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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-05 · 36 (5.9.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 638 Nr. 36 D?.° Mochs Wochenschrift Zweite Sitzung Mittwoch, den 3. September, vormittags. Es erfolgt zunächst die Wahl des Präsidenten^ Entgegen der ursprünglichen Ansicht über Vorschlag der Russen, den Dr. Tschlenow zu kandidieren, wird von Professor Dr. W e i z m a n n Herr David Wolffsohn vorgeschlagen und mit großer Majorität zum Präsidenten gewählt. Zu Vizepräsidenten die Herren: Adolf Stand, Lemberg; Dr. G a st er, London; Julius S im o n, Mannheim; Dr. Bodenheime r, Köln, und Dr. Jakob Ehrlich, Wien. Zu Beisitzern die Herren: Friedensrichter Moser; L i e b k i n d, Newyork; Rabbiner Reines, Lida; Prof. Schech 1 er, Newyork; Rechtsanwalt Heinrich Rosenbaum, Minsk; Ing. Temkin, Elisabethgrad; Dr. Thon, Krakau, und David P e l l i n, Jerusalem (lebhafter Beifall). Zu Schriftführern die Herren: Prof. F e i n m a n n, Newyork; Dr. Josef Klausner, Odessa; Dr. Hochm a n n, London; Dr. Nacht; Dr. Nemirower, Jassy; Dr. Isaak Strauß, Freiburg; Ober-Ing. Robert St ricker, Wien. (Beifall.) Präsident Wolffsohn (von großem Beifall begrüßt) beginnt hebräisch und führt dann, deutsch fortfahrend, aus: Vorläufig, geehrter Kongreß, ist unsere Sprache noch nicht die hebräische, und wir sind gezwungen, in der Sprache yu verhandeln,» der;wir sonst im täglichen Leben verkehren. Geehrter Kongreß! Ich danke Ihnen, daß Sie mich wiederum zum Präsidenten des Kongresses gewählt haben. Ich freue mich umso mehr über diese Wahl, als dieser Kongreß in Wien stattfindet, in der Stadt, in der wir zum erstenmal dem Rufe unseres Theodor Herz! gefolgt und zusammengetreten, sind, , um nufere, Arbeit für unser Volk zu beginnen. Gerade ctff bteffer Stelle, gerade an diesem Orte empfinde ich dies doppelt beglückend und hoffe, daß die Einigkeit, die damals unter uns geherrscht hat, und die Begeisterung, die uns damals belebte, wiederkehren wird und daß ich auch dazu beitragen werde, daß dieser Kongreß so würdig verlaufen wird, wie er verlausen muß. Ich richte an Sie, meine verehrten Herren Delegierten, an Sie alle, die Bitte, mitzuhelfen, damit wir jetzt in unserer Arbeit vorwärts kommen. (Stürmischer Beifall.) Geehrter Kongreß! Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, wollen wir derer gedenken, (die Versammlung erhebt sich von den Sitzen), die mit uns gearbeitet, mit uns geschafft haben und heute nicht mehr unter uns weilen, weil sie der Tod uns geraubt hat. Der Präsident verliest die Namen und fügt hinzu: Geehrter Kongreß! Sie haben sich zur Ehrung unserer teuren Verstorbenen erhoben und haben damit ihr Angedenken geehrt, das wir allezeit, solange, unsere Bewegung existieren, solange das jüdische Volk existieren wird, hoch halten wollen, da sie so ehrenvoll mit uns gearbeitet haben. Das Wort hat Herr David Pellin im Namen der Organisation für hebrgische Sprache, und Kultur. David P e l l i n (von lebhaftem Beifall empfangen),. begrüßt , den XI. Kongreß im Namen der „Organisation, für hebräische Sprache und Kultur" mit den Glückwünschen einer Schwester-Organisation, die dasselbe Ziel anstrebt. Er begrüßt ferner den Kongreß als Jerusalemer im Namen des dort aufevftgndenen. neuen Geschlechtes, des ersten Geschlechtes, das den Boden uzrd die Sprache der Väter zu neuem Leben erweckt hat. f Hierauf erstattete Dr. Hantke (Berlin) den Tätigkeitsbericht des Aktionskomitees. Die Tätigkeit zerfalle in zwei Arbeitsgebiets äu jenes der Politik : und in das der Organisation. Die politische Arbeit bekam ihren Charakter durch die großen