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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 587 die Lappalien, deren wir uns beklagen. Nicht einmal die kleinliche Schikane des roten Passes wurde abgeschafft. Trotz Revolution und trotz Beziehungen ist er nicht abgeschafft. Ernster ist folgendes: um uns wirklich niederlassen zu können, brauchen wir das Recht, frei Land kaufen zu können. Dieses Recht haben wir nicht. Ein fremder Jude — und alle Einwanderer sind eben Fremde — kann nicht auf seinen Namen kaufen, er muh sich in jedem Falle eines Strohmannes bedienen. Diese vorgeschobenen Personen haben sich immer — zu ihrer Ehre sei's gesagt — als ehrliche Menschen erwiesen, jedoch das System ist gefährlich und ein Hemmnis. Was die Beziehungen zu den anderen Mächten betrifft. so wurden einige Versuche unternommen, die aber kein Resultat hatten. Jedoch machte ich auch daraus keinen Vorwurf. Was ich der Leitung vorwerfe, ist, früher in den Reihen der Gegner des politischen Zionismus gekämpft zu haben, und sich jetzt selbst politisch zu nennen. Was war also das Motiv ihrer Angriffe? Etwa Ote-to qüe je m’y wette? Ich kann das nicht im Ernst annehmen. Guk, sie sind keine Politiker, sie sind praktische Männer, die die Macht erlangt haben. Sie sind praktische Männer, die wir am Werke sehen. Ich kenne die Schwierigkeit der Lage, ich kenne die Schwierigkeit der Verwaltung, fast hätte ich gesagt, der Regierung. Aber schließlich ein praktischer Mann mit wenig Mitteln sollte nur wenig unternehnien. Er sollte nicht sagen: „Ich unternehme die gröhten Dinge. Es ist ja wahr, mir fehlen die ersten Vorbedingungen, um grohe Dinge auszuführen, aber das tut nichts. Wir werden schon weiter kommen." Es fällt mir nicht ein, die Verwaltung dafür zu tadeln, dah sie die Geschäfte schlecht verwaltet hat. Das wäre eine Verleumdung. Sie hat überhaupt keine Geschäfte zu machen. Sie hat das Recht zu Geldverlust. Es gibt manche Dinge, die, wie mein Freund Marmorek bereits gesagt hat, ein Privatmann machen kann, die aber eine Körperschaft nie machen darf. Ein Einzelner, der eine Million hat, kann sagen: „Das interessiert mich, ich gehe hin, ich zahle was notwendig ist, bis ich schliehlich weist, wie mit dem Lande zu verfahren ist." Sie war berechtigt, die Mittel des Zionismus zu Experimenten zu benutzen. Wenn dann unsere Musterfarm Geld verloren hätte, hätte ich mich über den Geldverlust getröstet. Wenn wir das Recht haben, uns zu irren, frage ich, ob wir das Recht haben, unseren Irrtum zu verstecken. Wenn sie ganz offen gesagt hätten: Ja, wir haben 300.000 Frs. aufgewandt, diese 300.000 Frs. haben keinen Gewinn ergeben, aber sie haben den Erfolg gezeitigt, sie Haben uns gezeigt, was wir zu vermeiden haben, sie haben uns Fingerzeige gegeben für das, was wir in Zukunft zu tun haben, — ein Mann, der so redet, ist der Verehrung und Bewunderung sicher, sowohl von seiten derer, deren Geschäfte er verwaltet, als von seiten des Volkes im allgemeinen. Aber eine geriebene Verwaltung, die dies verschweigt, die, wenn sie Rechenschaft zu geben hat, diese in zweideutiger und unvollständiger Weise gibt, und die Kredit verlangt für Dinge, die nicht feststehen, eine solche Verwaltung begeht einen Kapitalirrtum. Gerade denjenigen, die sie unterstützen, die ihr wohl wollen, kommt die Pflicht zu, ihr zuzurufen: „Ousse-eon!