Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 648 Dk M-chs sehreitung seiner' Phantasie verbürgt, Avelche bei naiven Gemütern tatsächlich zur gründlichen Verkennung der Sachlage führen könnte. Der Herr Verfasser,,,hätte seinem Phantasieproduktc ruhig die Uebersclirift „man lügt oft, 'wie gedruckt“ voranstellen können, ohne sich dei’ Gefahr einer Berichtigung auszusetzen. Ich lasse mich in keine Erörterung über die Vorzüge und Nachteile der Chaluka ein — de facto gibt der Herr Verfasser auch Zu, daß da manches und vieles zu verbessern wäre, und es wird ihm kein Geheimnis sein, daß die Angehörigen der Chaluka der gleichen Meinung sind. Eine Kritik verbesserungbedürftiger Verhältnisse ist immer erlaubt; übersteigt dieselbe die zulässigen Grenzen, dann ist dies zu verurteilen — und da werfe der Herr Verfasser nur. gleich .einige ,aber recht stattliche Steine gegen sich. Ich stelle fest,-daß in der misrachistischen Presse nie eine Schmähung der Chaluka oder ein Kesseltreiben gegen dieselbe zu finden war und auch die übrige zionistische Presse, zumindest in den letzten Monaten, sich mit dieser Angelegenheit nicht und gewiß nicht in der von Herrn Pappenheim behandelten Art befaßt hat. Das Gleiche gilt von der offiziellen Tätigkeit des Misrachi und Zionismus. Es hieße wahrlich Eulen nach Athen tragen, hier über,; mit Herrn P. rechten zu wollen, denn seine Zuschrift auf Basis erfundener Angaben ist nichts anderes als Herostratismus, wofür der, für die Veröffentlichung gewählte Zeitpunkt, unmittelbar vor Eröffnung des zionistischen Kon- ' gresses, der schlagendste Beleg Ist. Die in der Zuschrift so nebenbei .eingestreuten Gilt-"' tropfen, wie die Behauptung von 150.000 K für 100.000 Schekolim, gehören mit zum Handwerk und werden dem Zionismus wohl kaum etwas anhaben. Herr P. bezeigt aber auch prophetische Neigungen, da er im Vorhinein weiß, was der Zionistenkongreß tun wird und darauf habe ich nur zu bemerken, daß da glühender Wunsch Vater des Gedankens war. Und für gerade und rechtlich denkende Juden, auch wenn sie Gegner des Misrachi sind, gilt Bai Haclilaumauthbahn für -Null. Isidor Austerlitz. Herr Red i k teur! Ich bin weder Prophet, noch Sohn eines Propheten. Wie sehr mein Artikel über die Chaluka. ins Schwarze getroffen, beweist eine Anmerkung Hugo Schacht,eis in dem zugleich mit meinem Artikel erschienenen Flugblatt des J. N., F.: „Chaluka dient zur Befriedigung von Ansuchen meist schhörrerisdier' Nätul''*'. " "" ",i" J'WP'iP.11 IKorrespondenzen. Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zn Wie«. Während des Monates August 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 240 Emigranten, davon 233 ruffische und 7 rumänische, weiterbefördert u. zw. 176 nach den Vereinigten Staaten, 13 nach Argentinien, 31 nach Canada, 2 nach England, 16 nach Frankreich und 2 nach anderen Ländern. In. ihre Heimat zurückbefördert wurden 36 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate August für 23 Personen zusammen 89 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und au 68 Personen zusammen 273 Speisematten für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Da trotz der bereits vor mehreren Monaten veröffentlichten Warnung dem Bureau der Allianz noch immer zahlreiche Meldungen (in letzter Zeit aus Trebitsch, Budweis, Pakrac in Slawonien und Nagy-Kauizsa) über Wandergruppen zugehen, die mit Pferd und Wagen durch das Land reisen und zahlreiche jüdische Gemeinden, um Unterstützungen angehen, so wird noch einmal mitgeteilt, daß , es sich in allen solchen Fällen um prosessiouelle Wanderbettler handelt, die sich betrügerischerweise als ans Kiew vertriebene Inden ausgeben. Alljährlich bilden sich solche Gruppen in der Bukowina, besonders in Sadagora, mieten oder kaufen Pferde und Wagen, da sie aus Erfahrung wiffen, daß die über die Organisation der'wirklichen Emigranten-Fürsorge durch die Israelitische Allianz nicht informierten Landgemeinden