Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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)h. 36 Dr. Blochs Wochenschrift «DeUt 633 und Loyalität der Juden zu erproben. Die Türkei will leben, will sich erneuern. Aber was ihrem Verjüngungsprozetz Leben und Inhalt gibt, das ist die beschleunigte Ausschließung und Besiedelung des Landes, die Nutzbarmachung der heimischen Bodenkräfte und Hilfsquellen, die Urbarmachung der Oeden, die Heranziehung von Kapital und Intelligenz. Eben dies sind die Bestrebungen, die unserer Bewegung in Palästina zugrunde liegen. So werden wir durch unser Werk zu der Entwicklung des türkischen Staates bedeutend beitragen. Was wir dem Lande an materiellen Gütern und kulturellen Fortschritten zuführen, kommt auch der arabischen Bevölkerung zugute und wird mit der Zeit das harmonische Zusammenwirken beider in Rasse und Sprache so nahe verwandter nationaler Elemente fördern. Redner betonte, daß die Zionistenarbeit in Palästina auf den Beifall der gesamten Menschheit rechnen könnte, denn sie fühlen sich bei den Bestrebungen in dauernder Gemeinschaft mit den hervorragendsten Förderern menschlicher Kultur. Haben doch die meisten Staaten auch ein eigenes materielles und moralisches Interesse daran, daß der Orient wieder zur Stätte blühender Zivilisation werde. Deshalb sind wir auch überzeugt, daß alle Regierungen und Völker unser Friedenswerk mit Wohlgefallen betrachten. Mit einem Heilspruch aus das jüdische Volk beendete der Vorsitzende seine Ausführungen und erklärte den Kongreß für eröffnet. Dr. Heinrich Schreiber. Im Namen der israelitischen Kultusgemeinde Wien begrüßt sodann Herr Dr. Heinrich S ch r e i b e r, Mitglied des Kultusvorstandes, den Kongreß mit folgender Ansprache: Mir ist, geehrter Kongreß, die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, an diese dichtgescharte Versammlung, zu der unsere Glaubensgenossen aus allen Teilen des Erdballes erschienen sind, ein herzliches Willkommen zu richten. Die geehrte Leitung des Kongresses hat die Freundlichkeit gehabt, den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu ihren heute beginnenden Beratungen einzuladen und das Präsidium der Kultusgemeinde ist mit besonderer Vorliebe, mit großem Vorzüge dieser Einladung nachgekommen, indem es mich, als ein bescheidenes Mitglied des Vorstandes, dazu ausersehen hat, hier im Namen unseres großen jüdischen Gemeinwesens, das vielleicht neben Warschau das zweitgrößte auf dem europäischen Kontinent ist, unsere freundlichsten Gesinnungen zu verdolmetschen. (Lebhafter Beifall.) Indem ich dieser auszeichnenden Mission Nachkomme, kann es mir, , geehrter Kongreß, selbstverständlich nicht zustehen, ein Bekenntnis altzulegen zu den Problemen und zu den Theorien, mit denen sie sich beschäftigen und befassen werden. Das würde füglich über die Reichweite meines Mandates hinausgehen. Aber, geehrter ^Kongreß, das darf und will ich hervorheben: die tiefe Einsicht für die Größe der Idee, welche, wie die geehrten Herren Vorredner bereits hervorgehoben haben, aus dieser Stadt hervorgegangen ist, welche ein getreues Mitglied unseres Gemeinwesens erdacht, erfaßt und mit seinem sprühenden, von aller Welt bewunderten Geist geadelt hat. (Lebhafter Beifall.) Ja, es ist wahr, geehrter Kongreß, seine Idee hat eine Welt entzündet und nicht allem die jüdische, sie hat die einen mit voller Begeisterung jubelnd, mit sich fortgerissen, aber andere. Sie müssen mir dieses Bekenntnis verzeihen, nicht ganz überzeugt, aber doch mindestens zur Nachdenklichkeit gestimmt. (Beifall.) Denn das Echo, das Ihre Idee verbreitet hat, war viel zu kräftig, die Stoßkraft viel zu mächtig, als daß diese Sache gering geachtet werden konnte: und dieses Lob und diese Anerkennung muß ihrer Bewegung mit