Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 615 Nr. 85 Dr. Mochs stützung seitens jüdischer Bürger, die nicht politisch, aber vom ganzen Herzen materiell dabei sein wollen. Diese Helfer würden zahllos werden, wenn man sie besser zu gewinnen wüßte und wenn nicht immer wieder Streitigkeiten, meist nur wegen Ueberschuß an Hitze, auftauchen würden. Vielleicht haben die Juden aber durch ihr hartes Schicksal doch endlich gelernt, kleinliche Differenzen gegenüber großen und historischen Zielen zurückzustellen. Vielleicht wird es gerade der Kongreß, der zum erstenmal in Wien stattfindet, wo Herzl lebte, den Weg zur Versöhnung finden und besonders in dieser Hoffnung wollen wir ihn beglückwünschen und herzlich begrüßen. ti)om Aabrmarkt des Lebens. Eine allgemeine Beisteuer zum Bodenerwerb in Palästina. Die Propaganda für Bodenkauf in Palästina, die erste und wichtigste Aufgabe der jüdischen Kolonisierung des Heiligen Landes, sah sich bisher auf die großen jüdischen Korporationen, auf einzelne begüterte Palästinafreunde oder kleinere Unternehmergruppen angewiesen. Die große kompakte Volksmasse auch hierzu heranzuziehen, schien bei der Höhe der erforderlichen Beträge aussichtslos, solange sich nicht ein Mittel fand, bei geringster Belastung des einzelnen von ihm doch eine nennenswerte Leistung zu erzielen. Dieser Weg ist nun betreten worden. Zwischen der Baseler Lebensoersicherungsgesellschaft und einer Wiener Palästinafreundin ist soeben ein Vertrag dahin geschlossen worden, daß die versicherte Summe, anstatt wie sonst üblich, für irgend einen Angehörigen, für Landkauf in Palästina bestimmt ist. Auf diese Weise können auch bescheidenere Beträge versichert werden, so daß den Zahlreichen, die den Wunsch, aber nicht die Mittel haben, sich mit Nachdruck an der Palästinaarbeit zu beteiligen, die Möglichkeit geboten wird, durch eine leicht zu entbehrende jährliche Einzahlung zu dem großen Werke nicht unerheblich beizutragen. Dieses Beispiel sollte zu einer allgemeinen Selbstbesteuerung unter denen den Anstoß geben, die eine jüdisch-kulturelle Erschließung Palästinas durch die T a 1 zu fördern ernstlich entschlossen sind. Ueber die physische Anpassungsfähigkeit der Juden in fremden Klimaten. Die Waffen schweigen auf dem Balkan, aber Tausende übersehen ^erst jetzt ihre materielle Lage, lausende Christen und Juden werden verzweifelt zum Wanderstab greifen und der jüdischen Kolonisation neue Kräfte zuführen, auf die ja in dieser Woche mehr als je unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird. Zudem haben sich in diesem Jahre' die Fälle gemehrt, in denen unternehmungslustige Wiener Exporteure junge Wiener Juden, die wegen ihrer Vielsprachigkeit auch von christlichen Firmen bevorzugt werden, in ungesunde Gegenden Arabiens, Afrikas und der Mongolei gesendet haben. Da mag es gestattet sein, auf einen Vortrag unseres berühmten Prager Hygienikers Ferdinand H u e p p e zurüchukommen, in dem er in Berlin zu den Kolonisationsbestrebungen Kaiser Wilhelms und des Deutschen Reiches vom Standpunkt des Arztes Stellung nahm. Freilich drang der Gelehrte damit bis in die innersten Tiefen des weltbeherrschenden Problems und gemahnte mich an einen Ausspruch unseres berühmten Wiener Medizinal-Historikers Neuburger in seiner Biographie des eigentlichen Folterabschaffers-in Oesterreich,? von Leber: „Das große Publikum ahnt nicht, wie sehr Äerzte durch ihren Beruf berechtigt sind, bei .allen Wellproblemen mitzuwirken— und wieviel sie im bescheidenen Dünkel' mitgewrrkt haben." Die Bemerkungen. Wochenschrift. die Hueppe speziell über