Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Blochs Wochenschrift. LeUr 64» Eine Depesche der yemenitischen Juden nach Adrianopel. '-ra® Aus Anlatz der Wiedereroberung Adrianopels durch die Türkei ist an den Armeekommandanten aus dem Deinen die nachfolgende Depesche eingelangt: „Wir beglückwünschen Sie zur Wiedereroberung Adrianopels und seiner Umgebung mit Hilfe des Allmächtigen aus den Händen der Feinde. Möge die Vorsehung Ähre Erfolge verlängern. Im Namen der gesamten jüdischen Bevölkerung des Demen: Selim Aram. gewesener jüdischer Deputierter aus dem Demen, Haim Salim Kissar, Kaufmann, Notabler von Demen." Ein jüdisches Friedensgericht mit Ausschlutz des Rabbinats. Der „Tog" meldet aus Jaffa: Schon seit langem existiert in Jaffa ein jüdisches Friedensgericht, das sich die Aufgabe gestellt hatte, in Streitfällen zwischen Juden in Jaffa das Friedensrichteramt zu übernehmen. Diese Institution war bisher eine private Schöpfung des Palästinaamtes in Jaffa. Nun wurde dieser Einrichtung ein ' mehr öffentlicher und offizieller Charakter dadurch verliehen, datz die 23 Mitglieder derselben aus Vertretern der verschiedenen jüdischen Institutionen und Organisationen in Jaffa gebildet wurden. So gehören diesem Friedensgerichte jetzt an: das Palästinaamt, die Chowewei-Zion, Hapoel-Hazoir, der Verband der jüdischen Handwerker, Vertreter der Kolonien rc. Bezeichnend für den Geist und die Richtung dieses Amtes ist, datz blotz eine Körperschaft aus diesem kleinen Synhedrion ausgeschlossen wurde, und zwar gerade diejenige, welche seit uralter Zeit nicht nur im Orient, sondern auch kn Europa für viele Juden das inappellable Richteramt darstellt, -nämlich das Rabbinat und das Beth Din. Weder das sephardische noch das aschkenasische Rabbinat wurden aufgefordert, ihren Vertreter in dieses rechtsprechende Kollegium zu entsenden. Allerdings wurde es auch züm Prinzipe erhoben, bei den Rechtssprüchen den Schulchan-Aruch und die jüdischen Dezisoren unberücksichtigt zu lassen. Progressiver Antisemitismus in England. Dieser Tage finden im Londoner Naile-Lnä Ersatzwahlen in den Gemeinderat statt. Zur Besetzung gelangt das durch das Ableben Karl Stettauers freigewordene Mandat. Die liberale Partei hat mit Berufung darauf, datz 60 Prozent der Wähler Christen und nur 40 Prozent Juden seien, einen christlichen Kandidaten nominiert. Die Juden, die in diesem Wahlkreise zum grötzten Teile der liberalen Partei angehören, hätten gegen diese Kandidatur nichts einzuwenden gehabt und dem Kandidaten schon aus Parteirücksichten ihre Stimme gegeben, wenn das liberale Wahlkomitee als Motivierung des Beschlusses nicht ausdrücklich erklärt hätte, datz es sich gegen die Kandidierung eines Juden energisch verwahren würde, und nicht noch daran die Drohung geknüpft hätte, datz die christlichen Wähler für den Fall, als ein jüdischer Kandidat ausgestellt würde, entschlossen .seien, ihre Stimmen dem konservativen Kandidaten zu geben. Diese antisemitische Art, für den christlichen Kandidaten Stimmung zu machen, hatte bei den Juden nur den einen Effekt, datz sie von der Nominierung eines eigenen Kandidaten wohl absahen, dafür aber die Parole ausgaben, datz kein Jude einem Kandidaten die Stimme geben könne, der sich um das Mandat mit antisemitischen Schlagworten bewirbt. Man ist unter solchen Umständen auf den Ausgang der Wahl gespannt. Jahresversammlung der orthod. Rabbiner