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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 586 De. Blochs Wochenschrift Nr. 33 Dounerstag de« 4. September: 3 Uhr nachmittags: Versammlung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina im Beethovensaal. Freitag de« 5. September: 11 Uhr vormittags: Matinee des Czer nowitz er Gesangvereins im Beethovensaal. Samstag den 6. September: Besuch des „Jüdischen Museums": 8 Uhr abends: Akademischer Festakt in der Katharinenhalle; 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal. Sonntag den 7. September: 10 Uhr vormittags: Gang zum Grabe Herzls: 3 Uhr nachmittags: Turnfest auf dem Vienna-Sportplatz, Hohe Warte: 8V2 Uhr abends: Konzert im Musikvereinsgebäude (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin, der Czernowitzer Gesangv e r e i n); 8V2 Uhr abends: Lichtbildervortrag des Herrn Pilichowsky über „Jüdische Kunst" im Beethovensaal : 81/* Uhr abends: Meeting im Sofiensaal. Montag de« 8. September: 11 Uhr vormittags: Musikalische Matinee im Beethovensaal (Mitwirkende: Frl. Margary Bentwich, Herr Leo Gollanin): 3 Uhr nachmittags: Sportfest auf dem Vienna- Sportplatz, Hohe Warte: 8 Uhr abends: Lichtbildervortrag für Vertrauensleute des I. N.-F. im Beethovensaal (Vortragender : Dr. Heinrich L 0 e w e). 8 Uhr abends: Kommers der Jüdischen Turnerschaft im Sofiensaal. Dienstag den 9. September: 1 Uhr vormittags: Vortrag im Veethovensaal: 8 Uhr abends: Meeting im Sofiensaal: 8 Uhr abends: Meeting im Beethovensaal. An sämtlichen Kongretztagen sind ferner die Ausstellungen des Jüdischen National-Fonds und des Bezalel, die Spitzenausstellung des Verbandes Jüdischer Frauen und der Jüdische Verlag geöffnet. Marmorek und Nordau gegen die Parteileitung. Als Präludium für die Kongrehverhandlungen müssen die Reden angesehen werden, welche am Todestage Theodor Herzels in einer feierlichen Versammlung der Pariser Zionisten die Führer Dr. Alexander Marmorek und Dr. Max Nordau gehalten haben. Am 24. Juli, dem Iahrzeitstage Theodor H e r z l s, fand nämlich in Paris eine zionistische Monsterversammlung statt, an welcher auch zahlreiche Nichtzionisten teilgenommen hatten. Nachdem Dr. Jakobson, Präsident der NodaÜeretli Aon, und Dr. Günsburg. Präsident der Eskas Aon, die Bedeutung Herzls gewürdigt hatten, sprach Dr. A. Marmorek. Dr. Marmoreks Rede war das Geplänkel vor dem Gefecht. Er äuherte seine Entrüstung darüber, dah man die Kongrehtage zu rauschenden Festen verwendet — in einer Zeit schwerster Leiden des jüdischen Volkes^ In der. Tat hat es selten eine Zeit gegeben, so leidensreich für das jüdische Volk, wie die gegenwärtige. Die namenlose Not tausender und abertausende! Juden in den Balkanländern, die täglich sich steigernde Drangsalierung des jüdischen Volkes in Nuhland, der Veilisprozeh in Kiew, sind geeignet, jeden einzelnen Juden ^ernst und nachdenklich zu stimmen. Dah man in solch ernsten Zeiten in Wien Feste veranstaltet, dagegen legte Dr. Marmorek Protest ein. Er sagte sodann: - ' i : i : ■! 