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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 605 gönnt sein möge, in der uneigennützigsten Weise wie bisher tätig zu sein. Genehmigen Euer Wohlgeboren die Versicherung der vollsten Wertschätzung Ihres ergebenen Dr. Josef Pfeifer, Bürgermeister." Von der israelitischen Kultusgemeinde in Also-Kubin. der Geburtsstadt Dr. Ziegler's, erhielt derselbe eine prächtig ausgestattete Adresse mit sinnigem Wortlaut. Franzeusbader Brief. Heuer verbrachte ich einen Teil der Ferien in dem schönen, grünen, mir unvergeßlichen Franzensbad. Es bieten wohl andere Kurorte nebst ihren Heilquellen und Bädern Vergnügungen aller Art, wer aber idyllische Ruhe sucht, wem das Bergsteigen beschwerlich, wer sein Herz erfrischen und „neu beleben" will, dem rate ich den Aufenthalt in dem genannten Kurorte an. Ich huldige der Ansicht, daß diejenigen Patienten, die der Moorbäder bedürfen, in keinem Orte der Welt so befriedigt werden, als eben in Franzensbad, das bekanntlich das reichste und originellste Moor in seinem Boden birgt; als Herzheilbad behauptet der genannte Kurort gegenwärtig die erste Stelle. Er schreitet auch mit seinen anderen weltberühmten Kollegen Karls- und Marienbad rüstig vorwärts und sorgt für die Bequemlichkeit des Publikums in jeder Weise. Die Kinder haben im Franzensbader Parke einen besonderen Platz, auf dem sich alle möglichen von der Stadt errichtete Schaukeln, eine Kegelbahn, ein Ringwursspiel und andere „Zerstreuungsmittel" befinden. Auch der obligate Sandhaufen mit dem dazugehörigen Schaufelgeräte fehlt nicht. Hier tummelt sich die Jugend den ganzen Tag munter und lustig unter der Aufsicht eines besonderen Wärters herum. Hervorzuheben ist die Kulanz des löblichen Bürgermeisteramtes, das allen öffentlich angestellten Beamten verschiedene Benefizien gewährt und den Genannten beispielsweise 50 Prozent der Badetare nachläßt. In Franzensbad wird man auf Schritt und^ Tritt an Goethe erinnert. Das Monument des Dichterfürsten ist eine Spezialität. Es ist wohl noch nie vorher einem Künstler geglückt, den gedanken- und geistreichen Kops des unsterblichen Altmeisters so „wiederzugeben", wie ihn das Franzensbader Monument aufweist; auch das Monument der Kaiserin Elisabeth ist einfach und würdevoll; sinnige Hände zieren es tagtäglich mit frischen Blumen. Die Synagoge in Franzensbad ist klein und nett. Es ist dem Baumeister gelungen, auf einem verhältnismäßig beschränkten Raume das erwähnte Gotteshaus, das israelitische Hospiz samt dem Wohngebäude für die Kultusbeamten einfach und architektonisch schön zu errichten. Der Gottesdienst ist einfach und erhebend. Wenn man Jahrzehnte hindurch immer nur Orgelspiel und Gesang vernimmt, interessiert Unsereinen auch einmal ein Gottesdienst ohne Sang und Klang und wirkt nicht minder, zumal der Kantor durchdrungen ist von dem Inhalte und Geiste der Gebete und diese verständnismäßig vorträgt; auch der gedankenreichen Predigt des dortigen Rabbiners müssen wir Erwähnung tun. An die Synagoge ist das israelitische Hospiz angebaut. In dasselbe werden wahrend der Saison allmonatlich zirka zwölf (manchmal auch mehr) arme Elaubensbrüder und -Schwestern ausgenommen. Sie erhalten hier ein schönes Logis, freie Verköstigung und ärztliche Eratisbehandlung; die letztere leitet in besonders liebenswürdiger und humaner Weise Herr MUDr. Julius Hirsch. Den Hausflur des Hospizes zieren zwei Gedenktafeln. Auf der rechtsseitigen lesen wir: „Kaiser Franz Joseph Israelitisches Hospital. Erbaut zur dauernden Erinnerung an das fünfzigjährige Regierungsjubiläum Seiner kaiserlichen und königlichen Majestät Franz Joseph I. im Jahre 1898 von der israelitischen Kultusgemeinde in Franzensbad. Bernhard Kraus, Vorsteher, Ludwig Steiner, Leopold Schütz, Jakob Kohn, Ignatz Adler, Theodor Spiegl als Vorstandsmitglieder." Auf der linksseitigen steht: „Zum dauernden Andenken an die Herren I. Breuer aus Wien, Med.