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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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tt'.u 608 Dr. Blochs Wochenschrift Nl. 34 lieferte den vollgültigen Beweis, datz seitens des Kurpublikums die charitatioen Bestrebungen des Vereines jederzeit in vollem Matze gewürdigt werden. Am Vorabende des Zuckerlfestes trug im „Cafe Bank" der Herr Otto Helmer, Regisseur und Mitglied des Stadttheaters in Wr.-Neustadt, welch hervorragender Künstler sein Können selbstlos in den Dienst der edlen Sache stellte, einen vom Herrn Dr. Rudolf Schorrstein verfaßten Prolog in brillanter, die Hörer zum rauschenden Beifall hinreißenden Weise vor. Der Prolog schildert die Tätigkeit des Vereines auf dem Gebiete der Krankenunterstützung und Rekonvaleszentenfürsorge und appelliert in beredten Worten an das Mitgefühl und die werktätige Mithilfe seitens des Publikums an der aufopferungsvollen Wirksamkeit des Vereines. llm das Gelingen des überaus schönen Festes, dessen Reinerträgnis zu Gunsten der krankchl und bedürftigen Schützlinge des Vereines verwendet wird, haben sich nachstehend angeführte Damen anerkennenswerte Verdienste erworben: Frau Emmy Wechsler, Frieda Wittmann, Dr. Karoline Karpfen, Betti Blau, Berta Platschek, ferner Fräulein Ella Wittmann, Else Mendl, N. llllmann, Anny und Jula Wechsler, Siddy Blau, Irma Stern und Hedy Platschek. L. Gr. Mähr-Schönberg. (Jakob Stern s. A.) Am 9. ds. gesellte sich in unserer Gemeinde zu der allgemeinen nationalen Trauer die tiefe Trauer über das Hinscheiden eines hervorragenden Gemeindemitgliedes, des Herrn Jakob Stern, der viele Jahre hindurch Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Mähr.-Ausfee und des Synagogenoereines in Mähr.-Schönberg war, und in dieser doppelten Eigenschaft nahezu ein Menschenalter in mustergültiger Weise eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Der Verblichene repräsentierte den leider seltener werdenden Typus eines modern gebildeten Mannes, der gleichzeitig mit aller Zähigkeit in den edlen Traditionen der jüdischen Vergangenheit wurzelte. Seine glühende Liebe zu seinem angestammten Glauben, feine Begeisterung für die heiligen Güter des Judentums suchte er stets durch milde und weise Belehrung in. die Herzen seiner ihn innigst liebenden und verehrenden Kinder zu träufeln. Bei aller seiner überaus regen Geschäftstätigkeit als Seniorchef einer weitbekannten Handelsfirma widmete er sich mit Hingebung und Eifer den Interessen der Gemeinde, und er kannte als deren treuer Führer nur ein Ziel, den Frieden und die Einigkeit der Gemeinde zu erhalten, dabei aber das Judentum zu fördern und zu heben. Auch den großen Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes schenkte "er besondere Aufmerksamkeit. Hiervon zeugt am besten die von ihm im Jahre 1908 erschienene Broschüre unter dem Titel „Wirtschaftliche Beiträge zur Kolonisierung der jüdischen Emigranten aus den östlichen europäischen Ländern", die ihrer strengen Sachlichkeit und gediegenen Form wegen auch in Fachkreisen Anerkennung fand. Die vielseitige Liebe und Verehrung, deren sich der Verewigte durch seine großen Vorzüge, durch seine Charakterfestigkeit und Wohl^- tätigkeit in den weitesten Kreisen erfreute, zeigte sich in der aufc richtigen Trauer und Teilnahme, die sein Ableben allenthalben auslöste, wie auch in bejc ungewöhnlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse. Eine schier unübersehbare Menge aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung nebst zahlreichen Verwandten und Freunden gaben ihm vom Trauerhause bis zum hiesigen jüdischen Friedhose das Ehrengeleite. Im Trauerhause hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. G. Rosenmann einen ergreifenden Nachruf. In der Zeremonienhalle sprach der Herr Rabbiner noch einmal, indem er ein lichtvolles Lebens- und Schaffensbild des Verewigten in tiefempfundenen Worten. entwarf. Auch der gesangliche Teil der Trauerzeremonie durch Herrn Oberkantor K. Schlefiriger aus Olmütz unter Assistenz des Herrn Kantors M. Herzka machte auf die Anwesenden den ergreifendsten Eindruck. Am ErcGe sprachen Abschiedsworte Herr Kultusvorsteher Ignaz Ziegler im Namen der Kultusgemeinde und Herr Sigmund Berger, Vorsteher des Schönberger Synagogenvereines im Namen desselben. Zum Schluß sprach Herr Stadtrat Leopold Lustig aus Brünn herzbewegende Worte im Namen der Bne-Brith. Sie alle hoben die segensreiche Pflichttreue, die Friedensliebe, das liebreiche Herz und die Opferwilligkeit des Verblichenen rühmend hervor. Egler. (GeschäftsjubiIäum.) Am 