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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 660 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 37 (Zustimmung.) Der merkantile Geist hat sich in unserer Bewegung gesteigert. Es fehlt an ideellen Grundlagen, ja mehr noch, alle Versuche, den Zionismus theoretisch zu vertiefen und zu begründen, werden ausgelacht. Wenn ein Schriftsteller oder ein Redner auftritt und an den früheren Glanz des Zionismus erinnert, da heißt es, daß er nichts gelernt und nichts vergessen habe. Wir haben das Recht, zu verlangen, daß das E. A. C., in dessen Mitte Männer des Geistes sind, dazu beiträgt, daß unsere Bewegung vertieft und unsere Idee vergrößert und verschönert werde. Wir aber haben vom E. A. C. nur immer einen Ruf gehört: Kollekten! Geld für die und jene Institution, nur Geld und Geld! Und mit dieser Speise sind wir zwei Jahre lang gefüttert worden. Wir sind dieser Speise überdrüssig. Es tut weh,- zu sagen, daß das E. A. C. Schriftsteller zu Kollektanten umgewandelt hat, Priester zu Gabonim. (Stürmische Protestrufe.) Ich bin der Letzte, der behauptet, daß keine Kollekten nötig sind. Die palästinensischen Behörden werden bestätigen, daß ich persönlich für Palästinasammlungen nicht wenig geleistet habe, aber wenn ich sehe, daß dieser Teil zum ganzen Organismus wird, mit dem ganzen Organismus verwechselt wird, dann müßten wir sagen: Caveant Consules! Eine Gefahr droht unserem Zionismus. (Widerspruch und zahlreiche Zwischenrufe.) In allen Sprachen haben Sie gelesen : „die Eintragung in das goldene Buch für das Ende des ersten Buches, der Anfang des neuen Buches wird versteigert." Ich frage: Ist das die Evolution des jüdischen Geistes, die wir im Zionismus herbeiführen wollen? (Zwischenrufe, Unrnhe.) Ich frage: Wir sind eine moderne Volkspartei, eine demokratische Partei, die darnach gestrebt hat, den jüdischen Geist zu fördern und eine innere Revolution im jüdischen Geiste hervorzurufen. Wie verträgt sich damit, daß wir die Eintragung in unserem Nationalfondsbuch verkaufen und noch dazu in einer solchen Form, die für unser zionistisches Feingefühl nur verletzend sein kann. (Sehr richtig und Widerspruch.) Ist das aber der Weg einer Volkspartei? Ich glaube kaum, daß dies uns zum Erfolge führt. Wir befinden uns jetzt in einer Periode des merkantilen Zionismus, wie er bis jetzt nicht war. Das ist geschehen, weil wir aus dem Zionismus alles entfernt haben, was den früheren Glanz ausmachte. (Lärm.) Die Agitation für unsere Bewegung hat auch einen schlechten Weg eingeschlagen. Sie beschränkt sich jetzt nur auf eine kleine Schicht des Volkes, auf eine kleine Gruppe von kapitalskrästigen Zionisten. Wir haben aufgehört, in den großen Volksmassen zu agitieren. (Beifall und Widerspruch.) Ich komme aus einem Lande, wo die großen Meetings und Volksversammlungen unmöglich sind, aber ich muß doch be haupten, daß vieles unterlassen worden ist, weil wir zur Grundlage unserer Tätigkeit nur die Sammlungen gemacht haben. Kalt verhält sich das A. C. angesichts verschiedener Erscheinungen, die jetzt in unserem Leben Vorkommen. In Rußland haben wir jetzt einen Kampf um Erziehungsprobleme. Meinen Sie, daß wir Zionisten, deren eigentliche Spezialität doch die nationale Erziehung ist, in diesem Kampfe an die Spitze gegangen sind? Lrider waren wir nur mit „Sympathien" beteiligt. Wir standen in den Hinteren Reihen, weil uns die Initiative der Führer fehlte. Die ökonomische Lage in. Rußland war nie glänzend, nun ist ein neuer Faktor dazu gekommen, die kooperative Bewegung, die den Vermittler, den Juden, aus prinzipiellen Gründen ausschaltet. Es haben sich nun als Gegenmittel jüdische kooperative Institutionen gebildet. Wir Zionisten waren dabei leider Fremde. Die Konferenz der kooperativen Bewegung in Kiew zählte 250 Mitglieder, darunter waren aber nur etwa l 5 Zionisten. (Lärm. Zuruf: Gehört nicht hieher1) Ich erdreiste mich, zu glauben, daß es eine Kongreßsache ist, denn an erster Stelle steht für uns die Einheit des jüdischen Volkes. Das ist keine Kongreßsache, sagt man, und nun stehen wir vor einer anderen Schmach, und ich glaube, das E. A. C. hätte darauf reagieren