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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Gelte LOS Nr. 34 Dr. Mochs figurieren auch die bekannteren Persönlichkeiten im poalezionistischen Lager, und zwar Professor Heinmann, Dr. Schiffer, Boruchow, Serubabel rc. Zu diesem Kongresse, der im jüdischen Theatersaal von Krakau abgehalten werden wird, sind 70 Delegierte aus aller Herren Länder angemeldet. Auster den offiziellen Programmpunkten sind auch einige inoffizielle Veranstaltungen'und Propagandameetings in Aussicht genommen. Kaftan und Payee als Lebensretter eines antisemitischen Agitators. Bis vor fünf Jahren war der gewesene ungarische Reichstagsabgeordnete Franz Udvary einer der gefürchtetsten und skrupellosesten antisemitischen Agitatoren Ungarns, dessen Rücksichtslosigkeit sehr viel zum Wiederaufleben des Antisemitismus in Ungarn beigetragen hat. Sein verderbliches Wirken in der Oeffentlichkeit hat vor fünf Jahren dadurch ein unrühmliches Ende genommen, dast Franz Udvary, der sich das Vertrauen lausender kleiner Bauern erschlichen hatte, nach Verübung groster Bankschwindeleien plötzlich vom Schauplatze seiner Tätigkeit verschwunden ist. Seit jener Zeit tauchten öfter Nachrichten über ihn auf, einmal hieß es, er halte sich in Bukarest unter dem Namen David Ignatz Fromm auf. Die Budapester Polizei wollte seine Verhaftung in Bukarest veranlassen, doch fand sie keine Spur mehr von ihm. Später kam die Meldung, dast er in Smyrna zum mohammedanischen Glauben übergetreten sei, um nicht ausgeliefert zu werden. Zuletzt erfuhr man, dast Udvary unter dem Namen lldver Bey in die türkische Armee eingetreten und bei Tschadalschtscha gefallen sei. Diese Nachricht scheint auf Richtigkeit zu beruhen, denn dieser Tage erhielt der Gerichtshof in Steinamanger cus der Türkei den Nachlast lldvarys mit dem Ersuchen zua->- sendet, denselben seinen dortigen Verwandten auszufolgen. Unter anderen Effekten befinden sich in dem Nachlast auch zwei lange Kaftans mit einer Perücke und Stirnlocken, die, wie aus den Auszeichnungen Udvarys hervorgeht, von demselben auf seiner Flucht benützt wurden, um sich als polnischer Jude zu verkleiden und bei unseren Glaubensgenossen auf dem Balkan und in der Türkei Gastfreundschaft und Schutz zu erschleichen. Man erfährt auch, dast diese Verkleidung ihn wiederholt in gefahrvollen Momenten das Leben gerettet habe, da die Juden im Orient gut gelitten seien und in hohem Ansehen stehen. 1 j; j; : Jüdische preisgekrönte Gelehrte. Die Pariser Akademie der Wissenschaften hat Herrn Netter für seine Arbeit über die Eerebro-Spinale Meningitis den Brsant-Preis von 2000 Francs und weitere Preise in derselben Höhe aus dem Argut-Fond für die Studie über den Effekt der D-Strahlen an Robert Cremieur und aus dem Bonaparte-Fond an Herrn A. Abraham zur Vollendung eines wichtigen Werkes auf dem Gebiete der Physik verliehen. Konflikt zwischen den Mohammedanern und Juden in Tums. Wie wir der in Tunis erscheinenden „Tunisie francaise" entnehmen, ist zwischen den Mohammedanern und Juden in Tunis ein Konflikt entstanden, der größere Dimensionen annehmen kann, wenn die Zentralregierung in Paris nicht bald ein entscheidendes Wort spricht. In Tunis besteht eine technische Schule für Weber, die den Namen des verstorbenen Präsidenten Emile Loubet führt. Die Schule wurde für Bewohner von Tunis ohne Unterschied der Nationalität und der Konfession gegründet. Nun hat dieser Tage ein junger tunesischer Jude, der die geforderten Vorstudien absolviert hat, um Aufnahme in diese Anstalt angesucht. Vor einigen Tagen Wochenschrift. nun erhielt der Betreffende den Bescheid, dast seinem Ausnahmsgesuch nicht stattgegeben werden könne, weil das Gewerbe, welches er in dieser Anstalt erlernen will, in Tunis nur von eingeborenen Muselmännern ausgeübt werden könne. Man sieht, dast es sich hier um einen wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Kampf handelt, den die Mohammedaner jetzt gegen die Juden von Tunis eröffnen. Wie heikel diese Frage übrigens