Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022073--22448-3047595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 666 Dr. Blochs zu schwinden und man sieht Herzl als ausschließlichen Initiator des Zionismus. Nun der Herzlianismus hat das Seinige getan in der Einberufung der zionistischen Kongresse. Die Phase der eigentlich nationalen Erlösungsarbeit feiert in Wien sein njni opta Debüt. Mögen sich Männer und Frauen dieser heiligen, wie radikal helfenden Arbeit anschließen, welche nunmehr durch die Inauguration dös Seniors des Kultusvorstandes, Herrn Dr. Stern, und seiner Kollegen besiegelt wurde, zur Ehre und Rettung unseres hartbedrängten Volkes. Mögen Sie, hochverehrter Herr Dr. Bloch, fürderhin Ihre maßgebende Kraft in die Wagschale der zionistischen Arbeit werfen! Dr. Rüben Vierer, Lemberg. Weiland Baurat Wilhelm Stiaßuy als Palästinapiomer, Frau Clotilde Benedikt hat mit ihrer durchaus zeitgemäßen Erinnerung an die Verdienste weil. Vaurat Stiaßny^s in der „Oesterreichischen Wochenschrift" der Hoffnung Raum gegeben, daß bei der Begrüßung der zionistischen Gäste im Jüdischen Museum ^uch dieser Seite der Persönlichkeit seines vortrefflichen Schöpfers werde gedacht worden sein. In der Tat kann ich als Ohrenzeuge bestätigen, daß Herr Rabbiner Dr. Grunwald, offenbar ohne jede Verbindung mit der Verfasserin des Artikels, am 5. d. M. die Manen des edlen Mannes in dem angedeuteten Sinne gefeiert hat. Seine Ansprache führte etwa aus: Das Kuratorium des Museums hüte jüdische Altertümer nicht nur als Reminiszenzen an jüdisches Leben, das einst geblüht, sondern es suche auf jede Weise in diesen Altertümern Leben zu erhalten, die Vergangenheit für die Gegenwart nutzbar zu machen und in den lebendigen Fluß jüdischen Geistes und Lebens einzugliedern. Ueberzeugender als Worte spreche hierfür das Beispiel des Schöpfers des Museums, weil. Baurat Stiaßny's, der zugleich der Gründer unseres Kolonisationsvereines sei, der auf Stiaßnys Namen soeben zehn Pemenitenhäuser gestiftet und, als einer der ersten Förderer des Vezalel, diesen nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern auch durch Anregungen für die Wahl von Modellen nachhaltig unterstützt habe. B. Die Universität in Jerusalem. Das wichtigste positive Resultat des XI. zionistischen Kongresses in Wien ist zweifellos der Beschluß, .eine hebräische Universität in Jerusalem zu gründen. Der erste Anreger dieser Idee war der verewigte Prof. Schapira in Heidelberg. In den Dienst der Propaganda für diese Idee stellte sich nachher der Oberrabbiner der sephardischen Gemeinden in Rumänien Herr Dr. Niemirower aus Bukarest (früher in Jassy), welcher eine ganze Artikelserie unter dem Titel „Eine moderne Fabneh-Akademie" in der „O e st e r r. Wochenschrift" publiziert hat. Diese Artikelserie, welche neben anderen Vorschlägen auch die Gründung einer Hochschule in Palästina warm befürwortete, erschien in Sonderabdruck und nachher in hebräischer Sprache und hat die ernsteste Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt. Der Beschluß des Kongresses kann als glückliche Ausführung eines seiner in jener Artikelserie der „Oesterr. Wochenschrift" propagierten Gedanken bezeichnet werden. Cm Mischer Brigadegeneral in Australien. In Viktoria-Australien wurde dieser Tage John Monash zum General einer neuen Brigade, welche soeben gebildet wurde, ernannt. Monash,- der sich als treuer Jude bekennt, dient schon seit 30 Jahren in der Kolonialarmee in Australien und hat sich auch auf dem