Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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«Seite 648 Dr. Bßochs Wochenschrift. Nr. 36 Talar und Karrtt. Im Januar 1910 hielt der damalige Rektor der Wiener Universität, Kaplan Professor Swoboda, vor einem -Publikum, in dem sich die Elite der Wiener Gesellschaft befand, einen hochinteressanten Vortrag über kirchliche Kunst. Das Zentrum des Vortrages' bildete das katholische Meßgewand, dessen Formen durch die Jahrhunderte bis zu den Gräbern von Aquilea und Aegypten und in die römischen - Katakomben der Vortragende nachgegangen und auf Grund dieser Funde den Ursprung des Kleides nachgewiesen. Auch der Engländer I. W. Legg hat die Kirchenkleidung auf die jüdischpriesterliche zurückgeführt (Inventories ot' Christ Churcli, Canterbury, London 1902) und hat dadurch eine Polemik in jüdischen und christlichen Kreisen hervorgerufen. Wer aber das bedeutsame Werk des Wiener Oberrabbiners Dr. M. Güdemann „Geschichte des Erziehungswesens", II, 48, aufmerksam liest, für den ist die Sache klar, worüber die englischen Gelehrten gestritten haben. Und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die kirchliche Amtstracht der alttestamentarischen Priesterkleidung nachgebildet ist. Im alten Israel war die kirchliche Kunst nach Gebühr gewertet und erreichte eine hohe Blüte. Das Heiligtum zu Jerusalem war schon als Bauwerk von seltener Pracht eines der erhebendsten und wunderbarsten Denkmäler alter Architektur/ Im Zentrum des Kultus stand die Musik, mächtige und zarte Instrumente begleiteten den Gesang der Leviten. Da war es selbstverständlich, daß her Gewandung der Tempelfunktionäre peinlichste Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Die Bibel enthält genaue und sorgfältige Vorschriften über das Kleid der Priester nach den verschiedensten Rangordnungen. Für die einzelsten Einzelheiten, der Ober- und Untergewänder, sowie der Kopfbedeckung waren genaue Bestimmungen getroffen, nichts wurde da für geringfügig geachtet, als zu unbedeutend gewertet. Wie nahezu das ganze Ritual, hat die Airche auch diese Tradition dem alten Israel entlehnt. Im. Judentum d4r Diaspora hat der grausame Druck und das-'nationale Leid eine intensive Pflege der Kunst nicht aüfkommen lassen. Religiösität, tiefinnige Frömmigkeit war dem Juden ein Teil seiner eigenen Natur, die Andacht quillte aus den Tiefen verwundeter Herzen, sie bedurfte der Hilfsmittel der Kunst nicht. Erst in neuester Zeit, seit dem Eintritt des Judentums in die europäische Kultur, erwachte in seiner Mitte das Bedürfnis nach künstlerischer Ausgestaltung des Kultus. Es entstanden herrliche Tempel, Sänger von musikalischer Schulung versehen den Kantorendienst, an die Predigt werden in bezug auf Form und Behalt, Sprache und Vortrag die höchsten Anforderungen gestellt. Daß es indeß ein ebensolch wichtiges ästhetisches Erfordernis bildet, daß die Kultusfunktionäre im Tempel in einem Gewände einherschreiten, welches die Harmonie nicht peinlich stört — das wird nicht überall in gleichem Maße empfunden. Auf der Reise trifft man hie und da in schönen Synagogen Talare mit geradezu barbarischen Formen, die eine Beleidigung des guten Geschmackes sind. Manche Gemeinden verlangen ganz unbilligerweise, daß die Funktionäre ihre Tempelgewänder aus den eigenen kärglichen Mitteln beschaffen; bessere Gemeinden tragen selber die Kosten