Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 640 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 36 Präsident Wolffsohn: Ich werde nunmehr den Einlauf zur Verlesung bringen. Zunächst einen Brief von Dr. Nordau (Bravo! Lebhafter Beifall und Händeklatschen): Präsiden!: Wolffsolin: Ich werde nunmehr den Einlauf zur Verlesung bringen, zunächst einen Brief von Doktor Nordau (Bravo! Lebhafter Beifall und Händeklatschen): Hochgeehrter Kongreß! Obschon unabwendbare Umstände, zum erstenmal seit der Entstehung der zionistischen Organisation,- mich verhindert haben, für den XI. Kongreß einen Vertretungsauftrag anzunehmen und mich au seinen Arbeiten zu beteiligen, drängt es mich doch, ihm aus der Ferne zu seiner Eröffnung meinen Gruß zu senden. Ich werde seinen Verlauf mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgen und jedes Wort, das in seinen Sitzungen gesprochen wird, ist sicher, in meiner Seele einen lauten Widerhall zu wecken. Ich wünsche auf das innigste, der Kongreß möge in der Stadt Herzls stets den ganzen Umfang des Herzlichen Gedankens im Auge behalten und keinen Augenblick lang vergessen, daß eine Arbeit, die lediglich die Vorbereitung Palästinas zur Aufnahme möglichst zahlreicher jüdischer Einwohner bezweckt, für die Gesamtheit des jüdischen Volkes ohne Nutzen bleibt, wenn nicht gleichzeitig möglichst zahlreiche Juden zu dem Bestreben erzogen werden, in dem für sie vorbereiteten Palästina Aufnahme zu suchen. Möge ferner der Kongreß immer der Tatsache eingedenk bleiben, daß die mit harter Mühe geschmiedeten finanziellen Werkzeuge unserer Bewegung nicht robust genug sind, um unvorsichtiger oder rücksichtsloser Handhabung zu widerstehen, und daß ihr Zusammenbruch, wenn auch nicht dem zionistischen Gedanken, aber doch der heutigen zionistischen Organisation tödlich werden könnte. Möchte der Kongreß endlich nicht vergessen, daß man einer großen Sache durch theoretisch einwandfreie Beschlüsse nicht nützt, wenn die gewöhnliche Einsicht vorherzusehen gestattet, daß ihre Verwirklichung zurzeit unmöglich ist. Ich wünsche aus tiefstem Herzen, daß der XI. Kongreß den Zionismus seinem erhabenen Ziel um eine ansehnliche Wegstrecke näher bringen möge, und bin dessen hochachtungsvoll ergebener Dr. M. Nordau. (Der Verlesung folgt lebhafter, langanhaltender Beifall und Bravorufe.) Ferner ist ein Telegramm von Nathan Strauß aus Amerika eingelaufen: Herzliche Grüße an meine Brüder im Zionisten-Kongreß. Ich l^edauere außerordentlich, daß ich nicht in der Lage bin, bei Ihnen zu weilen. Mögen Ihre Verhandlungen das Resultat ergeben, jedes jüdische Herz mit Enthusiasmus für unsere Sache zu erfüllen. Der Zionismus ist der klarste Ausdruck des Lebenswillens des Juden in der Gegenwart (Bravo! Lebhafter Beifall) und die fruchtbarste Begeisterung für seine Bestrebungen in der Zukunft. Nathan Strauß. (Bravo! Beifall und Händeklatschen.) Herr Jean Fischer, Antwerpen: Ich unterbreite Ihnen folgenden Antrag: Als Antwort auf das Begrüßungsschreiben, welches uns heute hier von Dr. Nordau verlesen wurde, beantrage ich, der Elfte Zionistenkongretz möge folgendes Telegramm an Dr. Nordau absenden: „Der Elfte Zionistenkongretz dankt dem Altmeister und Mitbegründer der zionistischen Organisation, Dr. Nordau, für seine Wünsche zum Kongretz und hofft, ihn noch bei vielen Kongressen als Vorkämpfer für unsere Idee zu sehen, und das Vergnügen zu haben, ihn in unserer Mitte zu haben". Dr. Georg Halpern: Sie alle haben das Begrützungsschreiben, wie es unser verehrter Präsident nennt, gehört, das Dr. Mar Nordau an diesen ersten Kongretz, dem er nicht beiwohnt, gerichtet hat. Ich will mich darauf beschränken. Sie zu bitten, über den Antrag des Herrn Fischer zur Tagesordnung überzugehen. (Lebhafter Widerspruch.) Es kommt zu einem grotzen Lärm. Heftige., leidenschaftliche Rufe und Gegenrufe, so datz sich der Präsident nicht verständlich machen kann. Dr. Ga st er (London): Ich bitte den Kongreß. in einer Frage der Höflichkeit, in einer Frage der Anerkennung der unermeßlichen Verdienste, die Nordau geleistet hat, sich nicht schroff und unüberlegt zu entscheiden. Höflichkeit ist die erste Pflicht, das erste Zeichen eines Gentleman. Dr. P a s m a n i k: Sie kennen meine Stellungnahme zur Rede Nordaus. Aber das hindert mich nicht, zuzustimmen, datz wir auf einen Begrützungsbrief von Nordau mit einem Telegramm, wie es Herr Fischer vorgeschlagen hat, antworten. Man hat da von Taktik gesprochen. Die heutige Präsidentenwahl spricht auch nicht von der grotzen Taktik der Mehrheit, sondern wir sind dankbar unseren verdienten Männern. (Beifall.) In diesem Sinne fasse ich das Telegramm auf und beantrage, ohne weitere' Debatte das Telegramm abzusenden. (Beifall.) Nun stellt der russische Delegierte Ussischkin in hebräischer Sprache einen Antrag. Der Antrag wird von mehreren der hebräischen Sprache mächtigen Delegierten (Dr. Klausner. Dr. Thon, Dr. Wolffsohn) übersetzt, doch immer wieder ertönen aus dem Saal Rufe, die Uebersetzung sei nicht genau und auch Ussischkin selbst schüttelt mit dem Haupt. ^""iDer'Prastöertt M'Ü l f f s'öh n "fordert nun Üssischkin auf, selbst seinen Antrag zu übersetzen, da er ja die deutsche Sprache beherrsche. Ussischkin weigert sich jedoch aus prinzipiellen Gründen, sich auf dem Kongretz einer anderen als der hebräischen Sprache zu bedienen, und so mutz der Präsident Wolffsohn selbst den Antrag übersetzen. Der Antrag Ussischkins fordert die Einsetzung einer Kommission, die über, die Nordau zu erteilende Antwort beraten solle. Demgegenüber wird von mehreren Seiten darauf hingewiesen, datz die Beantwortung des Telegramms ein nicht zu umgehender Akt der Courtoisie sei. Ussischkin ist, wenn das protokollarisch festgestellt werde, mit der Absendung einer Antwort an Nordau einverstanden. Die Sitzung wird hierauf unterbrochen und nachmittags nach 4 Uhr fortgesetzt. Das an Dr. Nordau gerichtete Telegramm hat folgenden Wortlaut: Dr. Max Nordau Cottage du Mar par Annecy Haute Savoye. Der XI. Zionistenkongretz spricht dem Altmeister Dr. Nordau seinen Dank für die. an ihn gerichtete Begrüßung aus und hofft zuversichtlich, den Mitbegründer der Zionistischen Organisation noch auf vielen Kongressen in seiner Mitte zu haben. Das Präsidium: David Wolffsohn, Präsident Dr. Gaster, Dr. Bodenheinker, Julius Simon, Dr. Ehrl i ch, Adolf Stand, Vizepräsidenten.