Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022070--22392-3047536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 34 De. Mochs einer Reise befindlichen Herrn Bürgermeisters Otto Eybner erschien Herr Vizebürgermeister Eugen Baron Aichelburg mit vielen Herren der Gemeindevertretung. Die Sparkasse St. Pölten entsandte Herrn Vorstand Dr. Karl Heitzler, Direktor August Hassak und Kanzleidirektor Hans Bogt. In Vertretung der Schulen erschienen die Herren Bezirksschulinspektor Rameis, Direktor Weber und -Professor Einzingec, der evangelische Pfarrer Herr Dr. Jaquemar mit mehreren Herren des Presbyteriums, Herr Sandtagsabgeordneter Franz Pittner. Von den anwesenden Damen seien bemerkt Frau Statthaltereicat v. Waniek, Frau Bürgermeister . Eybner, Frau Oberstleutnant Fiedlschuster, sowie viele Damen der Herren Beamten und Offiziere. Ferner Abordnungen der Kultusgemeinden Wien, Linz, Steyr, Wiener-Neustadt, Baden, Krems, Mödlings Oberhollabrunn und Mistelbach. Außerdem sind zahlreiche Glückwunschschreiben und Telegramme eingelaufen. Nach dem feierlichen Einzuge der Thorarollen erfolgte >die Uebergabe des Schlüssels zur Bundeslade an den Vorsteher Albert Leicht durch den Architekten Herrn Theodor Schreier, welcher in einer Ansprache hervorhob, daß es im Vereine mit den ausführenden Baumeistern (Wiedemann, Prickler und Jäger) vollkommen gelang, ein der Würde eines Gotteshauses entsprechendes Bauwerk zu schaffen. Auch gedachte derselbe der Verdienste, welche sich der Vorsteher Herr Albert Leicht um das gute Gelingen erworben hatte. (Lebh. langanhaltender Beifall.) Nunmehr erfolgte das Anzünden des ewigen Lichtes durch Herrn Rabbiner Dr. David Feuchtwang aus Wien, welcher diese heilige Handlung mit einer Ansprache einleitete, die allgemein Beifall fand. Daran schloß sich eine er- . greifende Weihepredigt des St. Pöltner Rabbiners Herrn Dr. Adolf Schächter. Kultusvorsteher Albert Leicht sprach sodann den Dank allen denen, welche sich sowohl finanziell, wie auch mit Rat und Tat an der Durchführung dieses durchaus gelungenen Werkes beteiligten, wobei er besonders der löblichen k. k. politischen Behörde, der löblichen Stadtgemeinde, des Stadtbauamtes, der löblichen Sparkasse, des gesamten Vorstandes und der Mitarbeiter, sowie der Herren Architekten Theodor Schreier und Viktor Postelberg, der technischen Leiter der Bauausführung, welch letzterer sich in besonders gewissenhafter und uneigennütziger Weise um das gute Gelingen verdient gemacht hatte, gedachte. Einen ganz besonders tiefen Eindruck machte die nun folgende Ansprache des Herrn Statthaltereirates Heinrich Waniek Ritter v. Domyslov, welcher im Laufe derselben das Thema „Die Gotteshäuser als Pflegestätten der Sitte und Moral" besprach und im speziellen auf die hiesigen Verhältnisse anwandte. Sodann beglückwünschte Herr Statthaltereirat den Vorsteher zu dem guten Gelingen des Werkes. Eine ebenso schöne, wie inhaltsvolle Ansprache hielt in Vertretung des sich auf Reisen befindlichen Bürgermeisters Otfo Eybner dessen Stellvertreter, Herr Vizebürgermeister Eugen Baron Aichelburg, welcher unter anderem die Glückwünsche der Stadtgemeinde St. Pölten zum Ausdruck brachte. In besonders liebenswürdiger Weise sprach Herr Dr. Alfred Stern, Präsident unserer großen Nachbargemeinde Wien, und übermittelte dem Vorstande die herzlichsten Glückwünsche derselben. In Begleitung des Herrn Präsidenten befand sich der erste Sekretär der Kultusgemeinde Wien, Herr kais. Rat Dr. Theodor Lieben. 