judischeKolonistenmacht, dürften als in einem medizinischen Fachblatt verborgen, weiteren .jüdischen Kolonisationskreisen unbekannt geblieben sein. Er polemisiert mit dem großen, damals schon verstorbenen Rudolf Virchow, dem eben in seinem Kampfe gegen die Kolonisationsbestrebungen jedes Argument recht erschien. So versuchte'er, der gewiß von jedem Antisemitismus persönlich freie, das Argument, die Kolonisation sei schon deswegen verfehlt, weil die Anpassungsfähigkeit der Juden an fremde Klimate eine unvergleichlich größere sei, als die der übrigen Einwohner des Deutschen Reiches, man also die jüdische Konkurrenz nur züchte, anstatt ihr aus dem Wege zu gehen, ein Argument, was auf die Stoecker und andere Missionskreise nicht ohne Wirkung bleiben konnte. Auch Hueppe anerkennt die „geringere Vulnerabilität des Juden" an, namentlich des polnischen. Er führt sie aber auf andere Ursachen zurück. Erstens auf die Schädelform, da erfahrungsgemäß rundschädlige Rassen sich leichter klimatisch anpassen, als langschädlige, von den polnischen Juden aber, im Gegensatz zur ursprünglichen 90prozentigen langschädligen semitischen Rasse, 50 °/o Rundschädel sind. Zweitens hätten sich die Juden durch ihren langen Aufenthalt im Süden, mögen auch fast zwei Jahrtausende drüber vergangen sein, ebenso immunisiert, wie sie durch die vielen ausgestandenen Epidemien im Mittelalter gegen die Pest relativ immun waren (daher die Brunnenvergiftungslegenden). Drittens aber wenden sich die Juden auch in den Kolonien mehr geistigen, also sitzenden und der Sonnenglut weniger ausgesetzten Berufen zu. Auf einige andere Umstände hat der Hygieniker Hueppe als Nichtjude merkwürdigerweise vergessen, obwohl er im Alkohol, Vermischung mit der eingeborenen Frau, Mangel eines Bades Hauptschädlichkeiten in den Kolonien erblickt. Der Jude wird gewiß weniger trinken, seine Ehefreudigkeil ist größer, tätige Schadchen werden dem materiell nur halbwegs Aufatmenden eine Frau aus der Heimat besorgen, der polnische Jude und die Jüdin werden sich, wie einst im Wüstensande, mit größter Schwierigkeit die Möglichkeit des Bades verschaffen. Die jüdische Frau wird auch gewiß sich mehr schonen und mehr geschont werden, als etwa die deutsche bäuerliche Kolonistin. Freilich konnte, da das jüdische Kolonisationswesen so jung ist, weder Virchow noch Hueppe Nachweisen, ob die jüdische Frau imstande sein werde, in der dritten Generation Kinder zur Welt zu bringen, was der Germanin und Anglo-Inderin nie gelingt, und ein wunder Punkt jeder Kolonistenbestrebung bleiben wird. Doch eins steht statistisch fest: Krankheit und Mortalität sind beim Juden in den subtropischen und tropischen Kolonien geringer. Wir freuen uns dieser geringeren Vulnerabilität, die wir mit dem Chinesen und Neger teilen. Ob dies das Zeichen einer Edelrasse, ob das Zeichen einer Minderrasse, überlassen wir Freund und 'Feind zu entscheiden. Clotilde Benedikt. Befähigungsnachweis im Haudelsgewerbe. Löbliche Redaktion! Der Umstand, daß ich einige Zeit vom Hause abwesend bin, bringt es mit sich, daß ich erst heute Ihren zum Teil mich betreffenden Artikel „Ernst Schneider's sel. Erben" zu lesen bekomme. Ueber die Tatsache, daß ich als Gesinnungsgenosse Schneiders und als von „antisemitischen Gedankengängen influenziert" bezeichnet werde, darf ich vielleicht ohne Erwiderung hinweggehen. Diejenigen, welche meine öffentliche Tätigkeit kennen, und alle Juden, welche dem Komotauer Kaufmannstage beiwohnten, werden das nicht als ein Bekenntnis der Schuld betrachten und wahrscheinlich auch keine Unbescheidenheit darin erblicken, daß ich mich