Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 570 Dr Blvchs Wochenschrift. Nr. 32 der bekannte Straßburger Orientalist Eutin g in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1885 eine gleichlautende Grabschrift (im Besitze des Sammlers Baron von Ustinov in Jaffa) beschrieben hat und daß er die Identität des hier genannten Rabbi Tarfon mit dem berühmten Talmudlehrer für wahrscheinlich hält, in dem viele den Partner des Märtyrers Justin, Tryphon, erkennen wollen. Eine sehr beachtenswerte Stütze für die Annahme Eutings findet sich in dem von ihm übersehenen „Jucliasin“, der einen Judan, Sohn Rabbi Tarfons, als Amoräer im palästinensischen Talmud anführt. Der Fund schien mir wichtig genug, daß ich ihn sogleich für unser Wiener Jüdisches Museum erwarb. Wie die Inschrift in jenes Haus gekommen ist darüber war bisher keine Aufklärung zu erlangen. Vielleicht weiß sie einer der Leser dieses Blattes zu erteilen. Typisch ist dieser Fund jedenfalls für den Erfolg einer gewissen Aufmerksamkeit für jüdische Dinge, auch wo man sie am wenigsten vermuten sollte. In allen ähnlichen Fällen, auch bei Auffindung anscheinend unbedeutender Milcher Urkunden, empfiehlt es sich, sogleich unser Jüdisches Museum zu verständigen. Dr. Gr unwald. Korrespondenzen. Rabbiner Dr. I. Ziegler in Karlsbad. Am 16. August 1913 wird die israelitische Kultusgemeinde Karlsbad das 25jährige Jubiläum des Herrn Dr. Ziegler als Karlsbader Rabbiner festlich begehen. Ignaz Ziegler ist in Also-Kubin am 29. September 1861 geboren. Am 22. Juni 1888 wurde er am Budapester Seminar zum Rabbiner promoviert, seit dem 15. August 1888 wirkt er als Rabbiner in Karlsbad. Von seinen Schriften erwähnen wir: 1889 die Uebersetzung der Haphtoroth, — 1894 „Religiöse Disputationen im Mittelalter", — 1900 „Geschichte des Judentums". — 1903 „Die Königsgleichnisse des Midrasch, oeleuchtet durch die römische Kaisergeschichte", — 1901 „Der Kampf zwischen Judentum und Christentum in den ersten drei christlichen Jahrhunderten", — 1912 „Die Geistesreligion und das jüdische Religionsgesetz", — 1913 (im August) „Dokumente zur Geschichte der Juden in Karlsbad". Das Kaiser Franz Josef-Regierungs-Jubiläums- Hospiz für arme Israeliten in Karlsbad verdankt ihm fein Entstehen,' ebenso das israelitische Ferienheim, das /in eigenes Heim in Schlaggenwald besitzt. Von Sr. Majestät dem Kaiser ist er mit dem Ritter-Kreuz des Franz Josefsordens ausgezeichnet worden. Dr. Ignaz Ziegler ist nicht bloß einer der hervorragendsten jüdischen Theologen und einer der glänzendsten Prediger Oesterreichs, er ist auch auf humanitärem Gebiete ein Mann von starker Initiative und unermüdlicher Tatkraft, genießt eine große Popularität und seine zahlreichen Freunde werden gewiß die Gelegenheit benützen, ihm an dem Jubiläumstag ihre begeisterte Verehrung zu bekunden. Dr. Ziegler, der als Theologe eine bestimmte, streng umgrenzte religiöse Richtung vertritt, die er mit starker Energie und mit der ganzen Schärfe seiner Beredsamkeit verteidigt, hat darum naturgemäß viele Widersacher, die seine Richtung nicht billigen, allein die Vorzüge seiner liebenswürdigen Persönlichkeit werden auch die Gegner willig anerkennen und an seinem Ehrentage ihre Wünsche mit denen seiner zahlreichen treuen Verehrer vereinigen, daß ihm von der Vorsehung ein langes, ungetrübtes und erfolgreiches Wirken im Dienste der jüdischen Gesamtheit beschieden sein möge. Lehrerheim. Ungarn, du hast es besser! So ist man versucht, auszurufen, wenn man an die Segnungen eines neuen, in