Amerikas. Unter Anwesenheit von 40 Mitgliedern und Vorsitz Rabbiners V. L. Levinthal-Philadelphia tagte in Arverne die 11. Jahresversammlung der orthodoxen Rabbiner Amerikas. Das wesentlichste Ergebnis der dreitägigen Verhandlungen stellt sich in der folgenden Resolution dar: „Es ist ein Komitee zu bestimmen, das sich dem „American Yewish Üomittee-‘ in seinem Bestreben, die öffentliche Meinung aufzurütteln und zu einem Protest gegen den Beilis-Prozetz zu veranlassen, anschlietzt. Es ist ein ständiges Rechtskomitee zu bestimmen, um die Schechitah gegen die Angriffe der sogenannten Grausamkeitsgesellschaften (cruelty societies) zu verteidigen. Es ist ein Komitee zu bestimmen, dessen Aufgabe darin besteht, 'zu untersuchen, ob alle Gemeinden, die sich orthodox nennen, auch wirklich diese Bezeichnung verdienen. Es ist ein Schiedsgericht für Unstimmigkeiten zwischen Rabbinern einzusetzen." Von den weiteren Resolutionen sei die erwähnt, datz den Palästina-Esrogim der Vorzug zu geben sei und nur Sjfrei-Tauraus, Mesusaus und Tefillin aus Palästina zu kaufen seien, und die, datz man überall „Schomrei-Schabbos"-Vereine gründen möge. Zum Schlutz der Tagung wurden die Wahlen vorgenommen. Die Leitung setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: B. L. Levinthal (Präs.), I. Rosenberg-Paterson, A. M. Schwartz-Baltimore (Vizepräs.), I. Segal- Vayonne, L. Priel-Trenton und I. W. Vendcowsky- Newyork: Eine Statistik der jüdischen Soldaten in Amerika. Die Newyorker Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" hat soeben einen Aufruf erlassen, in welchem sämtliche Juden, die in Amerika im Militärdienst zu Lande oder zur See stehen, aufgefordert werden, sich zu melden, um eine genaue Statistik über die Juden im amerikanischen Heere zu erlangen. Diese Aktion ist dadurch hervorgerufen worden, datz in den Newyorker führenden Blättern in jüngster Zeit die Diskussion darüber abgeführt wurde, ob die eingewanderten Juden ihrem neuen Vaterlande auch wirklich eine opferwillige Liebe entgegenbringen. Ein hoher Militär hat nun in dieser Diskussion die Behauptung aufgestellt, datz die Juden in viel grötzerer Anzahl im amerikanischen Heere vertreten sind, als es ihrer Verhältnisziffer zur allgemeinen Bevölkerung entsprechen würde. Pietätvokke Auswanderer. Aus Newyork wird uns geschrieben: Auf dem Schiffe „George Washington", das dieser Tage, von Bremen kommend, in Newyork landete, starb während der Uebersahrt ein junger jüdischer Auswanderer namens Isaak Singer im Alter von 32 Jahren. Den Vorschriften gemätz hätte die Leiche des Verstorbenen ins Wasser versenkt werden sollen. Als die Mitreisenden jüdischen Auswanderer hievon erfuhren, veranstalteten sie unter einander sofort eine Sammlung, als deren Ergebnis sie zunächst dem Kapitän 700 Mark zur Deckung der Einbalsamierung des Leichnams mit der Bitte übergaben, von der Versenkung ins Meer abzusehen und zu gestalten. datz Singer in Newyork nach jüdischem Ritus begraben werde. Den Rest der Sammlung von 300 Mark übergab man dem Kapitän mit der Bitte, diese Summe :mit der Verständigung von dem Todesfall an die junge, in der alten Heimat zurückgebliebene Witwe gelangen zu lassen. Der Kapitän, gerührt von diesem Akt der Pietät, willfahrte den Wünschen der jüdischen Passagiere, und so wurde Isaak Singer nach Einlaufen des Schiffes in Newyork auf einem jüdischen Friedhof daselbst zur ewigen Ruhe bestattet.