*; Um Nordaus Anklagen zu resümieren: Was haben die „Praktischen" dazu getan, damit die Juden in Palästina sich ungehindert ansiedeln können, dast sie sich nicht wie bisher hineinschmuggeln müssen? Was haben sie getan, damit die Juden in Palästina Boden kaufen können, ohne sich dabei eines fremden Namens bedienen zu müssen. Was haben sie getan. um die Aufhebung des skandalösen roten Zettels für die Juden durchzusetzen? „Weshalb," so fragt er, „verweigert die zionistische Leitung eine regelrechte Rechnungslegung über die verausgabten Gelder? Leute, die sich auf solche Dinge verstehen, behaupten, dah entweder die Rechnungslegung nicht richtig ist oder die Leitung versteht sich überhaupt nicht auf eine richtige Rechnungslegung. Was den Herzl-Wald betrifft, so wurde uns zu Beginn dieser Aktion versichert, dah ein Oelbaum in diesem Walde 7.50 Francs kostet. Nun höre ich. dast ein solcher Oelbaum nicht 7.50 Francs sondern 37.50 Francs kostet. Auf meine diesbezügliche Frage wird mir einfach erklärt, dast sei eine Uebertreibung. Nun gut, da möge man aber offen heraussagen, wie viel solch' ein Oelbaum wirklich kostet. Ja noch mehr. Es wird sogar behauptet, dast man dort überhaupt keine Oelbaume pflanzen könne. Warum erfährt man da nicht die Wahrheit? Warum wird nicht gesagt, was denn dort gepflanzt werden soll?" Ueber den Plan einer Universität in Jerusalem sagt Nordau, dast es vergebliche Mühe sei. Nicht ohne Ironie fügt Redner hinzu: „An dem Tage, wenn der Herzl-Wald 2 Millionen Francs Einnahmen aufweisen wird, werde ich der Erste sein, der dafür stimmen wird, dast dieses Geld für eine jüdische Universität in Jerusalem verwendet werde. Vorläufig sei aber die Zeit hiefür nicht gekommen." — — * * * Die beiden Reden werden zweifellos in den Verhandlungen des Kongresses einen weiten Raum einnehmen. Die gegenwärtigen Inhaber der Macht beanspruchen mahgebenden Einfluh auf die Leitung der zionistischen Finanzinstitute, auf den sie auf dem letzten Zionistenkongreh verzichtet hatten und werden darauf abzielende Anträge auf dem Zionistenkongrest in Wien stellen. Auch der Nationalfond soll der Parteileitung unterworfen werden, um so bedenklicher und unangenehm werden Nordaus Ausführungen bei den Häuptern des Kongresses empfunden werden. Dah Marmorek und Nordau dem Kongrest fernbleiben, das gibt ihm die eigentliche Signatur. Dast ihm mit Nordau ein gut Teil seines dekorativen Glanzes, seiner Zugkraft genommen wird, darüber ist man sich allenthalben klar. Eine vom A. C. nach Paris entsandte Deputation, deren Wortführer kein Geringerer als Tschlenow war, kehrte unverrichteter Sache zurück. Seit Wochen dreht sich die Diskussion um die Person des Mannes, dessen Reden vom ersten Kongresse an die Glanznummer der Veranstaltung bildeten. Ueber die Streitpunkte ein Urteil zu fällen, ist einem Austenstehenden austerordentlich schwer. Auch welche innere Vorgänge die scharfen Gegensätze in den obersten Parteischichten erzeugt haben, entzieht sich vollständig der Kenntnis auhenstehender Kreise. In der Parieipresse wird den Pariser Rednern der Vorhalt gemacht, dast sie nicht vorgezogen haben, ihre kritischen Bemerkungen vor dem versammelten Kongreh vorzutragen. Es wäre ihre Pflicht gewesen, bei dem Kongreh zu erscheinen und dort ihre Einwendungen zur Geltung zu bringen. Indessen scheint es, dah die beiden Herren von Auseinandersetzungen auf einem Kongreh, der innerhalb des Wiener Milieus tagt, nichts erspriehliches erwarteten. Mag die traurige Erinnerung an die moralischen Mihhandlungen, welchen Männer, wie Architekt Oskar Marmorek und Doktor Leopold Kahn in Wien von den lieben „Gesinnungsgenossen" erduldet haben, für die beiden Pariser Redner keine rechte Ermunterung zum Besuch eines Wiener Parteikongresses bilden: oder hat möglicherweise

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