Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 617 sind, kaum Eindruck machen, weil sich aus den krassen Uebertreibungen nur mit Mühe ein Körnchen Wahrheit Herausschalen läßt. Wenn beispielsweise ein Blatt erzählt, ein Mitglied der österreichisch-ungarischen Gemeinde nimmt Chalukah, das Hunderttausende besitzt, und es notorisch ist, daß alle wohlhabenden Mitglieder dieser Gemeinde mit allen Chalukahnehmenden zusammen keine Hunderttausende besitzen, so kann man die Kritik dieses Blattes kaum zu Ende lesen. Unter einem wäre den groben Organisationen zu bedenken zu geben, daß sie speziell in ihren Schulgründungen einen ganz verfehlten Vorgang einhallen. Ich zweifle nicht, daß diesen Schulgründungen die Absicht zugrunde liegt, wohlzutun. Da wäre aber notwendig, dieses Schulwesen den Empfängern dieser Wohltat mundgerecht zu machen. Dazu ist die erste Bedingung, Lehrer anzustellen, die nicht von vornherein das Mißtrauen der großen Majorität der Bevölkerung erregen durch ihre Lebensweise und die Art der Erziehung, die sie ihren Zöglingen angedeihen lassen — gleichviel, ob dies in Jerusalem oder in Saloniki oder in Galizien ist. — Es ist ja nicht vorauszusetzen, daß den leitenden Persönlichkeiten dieser Organisationen „Befreiung vom Joche der Thora" Hauptzweck ist. Ist aber der Zweck dieser Schulen, tüchtige Menschen heranzubilden, so ließ sich das sehr gut mit jüdischer Erziehung vereinen, was den unendlichen Vorteil hätte, den berechtigten Antagonismus der strengreligiösen Kreise zu vermeiden und dadurch die Wohltaten dieser Schulen zu verallgemeinern. Wolf Pappenheim. Juden im Sport. Geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend aus den trefflichen Sportartikel „Orlik", gestatte ich mir, Ihnen milzuteilen, daß auch der Jude Berthold T and l er, Obmann des Athleten- Klubs der Lohnfuhrwerker, Wien II., dreißig Meisterschafts- und zwei Weltmeisterschaftstitel besitzt und heute nach Erafl der beste Schwergewichtsstemmer in Europa ist. Herr Tandler betreibt den Sport fast 15 Jahre und wird seit Bestand des obgenannten Klubs immer einstimmig zum Obmann gewählt. Die Zukunft der Juden in Mazedonien. Den Aeußerungen des Großrabbiners von Saloniki über ein Gespräch mit dem König von Griechenland, das die „Deutsche Israelitische Zeitung" wiedergibt, entnehmen wir Folgendes: „Ich betonte, daß sowohl ich als meine Glaubensgenossen mit Leib und Seele Türken seien und der türkischen Nation mit hingebungsvoller Liebe anhängen. Stünde es in unserer Macht, den Verhältnissen eine Wenduyg zu geben zugunsten der Türkei, so würden wir mit freudiger Begeisterung Gut und Blut dafür opfern. Selbst ich, in eigener Person, würde mit größtem Enthusiasmus für die Sache der Türkei weiterkampfen. Allein in dem Momente, als wir die Ueberzeugung gewannen, daß wir zu schwach sind, gegen die anstürmenden Zeitereignisse anzukäwpfen, mußten wir uns in unser Schicksal fügen und wenn es in dem Buche der göttlichen Vorsehung geschrieben steht, daß Saloniki in Zukunft den Griechen angehöre, werden wir dem griechischen Staate mit ebensolcher Hingebung als treue und anhängliche Bürger dienen, wie hisher dem türkischen Staate, unter der Voraussetzung, daß unsere Bürger- und Menschenrechte ebenso von der griechischen Regierung respektiert werden, wie sie uns als Untertanen des türkischen Staates in vollem Maße zuteil wurden. — Der König erwiderte, er würdige in vollstem Matze unsere Anhänglichkeit an die Türkei und spräche seine Anerkennung über diese patriotische Gesinnung aus. Die Rechte der Juden Salonikis uyd sämtlicher okkupierten Teile rer Türkei werde die griechische Regierung wahren, ja sogar noch erweitern; denn Griechenland würde gegen seine eigenen vitalsten Interessen handeln, wenn es jenes Element der Bevölkerung schwächen würde, auf welchem die eigentliche Bedeutung Salonikis überhaupt beruhe. Für