Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 639 Nr. 36 Dr. Blochs Wochmschrift Deren Andenken wollen wir ebenfalls ehren: und ich konstatier^, -dast Sie sich deshalb von Ihren Sitzen erhoben haben. Herr Dr. Bogratschoff wünscht unserem Kämpen Ussischkin, der heute 50 Jahre alt wird, eine Vlumenspende im Namen der palästinensischen Zionisten zu überreichen. (Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen stürmischer, sich oft erneuernder Beifall und Hedadrufe.) Geehrter Kongrest! Ich glaube im Sinne aller Zionisten zu sprechen, wenn ich unserem Ussischkin im Namen des Kongresses zu seinem Geburtslage gratuliere und ihm wünsche, er möge noch lange, lange mit uns Zusammenarbeiten. (Stürmischer, sich oft erneuernder Beifall.) Das Wort hat Herr Julius Simon. Julius Simon, Heidelberg (mit lebhaftem Beifall begrüstt) : Geehrter Kongrest! Im Namen einer groben Zahl von Parteifreunden freue ich mich, hier erklären zu können, dast wir den Leitsätzen, die der Referent des Engeren Aktionskomitees vorgetragen hat, zustimmen. (Bravo!) Ich freue mich, so rückhaltlos dies tun zu können und ich hoffe, dast diese Zustimmung im Kongrest einen starken Widerhall finden wird (Beifall), denn es ist notwendig dast wir zu jenen glückhaften Zeilen zurückkehren, da die Leitung der Bewegung getragen war von dem Vertrauen der Organisation. (Beifall.) Ueber die politische Arbeit werde ich ebenfalls nicht im einzelnen sprechen. Es genügt, zu betonen, dast das Engere Aktionskomitee entschlossen ist, den politischen Charakter des Zionismus zu wahren. Wir wissen, dast die politische Arbeit unter schwierigen Umständen erfolgt. Wir zollen dem politischen Takt und der politischen Klugheit der Vertreter des politischen Ressorts im E. A. C. hohen Dank. Es sind bedeutsame Beschlüsse auf diesem Kongresse zu fassen. Gehen wir ihnen mit Ernst entgegen, aber beobachten wir einesr werrrr-imir unserem: Aktionskomitee>. die Möglichkeit geben zu der Arbeit, dann ist 4s unsere Pflicht auf diesem Kongresse, die gesunde und die normale Basis, die, wie Herr Dr. Hantke mit Recht hervorhob, ursprüngliche Basis zur Arbeit zu schaffen. (Beifall und Händeklatschen.) Adolf Böhm, Wien (Beifall): Ich kann meine Rede nicht beginnen, ohne meinem Gefühle der riefen Dankbarkeit gegen unsere heutige Leitung Ausdruck zu geben. Es ist dies ein Gefühl, das nicht nur mich bewegt, sondern. wie ich glaube, die weitaus überwiegende Majorität. Dieses Gefühl entstammt nicht etwa einem parteimästigen Empfinden, es ist nicht etwa daraus zurückzuführen, dast wir vielleicht deshalb glücklich sind, dast unsere „Richtung" ans Werk gelangte, sondern dem Beobachten und und Milerleben der grostartigen Tätigkeit der heutigen Leitung. (Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir fragen: „Hat die Leitung dem entsprochen,, was wir von ihr ihr erwartet haben", dann können wir nicht mit einem einfachen „Ja" antworten, sondern wir müssen sagen: „Sie hat alles übertroffen, was wir von ihr erwartet haben." (Beifall.) Das Referat des Herrn Dr. Hantke unterschreibe ich vollständig. Ich habe nichts hinzuzufügen: ich möchte nur betonen, was speziell mich und meine näheren Freunde ganz besonders angenehm berührt hat, ist die scharfe nationale Stellung nach autzen. Das war früher nicht so. Früher hat man Frieden gepredigt,. Kompromisse. Heute geht aus den Worten des Aktionskomitees ein Geist des Äufrechtseins, ein Geist des Unbedingten hervor. Und wir haben die Ueberzeugung, dast das Aktionskomitee begriffen hat, dast wir radikal sein werden, oder nicht sein werden. (Beifall.) Die Hebxäisierung unserer Organisation. Hoher Kongreß! Ich weist sogutwie Sie, daß eseine Histqdruth gibt, und weist, dast sie sich bemüht, etwas zu