-Dr. F- Boschan, Franzensbad, welche die Sammlung für arme israelitische Kurbedürftige im Jahre 1845 ins Leben riefen, ferner an die Herren Philipp Adler als damaligen Vorsteher, Abraham Pfefferkorn, Moritz Reichel, Josef Steiner, Leopold Weinfeld, Nathan Spiegl, Nathan Weßl, welche den gründenden Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Franzensbad im Jahre 1872 bildeten, wurde diese Denktafel aus Dankbarkeit gewidmet. Franzensbad, den 1. Mai 1898. Der Kultusvorstand." Von den koscheren Restaurationen erwähne ich die Adlersche und die Spiegl'sche, die beide modern und mit allem Komfort eingerichtet sind. Franzensbad besitzt auch ein kleines nettes Theater, in dem zumeist moderne Stücke ausgeführt werden; während der Saison treten oft auswärtige Gäste auf. Eine „jiddische" Gesellschaft spielt einmal Wöchentlich in einem Hotel; es sind dies die in Karlsbad regelmäßig während der Saison auftretenden Lemberger Jargonschauspieler; über ihre guten Leistungen habe ich bereits früher in einem Karlsbader Briese Ihres werten Blattes berichtet. Mit schwerem Herzen schied ich von Franzensbad, dem herrlichen Kurorte, dem ich ein „Auf Wiedersehen!" zurufe. Franzensbad, anfangs August 1913. . Oberlehrer A. Baum. Heldentat Mischer Scouts in Galizien. Die jüdische Scouts-Bewegung macht in Galizien erfreulicherweise große Fortschritte und umfaßt immer größere Kreise. Ueber eine hervorragende Leistung einer jüdischen Scoutsgruppe wird uns aus Gleaniany folgendes berichtet: Vorige Woche, Dienstag vormittags 10 Uhr, brach in der Vorstadt Eastawie, die fast durchwegs von Bauern bewohnt ist, ein Feuer aus, das infolge eines heftigen Sturmwindes und weil sämtliche Bauern auf dem Felde weilten, in der kürzesten Zeit große Dimensionen angenommen hatte und auch das Zentrum 'der Stadt bedrohte. Glücklicherweise hielten in derselben Zeit zwei Truppenableilungen des Lemberger jüdischen Scouts, die sich auf einem Uebungsmarsch befanden, ihren Einmarsch in die Stadt Gleaniany. Die jungen Scouts, bestehend aus 23 Mann, waren kaum des Brandes ansichtig, als sie sich unter dem Kommando ihres Führers Oberweger mit wahrer Selbstaufopferung an die Lösch- und Rettungsarbeit machten und alles aufboten, um den Brand zu lokalisieren und eine Weiterverbreitung zu verhüten. Trotzdem einige dieser jungen Helden bereits Brandwunden erlitten, ließen sie von der Arbeit nicht locker, retteten eine Anzahl Menschen, darunter auch ein 80jähriges krankes Bauernweib, das unbedingt verbrannt wäre, wenn die jüdischen Scouts sie nicht gerettet hätten. Acht dieser jungen Retter mußten wegen erlittener Brandwunden in ärztliche Behandlung genommen werden. Die gesamte Bevölkerung von Gleaniany zollte diesen jüdischen Helden uneingeschränktes Lob, die Bauern sprachen dem Truppenkommandanten Oberweger unter Tränen ihren Dank aus und die Stadtverwaltung Gleaniany beschloß, sowohl den Führer als auch den einzelnen Mitgliedern der Truppe protokollarisch Dank und Anerkennung auszusprechen. Der österreichisch-ungarische Konsul an die Inden von Serres. Wie uns aus Saloniki von verläßlicher Seite berichtet wird, hat der österreichisch-ungarische Generalkonsul von Kral sich den unter den Kriegsgreueln besonders leidenden Juden von Serres gegenüber in einer so hilfsbereiten und lobenswerten Weise gezeigt, daß die jüdische Gemeinde von Serres sich verpflichtet fühlt, außer dem Danke, den sie dem Generalkonsul direkt übermittelt hat. auch öffentlichen Dank abzustatten. Generalkonsul von Kral hat den nach Saloniki gekommenen Flüchtlingen verschiedene persönliche Wohltaten erwiesen und hat außerdem die von dem jüdischen Hilfskomitee in Saloniki eingeleitete Aktion zur Unterstützung der betroffenen Juden von Serres, sowie zur Wiedererrichtung jüdischer Erislenzen und jüdischer Anstalten in Serres gefordert und durch eine persönliche Spende von 300 Frcs. ausgezeichnet. Weltkongretz der Poale Zion in Krakau. Wie uns aus Krakau berichtet wird, beginnt dort am 25. August die auf sechs Tage anberaumte vierte Wellkonferenz des jüdischen Arbeiterverbandes Poale Zion. Von den wichtigeren Referaten seien hervorgehoben ein Referat des bekannten Führers der Poale Zion, Professor am Jaffaer Gymnasium, Kaplan Kaplanski, über die „Jüdische Kolonisationstätigkeit" und das Referat des Herrn Awner, eines ausgezeichneten Kenners der Verhältnisse in der Türkei, über die „politische Lage der Türkei". Unter den Berichterstattern

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