politischen Umwälzungen in Nordafrika, auf der Balkanhalbinsel und deren Einfluß auf die Stammlande des türkischen R eiche s. Sie konnten uns in der Erkenntnis nicht schwankend machen, daß. die Entwicklung des jüdischen Elements in Palästina' verknüpft ist mit dem Schicksal des türkischen Reiches, daß die jüdische Arbeit in Palästina für die wirtschaftliche und - kulturelle Entwicklung des türkischen Reiches von hohem Wert ist. Es mußte daher unsere. Ausgabe sein, der türkischen Regierung: und den maß- : gebenden gesellschaftlichen und politischen Kreisen des Reiches diese lleberzeugung nahezubringen. Wir hatten auch die türkische Iudenheit in dieser Richtung zu beeinflussen, denn sie ist der gegebene Förderer 'jüdischer Bestrebungen in ihrem Heimatlande. Nicht weniger wichtig erwies sich die Haltung der arabischen Bevölkerung in Palästina und Syrien als dem in diesem Provinzen überwiegenden Bevölkerungselement. Wir haben nach diesen Richtungen nicht ohne .Resultat gearbeitet. Die Angriffe von jüdischer Seite haben aufgehört. Die Haltung der maßgebenden arabischen Kreise beginnt freundlicher zu werden. Und bei Regierung und Gesellschaft in Konstantinopel sind die Grundlagen für ein besseres Verständnis unserer Bestrebungen bereits deutlich zutage getreten. Nicht weniger Aufmerksamkeit als unseren Interessen im. türkischen Reiche haben wir den politischen Verbindungen mit anderen Mächten geschenkt. Denn wir müssen berücksichtigen, daß Palästina durch seine Geschichte und seine geographische Lage mit den Interessen anderer Machtfaktoren verknüpft ist. Unsere Aufklärungsarbeit ■ war auch in dieser Beziehung nicht vergebens. ' Die Tätigkeit in Palästina zeitigte Einzelereignisse, wie Erwerb von Land, Gründung von Farmen und Dörfern; - Anlegung-- meu-er 7 Stadtviertel,-; 'Eröffnung von '' Schulen und Seminarien, Herausgabe von Lehrbüchern und Zeitschriften, Abhaltung von Lehrkursen, Eröffnung von Bankfilialen, steigende Depositen, Ausschüttung von Dividenden, Gründung von Turnvereinen, von fachwissen- . schaftlichen Gruppen, Organisationen von Gemeinden, ' Wahlen zu Stadtvertretungen, Erwerb volitischer Rechte für Kolonien usw. Die Tätigkeit auf diesem Gebiete wurde auch vielfach anerkannt. In allen Kreisen unserer Bewegung ist der Gedanke fest verwurzelt, daß die Zukunft unseres Volkes von der Entwicklung der jüdischen Siedlung in /Palästina abhängt. Mt dieser Aebe-zeugung muß aber die Einsicht kommen, daß das Judentum in der Diaspora einen Jährlich steigenden Kreis von Einwanderern für Palästina stellen muß. Diesen Zustrom von draußen kann aber Palästna. mit aus den nationalen Kreisen des Volkes erhalten. Das hat zur Folge, daß wir die Propaganda von einem einheitlichen, nationalen Geiste aus leisten müssen. (Beifall.) Unsere Propaganda muß den Charakter einer nationalen Erziehungsarbeit annehmen. Sie muß radikal in der nationalen Tendenz und abhold jedem Kompromisse in der Idee sein. Redner besprach dann die finanziellen Verhältnisse des Komitees und kam hiebei zu einem günstigen Schlüsse. (Lebhafter Beifall,) .' , . . D Nach Schluß des Rechenschaftsberichtes ergreift wüch einmal Präsident Wolffsohn das Wort: Geehrter Kongreß! Ich habe vorhin, Üls ich unserer Toten gedachte.' zwei Männer nicht erwähnt (die Versammlung erhebt sich von den Sitzen), die im zionistischen Leben eine große Rolle gespielt und die mit uns geschaffen und gearbeitet haben. Es sind dies unser Professor Mar Mandel st am m aus Kiew und der Bildhauer Beer, der, chie'' Sie./ mMch;' für- Uns seinerzeit die KonNreßmedaille Änd die Herzl^Buste geschaffen hat.

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