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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 568 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 32 sie« Richter und die Bischöfe, sowie die berühmtesten protestantischen Prediger von Newyork, aber auch Arbeiterführer und Milliardäre in bunter Reihe. Wie billig, eröffnet die Biographie und das Porträt des neuen Präsidenten das Anfangsheft, dem ein berühmter Senator, ein berühmter Kanzelredner, alle drei geborene Amerikaner, dann ein berühmter spanisch-amerikanischer Dichter folgen. Umso freudiger überrascht war ich, in dem fünften Ausgezeichneten einen lieben Jugendbekannten zu sehen, und ich gestehe, daß ich dreifach darüber stolz war: als Wienerin, als Jüdin und als Tochter eines Gründers der Wiener Poliklinik, dieses so hart angefochtenen Institutes. Der gefeierte Dr. Robert Kunitzer. der in Wien Gymnasium und Hochschule absolviert hatte, mutzte als Jude ohne Konnexionen seine Spitalspraxis natürlich an diesem „Salon der Zurückgewiesenen", der Wiener Poliklinik, die nachgerade so viele der hervorragendsten Lehrstühle im In- und Auslande mit ihren Jüngern besetzt, abdienen. Voll Energie und Tatkraft und mit Glücksgütern nicht allzu reich gesegnet, gehörte er vor 20 Jahren zu jenen hunderten Jüngern Aeskulaps, die jährlich den Boden der Republik betreten, von denen aber die wenigsten mehr — ich erinnere an wissenschaftlich hervorragende junge Wiener Gelehrte — angesichts der Tüchtigkeit der einheimischen Schulen ihr Glück finden. Das imponierende Aeutzere, die große Tüchtigkeit. der klinische Scharfblick und die aufopferungsvolle Hingabe an seine Patienten, ob reich oder arm, sowie einige aufsehenerregende Kuren verschafften Kunitzer unerwartet schnell den Zugang zu den abgeschlossenen Kreisen der Dollarkönige und der junge Wiener erbrachte bald als gesuchter Konsiliarius dieser keineswegs stets judenfreundlichen Kreise wieder einmal den Beweis, daß der Antisemitismus seit Jahrtausenden vor dem hervorragenden Arzt halt macht. Anstatt sich der erworbenen behaglichen Existenz zu erfreuen, faßte Kunitzer den Plan, seine erfolgreiche Klientel zum Besten der Armen zu benützen, und in Newyork ein ähnliches Institut wie die Wiener Poliklinik, natürlich in größerem Maßstab und mit den modernsten Errungenschaften ausgestattet, zu gründen. So entstand in einem der ärmsten Viertel Newyorks Sydenham-Hospital, für das ein dankbarer Patient Kunitzers, der bekannte Philanthrop I s a a c G u g g e n h e i m, die ersten hunderttausend Dollars Gründungsbeitrag erlegte. Jüdische und christliche Wohltäter von Gould bis zu den bescheidensten Spendern ermöglichten es, daß Sydenham-Hospital sich heute, zehn Jahre nach seiner Gründung, solcher Beliebtheit erfreut, um die Ausnahme der Porträts seiner Gründer Guggenheim und Kunitzer in diese amerikanische Walhalla gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Die Biographie erwähnt mit Recht, daß wenn dieser unbekannte junge Arzt nicht nach Amerika gekommen wäre, tausende und tausende Eingeborener nicht dieser ausgezeichneten Pflege teilhaft geworden wären. Bei einer Ambulanz von 50.000 Patienten jährlich unterhält das aus neun Pavillons bestehende Spital die beliebteste Armenapotheke und eine staatlich ausgezeichnete und mit Numero 1 prämierte Pflegerinnenschule. Eine Klinik von 60 Belten steht der Ambulanz zur Seite und ein ganzer Stab von Abteilungsvorständen arbeitet unter Kunitzers Leitung, während ein Damenkomitee mit Frau Guggenheim an der Spitze den Aerzten durch ihren Samariterdienst die Geldbeschaffung erleichtert, und auch die wissenschaftliche Arbeit in'den trefflichen Laboratorien eine wertvolle Bereicherung der Universitätsarbeiten vorstellt. 