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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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¥Tinr¥npn‘rii‘iani“BnrTn ftSMmmninmrrri Nr. 37 Dr. Blochs fonds entwickelt sich, weil Sie alle mit dem Herzen dabei sind. Selbst die Bant, über die man so tlagt, ist eine Herzlsche Schöpfung, und sie besteht und ist gesund. Mit dem Gelde, das in Palästina verloren geht, Hab eich kein Mitleid. Unsere reichen Zionisten haben sich noch lange nicht gewöhnt, Opfer zu bringen. Aber wenn wir in Palästina. Gründungen schaffen, die taput gehen, so geben sie nicht nur ein schlechtes Beispiel, sondern wir können dann nie mehr selbst als Organisation die Sache beginnen. Sie erreichen das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollen. (Wiederholte Gegenrufe.) So lange wir nicht die natürlichen Widerstände entfernt haben, wird ein Fortkommen im gröberen Stile überhaupt nicht möglich sein. Das Erstreben politischer Rechte ist das Alpha und Omega des politischen Zionismus: deshalb heißt er ja politisch, und da der Zionismus sich jetzt nicht in dem Rahmen bewegt, von dem ich hier gesprochen habe, deswegen sind die politischen Zionisten unzufrieden. Der Redner führt weiter aus, daß die Leitung nicht berechtigt sei, zu verlangen, daß ihr die Finanzinstitute unterstellt würden. Die Bank und der Nationalfonds seien unter den Auspizien des politischen Zionismus gegründet worden. Man habe ihnen ihr Kapital gegeben, weil man von ihnen die Förderung des politischen Zionismus erwartet. Die jetzige Leitung vertritt eine dem politischen Zionismus entgegengesetzte Anschauung, und darum hat sie nicht das geringste Recht, zu verlangen, daß ihr das Geld anvertraut werde, das zu anderen Zwecken gesammelt wurde, als für die sie es verwenden will. Der Redner schließt unter lebhaftem Beifall mit der Aufforderung an die Leitung, sie möge, so wie Herzl sechs Millionen für die Kolonialbank gesammelt habe, gleichfalls sechs Millionen für eine nach ihren Anschauungen zu leitende Bank — etwa eine Agrarbank — aufbringen, und der Kongreß werde ihr mit Freuden die volle Kontrolle hierüber zugestehen.- •’ Es entspann sich dann eine Geschäftsordnungsdebatte über die Wahl, von Eeneralrednern, da noch etwa 60 Redner auf der Rednerliste standen. Man beschloß, 6 Generalredner zu wählen. Das Wort erhielt darauf der Vizepräsident des Kongresses, Herr Oberrabbiner Dr. Taster, London. Wir müssen jetzt eine vollständige Klärung in unserem Zionismus vornehmen. Hie politisch, hie praktisch, so gestaltet sich jetzt die Situation. Wir dürfen nicht vergessen, daß mit dem Kongreß die eigentlich zionistische Arbeit nicht aufhört, sondern daß von ihm Anregungen ausgehen, auf Grund derer wir die Juden der ganzen Welt für unsere Idee gewinnen sollten. Mich interessiert absolut nicht, wer an der Spitze steht, sondern es handelt sich nur darum, was an der Spitze ist, nach welchen Prinzipien und nach welchen Gesichtspunkten gearbeitet wird. Es ist uns hier von einigen „politischen" Zionisten gesagt worden, daß sie sich für die wahren Nachfolger Herzls hallen. Es sind immer Sektierer gewesen, die für sich allein eine Wahrheit in Anspruch nehmen. Herzl war nicht fossil, er wäre nicht stehen geblieben und hätte die Hände in den Schoß gelegt. Wir müssen die Emigration der türkischen Untertanen auf dem Balkan nicht nach dem Westen einsetzen lassen, sondern nach dem Osten. So bringen wir türkische Untertanen in das Land unserer Väter. Wir müssen jüdische Schulen schaffen, in denen jüdischer Geist herrscht, wo unsere Kinder mit jüdischer Geschichte vertraut gemacht werden, wo die Geographie Palästinas ihnen vorgeführt wird und wo ihnen gesagt wird, dort liegt ihre Zukunft. Unter