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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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8eik 576 De. Blochs Wochenschrift Ne. 32 Jeschiwa, nach Frankfurt zu übertragen. Ganz klein begann er um 1890, einige Preßburger Jünger folgten seinem lockend rufenden Worte, Frankfurt und Deutschland gab auch Söhne her und bald ergab sich hier eine Rabbinerschule, ohne strengere Organisation und Lehrordnung zwar. — auch nicht direkt zum geistlichen Broterwerb erziehend, — aber doch so intensiv und zielbewußt geleitet, daß eine Anzahl ihrer Schüler heute schon in die glänzendsten Rabbinerposten des In- und Auslandes vorgerückt ist. Freilich muhte die neue Jeschiwa unter den ganz verschieden gearteten Verhältnissen auch einen wesentlich anderen Charakter annehmen. Die Frankfurter Schule war von Anfang an als „Selekta" geplant, als Belohnung quasi weniger Auserlesener, die gewogen und nicht gezählt werden sollten. Preßburg hat stets auf den Massenunterricht Gewicht gelegt, hat nebst der Verbreitung jüdischer Gelehrsamkeit auch große Mengen des galizianischen Ostens der Kultur zugeführt, sie „ausgemenscht", wie der technische Ausdruck lautet. Während Preßburg nach den Ausweisen der letzten Jahre durchschnittlich zwei- bis dreihundert „Bachurim" im Jahre beherbergte, hat Frankfurt kaum 2—3 Dutzenden Unterricht und Unterkunft geboten. Aber eben diese Unterkunft war hier in der Stadt der jüdischen Rothschilde und Welthäuser so ganz grundverschieden von derjenigen, die die ungarische Provinzstadt ihren Talmudisten bieten konnte. Dr. Breuer und sein Stab hatten es verstanden, für die Schule ein solches Kapital zu mobilisieren, daß die Religionsgesellschaft selbst, die die lange Liste ihrer Stiftungen in einem eigenen Büchlein veröffentlichen kann, davon kaum in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Preßburger Jeschiwa hat bis heute keinen nennenswerten Stiftungsfonds, die Erhaltung der meist armen Zöglinge, bleibt vornehmlich den einzelnen Gemeindemitgliedern, resp. den Vereinen anheimgestellt. Und hierin zeigt sich eben der charakteristische Zug der Preßburger Judengasse! Hier lebte die Armut sozusagen vom Elend: Der bedürfnislose, hungernde Jünger war froh mit den „.Tagen", die er beim ebenso armen Gewürzkrämer und Antiquitätensucher bekam, und letzterer konnte seine ungebretterten Zimmer und fensterlosen Gelasse an ein paar Lernende vermieten, die ihm sogar für die Benützung irgend einer allererbten talmudischen Bibliothek ihren monatlichen Zinsenobolus entrichteten. Das Leben hinter diesen vom Alter geschwärzten Mauern war ja so patriarchalisch noch, das Vachurimwesen, wie es so oft und niemals erschöpfend geschildert worden! Wie in einem versteinerten Riesenbienenkorbe, so schwirrte und summte es in den ungezählten Zellen des gigantischen Nester-, Zsigray-, Sonnenfeldhauses und der melodiöse Singsang des Talmudstudiums hörte bis in die späteste Nacht nicht auf. Welcher Schatz von spitzfindiger Haarspalterei und geistreicher Synthese, von Weisheit und Albernheit, welcher Reichtum an Lebensenergie und moralischer Größe ward hier aufgestapelt und verschwendet! Wahrlich ein Stolz der Stadt! Dagegen die materiellen Lebensbedingungen! Ein Blick in die letzten Jahresberichte der Vereine von 1910/11 zeigt uns ein ganz trauriges Bild. Da gab es eine sogenannte „große Chewra", die ihr Jahreseinkommen, 10.025 Kronen, von 796 Mitgliedern und Spendern sozusagen kronenweise sich erbetteln mußte, und die Hälfte stammte auch so aus den großen Zentren des Auslandes. Die „kleine Chewra" hatte 46 ordentliche Mitglieder und ein Budget von zirka 4000 Kronen; der „Brotverein" verteilte 1219 Kronen an Unterstützungen, die „Bekleidungskasse" zeigt ebenfalls eine Bilanz von 1217 