ist, geht auch daraus hervordast der Studiendirektor, an den der zurückgewiesene jüdische Hörer den Rekurs ergriffen hat. sich nicht traute, selbst eine Entscheidung zu fällen, sondern den Einschreiter wissen liest, daß er die Frage für eine so wichtige prinzipielle halte, dast er sie dem Ministerrate zur Entscheidung unterbreitet habe. Kongreß Nr nervöse Erkrankungen der Kinder. Wie aus Paris berichtet wird, wurde zum Präsidenten des anfangs Oktober in Paris stattfindenden Kongresses für nervöse Erkrankungen der Kinder das Mitglied der Pariser Akademie der Medizin, Dr. Arnold Netter, gewählt. Dr. Netter ist Vizepräsident der^stjanea IsraeUte Universelle und gehört dem Zentralrate der Jewisli Colonisation Association (3ca) an. „ Der Generalrat der Departements in Frankreich. Dieser Tage fanden in Frankreich Wahlen in den Generalrat der Departements statt. Sechs Juden, welche auch bisher in diesem Rate Platz hatten, wurden von ihren betreffenden Departements wiedergewählt. Unter ihnen befinden sich auch zwei Kammermitglieder, und zwar der Deputierte für Nonne, Javalle, und der Deputierte für Les Vosges, Camilie Picard. Das Fiasko des Kaiser-Jubiläums-Missionspatriotismus m Jerusalem. ii. So köstlich sich ohne Zweifel die Leser und Leserinnen der „Oesterr. Wochenschrift" und das allgemeine Jerusalemer Publikum über die humoristisch-satirische Darstellung der durch die gemeinsame Schuld der verstockten Juden und antisemitischen Christen jämmerlich verkrachten Jerusalemer „Kaiser-Jubiläums-MissionÄfeier" amüsiert haben (Nr. 29 der „Oesterr. Wochenschrift"), so peinlich und ärgerlich war und ist es, den Veranstaltern Md Protektoren des so kläglich in die Brüche gegangenen Unternehmens zumute, daß sie sich mit ihrem persönlich so ganz uneigennützigen und aufopfernden Bestreben im Dienste des irdischen und des himmlischen Königs in den Augen aller Christen, Juden und „Heiden" in Asien und Europa blamiert haben. Neben dem Festarrangeur, dem bis dahin so streng kirchlich und monarchisch treugesinnten Oelberg-Ingenieur und Elektrizitäts-Monteur, Herrn L. Hoffmann, soll namentlich dessen Assistent beim schlecht geglückten Eintrittskarten- Vertrieb, der mit seiner „schönen und schwächeren Hälfte" dem „Tempesi und mit der „stärkeren" der Kirche angehörendtz deutsche Schutzgenosse und „Eroßkaufmann" H. Wieland über die so unglücklich verlaufene Affäre einen sehr beklemmenden seelischen Schmerz und moralischen Katzenjammer empfinden. Zeitweilig regt sich aber in dem Eemüte der gereizten teutonischen Löwen auch gar mächtig der Unmut und der Zorn über die erfahrene öffentliche Bloßstellung und Persiflierung ihrer im Jnteresie der höchsten christlichen und nationalen Interessen gedachten Bestrebungen durch den Korrespondenten der „Wochenschrift", und sollen die sich beleidigt fühlenden ehrenwerten Landsleute, so wie hier jetzt allgemein das Gerücht geht, keineswegs gesonnen sein, die Sache so teichterhand hingehen zu lassen, sondern an dem verruchten Korrespondenten gar grausame und fürchterliche Rache zu nehmen. So heißt es. allgemein in den Warnungen, welche demselben von allen Seiten gemacht werden, daß man nach dem billigen Rezepte und Vorschläge des Jerusalemer deutschen Konsulats- und Gerichtsschreibers mit dem neutestamentlich apostolischen Namen Paulus für eine. Medjidj (ungefähr 5 Frank) einen marokkanischen schwarzen Türhüter mieten wolle, welcher den Artikelschreiber nach biblischem Vorbild im Zwielicht einmal gehörig „stäupen" und ihm „vierzig Streiche weniger einen" (2. Kor. 11, 24 s) auf den Rücken tzählen soll! Inwieweit diese, allerdings Mn auch nicht gerade sehr angenehm und erfreulich klingende Benachrichtigung und Avertierung auf tatsächlicher Wahrheit beruht, oder dabei auch ein gut Teil Dichtung mitklingt, hat die tatsächliche Erfahrung bis dato noch nicht feststellen können und wird es ja wohl, wie noch so manches andere Verborgene und Wissenswerte, die Zeit und die Zukunft lehren. Hier sollte

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