stürmischem Beifall für den Redner schloß die Vormillagssitzung. Wochenschrift Seite 659 Eine geheime Sitzung beantragt. Am Schlüsse der Vormiltagssitzung wurde ein von vierzig Delegierten Unterzeichneter Antrag eingebracht, in dem gefordert wird, die Nachmillagssitzung geheim zu erklären und nicht nur das Publikum, sondern auch die Journalisten auszuschließen, da es notwendig sei, gewisse Fragen zu erörtern, die nicht vor der Oeffentlichkeit diskutiert werden sollten. Dr. Bodenheimer erklärt hierauf, darüber, ob eine Sitzung als geheim zu erklären sei, habe nach der Geschäftsordnung nur das Kongreßpräsidium nnd das Aktionskomitee zu beschließen. Der Antrag sei infolgedessen geschäftsordnungswidrig. Es wird daher nachmittags keine geheime Sitzung stattfinden. Fünfte Sitzung, Donnerstag den 4. September, nachmittags halb 5 Uhr. Zu Generalrednern wurden die Herren Aronowitsch (Jaffa), Syrkin, Dr. Tschlenow, David Wolffsohn, L. Motzkin und Prof. Weizmann gewählt. Deleg. I. Brutzkus stellt im Namen der russischen Delegierten folgenden Antrag: Der Kongreß spricht dem Aktionskomitee sein unumschränktes Vertrauen aus und fordert, daß dem Aktionskomitee, als der höchsten Instanz der Bewegung, ein entscheidender Einfluß auf die Finanzinstitutionen eingeräumt wird. Delegierter I. Aronowitsch (Delegierter des Hapoöl Hazair, Palästina, führt aus: Der Zweck aller Palästinaarbeit ist es, unserem Volke zu normalem Dasein zu verhelfen. Zu einem normalen Dasein gehört aber eigene Arbeit, eigene Sprache, eigene wirtschaftliche und geistige Güter. Diesem Zwecke kann aber unsere Palästinaarbeit nur dann dienen, wenn sie von unserer Organisation geleistet wird, da Privatpersonen immer ihre eigenen Interessen voranstellen würden. Redner spricht sich deshalb gegen die Auffassung aus, als ob die zionistische Organisation in Palästina nur Bedingungen, nicht aber Dinge zu schaffen hätte. Der Organisation werden die Mittel eines ganzen Volkes zur Verfügung stehen, wenn sie schöpferische Arbeit im Lande leisten wird. Die Chalukah bringt jährlich zirka fünf Millionen Franken ein, aber viel größere Aussichten würde der Nationalfonds haben, wenn er all seine Einnahmen sofort in lebendige Palästinaarbeit umwandeln würde. Diese Gesichtspunkte bestimmen nun unser Verhältnis zur Leitung. Redner beschwert sich, daß manche M i tg l i e d e r d e s A. C. bei ihren Privatunternehmungen in Palästina gegen das Prinzip der jüdischen Arbeit v e r st o ß e n. Des weiteren beschwert sich Redner darüber, daß die hebräische Sprache, die ja gemäß dem Beschlüsse des Haager Kongresses die offizielle Sprache der Organisation sei, stiefmütterlich behandelt werde. So seien all die offiziellen Rechenschaftsberichte und Mitteilungen des Kongresses lediglich in deutscher Sprache erschienen. Resümierend betont der Redner, daß er und seine Freunde das Arbeitsprogramm der Leitung billigen. Syrkin (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Um mich nicht in die Einzelheiten des umfangreichen und mannigfaltigen Berichtes des E. A. C. zu verlieren, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit nur auf einige Richtlinien lenken. Redner berichtet von seiner Opposition gegen die frühere Leistung und sagt dann: Nun frage ich Sie, ist wirklich aus unserer Bewegung der merkantile Geist beseitigt worden? Ist wirklich unsere Bewegung zu ihrem früheren Schwung zurückgekehrt? Mit tiefer Betrübnis müssen wir konstatieren, daß wir jetzt tiefer stehen als vor dem X. Kongreß. (Beifall und Widerspruch.) Von den Farben des Zionismus ist nur die gelbe Farbe des Metalles geblieben. Die zionistische Bewegung ist eine Bewegung von Kollekten und Geldinstitutionen geworden.

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