Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 646 Dr. Mochs Wochenschrift. Nr. 86 Vermischtes. Wie». Die I. BildungsanftaltfürKindergärtneriuuen (verbunden mit der israelitischen Kinderbewahranstalt) in Wien, II., Schiffamtsgaffe 15, eröffnet in diesem Schuljahre ihren 46. Jahreskurs. Anmeldungen von Schülerinnen, welche das 16. Lebensjahr zurückgelegt haben muffen, werden bei der Anstaltsdirektion entgegengenommen. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Klara Lock aus Mlgy-Megyer hat sich mit Herrn Simon Fischer, Sohn b< s Selchwarenfabrikanteu Gabriel Fischer, verlobt. . Wien. Am 28. August d. I. ist der in Welka in Mähren wohnhaft gewesene Kaufmann, Herr David Grünfeld, unter lebhafter Teilnahme hier zu Grabe getragen worden. Wie sehr der Verblichene, welcher der Vater des Wiener Kinderarztes Dr. Karl Erünfeld war, durch Rechtlichkeit und Tüchtigkeit in seinem Berufe sowie durch feine ganze Lebensführung sich der Achtung auch in nichtjüdischen Kreisen erfreute, bekundete sich darin, daß ein Geistlicher aus eigenem Antriebe für den Erkrankten eine Messe lesen ließ. Der Verblichene hat auf religiösem und humanitärem Gebiete und in früheren fahren auch im Eemeinderate in Wellka eine rege Tätigkeit entfaltet. Die kantorale Funktion bei den- Leichenbegängnisse hatte der erste Kantor, Herr S. Jurberger, >ia weihevoller Weise vollzogen. Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald widmete dem Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Dann sprach der Gutspächter, Herr Moriz Haas aus Welka, den jahrzehntelange Freundschaft mit idem Verewigten verband, ergreifende Worte namens der dortigen Chewra Kadischa und des Minjan- Vereines. S. Wien. .(Spende.) Für die Familie Schönbrunn, XIV., Sechshauserstraße 70, sind uns folgende Spenden zugegangen: Verein „Providentia" Kr. 15.—, Leo Buchen, Karlsbad, Kr. 10.—. Austritte aus dem Judentum. Vom 23. August bis inklusive 30. August 1913. Aigner Arthur, geb. 6. November 1889, Wien, II., Lilienbrunn - gasse 2 Anscheles Leib, Privatier, geb. 14. November 1890, Kiew, Russland, XV., Hotel »Westbahn« König Eduard, Beamter, geb. 22. April 1888, Pressburg, VII, Burggasse' 27 ' Salzer Antonie, Private, geb. 7. Mai 1889, Wien, I., Maria Theresienstrasse 10 Trepper Leopold, Kolporteur, geb. 8. Oktober 1883, Ung.-Hradisch Weiss geb. Salter Dores, geb. 6. August 18b0, Wien, II., Förstergasse 10 Hollefchau. Samstag den 30. August l. I. feierte der in weiten Kreisen hochgeehrte Herr Josef Meisel in vollkommener körperlicher und geistiger Rüstigkeit im Kreise seiner Kinder und Enkel das Fest seines 70. Geburtstages. Aus diesem Anlasse erschien Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Freimann, im Vereine mit deni Kultusvorstande, in der Wohnung des Jubilars und überreichte demselben die mit Einverständnis des mährischen Landesrabbinates ihm verliehene „Maurenu" mit einer herzlichen Ansprache. Weiters erschien der Vorstand der Chewra Kadischa und überreichte eine Adresse. Herr Josef Meisel ist ein Schwiegersohn des verstorbenen Rabbinats-Assessors Rabbi Avigdor Wolf und ein Schwager des sel. Dr. M. L. Wolf, Rabbiner in Klattau. Kremfier. (Auszeichnung.) Frau Rosa Simon, Präsidentin des israelitischen Frauen-llnterstützungsvereines in Kremsier wurde von Sr. Majestät mit Allerhöchster Entschließung vom 16. Juki a. c. mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Samstag den 30. August 1913, 10 Uhr vormittags, wurde die Dekorierung durch den Kultusvorsteher Herrn kais. Rat Jgnari Kvöpselwacher als Delegierter der politischen Behörde im festlich geschmückten Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde in besonders feierlicher Weise vollzogen. Lange vor dem Beginne des Festes war der große Sitzungssaal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Außer den Spitzen unserer ehrwürdigen Kultusgemeinde waren der Ausschuß des. israelitischen Frauenvereines mit der Vizepräsidentin Frau Henriette Frankl an der Spitze, das Rabbinat der Kultusgemeinde, die Vorstände der Chewra Kadischa und sämtlicher Vereine der Kultusgemeinde vertreten. Anwesend waren noch ferner der Gatte, Herr Sigmund Simon, der vor kurzem den 80. Geburtstag feierte, mit seinen beiden .Söhnen Herren Prof. Dr.' Jakob und Ignatz Simon. Von einer Deputation des Frauenvereines begleitet, wurde Frau Simon am Eingänge des Festsaales von Fräulein Grete Knöpfelmacher und Hilde Jokl mit einer herrlichen Blumenspende und herzlicher Ansprache begrüßt. Die Feier selbst leitete Herr Kultusvorsteher kais. Rat Ignatz Knöpfelmacher mit einem begeistert aufgenommenen Kaisertoast ein und schilderte in schwungvollen Worten das 44jährige Wirken der Frau Simon auf dem Gebiete der Armen- und Krankenpflegen . Rührend war die Ansprache der Vizepräsidentin Frau^ Henriette Frankl, welche die aufopfernde; Menschenliebe und Mildtätigkeit der Frau Simon schilderte. Herr Professor Dr. Jakob Simonj dankte dem Kultusvorsteher für sein außergewöhnlich liebenswürdiges Entgegenkommen, dankte dem Frauenvereine für die ungemeine Ehrung, woraus Se. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Schweiger in kurzen Worten der Gefeierten den priesterlichen Segen erteilte. Hierauf begab sich' die ganze Festversammlung zum Festgottesdienste in den Kaiser Franzi Joseph I.-Jubilsäumstempel, mit welchem die würdevolle Feier ihr Ende erreichte. Hirsch. Nikolsburg. Dem Verein „Nikolsburger Israelitisches Versorgungshaus" in Nikolsburg sind weiters nachstehende Beträge zugekommen: Glattauer Jakob, Wien, Kr. 210.—, Rosenberg Ignatz Tracht 10.— Adolf Politzer, Wien, 15.—, Ignatz Toch, Wien 10.—, Julius Feßler, Gänserndorf, 6.—, Heinrich und Leopold Fehl, Wien, 40.—, Plafchkes Hermann, Wien, 10.—, Pretzburg Bernhard, Wien, 200.—, Glattauer Hugo, Wien, 210.—. Der „Verein der Nikolsburger in Wien" widmete für Zwecke des Versorgungshauses den Betrag von Kr. 1200.— in Rente. — Allen Olmütz. (Ein eigenartiger Wohltätigkeilsakt.) Vor dreieinhalb Jahren regte der hiesige Malzfabrikant Felir Zweig in der Lokalpresse an, eine Millionen-Heller-Sammlung einzuleiten. Mit unermüdlicher Ausdauer verfolgte Fabrikant Zweig diese Idee und vorgestern konnte der Genannte Mitteilen, daß seine Bemühungen von Erfolg gekrönt waren und die Sammlung die Höhe von einer Million Hellern erreicht habe. Das Kapital soll zu einer Stiftung verwendet werden, aus deren Erträgnis arme israelitische Studenten ausgespeist werden sollen. Berlin. (Auszeichnung jüdischer Gelehrter.) Aus dem Aerztekongreß in London war Geheimrat Prof. Dr. Ehrlich der Gegenstand besonderer Ovationen. Die französische Presse bezeichnet seinen Vortrag als den Höhepunkt des Kongresses. Von den Preisen, die die dauernde Kommission des Jnternationalum medizinischen Kongresses unter dem Vorsitz des Professors Waldeyer (Berlin) verteilte, fiel einer einem hervorragenden Berliner Gelehrten zu; Professor August von Wassermann wurde mit dem Preise der Stadt Paris ausgezeichnet. — Das Prädikat „Professor" ist dem Leiter der Serologischen Abteilung der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charitee, Dr. med. Heinrich Frenkel-Heiden in Berlin, dem dirigierenden Art der dermatologischen Abteilung am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, Sanitätsrat Dr. Wechselmann, und dem Oberarzt an der Charitee, Dr. Julius Citron, verliehen worden. Das Wunderkind MischÄ Atlas. ' Nahezu sämtliche russischen Blätter widmeten vorige Woche emige Tage hindurch spaltenlange Artikel dem „jüdischen Wunderkind" Mifcha Atlas. Mischa Atlas ist kaum fünf Jahre alt und besitzt laut dem Zeugnis der hervorragendsten russischen Mediziner tatsächlich ans Wunder grenzende Kenntnisse und Fähigkeiten. Der Professor des Petersburger psycho-neurologischen Institutes Schakof schreibt hierüber folgendes: „Anfangs Januar 1913 erschien bei mir der fünfjährige Michael Semiosowitsch Atlas in Begleitung seiner Eltern. Ich sprach lange mit ihm über Astronomie, Zoologie und verschiedene literarische Werke und war über seine Fähigkeiten außerordentlich erstaunt." Professor Bechteriesf schreibt: „Das Kind Atlas ist ein Phänomen und verdient, daß man über ihn gründlichere Untersuchungen anstelle, als ich es getan habe. Es wäre sehr angezeigt, sein Gedächtnis, seine Rechensähigkeiten, sowie die Fähigkeit, seinen Geist zu konzentrieren rc., genau zu beobachten und mit den ähnlichen Eigenschaften anderer Kinder zu vergleichen." Dabei ist Mischa Atlas ein fröhliches, gesundes Kind, mit vollen roten Wangen. Was bei ihm auffällt, ist das unerreichte Gedächtnis für alles, was ihn interessiert und sein Interesse kennt keine Grenzen. Der kleine Junge wurde natürlich auch interviewt, und es hat jedenfalls recht putzig klingen müssen, als er auf die Frage eines Journalisten, wozu er denn so Vieles zusammenlese, die Antwort gab: „Am liebsten möchte ich alles durchlesen, was in der Welt geschrieben und gedruckt würde." Petersburger Gelehrtenkreise haben sich nun des Kindes angenommen und werden seine weitere geistige Entwicklung kontrollieren. Auszeichnungen ans Anlag des marokkanischen Feldzuges. Das französische Amtsblatt veröffentlicht die folgenden Auszeichnungen für heldenmütiges Verhalten in Marokko: Oberstleutnant Rueff wurde zum Offizier der Ehrenlegion, Kapitän I. Kaufmann zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Und überdies wird mitgeteilt, daß General Lyautey in seinem in Rabat am 10. Mai erlassenen Tagesbefehl das besonders heldenmütige Verhalten des in der Schlacht bei Koudiat Ruih am 15. März 1913 gefallenen Korporals Abraham Alphandry hervorgehoben hat.