Gebiete der technischen Wissenschaft einen bedeutenden Namen erworben. Er ist Präsident der Ingenieur- und Architektenkammer in Viktoria und Mitglied des Universitätsrates in Melbourne. Wochenschrift M. 37 Die Qualifikation der Geschworenen im Veilisprozek, Aus der soeben veröffentlichten Liste der Geschworenen, aus deren Mitte sich die Volksrichter gruppieren werden, die berufen sein werden, im Beilisprozeß den Wahrspruch zu fällen, ist zu entnehmen, daß vier von ihnen höhere Bildung genossen haben, 11 eine Mittelschule absolvierten. Der Rest ist 15 Bauern, die bloß die Volksschule besucht haben. Die Mehrzahl dieser Geschworenen sind Bahnbeamte. Ein syrisch-jüdischer Jurist als „diplomatischer" Vermittler Der wichtigste Vertrauensmann des bulgarischen Delegierten Natchovits und zugleich der Pforte war ein bisher ganz unbekannter jüdischer Rechtsstudent und Journalist, Ascher Saphir aus Jerusalem; dieser kaum zwanzig Jahre alte improvisierte Diplomat hat, wie dem „Berl. Tagebl." aus Konstantinopel gemeldet wird, bei Erfüllung der Missionen, mit denen Natchovits ihn, zuerst probeweise, betraute, ein Geschick bewiesen, um das mancher Berufsdiplomat ihn beneiden kann. Beide Teile, die Pforte und der bulgarische Delegierte, haben ihm ein Hauptverdienst an dem erzielten Erfolg zugesprochen. Saphir, dessen Vater, ein geachteter Kaufmann, zu den Vokabeln von Jerusalem gehört, ist ein - Enkel des bekannten Forschers Jakob Saphir, dessen Arbeiten über die Juden des Beinen geschätzt sind; die Familie bewahrt einen Brief Kaiser Wilhelms I. an Jakob Saphir als kostbare Reliquie. Der junge Saphir lernte Natchovits im Juli kennen, als er den bulgarischen Delegierten für den „Osmanischen Bund" interviewte. Mitte August vermittelte er eine erste Zusammenkunft zwischen Natchovits mit dem osmanischen Handelsminister El Bostani Effendi, einem christlichen Syrer, dessen besonderes Vertrauen Saphir als arabisch sprechender Syrer gewonnen hatte. Seitdem halten Natchovits und El Bostani Effendi mehrere Unterredungen: gewöhnlich unterhielten sie sich durch Vermittlung Saphirs. Am 18. August waren die Vorbesprechungen so weit gediehen, daß der Großwesir offiziös den Wunsch der Pforte, in direkte offizielle Verhandlungen mit Bulgarien einzutreten, zu erkennen gab. Der Gifte internationale Zionistenkongreß. Das Kaisertelegramnr. An den Kaiser wurde folgendes Huldigungstelegramm gesandt: „Der in diesen Tagen in Eurer Majestät Reichshaupt- und Residenzstadt Wien tagende Elfte Zionistenkongreß, an welchem über 500 Delegierte der zionistischen Organisationen aus allen Weltteilen teilnehmen, bringt Eurer Majestät seine ehrfurchtsvollste Huldigung dar. Wir denken dabei dankbar des väterlichen Wohlwollens, das Eure Majestät wie allen andern Nationalitäten auch den jüdischen Untertanen Eurer Majestät stets entgegengebracht hat." Darauf war an den Präsidenten Wolffsohn folgende Antwortdepesche eingelangt: „Se. k. k. Apostolische Majestät danken allergnädigst für die im Namen des Elften Zionistenkongresses dargebrachte Huldigung." Am Grabe Theodor Herzl's. * Sonntag vormittags wurde am Grabe Theodor Herzls am Zentralfriedhose die Herzl-Feier in erhebender Weise begangen. Oberkantor Don Fuchs sang einen Choral. Dann zogen etwa acht- bis zehntausend Personen in .Dreierreihen in anderthalbstündigem Zuge am Grabe vorbei, das die jüdische Studentenschaft Wiens mit einem Lorbeerkranze geschmückt hatte. Reden wurden nicht gehalten, da sie nach jüdischem Ritus untersagt sind.