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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Blochs Wochenschrift. ©«? 64i Dritte Sitzung vom 3. September, nachmittags Zunächst wird die Verifizierung der Wahlen vorgenommen. Zum Bericht des Herrn Dr. Hantle ergreift das Wort Herr Dr. KaHemHohn. Er bespricht die Bankfrage. Den ersten Worten des Herrn Dr. Hantle habe auch ich selbst stark applaudiert, daß die Leitung niemals die Banken für die Zwecke der Leitung beanspruchen werde. Das ist ein schöner Entschluß, dem wir zustimmen können. Vor zwei Jahren stand unser Freund Dr. Hantle auf einem anderen Standpunkt: er sagte, die Bank müsse Geld hergeben, damit die Leitung sich halten könne. Dieselbe Forderung ist voriges Jahr bei der Iahreskonferenz erhoben worden. Umsomehr freut es mich nun, daß er jetzt mit uns allen zur Ueberzeugung kommt, daß dieser Standpunkt ganz richtig ist, daß jene Institute für andere Zwecke da sind, als für diese momentanen Bedürfnisse. Herr Dr. Hantke meint, daß das Aktionskomitee der Bewegung und der Äufsichtsrat identifiziert werden müssen, und hier möchte ich Sie vor dieser Ansicht warnen. Meiner Ansicht nach wäre dies das größte Unglück nicht nur für die Bank, sondern auch für das Aktionskomitee. Als man im vorigen Jahrhundert in Frankreich versucht hat, die Reichsbank mit der Regierung zu vermengen, da hat die französische Reichsbank — es ist allerdings ein Beispiel, das uns ferne liegt, aber es zeigt, wie man nicht die Begriffe vermengen darf — bankerottiert. Bei uns liegt die Sache viel einfacher: Das Aktionskomitee ist Kunde der Bank,-wir machen Geschäfte, wir haben für sie Aufträge zu erledigen. Ist es richtig, daß die Kundin und die Leitung dieselbe sei? Ich glaube, daß ein jeder zugeben wird, daß das kein richtiges Verhältnis ist. Für das Aktionskomitee wäre es auch sehr schädlich, wenn sich Leute an sie mit der Bitte um Unterstützung wenden und abgewiesen werden. Wenn die Direktoren kein Geld geben, dann ist die Sache eine andere. Es ist vorteilhaft, wenn man auf die anderen die Schuld schieben kann. Und noch eine wichtige Sache: Wir wollen alle, daß man sich bestrebe, die Bank zu einem kommerziellen Unternehmen zu machen, darin sind wir alle einig. Run. meine Herren, ich müßte Privates erzählen, aber ich kann Sie versichern, daß manche Banken nur deshalb nicht mit uns arbeiten wollen, weil sie glauben, daß hinter uns andere Bestrebungen als nur kommerzielle stehen. Es handelt sich hier nicht um eine Personenfrage, sondern um eine prinzipielle Frage. Wenn Sie sagen, daß der Äufsichtsrat einer Bank und das Aktionskomitee einer Bewegung dasselbe sein muß. so ist das grundfalsch. (Rufe: Warum war es so zur Zeit Herzels?) Darauf werde ich gleich zurückkommen. In den letzten Jahren unserer Bank waren nie Aktionskomitee und Aufsichtsrat identisch. Es war nie der Fall. Ich verüble es absolut nicht der Leitung einer Bewegung, wenn sie sich in mißlichen Lagen an die Bank wendet. Ich entschuldige es. aber da muß wenigstens eine Körperschaft da sein, die einen anderen Standpunkt einnimmt. Ja, für diese Zwecke des Zionismus, für die unsere Bank gegründet wurde, dafür steht jeder Groschen frei. Warum sollten Sie jetzt den Irrtum begehen und uns eine Verantwortung auferlegen, die so schwierig wird, auch für die ganze Bewegung? Der Präsident der Bewegung ist zugleich der Vizepräsident des Aufsichtsrates. Ein Mitglied des E. A Cist Mitglied des Direktoriums. Daraus werden Sie