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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 584 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 33 sehr entzückt sind darüber, daß Rumänien infolge des Krieges neue Staatsbürger erhält. Diese Volksschichten lassen ihr Mißfallen ganz laut hören und haben in dieser Angelegenheit vor kurzem sogar eine Demonstrations- Versammlung abgehalten. Auch die Regierung selbst hat Angst vor dem Zorne der Konservativen, und holt trotz ihres Liberalismus die Gleichberechtigungs-Gesetzentwürfe, welche sie schon vor Monaten hätte einbringen können, nur ungerne hervor. UeberdieS hat eine Schichte der rumänischen Judenschaft selbst ernste Bedenken vor der Gleichberechtigung. Man hat ihnen ernstlich gedroht, und die rumänische Judenschaft im allgemeinen fürchtet solche feierliche Anlässe, weil sie Angst vor Pogroms hat. Die Studenten schlagen überall laut Lärm gegen die Juden, und die Aufmerksamkeit ist nur jetzt für einen Augenblick wegen des Krieges von der Judenfrage abgelenkt worden. Die Ultra-Nationalen sind angeblich besonders deshalb gereizt, weil ausländische Staatsmänner, Clemenceau und auch der Jude Luzzatti, ihre Stimme für die Gleichberechtigung erhoben haben. Nach ihrer Ansicht verletzt diese Einmengung die Würde Rumäniens. Daraus erklärt es sich, daß Minister Jonescu öffentlich erklärte, daß die Frage der Gleichberechtigung der Juden unbedingt eine innerpolitische Frage ist, die kein rumänischer Staatsmann auf ein außenpolitisches Geleise zu schieben gestattet." Man sieht aus dieser Unterredung und besonders aus dem zweiten Teile der Erklärung eines so einflußreichen rumänischen Staatsmannes, daß es mit den Versprechungen in Rumänien auch diesmal nicht weit her ist. Schon werden Ausreden hecvorgeholt und dem Volke gewissermaßen zugerufen: Wenn Ihr ernstlich demonstriert, so werden wir uns fürchten, und dann wird die Gleichberechtigung selbst aller mobilisierten jüdischen Soldaten ausbleiben. Der Beilisprozetz. Der Beilisprozeß ist nun, wie uns aus Kiew gemeldet wird, „definitiv" auf den 5. Oktober festgesetzt und sind fünf Tage für die Verhandlung vorgesehen. Die Anklage läutet, wie bekannt, auf Ritualmord eventuelle Beihilfe zu einem solchen, steht aber auf so schwachen Füßen, daß ihre Vertreter selbst an eine Verurteilung nicht glauben und sie quasi nur zum Zwecke der „Liquidation" der ganzen Affäre aufrecht erhalten. Ob sie indessen die bösen Geister, die sie einmal gerufen, auch werden bannen können? Die Geschworenen und ihre Ersatzmänner sind bereits gewählt. Es sind 33 Bauern und Grundbesitzer aus der Stadt und deren Umgebung, in deren Intelligenz das blöde Blutmärchen gewiß keine Hemmung findet. Inzwischen gebärdet sich die Polizei in ihren Hetzjagden auf die Juden immer wilder. Die „Oblawas" finden wieder, entgegen dem Befehl des Generalgouverneurs, mitternächtlich statt und ergeben reiche Beute. Die Krupp-Affäre. Der Prozeß gegen die in der Krupp-Affäre beteiligten Militärpersonen, den zurzeit nicht nur die.Öffentlichkeit des In-, sondern auch des Auslandes mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, bietet an sich keinen Anlaß, daß sich die jüdische Presse mit ihm beschäftigt. Aber indirekt gewähren diese Verhandlungen vor dem Kriegsgericht, denen später solche des Zivilstrafgerichtes folgen werden, dennoch ein gewisses Interesse auch im spezifisch jüdischen Sinne. Der Einblick, den die Verhandlungen zu einem Teile in die Geschäftspraktiken von Angestellten dieser Firma gewähren und die weitere Tatsache, daß es sich hier nicht nur um eine christliche Weltfirma, sondern auch um Angeschuldigte