15. ds. beging die Firma I. Zuckermann's Söhne in Eger ihr 40jähriges Geschäftsjubiläum. Die Firma,, die heute die größte ihrer Branche im ganzen Handelsbezirke ist, wurde am 15. August 1873 von Herrn Juda Zuckermänn in bescheidenem Umfange gegründet. Schon im nächsten Jahre traten die beiden Söhne Jakob und Moritz in die Firma ein, und es gelang ihnen, durch rastlosen Fleiß und' solideste Geschäftsgebarung das Unternehmen derart in die Höhe zu bringen, daß es heute zu den vornehmsten in der Monarchie überhaupt zählt. Leider starb im Mai d. I. der Mitchef, Herr Moritz, ein edler, liebenswürdiger und wohltätiger Mensch, plötzlich. Derzeitiger Alleininhaber der Firma ist der Handelskammerrat, Herr Jakob Zuckermann, der aus Anlaß des 40jährigen Jubiläums seiner Firma zahlreiche Spenden für wohltätige Zwecke in großem Stile widmete. Samstag den 16. ds. wurde Herr Kammerrat Jakob Zuckermann — der fast durch -30 Jahre in der Kultusgemeinderepräfentanz war und von Anfang des Jahres 1900 bis 1911 die Würde und Bürde des Kultus-Vorstehers innehatte, in welcher Zeit er segensreich für hie Entwicklung unserer Kultus-Gemeinde wirkte — zur Thora gerufen und wurde jn einem Mischeberach, von Herrn Oberkantor Wilkowitsch versaßt und feierlich zum Vortrage gebracht, die Verdienste des Jubilars hervorgehoben und die Wünsche der Kultusgemeinde-Vertretung verdolmetscht. Es liefen Hunderte von Telegrammen, Gratulationen, Blumenspenden und Dankschreiben ein, darunter auch: ein Dankschreiben von der Karlsbader Kultusgemeinde, ein Dankschreiben der Marienbader Kultüsgemeinde rc. rc., eine für den Inhaber der Firma überaus schmeichelhafte Zuschrift der Handelskammer in Eger und wird unsere Kultusgemeinde ebenfalls für eine namhafte Spende sich zu bedanken haben. Wir rufen Herrn Kammerrat Zuckermann zu: Ad meo schoinm! * Stuttgart. (Unterschlagungen.) Der Sekretär der israelitischen Oberkirchenbehörde, Fried mann, ist nach großen Unterschlagungen flüchtig geworden. Die Summe der unterschlagenen Gelder soll, wie behauptet wird, mehr als eine halbe Million betragen. Diese Angaben sind aber zweifellos übertrieben. Sicher ist, daß Friedmann im Mai vorigen Jahres bei der Württembergischen Bankanstalt Wertpapiere in der Höhe von 30.000 Mark aus der Pflaumschen Stiftung auf Grund einer legalen Quittung, die er sich erschlichen, erhoben hat. Genauere Angaben über die Gesamthöhe der Unterschlagungen waren bisher nicht zu erlangen. Feuilleton. Die Datschilige des Pabbi von Sande;. Rabbi Chajim Halberstamm war einer der hervorragendsten Gelehrten in Galizien und wurde dieser überaus scharfsinnige und kluge Mann sogar ein Wunder- Rabbi genannt, dem man Kabalistik zuschrieb, welches jedoch nicht der Fall war. Von vielen Ländern, insbesonders von dem benachbarten Ungarn und aus dem russischen Reiche, strömten Männer und Frauen nach Sandez Rat und Hilfe suchen. Immer hatten die jüdischen Bewohner Gäste und das Hotel Lar war in allen Räumen okkupiert. Klein von Gestalt, jedoch groß in seinem talmudischen Wissen, war Rabbi Chajim Halberstamm, genannt der Sandezer Rebben. Meine Aufgabe soll es sein, die Klugheit und den Scharfsinn dieses vornehmen Mannes wahrheitsgetreu zu schildern. Es war im Jahre 1862 im Hochsommer, viel Regen ging ins Land und verursachte großen Schaden. Der Dunajez und die Weichsel traten aus den Ufern und bedrohten Feld und Wiesen zu überschwemmen. Ich war der technische Leiter in dem Hause der Liqueur- und Spiritus-Raffinerie des in Galizien und Nebenländern bestbekannten Reb Hirsch Perlberger in Klasno bei WielicLka. Hirsch Perlberger war ein Patrizier im wahren Sinne des Wortes. Ein Fortschrittsmann im Seidenkaftan, und es schlug unter diesem Kaftan ein biederes Herz. Wohltätigkeit wurde in diesem großen Hause geübt und die treffliche Gattin Golde unterstützte den Mann im Wohltun und in Gastfreundschaft. Die Fortschritte des Hirsch Perlberger erstreckten sich insbesonders auf chemisch-technischem Gebiete, er akzeptierte jede meiner Anregungen, die Liqueur- und Spiritusfabrik zu verbessern und zu heben. Hirsch Perlberger ließ seine Kinder eine vorzügliche Erziehung und Ausbildung genießen: stets waren gute Lehrkräfte im Hause und wurden die Kinder Perlbergers zur Frömmigkeit angehalten. Reb Chajim Simon, der älteste Sohn, war nach dem Hinscheiden seines Vaters ein würdiger Nachfolger: er heiratete die Tochter des Benjamin Margulies, einem Enkel des Eleasas Löwy, genannt der Schemen Rokeach, wurde kaiserlicher Rat, als Förderer der Großindustrie.

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