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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 6L7 Dritte Sitzung. Mittwoch, 3. September, nachm. 4 Uhr. (Fortsetzung.) Ingenieur Ussischkin betont, daß man zum ersten Male nicht einen Leiter, sondern eine Leitung habe, die ein ganz bestimmtes Programm vertrete. Als diese Leitung vor zwei Jahren ihr Amt angetreten habe, habe er das Versprechen abgegeben, ihre Arbeit mit allen Kräften zu unterstützen, wenn sie ihr Programm durchführen würde, und er freue sich, heute konstatieren zu können, daß das in weitestem Matze der Fall gewesen ist. Es besteht zwischen uns und jener Gruppe, an deren Spitze Dr. Nordau steht, eine tief einschneidende Differenz der Ansichten. Wir sind immer noch die Jünger der „Autoemanzipationsschule" und wollen blotz auf unsere eigenen Kräfte bauen und vertrauen, während jene auch fremde Hilfe in Aussicht nehmen. Und dann zweitens : Unser Zentrum ist im O st e n, während jene es im W e st e n suchen. Und weil wir auf nichts anderes als auf unsere Kräfte uns verlassen wollen, müssen wir arbeiten und in der Arbeit unsere Kräfte schmieden. Deshalb sagen wir: Für eine solche Arbeit, die irgendwo anders und nicht blotz im Osten Stützpunkte sucht, dürfen wir gar nichts übrig haben. Unsere Politik liegt einzig und allein im O st e n und ich meine da nicht nur Palästina, sondern den ganzen Orient! — Meine Herren! Wir stehen vielleicht jetzt vor einer Wendung in der Weltgeschichte. Der tausendjährige Kampf zweier Wellkulturen, an deren Entstehen wir Juden einen sehr regen Anteil genommen haben, hat vor unseren Augen einen Abschluß gefunden, dessen Tragweite wir vielleicht gar nicht zu erfassen imstande sind. Der Islam ist in den Orient zurückgedrängt worden, aber der Orient will und wird aufleben. Und da können wir Juden wiederum eine Rolle spielen, da wir die geeignetesten Vermittler zwischen Ost und West sein können. Wir sollen nicht bloß Kolonien in Palästina gründen, sondern in den Mittelpunkt des Orients treten und dort die Aufbauer einer neuen Kultur als Synthese zwischen Ost und West werden. Das ist die wichtigste politische Aussicht, der wir entgegenstreben müssen. Wir müssen den Osten daran gewöhnen, in uns Freunde, Verbündete und Kampfesgenossen zu erblicken. Ferner aber ist es ebenfalls eine Zeitaufgabe der zionistischen Politik, das palästinensische Judentum zu ottomanisieren. (Lebhafter Beifall.) Ich war in Palästina und weiß, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind. Aber es ist ein Gebot der politischen Weisheit und wir müssen darauf bestehen, daß es doch einmal geschieht. (Beifall.) S. R o s e n b a u m, Minsk, ist nicht der Meinung, daß die Arbeit der neuen Leitung wesentlich verschieden von der alten gewesen sei. Die neue Leitung habe keine zu großen Erwartungen berechtigende Politik getrieben, sondern sich an das Erreichbare gehalten. Sie habe aber auch Fehler begangen, insbesondere in ihrem Verhalten zur Opposition. Wenn heute Mar Nordau nicht am Kongresse teilnehme, wenn der ganze Streit mit und wegen Nordau so weite Kreise gezogen und so heftige Formen angenommen habe, so sei das nicht zum wenigsten die Schuld der Leitung, die Nordau nicht gerecht geworden sei. Es besteht die Gefahr, daß die Meinung aufkomme, Nordau habe mit diesem Zionismus nichts mehr gemein. Auch gegen Kann, der an den Arbeiten der zionistischen Palästina-Institutionen scharfe Kritik geübt habe, sei man ungerecht vorgegangen. Es solle darum eine Kommission