für biefe Talare — nur müssen sie recht billig sein. Und sie sind denn auch dementsprechend. Nach kurzer Zeit sind sie schäbig und zerschlissen und gewähren einen recht unästhetischen Eindruck, der Anblick ärgert das Auge, bereitet ihm ein ästhetisches Mißbehagen und läßt bei den feinorganisierten Nerven des Neuzeitmenschen eine stimmungsvolle Andacht nicht auflommen. Männer von Intelligenz und Bildung an der Spitze der Tempelverwaltung haben Sinn und Verständnis für derlei Imponderabilien, die in dem merkwürdigen Satz des Talmuds angedeutet scheinen: -,'KTb> “7 “ID .K*vrp (iabbtilt) S. 7.7). Es ist darum wohl angebracht, die. Vorsteher jüdischer Gemeinden auf die Firma Rudolf Gold st ein „Spezialhaus für^ Synagogenornate", aufmerksam zu machen, welches diesem Zweige des Kunstgewerbes besondere Pflege widmet, mit seinen Talaren in zahlreichen Formen, voll feinsten Geschmacks, auf internationalen Ausstellungen Auszeichnungen errungen und einen Kundenkreis m den fernsten Ländern, selbst in Skandinavien und Amerika sich erobert hat. Neben der Tatsache, die in der Anerkennung der konkurrenzlosen Leistungsfähigkeit Göldsteins neidlos seitens der eigenen Fachgenossen sich dokumentiert, daß in sämtlichen Etablissements die Lieferungen dieses Genres, insoweit besonders wichtige Aufgaben zu lösen sind, ihm übertragen werden, muß es als besonderes Verdienst seiner Firma angerechnet werden, in den jüdischen Gemeinden Sinn und Geschmack für diesen Zweig jüdisch-kunstgewerblicher Tätigkeit geweckt und gefördert zu haben. Zeugnis dessen sind die zahlreichen Anerkennungen, welche dieser Firma für deren Leistungen aus dem weilen jüdischen Kundenkreis zugekommen sind: Baden, d. 26. IV. 1911. Sehr geehrter Herr Golds tein! Die Kappen sind re iz e n d und sage ich Ihnen meinen besten Dank für dieselben. Das Ornat hat die Gemeinde — w i e Sie wohl wiss e n w erd e n — behalten. Dasselbe ist sehr schön. Ihr ergebenster Wilhelm Eei c li, Rabbiner- Sehr geehrter Herr Goldsteinl Anbei zum Begleich Ihrer Forderung und ..freut es mich, Ihnen im Aufträge des Kultus Vorstandes unsere vollste Zufriedenheit für die gelieferten Ornate aussprechen zu können. Mich Ihnen, bestens empfehlend hochachtungsvoll ganz ergebenst Es sek, am 23./9. 1912. N. Schwarz, Sekretär der isr. Kultusgemeinde. Boglar (am Plattensee, 3. Oktober 1910. Herrn Rudolf Goldstein, W i e n. Vor Torsperre des alten Jahres beeile ich mich, Ihnen inliegend Iv 100.— zu überreichen, damit ich Ihnen zum neuen Jahre gratulieren und danken kann für Ihre außerordentlich solide Lieferung des weißen Talars und Kantormütze. Diese kleine Garnitur gebe ich als Spende und Andenken unserer kleinen, im Wachsen begriffenen Gemeinde, und freut mich die Idee jetzt erst darum, weil ich zu dieser Spende einen äußerst kulanten Lieferanten gefunden habe. Indem ich Ihnen zur Jahreswende auch weiterhin viel Glück wünsche, zeichne ich mit voller Hochachtung Max F r a n k. (Max Frank; & Sohn, Weingutsbesitzer u. Weinhandlung.)' Sayb lisch, 10./VII. 1912. Woliigeb. Herrn Rudolf Goldstein Wien. Die Sachen passen alle sehr gut, ich' werde' sie .beli a 11 e li . . . Hochachtungsvoll .!.; Moritz Feuerstein. Bodenbach, 14. /IV. 13. Sehr geehrter Herr! Mit bestem Danke und dem Ausdruck unserer vollsten Zufriedenheit senden wir den Betrag und zeichnen Hochachtungsvoll i. 'A.: Der Vorsteher , > Ad. Pächter, m. p.'