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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Vtochs Wochenschrift. Sette 583 den bedrohten Sprachgebieten die Juden ihre Haut für die Deutschen zu Markte tragen, für den deutschen Wahlwerber stimmen, sogar auch agitieren und die Parteikasse stärken, ja sich zum Prügelknaben zwischen Deutschen und Tschechen hergeben, wenn sie sehen, daß der Herr deutschfortschrittliche Abgeordnete von Iglau, der Mann, von dem man das energischeste Eintreten für Freiheit erwarten mühte, wenn Dr. Groß, der Führer der Fortschrittlichen, Arm in Arm mit den Reaktionären einhergeht. Wenn Herr Dr. Gustav Groh so ein Jude an der Sprachgrenze wäre, wenn er weih, was wir ja alle wissen, dah in vielen Gegenden Böhmens und Mährens und der Bukowina hervorragend Juden die Träger und Erhalter des Deutschtums sind, würde er mit derselben Liebe für das Deutschtum kämpfen, das nur mehr klerikal, aber nicht völkisch ist? Ich glaube nicht, und so ist es kein Wunder, wenn diese Juden sich verbittert zurückziehen, bis wieder jene Ideale, die Oesterreich groh und mächtig gemacht haben, zur Geltung kommen. Wird dies dem Deutschtum nützen? Ich glaube, es wird keinen geben, der diese Frage bejahen könnte. Wenn in der Interpellation ausgeführt wird, dah die Handlungen des Deutschen Schulvereines anscheinend nicht so sehr der Sicherung des Deutschtums an den bedrohten Grenzen, sondern jener des Mandates des Herrn Abgeordneten von Iglau dienen, so ist dies ein Schluh, der sich begreiflicher Weise jedem Kenner der Verhältnisse aufdrängt. Der Antisemitismus, dieses Modestück, das in Wien seine Erislenzberechtigung trotz der letzten Erfolge der Christlich-Sozialen verloren, ist nun in der Provinz als approbates Mittel zum Wählerfang beliebter worden. Man kann damit vieles verdunkeln und verhüllen, man lenkt die Aufmerksamkeit von unangenehmen Dingen, an die man nicht sehr gerne erinnert sein möchte, ab, wenn man auf die Juden schimpft. Und ein deutschfortschrittlicher Führer sollte selbst auf die Gefahr hin, sich zu einem Teile seiner Wähler in Gegensatz zu stellen, die Grundsätze seiner Partei hochhallen und sich dem Kommando eines Karl Hermann Wolff widersetzen! Das ist wohl zu viel verlangt! Wenn Herr Dr. Groh aber wissen will, wie ein wahrer deutschfortschrittlicher Mann über die Freiheit und die Schule denkt, dann möge er gütigst jene denkwürdigen Reden Nachlesen, die im österreichischen Abgeordnetenhause zur Zeit des Liechtensteinschen Schulantrages echte und von der Bedeutung ihrer Mission erfüllte deutschfortschrittliche Abgeordnete gehalten haben. Ein Mann, der damals sprach, ist noch unter den Lebenden. In wenigen Tagen feiert er seinen 83. Geburtstag. Es ist Eduard Sueh, dessen Name in allen Ländern und Staaten nur mit Verehrung genannt wird und dessen „Hanä8 off\ das er mit lauter vernehmlicher Stimme den Klerikalen zurief, als es sich um die Schule handelte, im weilen Oesterreich das lauteste Echo fand. Als es damals die Verteidigung der Rechte der Freiheit galt, waren die Führer der deutschfortschrittlichen Partei diejenigen, die mit aller Verve sich gegen jede Dammschraube, die dem Fortschritt angelegt werden sollte, zur Wehre ' setzten. Heute buhlen die deutschfreih ertlichen Führer um die Gunst der Klerikalen, und was sie von den Grohen, die diesem Reiche die Verfassung gegeben haben, beibehalten, ist nur die Firmatafel. Und in einer Geschichte der deutschfortschrittlichen Partei Oesterreichs wird es einst Heiden müssen: Vor Verwechslung wird gewarnt. Dieser Gedanke lag auch der Interpellation im Wiener Gemeinderate