Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bk>chs Wochenschrift Leite 609 Klasno, wo die Fabrik des Hauses Perlberger sich befindet, grenzt an der Salinenstadt Wielic2ka, und die Bewohner dieses Ortes, meist Juden, waren schon zur Zeit, als ich daselbst bedienstet war, intelligente Leute, wie z. B. das bessere Haus Iosefstal, Mahner, Eberman, Birnbaum Kahane. Getreidehandel und Salzerpedition waren die Hauptfaktoren im Orte. Der eine Stunde entfernte Haupthandelsort Tralau bot diesen strebsamen Häusern hinlängliche Beschäftigung und Verdienst. Sowie die Stadt Wielic^ka, ruht auch Klasno auf salinischem Boden und breiten sich die Salzgewerke nach allen Richtungen unter diesen beiden Ortschaften hin. In WielicLka sowohl, als auch in dem benachbarten Klasno tritt häufig Wassermangel ein, indem durch Abstollung des Salzes das Quellengebiet unterbunden wird. Groß war der Wasserbedarf zur Speisung der Dampfkessel in der Perlbergerschen Fabrik, und wurde von mir beantragt, nahe dem Fabriksgebäude an einer Bergkette einen Teich anzulegen, um Wasser von den Bergen zur Regenszeit fliehend, zu sammeln, und filtriert zur Kesselspeisung zu gewinnen: dies war umso dringender nötig, als das Quell- und Brunnenwasser viel salzhaltige Bestandteile mitführt und im Kessel nach Verdünstung des Speisewassers eine schwerlösliche Steinkruste von Salz sich bildete. Es regnete einen ganzen Monat, der Teich füllte sich, der nahe Berg kam in Rutschung, drohte den Teich zu zerstören und es war grobe Gefahr in Sicht. Hirsch Perlberger, welcher ein grober Verehrer des Rabbi zu Sandez war, wollte Zuflucht zu diesem Helfer in der Rot nehmen und bestimmte mich, sofort eine Reise nach Sandez zu unternehmen, um mich an Reb Chajim Halberstamm zu wenden und Rat zu schaffen. Mein Koffer wurde gepackt und mit vielen Segnungen meines Chefs fuhr ich nach Sandez, wo ich nachts glücklich anlangte. Im Laufe des Vormittags konnte ich nicht zur Audienz gelangen, es war ein Brib im Hause des Rabbi und waren Gäste von nah und fern zu diesem Beschneidungsfeste da, welche bis ungefähr 3 Uhr nachmittags singend und betend im Hause des Baal Britz versammelt waren. Mit Hilfe eines Schammes, deren einige im Hause des Rabbi waren, gelang es mir endlich vorzusprechen. Der Rabbi nahm das Empfehlungsschreiben meines Chefs entgegen und machte dieses Schreiben einen gewaltigen Eindruck auf ihn. Der Rabbi ging ins Nebenzimmer und brachte ein Stück weitze Kreide, welches mir mit dem Ersuchen überreicht wurde, auf der Tischplatte die Situation des Teiches, die Stellen, wo der Berg und die Fabrik stehe, genau zu bezeichnen. Hierauf besichtigte der Rabbi mit prüfenden Augen den ganzen Situationsplan, studierte genau denselben, nahm mir die Kreide aus den Händen und bezeichnete viele Stellen um den Teich mit Punkte und sagte: „Diese Punkte sind für grobe Piloten und zwischen diesen sind kleine Piloten zu schlagen." Die groben Piloten nannte er Haitptpiloten und die kleineren Nebenpiloten. „Der Berg wird nicht mehr rutschen und ohnehin wird zufolge der Aenderung des Mondeslaufeö der Regen äufhören." Ich mutzte diesen Plan auf einem vom nahen Kaufmanne geholten Blatt Papier mit einem Bleistifte nochmals zeichnen, um diesen meinem Chef zu überreichen. Run hatte ich unter Segnung des Rabbi den Audienzsaal verlassen, um neuen Vorkom-nnissen entgegenzugehen. Im Vorzim?mer des Rabbi stand im Prachtgewande ein ungarischer