1; f i :['• \ > »fi Die Feier fand einen würdigen Abschluß durch ein Gebet für Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph I. anläßlich seines Gebürtsfestes und Absingen zweier Strophen der Volkshymne und des Königspsalmes. Auch die Herren Redner gedachten in ihren Ansprachen des Allerhöchsten Geburtstages, welcher mit der Einweihung in Verbindung gebracht wurde. Eine ganz besondere Weihe verliehen der Festlichkeit die kantoralen Leistungen. Einer speziellen Erwähnung bedarf der erhebende Gesang des Oberkantors der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Don Fuchs, und des Kantors der St. Pöltner Kultusgemeinde, Ph. W. Rabinovicz, welche im Vereine mit dem Chore der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien unter der Leitung ihres Chordirigenten Isidor Löwit eine hervorragende Wirkung erzielten. Die so ansprechend wirkenden Kompositionen stammen teils von Professor Salomon Sulzer, teils von Chordirigenten Isidor Löwit. An das Kaiserliche Hoflager in Ischl wurde nachstehende Depesche abgesandt, aus welche noch am selben Abend in unten angeführtem Wortlaute geantwortet wurde. Eure kaiserliche und königliche apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser und Herr! Wir Israeliten des Kultussprengels St. Pölten feiern am heutigen Tage die Einweihung unserer neuen Synagoge. Wir verbinden dieselbe mit patriotischer Begeisterung mit der Geburtstagsfeier Eurer Majestät, unseres geliebten Kaisers und Herrn. In dieser beglückenden Stunde bitten wir. Eurer Majestät alleruntertänigst die Versicherung unserer unwandelbaren Treue und Ergebenheit und unbegrenzten Dankbarkeit zu Füßen legen zu dürfen, indem wir gleichzeitig in heißem Flehen zum Throne des Allerhöchsten uns wenden mit der innigsten Bitte: Gott erhalte, Gott beschütze Eure Majestät noch viele, viele Wochenschrift. ~ Bette m Jahre zum Heile und Segen der vielen Millionen Schutzbefohlenen, die in unverbrüchlicher Treue zu ihrem Kaiser und Herrn ausbliäen. Albert Leicht, Kultusvorsteher. Kultusvorsteher Albert Leicht, St. Pölten. Seine k. u. k. apostolische Majestät danken huldvollst den Israeliten des Kuitussprengels St. Pölten für die anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge dargebrachten Glückwünsche zum Allerhöchsten Geburtsfeste. Kabinetts-Kanzlei. Feierliche Eröffnung des israelitischen Versorgungshauses in Nikoksbrrrg. Anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers Franz Joseph I. fand am 17. d. M. abends in der Altschulsynagoge ein feierlicher Gottesdienst und daranschliehenh die feierliche Einweihung und Eröffnung des israelitischen Versorgungshauses in Nikolsburg statt. Jur Festsitzung waren erschienen : Vertreter der k. k. Bezirkshauptmannschaft, des k. k. Bezirksgerichtes, der Stadtgemeinde I, der Stadtgemeinde II, der israelitischen Kultusgemeinde, der Chewra Kadischa, des Vereines gedienter israelitischer Soldaten, der Leitung der Volksschule, des Vereines Hilaritas, der Ferialverbindung jüdischer Hochschüler „Hebronia", des israelitischen Turnvereines und beinahe ohne Ausnahme die ganze israelitische Bevölkerung von Nikolsburg. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Festversammlung, Herrn Bürgermeister Franz Deutsch, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Lewin die Festrede. In wohldurchdachten, zu Herzen gehenden Worten besprach der Festredner den Zweck und die Ziele dieser Humanitätsanstalt, gedachte aller derjenigen, denen es zu verdanken ist, daß in so kurzer Frist das edle Werk der Gründung dieser humanitären Anstalt zustande gekommen, und schloß mit der Bitte an die sichtlich bewegte vielhunderlköpfige Versammlung, stets der Erhaltung und Förderung dieser segensreichen Anstalt bedacht zu sein. Der Vertreter der k. k. Bezirkshauptmannschast, k. k. Statthalterei-Konzipist Herr Svldan, dankte namens der Regierung der Vereinsleitung und allen denjenigen, welche sich um das Zustandekommen des Versorgungshauses verdient gemacht haben und forderte zum Schlüsse die Anwesenden aus, auf Se. Maejstät ein dreifaches Hoch auszubringen, in das alle begeistert einstimmten. Nachdem Kultusvorsteher Herr Gustav Pisk namens der Kultusgemeinde der Vereinsleitung den Dank ausgesprochen, verlas der Vorsitzende die zahlreich eingelaufenen Glückwünsche, Telegramme und Begrüßungsschreiben, welche alle, insbesondere dasjenige des durch Kurgebrauch am Erscheinen verhinderten Präses des Vereines, Herrn Jakob Spitzer, von der Versammlung beifällig ausgenommen wurden. Heber Antrag des Vorsitzenden wurde beschlossen, ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät abzusenden. Nach der Festversammlung fand die Besichtigung der Räumlichkeiten statt und wurde allgemein der zweckmäßigen Verwendung und Einrichtung der Räumlichkeiten Beifall gezollt. Die Anstalt, welche in dem von weiland dem ehemaligen Bürgermeister und Kultusvorsteher Herrn Sigmund Blau der Kultusgemeinde gestifteten Haus untergebracht ist, verfügt über 10 eingerichtete Zimmer mit einem Marimalbeleg^ raum von 26 Pfleglingen, einem Zahlstock für Bemittelte, Wohnung für das Diens^iersonal und einem großen, wohlgepflegten Garten. Um das Zustandekommen der Anstatt haben sich besonders verdient gemacht die Herren: Präses Jakob Spitzer, Bürgermeister Franz Deutsch, Kultusvorsteher Gustav Pisk, über dessen Antrag im Jahre 1908 die Kuratoren der Kaiser Franz Joseph-Jubiläum-Stiftung» beschlossen hatten, den Stiftungsgenuß von dem Betrage von Kr. 52.000.— für Zwecke eines Versorgungshauses zu widmen. Weiters die Herren: Handelskammerrat Samuel Krakauer und Obmann der Chewra Kadischa Gustav Abekes. In treuer Anhänglichkeit an die ehemalige Heimatsgemeinde gingen von nah und fern dem Vereine größere Spenden zu. An alljährigen Subventionen wurden dem Vereine bewilligt: von der Stadtgemeinde Nikolsburg II Kr. 500.—, Kultusgemeinde Pikolsburg Kr. 200.—, Spar- und Kreditbank Nikolsburg Kr. 200.—, Chewra Kadischa Kr. 200.— und von den beiden Frauenwohltätigkeitsoereinen in Nikolsburg je Kr. 200.—. Der Verein zählt gegenwärtig 206 Mitglieder mit jährlichen Eesamtbeiträgen von Kr. 2000.—. Die Vereinseinkünste betragen vorläufig ca. Kr. 5600.—, jedoch ist zu erwarten, daß in Anbetracht der Opferwilligkeit unserer ehemaligen Eemeindemitglieder und in Anbetracht des Humanitären Zweckes dieser Anstalt, dann der unbedingten Notwendigkeit der Erhaltung dieses wohltätigen Institutes dem Vereine noch weitere Spenden zufließen werden. Das walte Gott! Schriftsteller Heinrich York Steiner in Amerika. Der Schriftsteller Heinrich Work Steiner von der Austro- Americana, der sich nach den Vereinigten Staaten begeben hatte, um dort für die eingewanderten Landsleute tätig zu sein, hat in einer reich beschickten Weltfriedenskonferenz, der auch der ungarische