1 i i; \ „Die Praxis hat uns da zu unserem Schaden gezeigt, dah politische Erfolge nicht ohne die nötigen Eigenschaften der Führer erzielt werden können. Man braucht Männer, die zu dieser Arbeit fähig sind, und die Leitung hat gefunden, dah Nordau hierzu nicht der Mann ist. In Brüssel hat ein Beamter des A. E. von oben herab über Nordau geurteilt. Eine Leitung, die ihre Mittel ausgibt, anstatt anzusammeln, ist allen gegenteiligen Erklärungen zum Trotz nicht politisch." Redner bezichtigt die Leitung der Zaghaftigkeit, Kleinlichkeit und Engherzigkeit und spricht ihr jede Initiative und politische Fähigkeit ab. Er bezeichnet die Politik der heutigen Leitung als eine „Politik der Jntrigue" und gibt bekannt, dah sowohl er wie Nordau aus diesen Gründen beschlossen haben, dem Kongresse fern zu bleiben. Nordau verbreitete sich zunächst über den Gegensatz zwischen den Ideen Herzls und der Ideenlosigkeit der gegenwärtigen Parteileitung. Die Arbeiten des heutigen Zionismus haben mit dem Herzlschen Gedanken der öffentlich-rechtlichen Heimstätte nichts gemein und unterscheiden sich von denen der Alliance, der Jca usw. in nichts. Wokfsohn sei ein treuer Hüter dieses grohzügigen Programms gewesen, hat es jedoch vorgezogen, den Angriffen einer gegnerischen Minorität zu weichen. „Diese Leitung, die ans Ruder gekommen ist, um den politischen Zionismus zu bekämpfen, als offizielle Negation des politischen Zionismus, entpuppt sich jetzt als politisch. Aber in wessen Namen hat sie denn Wolffsohn bis aufs Messer bekämpft, wenn sie jetzt uns zuruft: „Aber wir sind eben so politisch wie Ihr, der beste Beweis dafür ist, dah wir Politik treiben." Es ist allerdings wahr, dah diese ihre Politik nicht von Erfolg begleitet war. Doch daraus mache ich ihr wirklich keinen Vorwurf, und ich säge dies ohne die geringste Spur von Ironie, sondern im vollen Ernste. Ich, der ich ein Unfähiger bin, ich, der ich kein Talent für Politik habe, ich habe doch genug politische Erfahrung, um zu wissen, dah nichts zu machen war. Ich bin der Letzte, der den Waffenlosen tadelt, dah er keine Heldentat vollführt. Mein Ahn, der König David, war imstande, mit einem kleinen Stein den Philister niederzuwerfen. Der semitische Held, auf den wir stolz sind, konnte mit einem Eselskinnbacken ein ganzes Volk besiegen. Es könnte scheinen, dah unsere Verwaltung nicht einmal Esel oder Kinnbacken zur Verfügung hat, da sie nicht in der Lage ist, einen einzigen Philister niederzustrecken. Sie hat jedenfalls gute Absichten. Sie dachte daran — oder vielmehr Herr Wolffsohn dachte daran vor ihr — Berührungspunkte mit der aus der Revolution von 1908 hervorgegangenen Türkei herzustellen. Vielleicht ermangelte am Anfang unser „Botschafter" noch der Erfahrung. Es liegt mir fern, ihn deshalb zu tadeln. Die wahren Diplomaten, von denen ich keine hohe Meinung habe, müssen eine lange Lehrzeit durchmachen: müssen Prüfungen ablegen, müssen Attaches, dann Sekretäre werden und unter Vorgesetzten dienen. Dann nach einigen 20 Jahren können sie Chefs von politischen Missionen werden. Unser „Botschafter" hat diesen Erziehungsgang nicht durchgemacht. Er hatte nicht das Glück, einen Chef zu finden, der ihn hätte erziehen können. Er hat ausgezeichnete Absichten, und die natürliche den Juden eigentümliche Geschicklichkeit, die es zuwege bringt, daß selbst einsichtige Juden glauben, sie hätten ihre Laufbahn verfehlt, wenn sie nicht Diplomaten werden. Ist dies nicht so? Aber unser „Botschafter" ging am Beginn etwas zu weit. Nie, weder unter Wolffsohn noch unter der neuen Verwaltung haben wir irgend etwas von der Türkei erreicht, nicht einmal

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