aller Uneingeschränktheit zuerkannt werden. Ist sie doch lediglich als eine geistige Evolution zu erfassen, als gewissermaßen sittliche Gegenforderung gegen feindselige Zeitströmungen, erfüllt und gesättigt mit historischen Gesichtspunkten, mit wirtschaftlichen Ideen, mit nationalen Bestrebungen und brennend vor inbrünstiger Sehnsucht nach der Wiederaufrichtung des alten und längst zerstörten Iudenstaates. (Hedad, lebhafter Beifall.) — Unsere große Gemeinde, geehrter Kongreß, die an der Schneide zwischen Osten und Westen eine gewaltige Kulturausgabe — und in diesem Sinne war der Anruf des geehrten Herrn Vorsitzenden vollauf berechtigt, — eine gewaltige Kulturaufgabe zu erfüllen hat, die Gemeinde, welche für die jüdischen Interessen opferwillig sich hingibt, welche über das jüdische sittliche und religiöse Leben einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung sorgt, als Feuerwächter unseres Glaubens, sie bringt selbstverständlich wie allen jüdischen Angelegenheiten auch Ihrer Sache ein lebendiges Verständnis entgegen. (Bravo!) Unsere Gemeinde wird daher Ihre Beratungen und die Entschließungen, die hier zur Reife gedeihen sollten, mit teilnahmsvoller Aufmerksamkeit verfolgen und sie wird insbesonders jene Entschließungen, die gegebenenfalls die Interessen und den Wirkungsbereich unserer Gemeinde streifen könnten, entsprechend beachten. (Bravo!) Wir hegen daher den aufrichtigen Wunsch, daß Ihre schwierigen Beratungen zu einem gedeihlichen Ziele führen, damit sie dem Judentum, den jüdischen Glaubensgenossen zum Segen gereichen und zu glücklichen Ergebnissen führen. Und nun, geehrter Kongreß, ein Wunsch vom Herzen: Mögen die Tage, die Sie hier in diese große, herrliche, gastfreundliche Stadt zusammengeführt haben, Ihnen in angenehmster Weise verfließen. In einer Stadt, deren Boden uns Juden und jüdischen Bürgern lieb, teuer und heilig geworden ist. Lieb und teuer durch eine Jahrhundert alte jüdische Geschichte. Durch unsägliche Leiden, aber auch durch große Taten des jüdischen Geistes, durch hervorragende Werke und Leistungen, ein Boden, der durch Ueberlieferung zu uns gehört, unverjährbar und heilig sage ich, geehrter Kongreß. eingedenk einer Marime, welche Ihr Programm selbst verkündet und welche lautet: Zionismus und Patriotismus können sich sehr wohl zueinander paaren. (Beifall und Händeklatschen.) Und in diesem Sinne möchte ich schließen, geehrter Kongreß, indem ich die Ehre habe. Sie im Namen der israelitischen Kultusgemeinde aufs wärmste zu begrüßen, mit der Einladung, unsere religiösen Einrichtungen, humanitären Anstalten, Denkmäler einer langen Geschichte, zu besichtigen, damit Sie. die aus allen Weltrichtungen gekommen sind, lernen, gleich wie wir das Versprechen abgeben, auch von Ihnen lernen zu wollen. (Beifall und Händeklatschen.) Die Antwort, die der Präsident des großen Zioi niftischen Aktionskomitees, Herr Professor Dr. Wa rb u r g, am Eröffnungsabend des XI. Zionistenkongresses auf die warme Begrüßungsansprache des Herrn Kultusvorstehers Dr. Heinrich Schreiber erteilte, klang in ein Ehrenzeugnis für unsere israelitische Kultusgemeinde aus, das gerade wegen der Umstände, unter denen es erteilt wurde, nicht hoch genug gehängt werden kann. Herr Professor Marburg rühmte unsere Kultusgemeinde als einen der ersten Faktoren, der das Beispiel gegeben habe für praktische Palästinaarbeit, zu deren Programm sich ja, nach Herrn Prof. Warburg's Eröffnungsrede, der Zionismus rückhaltslos und nahezu restlos bekennt. Ohne Frage zielte Herr Prof. Marburg auf die alte, nun 200jährige Wertheimer-Stiftung hin, deren Zinsen noch heute von der Niederösterreichischen Statthalterei durch unser Auswärtiges Amt im Betrage von 2350 Kronen nach Jerusalem, Safet und Tiberias fließen, ferner auf die