Geld verlangen für schlechte oder schlecht geleitete Unternehmungen, da sagen wir: Nein! Das Geld ist uns anvertraut und wir wollen es reell und peinlichst gewissenhaft verwalten. Wir wollen mit dem Geld keine riskanten Versuche machen. (Zwischenruf: Wer entscheidet, was richtig ist?) Richtig ist, was nach kaufmännischen Begriffen aussichtsreich ist. (Beifall, lebhafte Zwischenrufe.) Herr Wolsssohn (fortfahrend): Ich werde auf diese Zwischenrufe nicht eingehen. Nach meiner festen Ueberzeugung ist die beste praktische Arbeit, die in Palästina von un? geleistet worden ist, die der Anglo Palestine Company. Sie haben einen Bericht über ihre zehnjährige Tätigkeit bekommen, lesen Sie und urteilen Sie selbst, ob ich nicht recht habe. Unser Jewish Colonia? Trust» die Anglo Palästinabank und unsere dritte Bank in Konstantinopel haben alle zusammen Millionen Franken und wissen Sie, geehrter Kongreß, datz wir schon über 10 Millionen in Palästina investiert haben. Wir konnten dies nur dank dem Umstande, datz es uns nach langer und schwerer Arbeit gelungen ist, Vertrauen zu gewinnen. Als wir unsere Bank gründeten, da bm ich von einem jüdischen Grotzbankier zum andern gegangen und habe sie — ich mutz schon sagen — förmlich angebettelt, datz man sich unser annimmt. Ich erhielt zur Antwort: Eine solche