Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-l'“ -tun - IJIIJ »!■!■ Ml U Wll IIIIBH Nr. 32 Dr. Mochs Wochenschrift. Seite 569 Orientalisten angehörten, hat der Regierung vorgeschlagen, ein etatsmäßiges Ordinariat für die jüdische und hebräische Literatur in größerem Umfange zu errichten und auf diesen Lehrstuhl den Berliner Orientalisten Dr. A. S. E. N a h u d a zu berufen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dieser Plan der Initiative der spanischen Regierung bezw. der Madrider Universität entsprungen ist." Die „Frkf. Ztg." fügt hinzu: „Außer der Universität Cambridge in England dürfte vorläufig die Madrider Universität die einzige sein, die ein Ordinariat für jüdische Literatur in Aussicht genommen hat. Seit einigen Iahren ist auch auf der Leipziger Universität das Fach der rabbinischen Literatur in Form eines Lektorats vertreten." Ein jüdischer Held. Wir entnehmen der in Belgrad erscheinenden Tageszeitung „Tribuna" nachstehenden Bericht der im gegenwärtigen Kriege verrichteten Waffentaten des dortselbft wohnhaften angesehenen Advokaten Friedrich S. Pops: „Vom Kriegsschauplatz, zurückgebrachte Verwundete berichten über die Wunder an Heldenmut, welche von dem bekannten jüdischen Advokaten Herrn Friedrich S. Pops, Schwiegersohn des Wiener Kaufmannes weil. Mar Fleischer, im Kriege gegen die Bulgaren verrichtet wurden. In allen Gefechten stürmte er als Reserveoffizier unerschrocken an der Spitze seiner Kompagnie gegen den Feind und dessen Befestigungen und führte so die ihm anvertrauten Soldaten von Erfolg zu Erfolg. Dieser Todesmut veranlaßte wohl das hier vor einigen Tagen aufgetauchte Gerücht, daß Hauptmann Pops im Kampfe gefallen sei, was sich jedoch glücklicherweise nicht bewahrheitet." Zu bemerken ist noch hiezu, daß Advokat Pops Präses der serb.-esk. Kultusgemeinde in Belgrad ist. Was die Juden für die Griechen in Seres geleistet haben. Das offizielle Preßbureau in Saloniki veröffentlichte dieser Tage das folgende offizielle Kommunique: „Die provisorische Regierung von Seres und Umgebung ersucht Sie im Wege der Presse, den wärmsten Dank der gesamten griechischen Bevölkerung an die jüdischen Kompatrioten für die brüderlichen Gefühle, welche diese unter den schwierigsten Verhältnissen, die wir soeben durchgemacht haben, an den Tag gelegt halten, auszudrücken. Gezeichnet der Erzbischof von Seres. Apostolos Guinis, Zafiris Nicolau, Wasfil, Hadschi, Stoioannou." Dieses Dokument mögen die Juden von Seres in Saloniki gut aufbewahren. Denn es ist für Dienstleistungen gegeben worden, für welche man zur größten Dankbarkeit verpflichtet ist. Das offizielle Organ gibt denn auch zu diesem Dokument folgende Erläuterung: Dank den Juden ist eine große Anzahl griechischer Notabilitäten, gegen welche sich bekanntlich die Wut der Bulgaren besonders gerichtet hatte, dem sicheren Tode entronnen. Mit wahrer Todesverachtung haben die Juden die Griechen in ihren Häusern verborgen gehalten und sich selbst in Lebensgefahr gestürzt, als die Bulgaren die Iudenhäuser abschritten und sie untersuchten, ob sie keine Griechen fänden. Die Juden haben sogar unterirdische Gänge hergestellt, durch welche die verborgenen Griechen bei großer Gefahr auf ein gegebenes Signal entweichen konnten. Das Regierungsorgan zählt sogar eine große Liste von Griechen auf. welche auf diese Weise gerettet wurden. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Griechen sich mit diesem Dokument begnügen oder es als ihre Pflicht ansehen werden, den Juden in den von ihnen okkupierten türkischen Gebieten ein friedliches Leben zu sichern. Vorläufig sind die 1300 Juden von Seres um ihre ganze Habe gekommen und sind dem größten Elend preisgegeben. Wie in allen Fällen, müssen auch diesfalls inländische und ausländische Juden mit ihrer Hilfe herhallen. Ein gemaßregeltec antisemitischer Kommandant. Vor einiger Zeit wurde, wie aus Newport belichtet wird, der jüdische Unteroffizier Samuel Littmann nicht zur Offiziersprüfung zugelassen, weil er Jude ist. Littmann quittierte, aber hervorragende jüdische Persönlichkeiten haben die Anzeige erstattet, worauf Gouverneur Sulzer eine Untersuchung gegen den Kommandanten Vartmann, über dessen Befehl Littmann abgewiesen wurde, anordnete. Die Untersuchung ergab, daß die Abweisung tatsächlich bloß aus judenfeindlichen Motiven erfolgt ist. Gouverneur Sulzer ordnete die Veröffentlichung des Untersuchungsprotokolles an, verfügte eine entsprechende Maßregelung des Kommandanten Bartmann und die Wiederzulassung Littmanns zur Offiziersprüfung. Gouverneur Sulzer schließt diese Verfügung mit folgenden Worten: „Als ich Gouverneur wurde, erklärte ich, daß es in der Nationalgarde keine Unterscheidung nach Rasse. Konfession oder ähnlichen Bedingungen geben dürfe. Ich habe dies Versprechen ernst gemeint. Mögen alle, die es angeht, dies zur Kenntnis nehmen und sich danach beherrschen." Die Preisträger der amerikanischen Akademie in Rom. Die von der amerikanischen Regierung erhaltene amerikanische Akademie in Rom gewährt jährlich drei bedeutende Stipendien an amerikanische Künstler. In diesem Jahre wurden zwei dieser Stipendien an den jüdischen Bildhauer Leo Friedländer und den Maler G. Dawidson verliehen. Mit diesem Stipendium ist der dreijährige freie Aufenthalt sowie die Honorare für Weiterbildung in Rom verbunden. Die beiden jüdischen Preisträger sind in Newyork geboren, stammen aber von eingewanderten Eltern. Das Missionsunwesen in Palästina. Herr A. M. Kaiser aus Jaffa weist in einer Zuschrift an den „Iewish Chronicle" auf die unglaublichen Zustände in bezug auf das Missionswesen in Palästina hin. Diese Zuschrift, die einem förmlichen Notschrei gleichkommt,' beruft sich auf Tatsachen, die eine wahre Schande für das Judentum bilden müssen, wenn ihnen nicht ehebaldigst durch eine energische Abwehr gesteuert wird. Unter anderem erzählt Herr Kaiser, daß kürzlich bei dem Leichenbegängnisse einer Nonne in Jerusalem eine große Anzahl jüdischer Kinder mit Kreuzen und christlichen Emblemen in den Händen, hinter dem Sarge einhergingen. Das geschieht in Jerusalem, für dessen Juden in der ganzen Welt so viel jüdisches Geld geopfert wird. Die Missionsgefahr erstreckt sich auf ganz Palästina und es wäre schon hoch an der Zeit, daß die Organisationen, welche für palästinensische Zwecke so große Summen bewilligen, auch in dieker Richtung etwas Positives unternehmen. Wie kommt Rabbi Tarfons Sohn nach Brunn- Enzersdorf? Vor einiger Zeit besuchte ich in Bcunn-Enzersdorf einen Bekannten, der dort den Sommer über zur Miete wohnt. Man stelle sich nun meine Ueberraschung vor. als ich über der Treppe dieses im übrigen ganz indifferenten Mielhauses für Sommerparteien eine althebräische Inschrift entdeckte. Deutlich las ich hier auf einer Platte in Holzrahmen die Worte: ,.Hada keburta derabbi Judan bereit derabbi T a r f o n berabbi nuach nefescb sikrono schalom“. Nun erinnerte ich mich, daß