eingesetzt werden, die prüfe, ob die Kann'sche Kritik der Sache nach berechtigt sei. Die Anträge des E. A. C., das die Finanzinstitute der Organisation in seine Gewalt bekommen wolle, seien an und für sich bedeutungslos und verdienen keineswegs die Erregung, die sie auf beiden Seiten hervorgerufen haben. Dr. Rosenfeld, Redner des Sozialistischen Zionistischen Arbeiterverbandes „Poale Zion", sieht eine Gefahr in der seiner Meinung nach ungerechten Identifizierung von hebräischer Bewegung mit Zionismus. Dadurch, daß man die gesamte Kulturarbeit nur in der Förderung des Hebräischen sehe, werde die Agitation in den breiten jüdischen Volksschichten vernachlässigt und der Zionismus bekomme immer mehr das Ansehen einer bourgeoisen Bewegung. Dr. Melamed, London: Es ist nicht meine Absicht, für oder gegen die Leitung zu sprechen, sondern über die zionistischen Geschäfte und Transaktionen, die unsere oberste Verwaltungsbehörde innerhalb der letzten Amtsperiode abgeschlossen hat. Ich fange mit dem nächsten und unmittelbarsten an, nämlich mit der Organisation des Kongresses selbst. In vielen zionistischen Kreisen wird darüber Klage geführt, daß der Elfte Zionisten- Kongretz durch die vielen Nebenveranstaltungen, die die Leitung tatkräftig gefördert hat, in eine Schaustellung zweifelhafter Sorte umgewandelt wurde. (Lebhafter Widerspruch und Zwischenrufe: „Nehmen Sie das zurück, das ist eine Angehörigkeit!") Vizepräsident Dr. Gast er: Der Herr Redner hat ein Wort gebraucht, welches parlamentarisch nicht korrekt ist. Das Wort ist ungehörig! Dr. Melamed: Ich ziehe es zurück. Redner bespricht die Tätigkeit des A. C. und wird hiebei wiederholt durch Schlutzrufe unterbrochen. Er kritisiert ausführlich den Bericht des Aktionskomitees, bespricht die Reise S o k o l o w s nach Amerika, welche ohne wesentliches Resultat blieb. Er zeichnet die Tätigkeit Dr. Iakobsohns in der Türkei als fehlerhaft und voller Mißgriffe und lenft endlich die Aufmerksamkeit des Kongresses auf den eigenartigen Ton. welchen das offizielle Parteiorgan gegen einen Mann wie Dr. Nordau sich erlauben zu dürfen glaubt. Redner wird wiederholt vom Vorsitzenden zur Sache gerufen und erklärt schließlich, die Kulturtätigkeit in Palästina sei falsch. Anstatt Schulen zu gründen, solle man Bauern erziehen. Redner schließt unter großer Unruhe des ganzen Hauses. Es wird zunächst über den AntragPasmanik auf Einsetzung einer Palästinakommission abgestimmt und dieser Antrag angenommen. Die Abstimmung über den Antrag Pasmanik bezüglich der Kulturkommission ergibt kein klares Resultat, worauf die endgiltige Abstimmung auf morgen vertagt wird. i Protest der auswärtigen Berichterstatter. Die auswärtigen Korrespondenten überreichten dem Kongreßpräsidium einen Protest gegen das Verfahren des Preßbureaus, welches ^angeblich von ^auswärtigen Korrespondenten bestellte Plätze an Privatleute oerkauft hätte. Ueberdies hätte das Preßbureau einige Tage vor der Kongreßeröffnung die Eröffnungsreden von Professor Marburg, Sokolow und Dr. Lewin an zwei Blätter in Rußland ausgeliefert, welche diese Reden als „Spezialtelegramme" über die Kongreßeröffnung abgedruckt haben, noch bevor der Kongreß tatsächlich eröffnet war. IV. Sitzung vom 4. September. Chasanowitsch, Vertreter der „Poale Zion", kritisiert die Haltung des offiziellen Parteiorganes in bezug auf Jiddisch und die Art, wie man gegen Nordau aufzutreten beliebt. Wir sind gegen den Personenkultus,

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