Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 616 De. Blochs Wvchmschrfft. Nr. 3b berechtigt glaube, auf einen solchen Vorwurf geringschätzig herabsehen zu dürfen. Ich bin auch nicht der Ansicht, daß die Frage der Schädlichkeit oder Nützlichkeit wirtschaftlicher Maßnahmen für die Juden in allen Fällen zweckdienlich in der breiten Oeffentlichkeit verhandelt wird. Vielmehr lasse ich mich in meiner öffentlichen Tätigkeit davon leiten, meine amtlichen Pflichten im vollsten Umfange im Interesse meiner Mandanten zu erfüllen, im gegebenen Fälle aber durch die Tat und energisches Eingreifen jedes Unrecht nach Kräften zu verhindern. Daß ich als aufrichtiger Jude und überzeugter Zionist mich gerade gegen Maßnahmen nicht wehren sollte, die antisemitische Tendenz haben, ist widersinnig und wird durch Tatsachen widerlegt. Tatsachen aber und nicht theoretische Erwägungen leiten mich auch in der Frage der Erweiterung des kaufmännischen Befähigungsnachweises. Ich schließe mich im wesentlichen den Ausführungen des Herrn Kammerrates Krakauer an, bemerke dazu aber vor allem, daß die ganze Polemik von einer grundfalschen Voraussetzung ausgeht: Es handelt sich doch nicht um die Einführung des Befähigungsnachweises, sondern um die schädlichen Folgen der Geltung desselben für das Handwerk und für einen Teil des Handels. Diese aber bestehen unbedingt für alle Handelstreibenden, für Juden und Arier. Es wäre mir ein ganz Leichtes, in mündlicher Auseinandersetzung den schlagenden Beweis dafür zu erbringen, vielleicht auch dafür, daß der gegenwärtige Zustand gerade für die Juden besonders nachteilig ist. Ich sage „vielleicht", denn es ist nicht meine Art, mit Behauptungen zu operieren, die ich nicht klar beweisen kann. Das geschieht von anderer Seite nicht immer und ich kann angesichts dieses Artikels in Ihrem werten Blatte die Bemerkung nicht unterdrücken, daß mit Ollivier die Männer mit „leichtem Herzen" nicht ausgestorben scheinen. Die darin zitierten oder redaktionell vorgebrachten Bemerkungen beruhen entweder auf unbewiesenen Behauptungen (Gustav Lederer, Bernhard Haß) oder auf irrtümlicher Auffassung dessen, was wir fordern (Moritz Hirsch, Taddäus Epstein). Ich spreche von mündlicher Widerlegung deshalb, weil einerseits für das lebendige Wort im Austausch der Meinungen die Druckerschwärze einen nur mangelhaften Ersatz bildet und weil es andererseits von Ihnen nicht gefordert werden kann, allzuviel Raum in Ihrem Blatte dieser Frage zu widmen. Wohl aber darf ich von Ihrem Gerechtigkeitssinn hoffen, daß Sie dieser kurzen Darstellung in derselben Form Aufnahme gewähren, wie Ihren eigenen Ausführungen. Ihr Schlußzitat hat in keiner Weise Berechtigung. Würden Sie es etwa als den Interessen der Allgemeinheit und der Juden förderlicher betrachten, wenn wir uns vom öffentlichen Leben zurüctziehen deshalb, weil uns diese Betätigung des öfteren zwingt, selbst mit Gegnern gemeinsam zu arbeiten? Ich meine, daß diese Abstinenz dem politischen Selbstmorde gleichkäme. Dieses Prinzip aber etwa gar auf die wirtschaftlichen Korporationen zu übertragen, wäre eine Schädigung der öffentlichen Interessen überhaupt und der jüdischen Interessen im besonderen, so daß ich mich einer solchen Propaganda stets mit aller Kraft entgegenstemmen würde. Weggis, den 24. August 1913. Ernst Bechert. Nachschrift der Redaktion. Dem Wunsche des Herrn Einsenders entsprechen.wir durch unverkürzten Abdruck seiner Zuschrift: glauben