Kronen. Bloß die neuestens, 1911, gegründete „Mensa" mit ihren 47 gründenden und 340 ordentlichen Mitgliedern konnte einen Umsatz von 20.000 Kronen aufweisen, indenr sie während der vier Monate ihres Bestandes in ihrer Volksküche 22.125 Portionen Suppe, entsprechende Menge von Gemüse, aber nur 13.350 Fleischportionen, zum Teile gratis, verteilen konnte. Und inmitten dieser Hungerkost blühen ungarische, deutsche, homiletische Selbstbildungsvereine und Lehrkurse: ein Verein „Agudas Reim" kann von jährlichen 320 Vorträgen referieren, aber eben derselbe klagt auch darüber, daß er während 2 Jahren bloß 83.02 Kronen auf Anwerbung von Büchern verwenden konnte. Wahrlich eine Schande des ungarischen Judentums! In dieses materielle und soziale Elend wird der geöffnete Sack der Mildtätigkeit, der sich durch die Katastrophe hervorgerusen, über das Preßburger Ghetto und seine Rabbinerschule ergießt, voraussichtlich viel Linderung und Besserung bringen. Aber auch in geistiger, ich will sagen pädagogischer Beziehung steht die Schule eben jetzt vor einer möglich folgenschweren Entwicklungsphase. Was Frankfurt trotz seiner angebotenen, schweren Millionen bisher nur als Versprechen erhalten konnte, die Universität, soll Preßburg in nächster Zukunft als Geschenk in den Schoß fallen. Und wozu sich die ungarische Orthodoxie infolge ihrer Gespaltenheit und der Kulturfeindlichkeit eines Teiles derselben nicht entschließen konnte, -- den zukünftigen Rabbinern auch allgemeine Bildung zu vermitteln, — das wird durch diesen Akt der Regierung wohl indirekt beschleunigt werden. Der Jeschiwaschüler, der bisher die vorgeschriebenen vier Klassen der Mittelschule spielend sich aneignete, wird auch vor den oberen Klassen nicht zurückschrecken, die er — solange die Md. Mittelschule in Preßburg ein i»ium (lesideiium bleibt, - privat erlernen wird. In seinen Mußestunden, d. h. ohne der Emsigkeit des Thorastudiums Abbruch zu leisten, wird der Begabtere sodann auch den Vorträgen der Universität folgen können, die ihn nicht nur zum vielseitigeren, sondern auch zum wertvolleren und vom Staate besser dotierten Seelsorger seiner Gemeinde erziehen werden. Wird die neuaufzubauende Jeschiwa die Gelegenheit wahrnehmen, um auch innerlich sich zu verjüngen, wird sie danach streben, daß an der Preßburger Universität ein Lehrstuhl der hebräischen Spracheund Literatur, eventuell auch für den Talmud, errichtet wird, so dürste dieser in der Hand eines tüchtigen, konservativ gesinnten Mannes zum Segen für die Orthodoxie, für das ganze ungarische Judentum werden, das den Typus des „Kulturorthodoxen" in deutschem, Frankfurter Sinne noch nicht kennt. In diesem Falle wird der Preßburger Ghettobrand, wie so viele seiner Vorgänger, ein segensreicher Anstoß zu neuerer Entwicklung sein; Preßburg wird — wie das jüdische Witzwort lautet — „an dem Brande profitieren", und „Neues Leben blühet aus den Ruinen!" Szekesfehervär (Stuhlweißenburg). Literatur. Tan rubööi nsbo 21N Der Rabbi von Ladi und die Vereinigung Gbabad. In der „Großen Bibliothek“, Verlag Tuschiah, "Warschau, erschien unter obigem Titel ein hochinteressantes "Werk von M. T e i t e 1 b a u m. Das Buch, in schönem Hebräisch geschrieben, zerfällt in zwei Teile, deren erster eine Lebensbeschreibung des liabbi Sclmeor Sahnan von Ladi, kurz der Lädier oder der Raw genannt, enthält, während im zweiten Teile das „System“ desselben dargelegt wird. Der Chassidismus teilt das Schicksal des Talmud: Die wenigsten kennen ihn, und doch kritisiert ihn jeder, maßt sich jeder das Recht an, über ihn zu urteilen, respektive ihn zu verurteilen. — Erst seit wenigen Jahren haben sich auch Freidenker zu einem vorurteilslosen, gründlicherem Studium des Chassidismus aufgerafft und sind demselben

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