ausschließlich nichtjüdischen Bekenntnisses handelt, gibt doch im Hinblick auf die antisemitischen Kampfesmethoden den Anlaß zu einigen kurzen Bemerkungen. Man kann die Frage aufwerfen, was würde wohl — übrigens nicht nur die antisemitische, sondern auch die agrar-bündlerische und konservative Presse für ein gewaltiges Geschrei erhoben haben, wenn es sich hier in diesem so großes Aufsehen erregenden Prozeß um eine jüdische Firma oder um jüdische Angeklagte handeln würde. Es liegt uns natürlich durchaus fern, über die moralische und strafrechtliche Seite der Angelegenheit ein Wort zu verlieren, da das Urteil hierüber selbstverständlich ausschließlich zunächst dem Gerichte zusteht, und es liegt uns ebenso selbstverständlich durchaus fern, aus den Enthüllungen dieses Prozesses irgendwelche Verallgemeinerungen vorzunehmen. Aber soviel darf doch gesagt werden: Unsere Antisemiten würden selbstverständlich nicht müde werden, wenn es sich hier um eine jüdische Firma und jüdische Angeklagte handelte, ohneweiteres die Behauptung aufzustellen, daß hier ein „echt jüdisches" Geschäftsverfahren und Geschäfts-, gebahren vorliege. Die antisemitische Presse würde von „skrupellosen" Geschäftspraktiken sprechen, die nicht davor zurückscheuen, selbst Angehörige des Offizierstandes zu korrumpieren^ ja, wir Juden würden noch mehr dergleichen schöne Dinge zu hören bekommen, wenn irgendwo und irgendwann auch einmal ein Jude sich ähnlicher Dinge schuldig machen würde. Von diesem Gesichtspunkte aus können wir nur zufrieden sein, daß in dieser Krupp- Affäre auch nicht im entferntesten die Möglichkeit gegeben ist, sie irgendwie mit dem Judentum in Beziehung zu bringen. Wohl aber können wir aus den Ergebnissen dieses Prozesses den Antisemiten gegenüber darauf Hinweisen, daß diejenige Dinge, die sie immer den Juden vorwersen, auch in rein arischen Kreisen Vorkommen, daß es sich eben dabei um Dinge handelt, die nichts mit der Konfession, aber alles mit dem Erwerbsstande zu tun haben, daß also der Satz gilt: peccatur inti aet extra muros; „es wird gesündigt diesseits und jenseits der Mauer." ' Wichtige territorialistische Beratungen über Angola. Wie uns von durchaus informierter Seite milgeteilt wird, fand dieser Tage in Berlin eine Beratung des Angola-Komitees der Jto statt, zu welcher auch andere Vertrauensmänner herangezogen waren. Gegenstand der Beratung war das von der portugiesischen Regierung der Jto unterbreitete Projekt wegen Schaffung jüdischer Kolonien in Angola. Der Bericht der von der Jto ausgesandten Angola-Erpedition wurde eingehend diskutiert, sowie diejenigen Mittel und Wege besprochen, welche notwendig sind, um dieses Projekt zu verwirklichen. Hiezu sei noch bemerkt, daß das eifrige Mitglied der Züricher Jto-Organisation Schriftsteller Josef Kruk mit dem Leiter der Expedition, Professor Gregory, anläßlich dessen jüngsten Schweizer Reise eine» Unterredung hatte, die darin gipfelte, daß Professor Gregory mit aller Entschiedenheit für die Durchführung des Angola-Projektes eintrat. Die Konferenz gelangte zum Ergebnis, daß dieses Projekt annehmbar wäre, falls die portugiesische Regierung darauf eingehen würde, an dem derzeit dem Parlamente noch vorliegenden Gesetzesentwurf einige Abänderungen vorzünehmen. Um über die Möglichkeit der Durchführung dieser Aenderungen ins klare zu kommen, beschloß die Konferenz, eine dreigliedrige Delegation für eine gewisse Zeit nach Lissabon abzuordern. Die Konferenz betrachtet es auch als notwendig, behufs Untersuchung des Angola- Projektes auf die Einberufung eines alljüdischen Kongresses hinzuarbeiten.

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