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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 644 scheu Kirche der Präsident des Oberkonsistoriums in München und der Direktor des pfälzischen Konsistoriums in Speyer, als Vertreter des Judentums war der Distrikts- Rabbiner von Regensburg Dr. Seligmann Meyer von Sr. K. Hoheit dem Regenten zum Festakte in der Befreiungshalle und zur Hoftafel geladen. Es machte einen erhebenden, unvergeßlichen Eindruck, als der Prinz-Regent und der Kaiser an der Spitze der deutschen Vundesfürsten und der präsidierenden Bürgermeister der Hansastädte in feierlichem Zuge die Befreiungshalle betraten und dort Zeugnis für die deutsche Einigkeit ablegten. Rach der Hoftafel fand Cercle statt, wobei der Regent auch den Distriktsrabbiner Dr. Meyer ansprach und ihm die Hand reichte. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg ließ sich den Distriktsrabbiner vorstellen und unterhielt sich mit ihm, auch die bayerischen Bischöfe, der Präsident des protestantischen Oberkonsistoriums Exzellenz von Betzel und viele andere illustre Persönlichkeiten. Aus der Agudas Jisroel Bewegung. H a l b e r st a d t. Ein Jahr ist abgelaufen, seitdem die erste deutsche Ortsgruppe der „Agudas Jisroel" in unserer Stadt gegründet wurde. Dieses Jahr hat nicht nur von der Werbekraft des „Agudas Jisroel"-Gedankens, sondern auch von der begeisterten Hingabe der Leiter unserer Ortsgruppe beredtes Zeugnis abgelegt. Wir haben die Ortsgruppe mit 52 Mitgliedern gegründet, heute zählt sie bereits deren 110. An Jahresbeiträgen haben wir im abgelaufenen Jahr 1393' M., an Spenden: für den Thorafond 137 85 M., für den Palästinasond 6 26 M. und zur Unterstützung der durch die Preßburger Brandkatastrophe geschädigten Brüder 2024'70 M. der Frankfurter Zentrale zur Verfügung stellen können. Außerdem haben einzelne Mitglieder unserer Ortsgruppe für den Propagandafond namhafte Beiträge gespendet. Die von uns vor kurzem eingerichteten Verkaufsstellen für die Agudas Jisroel-Marken bewähren sich gut. Bis zum Jahresschluß wurden Marken für 128 65 M. verkauft. Wahrend des Jahres hatten wir vier größere Versammlungen, die sich eines starken Besuches zu erfteuen hatten und viel zur Vertiefung und Verbreitung der Idee von der Zusammengehörigkeit aller Treugesinnten in Israel beigetragen haben. Wir hoffen, daß das nächste Jahr auf dem begonnenen Wege weitere Fortschritte bringen wird. Wilna. Aus einer Reihe von größeren und kleineren Gemeinden laufen Nachrichten ein über die Gründung von Ortsgruppen unserer Agudas Jisrorl-Organisation, die insgesamt für die Zukunft recht gute Früchte verheißen. Besonders erwähnenswert erscheint uns die Ortsgrvppengründung in P r u s a n y, Brians k, Beissagola, Kupischock, Altczechnowtze, Kalinkiewitz u. a. m. Zakopane. Unser Kurort hatte in diesem Jahre, das Vergnügen, einen der eifrigsten Vorkämpfer der Agudas Jisroel¬ Bewegung in Galizien, Herrn Jsaac Thumim aus Przemysl, unter seinen Gästen zählen zu dürfen. Herr Thumim ließ sich, wie es ja selbstverständlich ist, die Gelegenheit nicht nehmen, auch unsere Gemeinde mit den Bestrebungen der Agudas Jisroel vertraut zu machen. Auf Wunsch unserer Gemeindemitglieder hat unser verehrter Rabbiner,. Herr Elias Eichenstein, eine Versammlung eiuberufen, die einen imposanten Verlauf nahm. Nach der Begrüßungsansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners ergriff Herr Thumim das Wort, und mit der ihm eigenen zündenden Beredsamkeit, g-paart mit bewunderungswürdigen Keuntniffen in der gesamten rabbinischen Literatur, legte er die Idee der Agudas Jisroel dar. Seine Worte ernteten reichen Beifall. Zum Schluß sprach nochmals Herr Rabbiner Eichenstem ausführlich über die Agudas Jisroel. Auch seine Rede hinterließ bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck. Eine Ortsgruppe wurde auf der Stelle gegründet. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Rabbiner Elias Eichenstem, Vorsitzender, Vizepräsident Samuel Holländer, Schriftführer Lehrer H. Frauwirth. Nationalisierung des Schulwesens in Rußland. (Jüdische Mittelschulen. Ausschluß der Juden von den Staatsschulen.) Wie uns aus Petersburg von stets gut informierter Stelle berichtet wird, beschäftigt sich die Regierung gegenwärtig mit einem Gesetzentwurf, welcher den Juden die Errichtung eigener Mittelschulen an gewissen Stellen innerhalb des Ansiedlungsgebietes gestattet. Gleichzeitig mit diesem Gesetze soll jedoch der Ausschluß der Juden aus sämtlichen staatlichen Mittelschulen ausgesprochen werden. Dieser Gesetzentwurf soll das Geisteskind des Studiendirektors Smilaninow in Odessa sein. Es wird angenommen, daß die Regierung mit diesem Gesetze bald Herausrücken wird, so daß es spätestens für das Schuljahr 1914/1915 in Kraft treten würde. Lieder keine Fakultät als jüdische Hörer. Der Kiewer Universitätssenat wandte sich an den Bildungsminister mit der bezeichnenden Anfrage, was mit den fünfzig jüdischen Studenten zu geschehen habe, welche sich für die pharmazeutische Fakultät angemeldet haben, da sich für das Studium der Pharmazie christliche Hörer in so verschwindender Zahl meldeten, daß die Anwendung der Prozentnorm für jüdische Hörer praktisch undurchführbar sei, es sei denn, daß die Vorlesungen für Pharmazeuten überhaupt aufgelassen werden. Die Antwort des Vildungsministers war eine starke Rüge, in welcher dem Senate bedeutet wurde, daß er sich ohne Rücksicht auf die Konsequenzen strikte an die vorgeschriebene Perzentnorm für jüdische Hörer zu hallen jhabe. Eine geheimnisvolle Oper. In russischen Blättern lesen wir: Der bekannte russische Komponist Glasunow hat soeben die Musik für ein dramatisches Singspiel fertiggestellt. Das Werk führt den Titel „Der jüdische Kaiser" und hat eine sehr hochgestellte Persönlichkeit K. R. (?) zum Autor. Der Inhalt der dramatischen Oper wird über Wunsch des hohen Autors vorläufig geheim gehalten. Das Stück soll demnächst vor einer geschlossenen Gesellschaft außerhalb Petersburg zur ersten Aufführung gelangen. Eine Verordnung der russischen Regierung über ausländische Juden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Rach den bisherigen russischen Gesetzen wurden ausländische Juden, die dabei betreten wurden, daß sie ohne besondere Erlaubnis außerhalb des jüdischen Attsiedlungsgebietes Handel treiben, mit der zwangsweisen Verschickung in dem Ansiedlungsrayon und Konfiskation der Vorgefundenen Waren bestraft. Laut einer Verordnung des Ministers des Innern Maklakoff werden ausländische Juden im ebenerwähnten Falle von nun ab bloß zu einer Strafe von 300 Rubeln ohne Verschickung und ohne Konfiskation der Waren verurteilt werden. Die Emigratisnsbewegung währender hohen Feiertage. Die jüdische EmigrationSgesellschaft der Jto in Kiew macht bekannt, daß, um eine Schiffahrt der jüdischen Auswanderer w.ährend der herannahenden jüdischen hohen Feiertage zu vermeiden, im Laufe des Monates September keine Partie nach Galveston befördert werden wird. Die 87. Partie ist am 29. August aus Rußland abgegangen und die 88. Partie wird erst am 7. Oktober befördert werden. Im Verlaufe des Monates Juli sind durch Intervention der Gesellschaft 368 Personen, und zwar 275 Männer, 53 Frauen und 40 Kinder nach Teias via Galveston ausgewandert. Die Zahl der durch die Gesellschaft vom 1. Jänner bis 1. August 1913 nach Galveston beförderten jüdischen Auswanderer beträgt rund 2000.

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