zugrunde, die Doktor Groh zum Gegenstände einer Klage gemacht hat. Es sollte eine Kritik, aber keine Beleidigung sein und, wie immer auch das Urteil des Gerichtes ausfallen sollte, so bedeutet die Interpellation, die von gesinnungstreuen deutschfortschrittlichen Mitgliedern des Wiener Gemeinderates an den Bürgermeister gerichtet wurde, bereits ein Urteil über die politische Haltung des „deutschfortschrittlichen" Abgeordneten Dr. Groh, die weder dem Deutschtum. noch dem Fortschritte frommt. vom Zabrmarkt des Lebens. Schlechte Aussichten für die rumänischen Juden. (Unterredung mit dem Leiter der rumänischen Gesandtschaft in Wien.) Mit Rücksicht auf die verschiedenen Versionen betreffend die Naturalisation einer Anzahl von Juden in Rumänien, hat ein Vertreter des „Egyenlöseg" den derzeitigen Leiter der rumänischen Gesandtschaft in Wien. Carp, aufgesucht und ihn hierüber befragt. Carp gab folgende offizielle Erklärung ab: „Die rumänische Regierung hat beschlossen, einem Teil, der Juden das volle Bürgerrecht zu verleihen. Es gab auch bisher schon solche Juden, die in dieser Weise in den Besitz der Bürgerrechte gelangt sind, dah sie das Parlament „naturalisierte". Jetzt ist davon die Rede, dah wir, mit dem Zeitgeiste fortschreitend, einer gröheren Anzahl von Juden die Gleichberechtigung gewähren. Ich muh aber betonen, dah hierbei nicht der Beschluh des Berliner Kongresses mahgebend war, sondern innerpolitische Opportunität. Wir geben allen jenen Juden die Gleichberechtigung, welche in dieser kriegerischen Zeit mobilisiert wurden. Die Bedeutung dieses Schrittes darf durchaus nicht gering geschätzt werden. Es handelt sich hier um viele tausende Soldaten. Und das bedeutet glei^eitig, dah auch die Familienmitglieder all' dieser Soldaten das rumänische Bürgerrecht erlangt haben. Es kann füglich behauptet werden, dah es keine rumänische Familie gibt, in welcher es nicht einen mobilisierten oder freiwillig eingetretenen Soldaten geben würde. Diese Verfügung bedeutet demnach so viel, dah ein groher Teil der jüdischen Bevölkerung die Bürgerrechte erhallen wird. Warum nicht alle gleichberechtigt wurden, hierauf kann eine direkte Antwort nicht gegeben werden. Vergessen Sie nicht, dah in Rumänien der Antisemitismus sehr groh ist, und dah die Regierung vor dem Sturz fürchtet, wenn sie mit einem „unbegründeten" Gesetzentwurf hervortreten würde. Das Volk hat jedoch vor Helden noch irgendwie Respekt, auch wenn diese zufällig Juden sind. Die Staatsverfassung wird natürlich trachten, allmählich alle mit Bürgerrechten zu versehen, aber es wäre gefährlich, dies auf einmal durchzuführen. Ich kann Ihnen offiziell erklären, dah in den jetzt eroberten Gebieten, im früheren Bulgarien, die Juden rumänische Staatsbürger geworden sind, und dieselben Rechte geniehen, wie sie in Bulgarien genossen haben. Dies ist im Sinne der Völkerrechte geschehen, und hiezu ist eine besondere Sanktion durch das Parlament gar nicht erforderlich. Die Gleichberechtigung der übrigen vorhin erwähnten kriegsdienstleistenden Juden hingegen kann bloh nach Beobachtung gewisser gesetzlicher Formen und' Akte (Beweisverfahren) in Angriff genommen werden. Uebrigens sind diese Gesetzentwürfe dem Parlamente noch nicht unterbreitet worden, es kann aber kein Zweifel obwalten, dah uns von der Dotierung derselben nicht mehr viel Zeit trennt." In der hierauf folgenden zwanglosen Diskussion machte Carp noch die folgenden bedeutsamen Bemerkungen : „In nicht offizieller Eigenschaft kann ich Ihnen Mitteilen, dah das Volk, d. h. der Bauer und Bojare, nicht

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