Magnat. Dieser war mein Nachfolger im Beratungszimmer des Rabbi. Die Neugierde, weshalb dieser Edelmann Aufwartung macht, veranlahte mich, dem Schammes ein Obulus in die Hand steckend, zu fragen, was der Grund des Besuches des Magnaten bei dem Rabbi wäre. Die Antwort war: „Der Purez kömmt sich bedanke n." Wofür? Ein Pächter dieses Purez, ein Dorfjude, hat diesen zum Rebben empfohlen. Der Purez hat sich beklagt, dah er immer mehr im Vermögen zurückgeht, trotz der schönsten Ernten und Einkünfte dieser zu verarmen fürchtet. Nun, was hat der Rebben dem Manne gesagt? Der Rebben hat ihn ersucht, mit Kreide auf den Tisch sein Kastell, seine Vorratskammer, die Wohnungen seiner Knechte und Mägde und die Stallungen seines Viehes zu zeichnen, und sagte dem Purez, dah er, nach Hause kommend, einige Nächte nach 12 Uhr um sein Kastell herumgehe und sein Gebet Vaterunser einigemal bete. Nach einigen solchen nächtlichen Umkreisungen seines Schlosses bemerkte derselbe, datz man aus einer Vorratskammer auf einige nahestehende-Wagen das Korn erpediere. Somit waren es Hausdiebe, welche diesen Mann bestohlen haben. Nun sehen wir, dah nicht Kabalistik und Geheimlehre die Kraft dieser Männer ist. sondern Klugheit, Gelehrtheit, Scharfsinn, mit Tugend und Gottesfurcht verbunden. Und so wie die Zeichnung des Teiches und der Piloten genützt, hat auch die Situationszeichnung des Kastells und Umgebung bei dem Purez genützt. Heute besteht der Teich zu Klasno in besserer Situation, und der wackere Enkel des Reb Hirsch Perlberger, Sohn des Reb Chajim Simon, namens Michael Perlberger, ist der Besitzer der groben Muster-Raffinerie Hirsch Perlbergers Sohn, welche eine Zierde der Raffinerien Galiziens, ja selbst ganz Oesterreichs ist. Rabbi Chajim Halberstamms Name wird fortleben von Generation zu Generation, er war ein Weltmann,, nicht von Fanatismus, sondern von Klugheit durchdrungen. Der Weltmann steigt empor, der Pedant bleibt sitzen, Klugheit kann mehr als Gelehrtheit nützen. Luhatschowitz, im Juli 1913. Albert Löw. Weratnr. Radbi Tarphons Sohn in Brunn-Enzerstlorf. Hochgeehrter Herr Redakteur! In Ihrer geschätzten und vielgelesenen Wochenschrift, und zwar in Nr. 32, 1913, macht der gelehrte Wiener Rabbiner Dr. M. Grunwald auf einen sehr interessanten Fund aufmerksam. Es gibt wirklich, nach Angabe des Herrn Dr. Grunwald, viel zu denken, wieso eine Steininschrift des Inhaltes: panta ,a~n ms pvn «tvvap *nn '3 "C‘T C33 n>3 sich nach Brunn -Enzersdorf verirrt haben soll. In meinem Buche: Vorlesungen und Essays, das 1906 erschienen ist, behandle ich diese Inschrift, indem ich sie auch kritisch würdige. Ich habe das Original beim bekannten menschenfreundlichen Archäologen Baron Plato von Ustinov in Jaffa studiert und mir davon Kopien gemacht. Es ist sehr schwer anzunehmen, d ß die Steinschrift in Brunn - Enzersdorf Original sei. Rabbi Tarphon hatte nach b. Traktat, Sabbat 116 a, keinen Sohn, sondern eine Tochter, deren Sohn in der Folge Schwiegersohn des Patriarchen Rabbi Juda I. wurde. Demnach mußte selbst im Original in Jaffa ein Irrtum unterlaufen sein. Nach dem Erscheinen meiner Vorlesungen erhielt ich eine ziemliche Anzahl von Zuschriften, die alle das Problem lösen wollten, wie die angeführte Talmudstelle mit der Angabe der in Rede stehenden Inschrift in Einklang zu bringen wäre. Doch keine dieser Zuschriften fiel befriedigend aus. Vielleicht wird eine zweite Palästinareise, die ich zu unternehmen