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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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N^. 36 Dr. Blochs Wochenschrift Sen« 643 Vaterland nachgehangen sind, ohne ihre Verwirklichung zu erleben, wie Hofrat T a u f s i g, Baurat S1 iaßny und sein so tragisch aus dem Leben geschiedener Schüler Baurat Oskar Marino rek. Wie viele andere werden noch ihre beste Lebenskraft in Arbeit für glücklichere Generationen der Zukunft verzehren! Clotilde Benedikt. Konferenz der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur". (Schluß.) Das Referat Bialiks, „des hebräischen Dichters von internationaler Bedeutung", wurde mit großer Begeisterung ausgenommen und seine Ausführungen, die sich durch logische Schärfe und poetische Grazie auszeichneten, wurden mit einem starken Applaus belohnt. Im Laufe seines Referates kam er auch auf den jüdischen Jargon zu sprechen, und da meinte Bialik: „Nie wird es die Magd (der Jargon) wagen, ihre Herrin (die hebräische Sprache) zu verdrängen. Das können wir mit vollster Sicherheit behaupten. Denn wir haben in unserer Geschichte ähnliches mit der aramäischen Sprache erlebt. Auch sie ist eine Zeitlang die Volkssprache gewesen, auch sie war der Liebling vieler Gelehrten, ja, das Aramäische hat den jüdischen Geist so stark beherrscht, daß in dieser Sprache zu einer Zeit, in der schon lange nicht mehr aramäisch vom Volke gesprochen wurde, noch eines der bedeutendsten Werke der Sohar, geschaffen wurde, und dennoch ist von ihr nichts mehr als der Jakum Purkon und das Kadifch-Gebet zurückgeblieben; denn die Magd vermochte eben die Herrin nicht zu verdrängen und dies wird auch der Fall mit dem jüdischen Jargon sein." Bialiks Vortrag gipfelte in der Aeußerung, daß man die Erschlaffung im Judentum am besten durch eine „Chassima" durch eine Auswahl aller geistigen Erzeugnisse des Judentums, die seit Moses in allen Sprachen produziert worden sind, beseitige, eine A.u s wa h l nämlich, wie sie schon dreimal in unserer Geschichte von den besten Männern der damaligen Zeit vorgenommen wurde, aber keine Zensur. Denn die Auswahl der biblischen Bücher, sowie der Mischnah- und Gemora-Abhandlungen wurde nicht auf IGrund einer Zensur vorgenommen, sondern diese Werke sind von den betreffenden ausgezeichneten Männern empfohlen und besprochen worden, uitd das Volk hat dann die Wahl getroffen und nur die empfohlenen Wierke gelesen, so daß die übrigen Werke, von. selbst - der. „Genisa'V der Vergessenheit, verfallen wurden. Diese Aeußerung krystallisierte sich dann zu dem Anträge, man möge ein großes, sechsbändiges Buch schaffen, in dem das Beste der ganzen jüdischen Literatur seit Moses bis auf die Gegenwart zusammengefaßt werden soll, und dieses Buch wäre dann Hassefar Haribri, das hebräische Buch. Auch die anderen Referate, die von Dr. I. Klausner, Dr. Sch. Löwin, Dr. B. Z. Mofinfohn, Rabbiner Masch, D. Jellin und W. Sokolow gehalten wurden, haben die Bewunderung der Zuhörer hervorgerusen. Ferner waren die Mitteilungen des Vor- Vorfitzenden, H. Zlotopolski, über die Erfolge der „natürlichen Unterrichtsmethode", hochinteressant und lehrreich. Hier erbat sich Löw-Vogel das Wort zu der Bemerkung, daß auch in einigen hebräischen Sprachschulen Wiens die „natürliche Methode" ihre Anwendung gefunden hat. So wird in der Schule des II. Bezirkes des Vereines Jesfode Thora, in der Schule im IX. Bezirke des jüdischen Schulvereines und in der vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde erhaltenen Schule im XX. Bezirke nach der erwähnten Methode unterrichtet. .Am herrlichsten aber gestaltete sich der Schluß der Konferenz durch die zwei Prachtredner Rubin Vrainin und D. Jellin, nach denen der Vorsitzende, Herr H. Zlotopolski, die Schlußrede hielt in welcher er allen Teilnehmern herzlich und mit besonderem Nachdrucke dem Herrn Präsidenten der' israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, dankte, der trotz seines hohen Alters und trotz seines fernen Aufenthaltes sich die Mühe nahm, aus der Konferenz persönlich zu erscheinen. Nach Absingen der Hatikewah verabschiedeten sich die Konferenzteilnehmer von einander um 1 Uhr nachts mit dem Bewußtsein, drei Tage auf dem cn-y.T-in geweilt