Ungarn gegründeten jüdischen Instituts denkt. Hier, wo sich die israelitische Landeslehrerpräparandie der stetigen Fürsorge der Regierung zu erfreuen hat, so sehr, daß ihr erst jüngst ein Internat angegliedert wurde, hier, wo ein mächtiger israelitischer Landeslehrerverein besteht, hier wurde auch ein israelitisches Lehrerheim begründet, wie es seinesgleichen selbst die viel zahlreicheren christlichen Lehrer Ungarns nicht besitzen. Es handelt sich um das Erbolungsheim in Keszthely, einer lieblichen Stadt am Plattensee, einem Orte, der nun alljährlich etwa einhundert jüdische Lehrer und Lehrerinnen in seinen Mauern vereinigt, die nach der anstrengenden Arbeit ihres Berufes hier um geringe Entlohnung und zum Teile ganz frei die wohlverdienten Ferien genießen können. Das Erholungsheim, in der Nähe des schönen Kurparkes gelegen, besteht aus einem stattlichen Gebäude, das schon äußerlich die Tatkraft der ungarischen jüdischen Lehrer und die Opferwilligkeit der lehrerfreundlichen ungarischen Gesellschaft dokumentiert. Während der zwei Ferienmonate herrscht hier ein schönes, geselliges Leben, das so manchem Kasino den Vorrang streitig machen kann; es ist ein Leben, das von echter Bildung und auftichtiger jüdischer Gesinnung getragen wird. Schon denkt man daran, das segensreiche Institut so auszubilden, daß auch während der zehnmonatlichen Schulzeit für Lehrerkinder, die die Mittelschule besuchen, hier ein Heim geschaffen werde, und es wurde auch schon der fernere Gedanke laut, den hier versammelten Lehrern durch bewährte Männer der Wissenschaft einen Ferialkurs abhalten zu lassen, der sie in den Stand setzen würde, ihr Wissen zu vertiefen und weiter auszubilden. Das Erholungsheim ist eine Schöpfung des ungarländischen jüdischen Lehrervereins, der für die Kosten aufkommt, doch hat auch die ungarische jüdische Landeskanzlei, wie überhaupt auch die weitere ungarische Gesellschaft, sich mit namhaften Spenden zugunsten des Lehrerheims eingestellt. Die Idee der neuen Schöpfung, die sich nun so segensreich erweist, ist von dem Vizepräsidenten jenes Vereines, Herrn Lehrer Philipp Csukassi, ausgegangen, der, ungeachtet aller Schwierigkeiten, mit Umsicht und Energie die Verwirklichung herbeiführte und auch jetzt noch unermüdlich an dem weiteren Ausbau des Instituts arbeitet. Vor einigen Tagen ging im Hauptsaale des Gebäudes die feierliche Enthüllung seines Bildes vor sich, eine Feier, an der auch die Spitzen der christlichen Gesellschaft der Stadt teilnahmen und der am Abend im Speisesaale des Instituts ein animiertes Bankett gefolgt war. In der lokalen Aufsichtskommission sind hervorragend tätig der Rabbiner von Keszthely, Dr. Aler. Büchler, und L. Unrai, Direktor der Kommunalschule in Keszthely. Unter der umsichtigen Leitung der drei genannten Männer sieht das Erholungsheim einer schönen Zukunft entgegen, und ist es nur zu wünschen, daß, daran ermutigt, auch noch andere Wohlfahrtseinrichtungen für die jüdische Lehrerschaft getroffen werden. S. Kr. Generalversammlung des Pester israelitischen FraueWereines. Die siebenundvierzigste ordentliche Generalversammlung des Pester israelitischen Frauenvereines fand dieser Tage unter dem Vorsitze der Vizepräsidentin Frau Hofrat Friedrich v. Reumann statt. In pietätvoller Weise wurde des im abgelaufenen Jahre erfolgten Ablebens der verdienstvoll wirkenden Ausschußmitglieder Frau Berthold v. Buday-Goldberger und Frau Josef Klein, des Rechnungsrevisors Wilhelm Leipziger, des Anwalts des Vereines Dr. Bela Dalnoky, des Ehrenmitgliedes