auf eine Vorspiegelung des Auswanderer-Elends Hineiusalley und an jedem Orte große Sammlungen für. sie veranstaltet werden. . . .. Wochevschrfft. sn. 36 Die umfassende Organisation der Israelitischen Allianz zu Wien mit ihren zahlreichen Grenzkomitees, im Vereine mit den in Rußland fast in allen Orten eingerichteten Vertretungen, gewährt den durch Verfolgungen zur Auswanderung gezwungenen Emigranten russischer Herkunft Schutz und Unterstützung. Diese ist so geregelt, daß es ganz ausgeschlossen ist, daß solche Emigranten sich von Ort zu Ort betteln müssen, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Es darf speziell den Angaben der Wanderbettler, daß man ihnen in Wien die Weiterbeförderung nach Amerika oder Palästina in Aussicht gestellt hätte, in keinem Falle Glauben geschenkt werden und die Gemeinden.täten gut, in jedem solchen Falle sich telegraphisch um Auskunft an die Israelitische Allianz zu Wien (Ist, Untere Donaustraße 33, Telegrammadresse: Jsra Wien) zu wenden; . . .... .• Ein Zweig auf das Grab von Äaurat Stiatzay. Taufende werden unter der einzigen Führung Sr. Eh.würden Herrn, Dr. Grunwald diese Woche das jüdische Museum besuchen, gewiß, wird dieser glänzende Redner hiebei des Gründers und Schöpfers des Museums gedenken. Da mag es für unbescheiden erscheinen, wenn auch ich versuche, in dieser Woche eine Fceundschafstpslicht abzulragen. Palästina hat Herzlstraßen, Wälder- Hotels, aber, keiner der Tausenden, welche diese Woche gedankenlos das Grab Wilhelm Stiaßny's passieren, . auf das. seine Gattin in Anspielung an ihres Gatten ungestillte Sehnsucht nach dem heiligen Lande das Grabmal des Zacharias gesetzt hat, weiß, daß Theodor Herzl die erste Anregung zu seinem Lebenswerk durch einer jener flüchtigen Visittarlen Stiaßny's empfangen, die er in liebenswürdiger Weise zu Tausenden auszustreuen lieble, wenn ihm irgend ein Zeitungsartikel gefallen hatte. So habe ich nicht ohne tiefe Rührung den enthusiast'-schen Dankbrief Heczl's in der Hand gehabt, den derselbe an Stiaßny schrieb, daß Stiaßny seine Aufmerksamkeit auf Palästina als Zukunftsland, der Juden gelenkt. Leider sind momentan weder die Witwe noch der Sohn Stiaßny's in Wien, so daß mir der Wortlaut des Briefes nicht geläufig ist, jedenfalls verdiente er aber, in das Archiv einer künftigen Zionsstadt anfgenommen zu werden. Auf seine Priorität tat sich Stiaßny uni so weniger etwas zugute, als ihm Form und Gestalt, den der damals noch ungeborene und unbenamste „Zionismus" annahm, kaum befriedigt haben, erwähnt er doch denselben gar nicht in seiner letzten, hier seinerzeit ausführlich. besprochenen Arbeit über die künftige Hauptstadt Palästinas, die er sich nicht in Jerusalem, sondern an der Meeresküste dachte und an deren idealer Ausgestaltung er und sein Freund Hofrat Taussig dreißig Jahre lang, als Herzl noch auf der Schulbank saß, in Rissen und Plänen arbeiteten. Diese Jdealstadt scheint ja, nach den jüngsten Mitteilungen Oppenheimers, des berühmten Nationalökonomen, schon wie ein Märchen an der Meeresküste entstanden, und Teil-Awiw, die Frühlingsstadt bei Jaffa, die Schöpfung Dr. Ruppin's und anderer, entspricht teilweise genau den Plänen Stiaßny's, wie er sie ausgearbeitet und 1909 leider mit. schon versagender, Kraft publiziert hat. Ja, Stiaßny's kühnster Traum, die Errichtung einer jüdischen Hochschule, geht am Karmel seiner Verwirklichung entgegen. Wer weiß, ob nicht auch die Flußregulierungen und Seeentsumpfungen, die Stiaßny und Taüssig geträumt haben, — war es doch. ihr kühnster Wunsch, was sie an der Rhone und Donau studiert, am Jordan üben zu dürfen, — bald in Erfüllung gehen. Luegers Wald und Wiesengürtel hat in den Herzlwäldern eine Nachahmung gesunden. von denen sich unser verstorbener Bürgermeister kaum träumen ließ. So möge in dieser Woche nicht nur Herzl's gedacht werden, ein wehmütiges Gedenken geziemt auch anderen Wienern, welche idealen Träumen für: unser geistiges