müssen. Nun ist in unserem Lande ein solcher Churban Hanefesch vorgekommen, in dieser schmählichen scheußlichen Zeit des Schcmad, der Taufe. Ihr werdet mir sagen, können wir die Taufe einhalten? Verräter halten wir immer und Zionisten sind leider noch nicht imstande, diese Epidemie aufzuhalten. Es ist noch eine andere Erscheinung, auf die das E. A. C. reagieren müßte. Das Verhalten der übrigen jüdischen Gesellschaft zu diesen Verbrechern. In allen Zeiten waren solche Verräter unter uns. Ihre Eltern haben Schiwoh gesessen und damit war die Sache erledigt. Jetzt aber zeigt sich eine andere gefährliche Erscheinung. Eine Indifferenz, eine Gleichgültigkeit solchen Erscheinungen gegenüber, die die jüdische Geschichte nicht kennt. Die Uebriggebliebenen stoßen nicht die Verräter aus ihrer Mitte aus und ich glaube, daß wir,. die stolzen Zionisten, hätten verlangen können, daß die Zionisten zu allererst ihre Stimme zum Protest erheben sollten. : Hikoreth tikoreth hanefesch hasotli meameoh. '' Zum Schluffe sagt Redner: Ich beantrage eine Resolution, daß der XI. Zionistenkongreß die politische, volkstümliche Grundlage des Zionismus hervorhebe, die Gegenwartsarbeit betone und dem E. A. C. sein Vertrauen ausspreche. Dr. Tschlenow (Moskau), Führer der russischen Zionisten begann damit, daß er seine uneingeschränkte Zufriedenheit mit Heu Leistungen der gegenwärtigen Leitung zum Ausdruck brachte. Die Leitung habe das Vertrauen, das man bei ihrer Wahl in sie gesetzt habe, vollauf gerechtfertigt. In der Forderung, den jüdischen Nationalfonds nach Berlin zu überführen, ist bisher ein meiner Ansicht nach sehr wichtiger Punkt unberücksichtigt geblieben. Der Nationalfouds ist die einzige kolonisatorische Institution unserer Bewegung. Fast die ganze Palästinaarbeit konzentriert sich beim Nationalfonds. Es wäre daher von größter Bedeutung, wenn das Aktionskomitee an diesem wichtigen Teil unserer Arbeit immer einen aktiven und beständigen Anteil haben würde. Die Forderung, den Aufsichtsrat der Bank unter die Kontrolle des Aktionskomitees zu stellen, ist nicht neu. Herr Doktor Bodenheimer hat diese Forderung bereits in seinem Motivenbericht in unserem Organisationsstatut im Jahre 1911 erhoben. Wir sind bereit, dem Wunsche zu entsprechen, daß nur solche Personen in den Aufsichtsrat wählbar sein sollen, die zweimal Mitglieder des Aktionskomitees gewesen sind. Weitere Konzessionen können wir nicht machen. Wenn wir an dem jetzt bestehenden Zustand keine Aenderung schaffen, so haben wir Aktionskomiteemitglieder ersten und zweiten Ranges und wir Juden wissen doch, was es heißt, Bürger zweiten Ranges zu sein. Präsident David Wolffsohn. D. Wolffsohn (mit stürmischem Beifall und brausenden Hochrufen begrüßt. Die Versammlung erhebt sich von den .Sitzen. Tücherschwenken). Geehrter Kongreß! Meine verehrten Damen und Herren! Unser Freund, Herr Syrkin, hat davon gesprochen, daß unsere Organisation, unsere Idee zu einer Geldsache geworden ist. Er meint, daß man bei uns die Seele verlümmern läßt und nur den Körper pflegt. Ich teile diese Ansicht nicht, aber ich will bei diesem Vergleiche bleiben. Die Idee ist die Seele des Zionismus, die Organisation ist dessen Körper, Gewiß, die Idee muß gepflegt werden, aber nicht weniger die Organisation. Denn nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde, wirkende und schaffende Seele wohnen. Mein Vorredner, Herr Dr. Tschlenow, hat unsere Lage sehr günstig beurteilt. Im Anschlüsse an einen Ausspruch Dr. Klees auf einem früheren Kongresse sagte Dr. Tschlenow: Wir sind zufrieden. Ich kann mich auch dieser Meinung nicht anschließen; ich bin es nicht. Es ist für mich eine unangenehme Sache — ich brauche darüber nicht viele Worte zu verlieren — hier als Generalredner auftreten zu müssen, um Kritik an meinen Nachfolgern zu üben. Ich hätte dies nicht getan, wenn das E. A. C. von dem Kongresse nicht etwas verlangt hätte, das ich für ganz unberechtigt halte. Ich bitte, mich nicht mitzzuverstehen, wenn ich. sage, daß die Forderung des E. A. E. eine Gefahr für unsere Organisation bedeutet. Sie werden also begreifen, daß ich keine Rücksichten nehmen kann

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