Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Set!« 604 Dr. Blochs Wochenschrift No. 34 Reichsratsabgeordnete Msgr. Dr. Gietzlvein beigewohnt hatte, einen Vortrag über internationalen Arbeiterschutz gehalten. Dann bereiste er die Industriebezirke, in denen unsere Landsleute aus Oesterreich-Ungarn tätig sind, und hielt Vorträge zu ihren Gunsten. Er sprach auch über die österreichisch-ungarische Politik, die vielfach entstellt beurteilt wurde, ganz besonders im Zusammenhang mit den Vorgängen auf dem Balkan. Herr Pork Steiner suchte Theodor Rooseoelt für seine Ansichten zu gewinnen, der als Führer der jungen und sehr starken Progressistenpartei und als Redakteur des „Outlook", eine der bedeutendsten Wochenschriften, noch immer großen Einfluß ausübt. Er wurde vom Staatssekretär Bryan empfangen. Bryan, ein bekannter Friedensapostel, erzählte ihm mit großer Genugtuung, daß sein internationaler Schiedsgerichtsvertrag bereits von 16 Nationen unterschrieben sei, darunter in erster Linie von Oesterreich-Ungarn und Deutschland. Der Staats- Staatssekretär betonte mit besonderer Freude die Friedensliebe unseres Monarchen, der es verstanden habe, in so schweren Zeiten das Leben seiner Landeskinder zu schonen. Präsident Wilson gab Herrn Pork Steiner Gelegenheit, seine Wünsche und Beschwerden ihm selbst in Gegenwart der gesamten, bei ihm akkreditierten Pressevertreter vorzubringen. Er dankte für die Botschaft, Wie er sich mit bewegten Worten ausdrückte, und versprach seine Hilfe, soweit ein schwacher Mensch mit gutem Willen hiezu imstande sein werde. 25jahriges Amtsjubilaum des Karlsbader Rabbiners. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes stand am verflossenen Samstag, den 16. August, eine dicht gedrängte Menge vor der Karlsbader Synagoge, um einen Platz in derselben zu erlangen, und als die Tore des Gotteshauses geöffnet wurden, hatte es sich in wenigen Minuten derart mit Andächtigen gefüllt, daß es für Späterkommende unmöglich war, Einlaß zu finden. Um 10 Uhr trat unter den feierlichen Klängen eines Chorals Herr Rabbiner Dr. Ziegler, begleitet, von den Vorstandsmitgliedern Herrn Adolf Rosenfeld und Josef Hainsfurth, mit dem Ritterkreuz des Franz Josephsordens geschmückt, in den Tempel. Hier hielt Vorsteher Ludwig Moser an den Jubilar eine feierliche Ansprache, auf welche Dr. Ziegler in warmen Worten dankte. Mit allgemeiner Spannung wurde der Predigt entgegengesehen, in welcher Dr. Ignaz Ziegler einen Rückblick auf seine 25jährige Tätigkeit warf: Es soll der Mensch nur dann Gott danken, begann Dr. Ziegler, wenn er nicht nur in der Dauer einen gewissen Zeitpunkt erlebt hat, sondern erst dann, wenn dieser Zeitraum ihn nicht seelisch, innerlich zermürbt hat, wenn er innerlich seelisch der Gleiche geblieben ist. Dieses Thema führte der Rabbiner an der Hand des Propheten aus. Hierauf gedachte er seiner Gemeinde, daß sie ihm als Jüngling ihr Vertrauen geschenkt hat, daß man ihm die Freiheit in solchem Maße gegeben hat, wie sie vielleicht kein zweiter Rabbiner der Welt besitzt. Und wenn er auch durch einen seelischen Zwang äußerlich mehr erreichen hätte können, als er erreicht habe, so sei ihm doch die Freiheit seines Seelenlebens das Höchste und um nichts feil, was auch immer die äußere Welt ihm mehr geben könnte. Mit warmen Worten gedachte er hierauf seiner Eltern, welche den Keim zum Religiösen in sein Herz gepflanzt haben, er gedachte seiner Gattin, die ihm das Heim gegeben hat, das unerläßlich ist für einen Mann, der draußen im Leben tätig arbeitet, und er legte schließlich das Gelöbnis ab, auch weiter so im Dienste des Judentums und der Gemeinde zu arbeiten, wie bisher, worauf er die Gemeinde aufforderte, ihm in allen diesen Bestrebungen zur Seite zu stehen.. Mit dem Dankgebet schloß Dr. Ziegler seine Rede. Nach dem Schlüsse. des Gottesdienstes fand in der Wohnung des Rabbiners die Entgegennahme der