leisten. Aber mein Standpunkt ist: Wozu brauchen wir eine Histadruth? Wozu ist überhaupt eine separate Organisation notwendig? Ist nicht die Hauptaufgabe unserer Leitung, uns zu hebräisieren? Ich will keine Anklage erheben;, Sie haben gesehen, dast die separate Organisation das, was sie wollte, nicht leisten konnte. Ich glaube, dast sie es niemals wird leisten können. Die Histadruth must ein untergeordneter Teil des Aktionskomitees sein. Das Zweite, um das ich die Leitung bitten möchte und was ich seit vielen Jahren betone, ist, dast sie der Ausbildung der Theorie ein gröberes Augenmerk zuwende. Es geht nicht an, dast eine Organisation von unserer Bedeutung keine einzige Revue hat. in der wissenschaftliche Artikel erscheinen können. Wir erleben es, dast uns im Geiste Nachstehende uns angreifen und wir selbst keine Waffen dagegen haben. Deshalb möchte ich das A. C. bitten, im Vereine mit dem jüdischen Verlag diese wichtige Sache zu unternehmen. Sie ist wichtig, nach innen und nach nutzen, denn von auhen wird unser Niveau danach beurteilt, welches Gesicht wir nach auhen zeigen. Der Sozialismus ist lange nicht so verbreitet, wie die sozialistischen Zeitschriften und die sozialistischen Bücher. Ebenso muh es bei uns sein. Wir müssen durch die Höhe unserer Diskussion in den Zeitschriften die Aufmerksamkeit des gebildeten Europa auf uns lenken. Geehrter Kongrest! Herr Dr. Hantke hat von den Angriffen gesprochen, welche der Leitung gegenüber in der heftigsten Weise erhoben wurden. Es ist in der französischen Ausgabe der Rede des Herrn Dr. Nord au gesagt worden: „Es ist ja alles gut und schön, was das A. C. in Palästina gemacht hat, aber machen wir jetzt Schlust damit, jetzt haben wir genug erperimentiert. jetzt wollen wir nur der grosten Idee leben, die nicht untergehen kann." Ich habe darauf schon schriftlich erwidert und möchte hier noch sagen: Nein. Herr Dr. Nordau. eine Idee kann untergehen, nämlich dann, wenn sie sich nicht in praktische. Taten umsetzt, sondern immer im Bereiche der Spekulation bleibt. Wir werden diesen Weg nicht gehen, wir werden diesen Rat nicht befolgen. Wir stehen und bleiben auf dem Standpunkt, dast die zentralste, wichtigste, umfassendste, ja vielleicht einzige Aufgabe, die wir zu leisten haben, die Arbeit in Palästina ist. und weil unser A. C. in dieser Richtung, in allen diesen Richtungen möchte ich sagen, der Radikalisierung und Nationalisierung der Organisation, der fortschreitenden Palästinaarbeit an der ersten Pionierstelle gestanden ist. deshalb bitte ich Sie. dem E. A. E Ihr einstimmiges Vertrauen auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Pasmamk stellt den Antrag: Der Kongrest beauftragt den Permanenzausschust. in der morgigen Sitzung die Zusammenstellung folgender Kommissionen zu machen: 1. Line P a 1 fi s t i n a k o m m i s s i o n; in dieser werden die verschiedenen Fragen, die nicht mehr theoretischer Natur sind, sondern die die größte Bedeutung für die unmittelbar praktische Tätigkeit haben, besprochen und beurteilt werden müssen. 2. Eine Ku 11u r ko-mmi s s i o n; Sic wissen, daß der Kongreß eine Universitätsfrage besprechen wird. - Ich wünsche, daß diese Frage nicht in Hurrastimmung, sondern nach kalter Ueberlegung vom Kongreß entschieden werde. 3. Eine Kommission für G e g e n w ar t s a rbeit. Herr Sokolow hat gestern eigentlich ein Pogramm der Gegenwartsarbeit gegeben; wenn Sie die zweite Hälfte seiner Rede genau analysieren, werden Sie sich leicht davon überzeugen. Die Fragen der Gegenwartsarbeit sind jetzt ander Tagesordnung. Ich beantrage ferner, . daß die Palästina-Kommission aus 33 Mitgliedern, die Kulturkommission aus 15 Mitgliedern und die Kommission für Gegenwartsarbeit aus 21 Mitgliedern bestehen möge. '