Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022071--22408-3047553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 618 Nr. 35 Dr. Blochs Wochenschrift bei dieser Nation, die sich gerade in der allerletzten Zeit als deren Träger und Verbreiter auf den Balkan anschickte, noch nicht sehr tief eingedrungen sein dürfte, und so manches noch zu wünschen übrig läßt. Merander I. Eskenasy, Wien, XIX., Pyrkerg. 25 Eine Sammlung der Artikel Luzzattis über Rumänien. Wie wir erfahren, hat das Präsidium des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien in weiterer Verfolgung der Aktion zugunsten der rumänischen Juden beschlossen, sämtliche Artikel, Reden und Interviews des wesenen Ministers Luigi Luzzatti in Angelegenheit der rumänischen Iudenfrage zu sammeln und in Broschürenform herauszugeben. Als Anhang werden Artikel und Aeutzerungen auch anderer italienischer Grützen in die Broschüre ausgenommen werden, welche als Propagandaschrift die weiteste Verbreitung finden soll. Professor Elias Metschmkoff. Cincinnati, 11. August 1913. Geehrte Redaktion! In Nr. 30, S. 539 Ihrer geschätzten Zeitschrift, sagen Sie, „datz die russischen Blätter wohl aus Rache Professor Metschmkoff zum Iudenstämmling zu stempeln versuchen". In diesem Falle ist die Angabe richtig. Elias Metschmkoff ist tatsächlich der Enkel des Konvertiten Loeb Newachowitsch, der 1803 eine hebräische, auch in russischer Sprache erschienene, Schutzschrift zugunsten der Juden unter dem Titel „Der Notschrei meines Volkes" verfatzt hat. (Zeitlin: Libliotlieea Hebraica S. 254—255; Jewish Encyclopedia, IX, 240.) Ich fürchte, datz Skepsis gegenüber der auf derselben Seite mitgeteilten Heldengeschichte von der Verteidigung Prags durch die Juden im Jahre 1648 angebrachter wäre. In einer, auf zeitgenössische Quellen gestützten Darstellung habe ich sie bisher nicht gefunden. Ergebenst Gotthard Deutsch. Jüdisches Handwerk in Lemberg. Man ist gewöhnt, von den Juden als einer undifferenzierten Masse von Kaufleuten und Krämern zu sprechen. Es dürfte daher von Interesse sein, das Zahlenverhältnis der jüdischen Handwerker der grötzten Gemeinde in Galizien kennen zu lernen auf Grund der offiziellen Angaben, welche die galizische Gewerbekammer für den dortigen Landesausschutz am 15. Juli 1912 angefertigt hat. Es gab demnach am 15./VII. 1912 in Lemberg bei einer Gesamtzahl von 4.512 Handwerkern (Meistern) 2.072 Juden, also 46 Prozent, gegenüber 2.121 Röm.-Kath. (47 Proz.), beziehungsweise 319 Griechisch-Kath. (7 Proz.). Den einzelnen Gewerben nach gab es: Fatzbinder 2 auf 19; Span gier 98 auf 151; Baumeister 13 auf 75; Zuckerbäcker 9 auf 59; Buchdrucker '8 auf 42; Drogisten 12 auf 16; Friseure 185 auf 204; Schankgewerbe 389 auf 837; Buchbinder 17 auf 51; Installateure 12 auf 48; Steinmetze 1 auf 19; Kaminfeger 0 aus 30; Schmiede 2 auf 57; Schneider 310 auf 613; Kürschner 33 auf 52; Maurer 1 auf 100; Zimmermaler 160 auf 240; Bäcker 69 auf 90; Tapezierer 84 auf 124; Fleischhauer 69 auf 380; Tischler 57 auf 119; Schuster 180 auf 566; Glaser 52 auf 59; Schlosser 70 auf 206; Dentisten—Techniker 28 auf 39; Drechsler 42 auf 58; Uhrmacher 51 auf 63; Goldschmiede 118 aus 145. Aus obigen Angaben ersieht man, wie mannigfach die Berufe sind, welchen sich die jüdische Bevölkerung zuwendet. Bei ungefähr 29 Prozent der Gesamtzahl bildet sie beinahe die Hälfte aller Handwerker. Wahrlich, kaum gäbe es ein beredteres Zeugnis für die Arbeitsfreudigkeit dieser so sehr verschrienen Menschenklasse. Die Kriminalität der Juden in Newyork. Dieser Tage erschien der Bericht über die Gefängnisse des Staates Newyork für das Jahr 1912. Aus den statistischen Daten geht hervor, was der Verfasser des Berichtes auch besonders hervorhebt, datz die Juden, welche einerseits ein verhältnismätzig sehr grotzes Kontingent