'Wir wünschen, daß Dr. Kunitzer, dessen Eltern im höchsten Ereisenalter in Wien leben, und dessen Heim von einer reizenden amerikanischen Gattin und einen Heranwachsenden Sohn beglückt wird, und der die Höhe des Lebens noch nicht erreicht hat, dem die aufreibende amerikanische Berufsarbeit, wie wir uns vor zwei Wochen bei einem flüchtigen Besuch, den er seiner Heimatstadt abgestattet hat, überzeugen konnten, Humor und Schaffensfreude nicht stören, zum Wohle seiner neuen Heimat noch Jahrzehnte an seiner Anstalt wirken möge, und daß diese Zeilen ihn als Gruß bei seiner Heimkehr an seine liebe Wirkungsstätte in segensreichster Arbeit antreffen mögen. Clotilde Benedikt. Der Friedensvertrag von Bukarest. Der Friedensvertrag unter den „christlichen" Balkanstaaten ist geschlossen. Vorher hat sich indes eine Episode abgespielt, die historisch festgehalten werden soll. In der Sitzung der Friedenskonferenz vom 5. August 1913 verlas Ministerpräsident Major e s c u eine Verbalnote der Negierung der- Vereinigten Staaten von Amerika, in welcher der Wunsch ausgedrückt wird, man möge in den Bukarester Vertrag eine Bestimmung aufnehmen über die volle Freiheit der bürgerlichen und religiösen Rechte der Teile der Bevölkerung, die nun von einem Lande getrennt und einem anderen einverleibt werden. Der Präsident bemerkte, das sei schon Staatsrecht in jedem der beteiligten Länder. Die Chefs aller Missionen stimmten dem zu, „daß es überflüssig sei, eine besondere Klausel darüber im zukünftigen Vertrage in Erwägung zu ziehen". Diese erbärmliche Heuchelei braucht gewiß keiner weiteren Charakterisierung. Die Herren Diplomaten in Bukarest wußten ganz genau, daß der Antrag der amerikanischen Regierung den Schutz der Juden beabsichtigt, welche Rumänien entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen des Berliner Vertrages, für rechtlos und vogelfrei erklärt. An diese Tatsache hat die amerikanische Regierung erinnert, und die Bukarester Staatsmänner taten, als ob sie es nicht verstünden. Aufrichtigen Dank und Anerkennung eines jeden Freiheitsfreundes verdient die Energie der amerikanisch-en Regierung. Die Staatsmänner in Washington wußten ganz genau, welche Antwort sie in Bukarest erhalten werden: sie scheuten nicht, sich ein Refus zu holen, es lag ihnen vor allem daran, für Recht und Gerechtigkeit offen und freimütig Zeugnis abzulegen, sie haben dadurch den europäischen Staatsmännern, auch der sogenannten fortschrittlichsten Völker, eine scharfe Lektion erteilt. Ein jüdischer Erfinder. Ein Kind der Ostmark ist der Erfinder der jetzt viel erwähnten sprechenden Uhr in Berlin. Er ist ein geborener Filehner namens Max Marcus und der jüngste Sohn der hier lebenden Witwe Frau M. Marcus, geborene Philipp. Die Erfindung und Verwertung schenkt Mutter und Sohn einen sorgenfreien Lebensabend. Cm Wunderlnabe. Auf einen fünfjährigen Wunderknaben machen die bekannten Professoren Bechterew und Schakow in der Presse aufmerksam. Der Junge, Mischa Atlas mit Namen, ist in Astronomie, Zoologie, Chemie und Literatur verblüffend bewandert. Ein Lehrstuhl für rabbinische Literatur an der Universität Madrid! Der „Frkf. Ztg." wird aus Madrid geschrieben: „Die spanische Regierung hat kürzlich den Plan gefaßt, an der hiesigen Universität einen Lehrstuhl für rabbinische Literatur zu errichten. Die von dem Ministerium eingesetzte Kommission, der die namhaftesten

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