Glückwünsche der Karlsbader Vereinigungen und Gemeindemitglieder statt. Die Empfangszimmer des Rabbiners glichen einem förmlichen Rosenhain, und die Zahl der Erschienenen war so groß, daß es kaum möglich war, einen Platz zu finden. Es erschien der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Vorsteher Ludwig Moser, eine Abordnung des Humanitätsvereines „Bnai Brith", geführt vom Advokaten Dr. Arnstein, der Verein „Eintracht", mit Advokaten Dr. Samel an der Spitze, der Verein „Ferienheim" mit seinem Obmanne Oskar Eutherz, der Frauenverein, geführt von Frau Julie Moser, eine Abordnung der „Bnai Brith" aus Lemberg, geleitet durch Dr. Emil Parnas, der Einzelverein „Zion", vertreten durch Herrn Richard Steiner, der Jüdisch-Akademische Klub, vertreten durch Herrn Emil Böhm, die Beamten der Kultusgemeinde und der Vorstand des Chorgesangsvereines unter Führung des Sekretärs Herrn Raphael Sonneberg, die Aerzte des Hospizes, die Insassen des Hospizes, eine Deputation der ungarischen Kurgäste unter Führung des Rabbiners Dr. Kelemen aus Fogaras. Direktor Grund vom k. k. Staats-Obergymnasium. Professor Dr. Lampakis von der Athener Universität hielt eine höchst bemerkenswerte Anrede in deutscher Sprache, in welcher er anführte: „Wir wollen uns verbinden, wenn wir auch zwei Bücher haben, in der Idee der Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit." Großen Eindruck machte auch die Anwesenheit eines fremden evangelischen Pastors, welcher in der Wohnung des Rabbiners erschien, um dem Jubilar seine Glückwünsche darzubringen. Ein ganzer Stoß von Glückwunschtelegrammen und Zuschriften aus allen möglichen Städten des In- und Auslandes war eingelangt und die Anführung der Namen der Gratulanten zu diesem Ehrentage würde ganze Spalten ausfüllen. Aus dieser großen Zahl von Zuschriften und Telegrammen sei nur erwähnt die Zuschrift des Professors Rudolf E u ck e n aus Jena, welcher schrieb: „Lieber Herr Doktor! Zu Ihrem Ehrentage sende ich Ihnen herzlichste Glückwünsche, sowie den Ausdruck aufrichtiger Hochschätzung'. Sie dürfen an solchem Tage mit Freude und Dankbarkeit aus die reiche Arbeit zurückblicken, die Sie in dem Vierteljahrhundert geleistet haben, und Sie dürfen sich zugleich der schönen Erfolge freuen, welche diese Arbeit gehabt hat. Sie haben, indem Sie mit voller Treue die Stellung wahrten, welche eine höhere Macht Ihnen zugewiesen hatte, zugleich für das Ganze der Menschheit gekämpft und überall nicht zur Entzweiung, sondern zur Verbindung der Geister gewirkt. So werden an Ihrem Ehrentage die'Gedanken vieler mit verehrungsvoller und dankbarer Gesinnung bei Ihnen sein. Seien Sie, lieber Herr Doktor, überzeugt, daß auch ich an diesem Tage unsere geistige Verbindung als ein wertvolles Gut empfinde und schätze. Mögen lange Jahre weiteren segensreichen Wirkens vor Ihnen liegen und möge Ihre Gedankenarbeit immer weitere Kreise gewinnen. Treulich Ihr Rudolf Eucke n." Der Bürgermeister von Karlsbad sandte folgende Zuschrift: „S t a d 1 r a t Karlsbad, am 15 August 1913. Euer Wohlgeboren! Sehr geehrter Herr - Rabbiner! 25 Jahre sind es nun, daß Euer Wohlgeboren als Seelsorger eine ebenso mühevolle wie erfolgreiche Tätigkeit entwickeln. Ihre Liebenswürdigkeit und Ihr Entgegenkommen, Ihr reiches Wissen und vor allem Ihre Betätigung auf humanitärem Gebiete, die sich im Kaiser Franz Ioseph-Regierungs- Iubiläums-Hospiz für arme Israeliten ein dauerndes Denkmal gesetzt hat, bewirken es, daß die Feier des 25jährigen Amtsjubiläums sich nicht nur auf den Kreis derer beschränkt, als öeren Hirte tätig zu fein Sie berufen sind, sondern daß auch die weite Öffentlichkeit daran teilnimmt. Es gereicht mir im eigenen und im Namen des Stadtrates zum besonderen Vergnügen, Euer Wohlgeboren die herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche in der Hoffnung darbringen zu können, daß es Ihnen noch durch viele, viele Jahre ge-