die Kodifikation dieser Rechte werde die Zeit erst dann gekommen sein, wenn die Annexion in aller Form erfolgt sei und ein Parlament der annektierten Länderteile eiyberufen werde, in welchem in erster Reihe der Großrabbiner, sowie auch andere R Präsentanten - der Judenheit Sitz und Stimme haben würden und dort ihre Wünsche in legaler Weise vortragen könnten. Das letztere erklärte auch Se. Exzellenz der Ministerpräsident Veniselos. bei dem ich ebenfalls mehrmals in Audienz erschien." Rumäniens Dankbarkeit. Bekanntlich haben anläßlich der rumänischen Mobilisierung sich ungefähr 6000 Juden freiwillig als Soldaten für den Krieg gemeldet. Diese jüdischen Freiwilligen wurden damals natürlich gerne gesehen, sie wurden zum Dienste zugelassen und, nachdem sie sich auch auf eigene Kosten uniformiert hatten, genau so wie die mobilisierten Soldaten behandelt. Dazumal hatten alle rumänischen Blätter nicht Lobesworte genug, um diesem Patriotismus und den Opfermut der jüdischen Freiwilligen hervorzuheben. Das war damals, als es galt, eventuell in einen mörderischen Krieg zu ziehen. Heute nachdem die Kriegsgefahr für Rumänien vorüber ist, dafür aber die Gefahr besteht, auch den 6000 jüdischen rechtlosen Freiwilligen und ihren Familien genau so die Bürgerrechte verleihen zu müssen, wie den mobilisierten Soldaten, bäumt sich in dem rumänischen Herzen die Undankbarkeit auf und sucht jedes Mittel anzuwenden, um diese jüdischen Freiwilligen in der rohesten, unbarmherzigsten Weise um ihre Rechte zu betrügen. Wie muß einem solchen jüdischen Freiwilligen, der bereit war. für sein Vaterland das Leben zu opfern, zu Mute gewesen sein, als er vor einigen Tagen vom Kriegsministerium anstatt einer Belobung eine — Rüge erhielt. Das Kriegsministerium hat nämlich, um sich vor eventuellem Anstürmen seitens der jüdischen Freiwilligen zu sichern, diese in einer Zickularnote verständigt, daß die Heeresverwaltung sie gegen das Gesetz als Freiwillige zum Kriegsdienste zuließ, da Fremde nicht als Freiwillige ausgenommen werden könnten. So nebenbei bemerkt diese Zirkularnote auch. daß. nachdem der Freiwilligendienst ungesetzlich gewesen sei, derselbe für die jüdischen Freiwilligen auch keine Rechtsbegünstigungen zur Folge haben könne. Rumänische Versprechungen. Unter diesem Titel schreibt man uns von sehr geschätzter Seite: „Zurzeit befindet sich in Wien eine größere Anzahl bulgarischer Staatsbürger, darunter auch solche jüdischer Konfession, die nach Beendigung des ersten Balkankrieges teils zu geschäftlichen Zwecken, teils krankheitshalber das Ausland aufgesucht haben. Seit Wochen nun strebt die Mehrzahl dieser Fremden nach Erreichung ihres Reisezweckes die Rückkehr in ihre Heimat an. jedoch trotz aller Bemühungen vergebens. Der normale Bahnweg durch Serbien ist infolge der von der serbischen Vahnverwaltung verfügten Einstellung der Personenbeförderung zurzeit unmöglich; der direkte Donauweg infolge der aus Rücksichten sanitärer Natur wegen Auftretens der Cholera verhängten Verkehrssistierung unbenützbar, es bleibt also nur die Möglichkeit, aus dem Umwege über Rumänien via Verciorova - Giurgevo —Rustschuk nach Bulgarien zu gelangen. Ganz unbegreiflicherweise aber stellen die rumänischen Behörden, an die sich die betreffenden Bulgaren wegen Ausstellung der erforderlichen Reiselegitimationen wendeten, der Durchreise trotz vollständigen Mangels irgend eines plausiblen, sachlichen Grundes ein starres Veto entgegen. — und zwar, weil es sich um Reisende handelt, die sich zur jüdischen Konfession bekennen. Letztere sind deshalb gezwungen, unffeiwillig ihren Aufenthalt hier fortzusetzen, obwohl teils familiäre, teils geschäftliche Gründe sie dringend wieder nach Hause rufen. An dem engherzigen And intoleranten Verhalten der rumänischen Behörden aber ist unverkennbar, daß die Erkenntnis von der hohen Mission der Kulturarbeit selbst