sehen, daß Beziehungen zwischen dem E. A. C. und der Bank bestehen, auf Grund deren es über alle Vorgänge in der Bank unterrichtet ist. Es ist schon einmal zu Dr. Herzls Zeiten ein sehr ähnlicher Antrag gestellt worden. Es war beim fünften Kongreß: damals hat Herr Dr. Farbstein den Antrag gestellt, dem A. C. die Verfügung über die Kolonial banf einzuräumen. In der damaligen Debatte hat sich vor allem Dr. Herz! zu diesen Antrag geäußert und gesagt: „Man hat die Meinung verbreitet, daß es sich darum handelt, dem A. C. die Verfügung über die ganze Bank einzuräumen. Das wäre doch eine Torheit, von der ich gar nicht begreifen kann,' daß sie hier vorgebracht werden konnte." Das war die Ansicht Doktor Herzls. Es hat damals noch eine ganze Reihe anderer Herren sich dagegen ausgesprochen. Zum Beispiel Herr Dr. Jakobsohn und unter gewissen Einschränkungen auch Herr Dr. Weizmann. Aus diesen Namen sehen Sie, daß es sich nicht bloß um gewisse Richtungen gehandelt hat, sondern, daß es damals allgemeine Ansicht war, daß das A. C. und der Äufsichtsrat der Bank ganz verschiedene Körperschaften sind und daß man sie nicht vermischen soll. Ich bin sicher, daß alle Herren, welche damals dieser Ansicht waren, auch heute noch dieser Ansicht sind und daß sie dem heutigen A. C. keine Befugnisse einräumen werden, die man Herzl und den damaligen A. C. nicht anvertraut hat. Ich möchte daher den Kongreß bitten, daß er diese Anträge, die zur Zeit des Dr. Herzl nicht durchgedrungen sind, ebenso ablehnt, wie es der damalige Kongreß getan hat. U s s i s ch k i n spricht hebräisch. (Schluß des Berichtes folgt in der nächsten Nummer.) Weftöfterreichifcher Jugendtag. Unter Beteiligung von 43 Korporationen aus allen Teilen Westösterreichs wurde am 2. September der Judentag abgehalten, den die Wiener zionistische Vereinigung einberufen hatte, um die Idee des jüdischen Iugendwanderns zu propagieren. Mar Rorda« begrüßte die Tagung in einem Schreiben, dem wir folgende Stellen entnehmen: Zwei Ursachen — eigentlich zwei Anblicke derselben Ursache — sind es, die unsere Jugend dem Judentume entfremden: ihre tiefe Unbekanntheit mit der Vergangenheit ihres Volkes und der Umstand, daß sie alle ihre Wissenschaft vom Judentum aus antisemitischen Quellen schöpft und durch Lektüre, Umgang und Unterhaltung dazu erzogen wird, sich selbst und ihr Volk mit antisemitischen Augen anzusehen. Sie empfindet alle spezifisch jüdischen Eigenschaften antisemitisch, das heißt, als abstoßende, hassenswürdige oder lächerliche Mängel, die man energisch abzustreifen, mindestens zu verbergen bestrebt sein muß und ste weiß nichts von den aktiven und passiven Großtaten des jüdischen Volkes, die dieses selbst jedem Fremden, sofern er es kennt, ehrwürdig machen, seinen eigenen Söhnen aber Begeisterung, Bewunderung und Stolz einflößen müssen." Rordau bespricht hierauf die Aufgaben des jüdischen Jugendwanderbundes und schließt mit den Worten: „Der Weg, den Sie nach ihrem Programm einschlagen, führt unfehlbar zum Zionismus. Aber noch früher führt er zur Selbstachtung und zu innerer Aufrichtung, der Lebensmut und Lebensfreude gibt." Dl« Chalnka. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichen Sie in der vorigen Nummer Ihres gesch. Blattes eine Zuschrift, deren rein aggressive Tandenz allzuklar zutage liegt. Dieselbe verlangt aber dennoch eine knappe Entgegnung, weil die Psyche des Herrn Verfassers, wenn ungeriigt, eine weitere Aus-

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