indessen nicht, daß diese eine Wiederaufnahme der Diskussion erforderlich macht. Die EHakukah. Wir erhalten nachstehende Zuschrift mit dem Ersuchen um Publikation: Seit Monaten wird in Zeitungsartikeln, Neisebeschreibungen, in Reden und Vorträgen ein Kesseltreiben gegen die Chalukah veranstaltet. Diese selbst von ihren herb st en Gegnern als derzeit noch unentbehrlich anerkannte Institution vermag es, die disparatesten Elemente zu den vehementesten Ausfällen gegen sich zu vereinigen. Da finden sich Misrachisten und Zionisten, Modernisten und Konservative, Rabbiner und Vertreter großer Organisationen zusammen, um die „Chalukah" zu schmähen. Die strengreligiösen, die ungezählten Hunderttausende Geber der Chalukah, sehen ruhig zu. wie man versucht, glücklicherweise ohne nennenswerten Erfolg, diese wichtige Organisation zu erschütterst. Der Zionistenkongreß dürfte vielleicht diese Angriffe vor der großen Oeffentlichkeit verschärfen — nach diversen Ausfällen in der Parieipresse zu urteilen, die man in den letzten Monaten zu lesen bekam. Da sei denn doch ein Wort der Abwehr gestattet, um den Schaden zu verhüten, den diese konzentrischen Angriffe den Armen zufügen könnten, wenn naive Gemüter alles, was sie schwarz auf weiß sehen, für bare Münze nehmen, ohne zu ahnen, daß man oft „lügt wie gedruckt". Die Chalukah, die durch nahezu ein Jahrhundert allein die Kontinuität der jüdischen Siedlung in Palästina erhallen hat, verdankt ihr Entstehen dem glühenden Wunsche einer Anzahl älterer frommer Juden, vornehmlich Talmudgelehrter, ihre Tage an dem Orte zu beschließen, wo Israels Heiligtümer gestanden, wo unsere Erzväter und unsere Ahnen als leuchtendes Beispiel Mr die ganze Welt gelebt haben. Unter diesen Frommen waren viele Unbemittelte, die sich bei Verwandten und Freunden ein Eristenzminimum in Gestalt jährlicher Beiträge sicherten. Dies war vor zirka 100 Jahren. Diese Art, sich Palästina zu erinnern, indem man Arme unterstützt und gleichzeitig das Thorastudium förderte, das in Europa leider so riesig im Rückgänge war, fand bei den frommen Zionsfreunden großen Anklang, und es bildeten sich auf dem ganz-en Erdenrunde spontan Komitees zur Organisierung der Palästina - spenden. Ohne Lärm, ohne Agitation vollzog sich eine Manifestation der Liebe zu Zion und zur Thörah, wie sie großartiger nicht gedacht werden kann. Was bedeuten gegen ein solches Dokument der jüdischen Zusammengehörigkeit, Wohltätigkeit, der Zionsliebe und der Thoraverehrung die größten Organisationen mit ihren Millionen, die von wenigen Tausend Juden beigesteutzrt werden? Selbst der Zionismus mit seinen 100.000 Schekelzahlern, die 150.000 Schekel Agitationskosten verursachen, kann sich als Repräsentant jüdischer Massen nicht sehen lassen neben dieser zwanglosen Organisation, an der eine Million jüdischer Familien Mitarbeiten. Daß viele tausende Witwen und Waisen und Erwerbslose und last not least Talmide Chachomim von der Chalukah erhalten werd en, geben auch die Nörgler zu, nennt einer derselben die Chalukah doch das Rückgrat der palästinen? fischen Siedlung. Da sollte denn eine Kritik, die nicht nur zerstören und das. Kind mit dem Bade ausschütten will, begreifen, daß die übertriebene, herbe Art der Kritik nur den Erfolg haben kann, naive Gemüter von Leistungen für die Chalukah zurüchuhalten, also die Armem zu schädigen. Diese Artder Kritik kann bei den verantwortlichen Führern, die gewiß sachlichen Vorstellungen zugänglich