zu haben. L. V. Der israelitische Landeslehreroerein in Böhmen begeht das Fest seines 40jahrigen Bestandes. Aus diesem Anlast findet Sonntag, den 7. September 1913, im Saale des Hotel Bristol, Prag, Langegasse, ein Festabend und Montag, den 8. September 1913, im Ausspeisungslokale des israelitischen Mädchen- Fr eitischvereines, Königshofergasse Nr. 15—17, um 8 Uhr früh eine Hauptversammlung statt. Gleichzeitig erschien eine Festnummer der „Mitteilungen" des Landeslehrervereines, aus dessen interessantem Inhalt wir besonders den instruktiven Artikel „Die Bestrebungen des „Israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen" in Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft" hervorheben. Mit Stolz verweist der Lehrerverein auf die grostartige Kulturarbeit in Böhmen, die seine Mitgliedschaft während des Bestandes der israelitischen Schulen geleistet hat, aus denen Männer von Namen, Glanz und Ansehen hervorgegangen sind: mit gehobenem Bewußtsein kann konstatiert werden, daß auch in der Gegenwart von der dem Verein zugehörigen Lehrerschaft, wenn auch im engeren Wirkungskreise, viel Kulturelles und Ethisches auf allen Gebieten der Erziehung und des Unterrichtes und im Gemeindewesen geleistet wird. Dabei haben es die Leiter des Landeslehrervereines in Böhmen niemals außer acht gelassen, auch im allgemeinen Interesse und zur Hebung des Judentums im Interesse der Heranwachsenden Jugend und zur Förderung des Ansehens desselben zu wirken. Auf jedem Gebiete des kulturellen Lebens der Iudenschaft in Böhmen hat der Landeslehrerverein mitgewirkt. Er regte die Ausarbeitung einheitlicher Lehrpläne für den Religionsunterricht an, arbeitete sie aus, legte sie den Behörden vor, er strebte die gesetzliche Befähigung zum Religionslehramte durch Einsetzung einer staatlich anerkannten Prüfungskommission an, er arbeitet unablässig für die Einrichtung einer auf pädagogischer Grundlage eingerichteten Präparandie zur Heranbildung von Religionslehrern, da kein Nachwuchs vorhanden ist: er hat es durch intensives Petitionieren, durch Sammlung von Fakten bei den Schulbehörden dahin gebracht, daß der Religionsunterricht im ganzen Lande an jedes Kind erteilt werde: er ist weiters für die ordentliche Remune rierung des Religionsunterrichtes und der Wegentschädigungen maßgebendenorts eingetreten, hat durch Edierung vortrefflicher Lehrbücher für den hebräischen Unterricht, einer gediegenen Fibel und eines Gebetbuches und pädagogische Arbeiten auch auf literarischem Felde eine produktive Tätigkeit entfaltet. Eine gleich eminent wohltätige Wirksamkeit entfaltet die Hilfs- und Krankenkassa seit ihrem 30jährigen Bestände. Aus der Not der Verhältnisse heroorgegangen. greift sie in allen Hilfs- und Notlagen ihrer Mitglieder ein, unterstützt sie in Krankheitsfällen, hilft ihnen in bedrängter Lage durch Gewährung unverzinslicher Darlehen gegen kleine Abzahlungsraten und richtet sie solcherart ehrenhaft und seelisch auf, ohne daß sie sich demütigen müssen. Welche Summe von werktätiger Menschenliebe diese Wohlfahrtseinrichtung bereits geleistet hat. beweisen die Annalen des Vereines und man braucht nur in denselben nachzublättern. Dieser Rückblick auf Vergangenheit und Gegenwart der Wirksamkeit des israelitischen Landeslehrervereines seit seinem 40jährigen Bestände zeigt nicht nur die rastlose, selbstlose und aufopferungsfähige Arbeit aller leitenden Persönlichkeiten während dieser langen Zeitperiode, sondern auch die treue Gefolgschaft und Opferwilligkeit seiner Mitgliedschaft und das Vertrauen zu dem Vereine. Sie anerkennt die Kraft und Macht einer Organisation und versteht zu würdigen den Satz: „Einigkeit und festes Zusammenhalten machen stark". Wir wünschen dem Lehrerverein auch für die Zukunft eine aleich segensreiche Tätigkeit. —-■— > Zur Kelheimer Jahrhundertfeier der Befreiungskriege am 25. August 1913 in Gegenwart des deutschen Kaisers und sämtlicher deutscher Bundesfürsten hat der Prinzregent neben allen Staatswürdenträgern, Vertretern der Aniversitäten auch die Repräsentanten der Religionsgesellschaften eingeladen. Als Vertreter der katholischen Kirche waren die bay-- rischen Bischöfe erschienen, als Vertreter der protHtanti-

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