von Einwanderern stellen, in bezug auf die Kriminalität weit unter dem Prozentsätze Zurückbleiben, der dem Verhältnisse entsprechen würde, in welchem sie zur Eesamtbevölkerung in Newyork stehen. Diese Konstatierung wird gerade bei der bevorstehenden Debatte über die verschiedenen Anträge betreffend eine neue Einwanderungsbill von grotzer Bedeutung sein. Bibel oder Gebetbuch? Referat, gehalten im „Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens“, von Rabbiner Dr. Karl Thiel)erger, in Prag. Der Religionsunterricht ist seit Jahren das Sorgen- und Schmerzenskind aller jüdischen Kreise; nicht allein der Fachmänner, sondern auch der Laien. Man räsonniert über das System, man bemängelt die Methode, man verurteilt den Lehrplan und schiebt schließlich summarisch alle Schuld des Mißerfolges dem Lehrer zu. Meine Aufgabe ist es heute, zunächst über den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen zu sprechen. Wir dürfen aber den . Zusammenhang mit dem Gesamtkomplex der Fragen nicht verlieren. Und darum ist es vor allem nötig, sich darüber klar zu werden, was als Ziel des Religionsunterrichtes anzusehen sei. Ich muß gestehen, daß eine derartige Frage in einer wahrhaft religiösen Zeit ganz überflüssig wäre. Nur weil die große jüdische Masse hierzulande ein schiefes, genantes und unter angeblicher Modernität...verdecktes Verhältnis zur Religion hat, müssten' sich die Religionslehrer fragen:. Wie sollen wir uns diesen tristen Zuständen gegenüber verhalten? Da sind nun manche der Meinung, das ideale Ziel des Religionsunterrichtes sei die Erlernung des Hebräischen. Mit der Aneignung des Hebräischen gehe Hand in Hand eine Aufnahme aller in der Sprache aufgespeicherten Schätze: Vertrautheit mit dem Volkstum, Liebe zu seiner Religion und Geschichte. Die Methode wäre in diesem Falle ungefähr die des modernen Sprachunterrichtes, nicht aber die bisher gepflogene des Lesens und direkten Uebersetzens. Es läßt sich nicht leugnen, — auch wenn wir von dem ganz unzulänglichen Stundenausmaß absehen wollen — daß die Realisierung dieses Vorschlages dem hebräischen Unterrichte einen neuen kräftigen Inhalt zu geben vermöchte, aber vom praktischen Standpunkt is es' klar, daß eine solche Unterrichtsführung für die Schüler in ihrem Ges amtstud i u m eine ungeheure Mehrbelastung bedeuten würde ,— worauf doch immer Rücksicht zu nehmen ist — und daß übrigens eine diesem Ziele entsprechende Methode frühestens in den Mittelschulen eingeführt werden könnte. Außerdem muß aber betont werden, daß „Religionsunterricht“ nicht gleichbedeutend ist mit „Hebräischunterricht“. Man hat also in den Volks- und Bürgerschulen neben dem Hebräischen auch auf die Liturgie und Bibel, sowie auf jüdische Geschichte Rücksicht zu nehmen, und zwar in einem höheren Maße, als in den Mittelschulen, wo eine geschultere, reifere Intelligenz diesen wichtigen Teilen des Religionsunterrichtes viel rascher entgegenkommt. —■ Wenn ich also durchaus nicht der Ansicht sein kann, daß man zum Inhalt des Religionsunterrichtes lediglich die hebräische Sprache mache, so muß ja doch wieder betont werden, daß eine gewisse Beschäftigung mit dem Hebräischen unerläßlich ist für das direkte Verhältnis des Schülers zu den Quellen unserer Religion und -für die unmittelbare Aufnahme des Gottcswortes. Andere haben vielleicht in Erwägung dieser oder ähn-. lieber / Tatsachen gemeint: Ziel des Religionsunterrichtes sei die religiöse Erziehung der Jugend. Das scheint viel eher dem Begriff „Religionsunterricht“ zu entsprechen. Aber sehen wir näher zu! Ist denn, die Religion als Unterrichtsgegenstand formal den anderen Gegenständen unserer Schule gleichzusetzen? Ich. glaube, wir werden nach einiger Ueberlegung mit „Nein“ antworten. Denn Lehren heißt: erworbene Erfahrungen, Tatsachen, Resultate andern